Aktienkonzerne 1920

Konzern Bankhaus Gebr. Arnhold

Der Arnhold-Konzern begründete sich auf die Gründungs-, Fusions-, Sanierungs- und sonstige Finanzierungstätigkeit des Bankhauses Gebr. Arnhold (Dresden-Berlin) im Sektor Porzellanindustrie; die Inhaber des Bankhauses waren – meist als Vorsitzende – im Aufsichtsrat der betreffenden Unternehmen vertreten. Als Finanzierungsinstitut wurde in den zwanziger Jahren die Bank für keramische Industrie mit einem Aktienkapital von 3 Mill. RM gegründet. Zum Interessenkreis des Bankhauses Gebr. Arnhold gehörten neben anderen die Gruppe C.M. Hutschenreuther (Geschirrporzellan), die Gruppe Älteste Volkstedter Porzellanfabrik (Zier- und Elektroporzellan, Ziersteingut), die Gruppe Deutsche Ton- und Steinzeugwerke (Keramische Materialien f.d. Technik). Die Gruppe C.M. Hutschenreuther steigerte ihren Umsatz im Zeitraum 1913 bis 1928 von 5,2 Mill. M auf 11,3 Mill. RM um mehr als das Doppelte, die Arbeiterzahl stieg um 28% von 2.495 auf 3.204. Da dieser Konzern in der Hauptsache Geschirrporzellan herstellte,60 sei hier nur erwähnt, daß auch C.M. Hutschenreuther neben eigenen Werken in Hohenberg und Arzberg sowie Mehrheitsbeteiligungen an anderen Porzellanfabriken eigene Rohstoffquellen, Maschinen- und Ofenbaufirmen, eine Porzellanmalerei und zwei Vertriebsgesellschaften besaß oder zumindest daran beteiligt war, mithin auch in vertikaler Richtung konzernstrukturiert war.
 
Die Gruppe Älteste Volkstedter Porzellanfabrik, die aus dem i.J. 1762 gegründeten Stammwerk hervorging, umfaßte i.J. 1928 neun Betriebe mit rd. 1.200 Arbeitern. Sie produzierte in diesem Jahr Porzellan im Wert von 5,1 Mill. RM, wovon 25% Elektroporzellan mit einem Wert von 1,3 Mill. RM war. Die zur dieser Gruppe gehörenden Betriebe stellten etwa 5,6% des deutschen Niederspannungsporzellans und verfügten über 38 Öfen mit einem Brennraum von 1.826 m3. Folgende Werke produzierten Niederspannungsporzellan: Porzellanfabrik Bergmann in Neuhaus (3 Rundöfen); Heinz & Co. in Neuhaus (6 Öfen, 220 Arbeiter, Niederspannungssteingut); Gebr. Kühnlenz A.-G. in Kronach (4 Öfen, 250 Arbeiter, 33,3% ige Beteiligung). Außerdem gehörten diesem Konzern noch folgende Werke an:
  • Porzellanfabrik Mann & Porzelius in Unterweißbach
  • Porzellanfabrik Dressel, Kister & Co. in Passau,
  • PF Eckert in Volkstedt Max Roesler,
  • Feinsteingut A.-G. mit Betrieben in Rodach und Darmstadt

Entwicklung des Arnold Konzerns (Quelle Lange, P 1984)

  • 1887 Das Dresdner Bankhaus Gebr. Arnold wandelt die Münsterberger Tonröhrenfabrik C.A. Brandt in eine Aktiengesellschaft um und begründet damit die Entstehung der Deutschen Ton- und Steinzeugwerke A.-G
  • 1904 Umwandlung der Porzellanfabirk C.M. Hutschenreuther, Hohenberg/Eger in eine Aktiengesellschaft
    • 1909 Angliederung der Altrohlauer Porzellanfabriken A.-G, Karlsbad, die aus der Porzellanfabrik M. Zelekauer entstanden war. Sie bildete seit 1913 eine eigenständige, aber abhängige GmbH, seit 1918 eine eigenständige Firma
    • 1918 Kauf der Porzellanmalerei Klemm, Donath & Co. Dresden (gegr. 1869) und der Porzellanmalerei Richard Wehsener, Dresden (gegr. 1895) sowie Umwandlung zur Kunstabteilung Dresden der C.M. Hutschenreuther A.-G, Hohenberg/Eger
    • 1918 Fusion mit der Porzellanfabrik Auvera, Arzberg, seit 1838 bestand
    • 1918 Erwerb der Steinfels A.-G, die Pegmatitgruben und Kunststeinwerke betrieb
    • 1921 Beteiligung an der Keramischen Industrie Bedarfs A.-G, Dresden, die aus der keramischen Tunnelofenbaugesellschaft Saarau hervorgegangen war
    • 1921 Gründung des Tochterunternehmens Zahnfabrik Radeberg
  • 1896 Umwandlung der seit 1890 gegründeten Porzellanfabrik Unger & Gretschel, Triptis zur Triptis A.-G Gretschel, Triptis zur Triptis A.-G
    • 1906 Erwerb der Porzellanfabrik Gebr. Urbach, Teplitz
    • 1909 Erwerb der Fabrik S. Fischmann Söhne, Prag, die aus Glasfabriken in Teplitz und Eichwald sowie einer Braunkohlengrube bestand
    • 1912 Angliederung der Steingutfabrik Gebr. Liechtenstern, Wilhelmsburg
    • 1912 Angliederung der Glasfabrik Rudolf Ditmars Erben, Znoimo
    • 1918 Verselbstständigung der tschechischen Werke
    • 1920 Erwerb der Steinzeugfabrik Wickwerke Gunzenhausen
    • 1920 Erwerb der Filterfabrik Scheller & CO., Garssen. Beteiligung an der Arabia Porslinsfabrik A.-G, Helsingfors und deren Zweigwerk Abo Porslinsfabrik AB, Abo/Finnland
    • 1939 Übergang der Triptis A.-G zum Winterling Konzern
  • 1897 Gründung der Äelsten Volksstedter Porzellanfabrik Triebner A.-G. Diese betrieb sie seit 1762 in Rudolstandt-Volksstedt bestehende älteste thüringerische Porzellanmanufaktur
    • 1901 wird diese Aktiengesellschaft von der 1899 gegründeten Porzellanfabrik Unterweißbach, vorm. Porzelius & Mann A.-G aufgekauft, die ab 1911 als Äelteste Volksstedter Porzellanfabrik & Porzellanfabrik Unterweißbach, vorm. Mann & Porzelinus A.-G und ab 1919 als Äelteste Volksstedter Porzellanfabrik A.-G firmiert
    • 1909 Gründung des Tochterunternehmens Schwarzburger Werkstätten für Porzellankunst
    • 1918 Angliederung der seit 1904 bestehenden Aktiensgesellschaft Richard Eckert & CO., die aus der 1895 gegründeten Volksstedter Porzellanfabrik Richard Eckert & CO. entstand
    • 1919 Angliederung der Porzellanfabrik Dressel, Kister & CO., Passau; 1936 wieder veräussert
    • 1921 Erwerb der Feinsteingutfabrik Rudolf Heinz & CO., Neuhaus, die aus der 1833 gegründeten Porzellanfabrik Neuhaus hervorgegangen war; 1936 wieder verkauft
    • 1921 Erwerb der Steingutfabrik Bergmann & CO., Neuhaus
  • Umwandlung der Veltener Ofenfabrik Richard Blumenfald zur Richard Blumenfeld, Veltener Ofenfabrik A.-G
  • 1910 Umwandlung der seit 1894 bestehenden Feinsteingutfabrik Max Roessler, Rodach in die Max Roessler A.-G, Rodach
    • 1920-1927 Anschluss der Großherzoglichen Keramischen Manufaktur Darmstadt;
    • Anschluss der Möbelfabrik Eckert Hildburghausen
    • Anschluss der Glanzgoldfabrik Hauser
  • 1917 Umwandlung der seit 1845 bestehenden Porzellanfabrik C. Thielsch & CO. Waldenburg/Schlesien in eine Aktiengesellschaft, die in einem Interessensvertrag mit der C.M. Hutschenreuther A.-G eintritt
  • 1920 Umwandlung der seit 1884 bestehenden Porzellanfabrik Gebr. Kühnlenz, Kronach in eine A.-G

Lorenz-Hutschenreuther-Konzern

Die Lorenz Hutschenreuther A.-G. produzierte in ihren 5 Betrieben Geschirr- und Zierporzellan. Der Umsatz konnte gegenüber der Vorkriegszeit mengenmäßig von 1913: 6.890 t auf 1928: 9.361 t um 36% gesteigert, wertmäßig von 1913: 7,0 Mill. M auf 1928: 14,4 Mill. RM mehr als verdoppelt werden. Die Zahl der Arbeiter erhöhte sich im gleichen Zeitraum um 33% von 2.470 auf 3.290. Die Lorenz Hutschenreuther A.-G. verfügte über 56 Rundöfen mit 3.580 m3 Ofenraum. Auch dieses Unternehmen war durch Angliederung von Rohstofflagern und Fabriken der Hilfsproduktion vertikal konzentriert. Zum Unternehmen gehörten folgende Firmen:
  • Stammfabrik Ludwigsmühle Abteilung A
  • Abteilung B Selb
  • Paul Müller, Selb,
  • Porzellanfabrik Tirschenreuth

Konzern PF Ph. Rosenthal & Co. A.-G.

Das Schwergewicht der Produktion dieses Konzerns lag auf Geschirr- und technischem, insbesondere Hochspannungsporzellan. Im Vergleich zur Vorkriegszeit konnten die Fabriken des Konzerns ihren Umsatz mengenmäßig fast, wertmäßig mehr als verdreifachen (von 1913: 7,1 Mill. M auf 1928: 24,6 Mill. RM). 1928 betrug die Zahl der Arbeiter 5.061. Der Wert des produzierten Hoch- und Niederspannungsporzellans wurde von 1,9 Mill. M i.J. 1913 auf 6,2 Mill. RM i.J. 1928 mehr als verdreifacht. Damit betrug der Anteil des Rosenthal-Konzerns an der deutschen Produktion von Hochspannungsporzellan ca. 26%, von Niederspannungsporzellan ca. 4%. Die vertikale Konzentration vollzog sich durch die Beteiligung an den Kaolin-, Ton- und Sandwerken in Halle sowie dem Besitz einiger Gruben für Kapselroherde in Wiesau. Daneben suchte dieser Konzern seine Interessen durch Aktienbesitz an den Zettlitzer Kaolinwerken zu sichern; diese hatten 1929 die sächsischen Elektro-Osmose-Kaolinwerke erworben.

Die Entwicklung des Rosenthal Konzerns (Quelle Lange, P 1984)

  • 1880 Gründung der Porzellanmalerei Philipp Rosenthal in Erkersreuth bei Selb
  • 1886 Zweigniederlassung in Asch/Tschechoslowakei, 1899 aufgelöst
  • 1890 Übersiedlung nach Selb
  • 1891 Errichtung der Porzellanfabrik Ph. Rosenthal & CO., Selb
  • 1897 Umwandlung in eine Aktiengesellschaft durch Beteiligung der Dresdner Bank; nun Porzellanfabrik Ph. Rosenthal & CO. A.-G, Selb
  • 1900 Beginn der Produktion von elektrotechnischem Porzellan in Selb
  • 1901 Kauf der 1897 gegründeten Porzellanfabrik Bauer, Rosenthal & CO. Kronach
  • 1908 Kauf der 1904 gegründeten Porzellanfabrik F. Thomas & CO. Marktredwitz
  • 1917 Erwerb der 1866 gegründeten Porzellanfabrik Jakob Zeidler & CO. Selb-Plössberg; Beginn der Produktion von Laboratoriumsgeräten in Selb
  • 1920 Errichtung der Abt. C (Laboratoriumsgeräte); Verlegung des Gesellschaftssitzes von Selb nach Berlin
  • 1921 Erwerb der Krister Porzellanindustrie A.-G, Waldenburg/Schlesien, die aus der 1831 gegründeten Fa. Carl Krister, Waldenburg hervorgegangen war; Abschluss eines Interessengemeinschaftsvertrages mit der AEG
  • 1921 Übernahme der Betriebsführung in der A.E.G Porzellanfabrik Hennigsdorf
  • 1921 Erwerb des Steatitwerkes Adam Weber & CO. Nürnberg
  • 1922 Erwerb der Porzellanfabrik Bohemia Karlovy Vary/Tschechoslowakei (Karlsbad)
  • 1923 Beteiligung an der Steatit-Magnesia A.-G durch Einbringung der Fa. A. Weber & CO.
  • 1924 Kauf eines Rohkaolin-Lagers bei Halle, Beteiligung an der Fa. Mikro-Metallwaren Dresden

Sonstige Konzerne

Zu den bedeutenderen Konzernen der Porzellanindustrie sind der Winterling-Konzern (Geschirrporzellan) und der Rauschert-Konzern (Elektroporzellan) zu zählen. Der Gesamtumsatz des Winterling-Konzerns betrug 1928 8,2 Mill. RM, er beschäftigte 2.070 Arbeiter und besaß 30 Rundöfen sowie einen Tunnelofen. Zum Konzern gehörten folgende Fabriken: Gebr. Winterling in Röslau, Oskar Schaller & Co. Nachf. in Schwarzenbach und Kirchenlamitz und Eduard Haberländer in Windischeschenbach.
Zum Rauschert-Konzern gehörten die Fabriken in Hüttengrund, Bodenkirchen, Steinbach, Steinwiesen und Schmiedeberg. Die Betriebe produzierten 1928 mit insgesamt 1.680 Arbeitern in 28 Rundöfen Niederspannungs- und sonstiges technisches Porzellan im Wert von 4,4 Mill. RM.

Konzern Bankhaus Strupp Meiningen

Der Aufsichtsrat setzte sich aus Victor Hutschenreuther, Hans Pabst und Alfred Pabst zusammen. Vorstand wurde der Kaufmann Heinrich Kalbfuß. So blieb weitestgehend den Familien Hutschenreuther und Pabst der frühere Einfluss auf die Geschicke der ihnen einst gehörenden Porzellanfabrik erhalten. Sie brachten die Aktiengesellschaft unter der Curatel des Bankhauses Strupp in den folgejahren wieder deutlich voran. 1906 wurde die Porzellanfabrik Jäger, Werner & Cie. in Selb erworben und als Abteilung B dem Unternehmen mit seinen Fabrikgebäuden an der Ludwigsmühle, jetzt Abteilung A eingegliedert. Von nun an befand sich das Designzentrum von Lorenz Hutschenreuther in der Abteilung B. Hier entstanden in den Folgejahren die meisten Neuschöpfungen von Serviceformen für das Gesamtunternehmen. Dr. Gustav Strupp wurde am 9. Juli 1851 geboren und übernahm in Gemeinschaft mit seinen beiden Brüdern Meinhold und Louis Strupp am Anfang 1870 das elterliche Bankhaus B.M. Strupp in Meiningen. Seiner Energie und Arbeitskraft ist es wesentlich zu danken, dass das Unternehmen seither stetig weiter ausgebaut und allmählich zu der bedeutsamen Stellung entwickelt wurde, die es seit dem 18. Oktober 1905 als Bank für thüringen vorm. B.M. Strupp AG, Meiningen besitzt. Herr Geh. Kommerzienrat Dr. Gustav Strupp war es auch, der zuerst im Jahre 1884 durch die Gründung und Erweiterung der uralten Porzellanfabrik zu Kloster Veilsdorf und wenige Jahre später der Porzellanfabrik Königszelt (Schlesien) als Aktiengesellschaft - die Tätigkeit des Hauses B.M. Strupp auf diesem Gebiet lenkte. Seitdem hat es Geheimrat Dr. Strupp als einen Teil seiner Lebensaufgabe betrachtet, seine Kräfte der Porzellanindustrie in immer steigenden Masse zuzuwenden, und sie nicht nur finanziell zu unterstützen, sondern auch ihre innere Entwicklung mit seinen reichen Erfahrungen und seinem weitschauenen Blick zu befruchten. Seine Hauptsorge aber galt nach wie vor der Entwicklung seines Bankhauses, welches auch heute noch bestrebt ist, in seinem Sinne den von ihm geschaffenen Konzern der Porzellanindustrie weiter fortzuführen und auszubauen. Die heute an den Konzern angeschlossenen Werke verkörpern insgesamt über 275 Öfen mit 18500 cbm Inhalt und 2 Tunnelöfen. Allein an keramischen Rohmaterialien wurden im Jahre 1921 über 125000 t verarbeitet. Die Gesamtzahl der Arbeiter und Angestellten betrug in der Zeit vor dem Ausbruch des I. Weltkrieges rund 11000 und hat diese Höhe trotz der unvermeidlichen Rückschläge der Kriegs- und Nachkriegszeit heute wieder erreicht. Zwei der beteiligten Werke beschäftigten je über 2000 Angestellte und Arbeiter, so dass sie zu den grössten Porzellanfabriken Deutschlands gehören, darunter ist die Porzellanfabrik Kahla, die mit ihren Zweigniederlassungen als die grösste Porzellanfabrik der Welt angesprochen werden kann. Der Aufsichtsrat setzte sich zusammen aus:

Vorsitzender Vorstand:

  • Ludwig Fuld, Direktor der Bank Thüringen
  • Direktor Emil Mundel, Selb (Bayern)
  • Techn. Direktor Hans Kümmelmann, Selb (Bayern)
  • Direktor Hermann Müller, Selb (Bayern)
  • Direktor Paul Agthe, Selb, (Bayern)
  • Direktor Ing. Hans Gröger, Fischern bei Karlsbad

Die Porzellanfabriken des Struppkonzerns und die KERAMAG 1918 waren:

  • Porzellanfabrik Gebrüder Bauscher Weiden (Oberpfalz)
  • Porzellanfabrik Lorenz Hutschenreuther AG Selb (Oberfranken)
  • Porzellanfabrik und Malerei Paul Müller Selb (Oberfranken)
  • Porzellanfabrik Kahla, Kahla (Thüringen)
  • Porzellanfabrik Hermsdorf, Hermsdorf (Thüringen)
  • Porzellanfabrik Freiberg, Freiberg (Sachsen)
  • Zwickauer Porzellanfabrik Zwickau (Sachsen)
  • Porzellanfabrik Königszelt, Königszelt (Schlesien)
  • Porzellanfabrik Rauenstein vorm. Fr. Chr. Greiner & Söhne AG Rauenstein
  • Porzellanfabrik E. & A. Müller A.-G., Schönwald (Oberfranken)
  • Porzellanfabrik Schönwald AG, Schönwald (Oberfranken)
  • Porzellanfabrik Schönwald AG, Abteilung Arzberg, [Arzberg] (Oberfranken)
  • Porzellanfabrik zu Kloster Veilsdorf A.-G. mit Filialen in Bratendorf und Eisfeld
  • Kemmlitzer Kaolinwerke vorm. F. Max Wolf GmbH, Kemmlitz
  • Kaolinwerk der Porzellanfabrik Lorenz Hutschenreuther, Fischern bei Karlsbad
  • Forschungsgesellschaft vereinigter Porzellanfabriken m.b.H., Meinigen
  • Keramag, Keramische Werke AG Sophienau, Post Charlottenbrunn
  • Porzellanfabrik Joseph Schachtel AG, Margarethenhütte
  • Tonwarenfabrik Schwandorf AG, Schwandorf (Oberpfalz)

Der Hutschenreuther Konzern mit nachfolgend aufgeführten Firmen war bis 1945 im Strupp Konzern:

  • Lorenz Hutschenreuther AG (Werk A und B) in Selb
  • C.M. Hutschenreuther (Hohenberg)
  • Tirschenreuth (Oberpfalz) gegründet 1830
  • Schönwald AG (Schönwald)
  • Bauscher Weiden (Oberpfalz)
  • Arzberg (Oberfranken)
  • Paul Müller (Selb - ab 1917 Kunstabteilung Hutschenreuther)
  • Königszelt in Schlesien
  • Mehrere Kaolingruppen (Schwandorf, Hirschau)
Gustav Strupp wird 1851 als älteste Kind einer wohlhabenden jüdischen Familie in Dreißigacker, einem heutigen Stadtteil von Meiningen, geboren. Die Familie Strupp gründete 1715 in Meiningen das Handelsunternehmen I. M. Strupp mit dem Schwerpunkt Getreidehandel. 1740 in B. M. Strupp umbenannt, kam 1742 ein Bankhaus hinzu, das seinen Sitz in Meiningen hatte. 1857 wurde Gustav in die Meininger Knabenschule eingeschult und wechselte 1861, nachdem im selben Jahr die Familie nach Meiningen zog, an das Gymnasium Bernhardinum. Dort absolvierte er 1868 das Abitur. Die Berechtigung für ein Studium an einer führenden Universität erwarb er sich anschließend nach einem weiteren Jahr am Gymnasium in Eisenach.

Da der Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges sein geplantes Studium für Rechtswissenschaften verhinderte, widmete er sich dem Bankgeschäft und trat in das Bankhaus Molonear in Berlin-Lichterfelde ein. In dieser Zeit erwarb er gleichzeitig an der Friedrich-Wilhelm-Universität in Berlin den Doktortitel für Rechte. Als sein Vater Mayer Strupp 1873 starb, kehrte Gustav nach Meiningen zurück, um gemeinsam mit seinem Onkel Anselm Strupp und seiner Mutter Ida das Bankhaus B. M. Strupp Meiningen mit Filialen in Gotha und Salzungen weiterzuführen. Die Prokura für die Bank erhielt er von seinem Vater kurz vor dessen Tod. Nach dem Tod seines Onkels Anselm 1877 wurde dessen Witwe Thekla Mitinhaberin der Bank. Gemeinsam eröffneten sie eine weitere Filiale in Hildburghausen.

Repräsentativer Wohn- und Firmensitz Strupps in Meiningen

1879 heiratete Gustav Strupp die zehn Jahre jüngere Fanny Bloch, deren Vater das Bankhaus Bloch & Co. in Nürnberg gehörte. Ab 1881 tätigte Gustav neue weitreichende Investitionen, in dem er zahlreiche Firmen an die Berliner Börse bringt und mit den Aktienmehrheiten Vorsitzender oder Mitglied von 28 Aufsichtsräten wurde. Nach dem Tod seiner Mutter 1883 und dem Ausscheiden seiner Tante Thekla aus der Firma 1885 führte er das Bankhaus gemeinsam mit seinen jüngeren Brüdern Meinhold und Louis weiter. Gustav wurde bald eine bedeutende Persönlichkeit in der Meininger und der Thüringer Wirtschaft und galt als der wohlhabendste Bürger im Herzogtum Sachsen-Meiningen. 1895 wurde er Vorsitzender der Industrie- und Handelskammer in Meiningen. Auch gehörte er im gesellschaftlichen Leben zahlreichen Vereinen und Vorständen an. Zu den in Aktiengesellschaften umgewandelten Firmen gehörten (Auszug): Die Brauerei Am Kreuzberg in Meiningen (1881), die Malzfabrik in Mellrichstadt, die Eisenwerke München, die Kohlengesellschaft „Dalmatia“ in Wien, das Saline- und Solbad in Salzungen, die Waggonfabfrik in Gotha, das Hotel „Sächsischer Hof“ in Meiningen, die Disconto-Gesellschaft in Berlin und weiterhin in der Porzellanindustrie die Werke in Hermsdorf (Thüringen) (1888), Rauenstein (1900) und Selb (Hutschenreuther / 1902). Dabei fasste Gustav Strupp alle von ihm geführten Porzellanwerke zum Strupp-Konzern zusammen. In Hermsdorf ernannte man ihn 1896 wegen seiner Verdienste zum Ehrenbürger. 

Strupps Lebenswerk - die „Bank für Thüringen“ in Meiningen

Zu großem Reichtum gelangt, gründete Gustav Strupp daraufhin gemeinsam mit seiner Frau Fanny mehrere Stiftungen, die der ärmeren Bevölkerung und den Kindern im Herzogtum Sachsen-Meiningen zugute kamen. Das Ehepaar leistete weiterhin zahlreiche Spenden für das Gemeinwohl. 1897 wählte man Strupp in den Meininger Gemeinderat und 1903 in den Sachsen-Meiningischen Landtag, denen er bis zu seinem Ableben angehörte. Sein Wahlkreis im Landtag war Schalkau-Rauenstein. 1905 wandelte Dr. Gustav Strupp gemeinsam mit seinen Brüdern Meinhard Strupp und Louis Strupp das Bankhaus B. M. Strupp in die Aktiengesellschaft Bank für Thüringen um, die er als Aufsichtsratsvorsitzender bis 1918 führte. Architekt Karl Behlert errichtete von 1906 bis 1908 für die Bank ein neues Gebäude in der Leipziger Straße. Strupp ließ 1910 in der Bernhardstraße nahe dem Meininger Theater ein prächtiges Palais (Strupp-Villa, ebenfalls von Behlert) als Firmen- und Wohnsitz erbauen. Es wurde während der DDR-Zeit als Kulturhaus und später als Bürgerhaus genutzt, steht seit dem unter Denkmalschutz und ist heute im Besitz seiner Erben. Gustav Strupp fand seine letzte Ruhestätte auf dem Meininger Parkfriedhof.

 Der Kahla-Konzern (Strupp-Konzern)

Die PF Kahla entwickelte sich aus einer 1844 im thüringischen Kahla gegründeten Porzellanfabrik durch Intervention des Bankhauses Strupp (Meiningen),51 das die PF in den achtziger Jahren zu einer Aktiengesellschaft umgründete, zu einem der bedeutendsten Konzerne mit etlichen Zweigfabriken: Anfang der neunziger Jahre entstand das Zweigwerk Hermsdorf, das zunächst Niederspannungsporzellan, später auch Hochspannungsporzellan herstellte; ab 1896 wurde in dem Zweigwerk Zwickau Geschirrporzellan und ab 1906 im Werk Freiberg b. Dresden Hochspannungsporzellan erzeugt. Im Jahre 1922 wurde eine Interessengemeinschaft mit der PF H. Schomburg & Söhne A.-G. und deren Elektroporzellan produzierenden Werken in Roßlau und Margarethenhütte begründet: Die Interessengemeinschaft gilt schnell als bedeutendster Unternehmensverbund in der deutschen Porzellanindustrie überhaupt, der bei der Herstellung von elektrotechnischem Porzellan ohne größere Konkurrenz dasteht.
 
1927 fusionierte man mit diesen Werken, um die Konkurrenz zwischen den Betrieben der PF Kahla und den Fabriken der PF Schomburg zu beenden. Zur gleichen Zeit erwarb man die PF E. & A. Müller in Schönwald und die PF Schönwald A.-G. mit Werken in Schönwald und Arzberg. Die Zahl der zum Kahla-Konzern gehörenden Arbeiter (außer PF Kloster Veilsdorf) stieg gegenüber der Vorkriegszeit um 25% von 5.200 auf 6.580, die Produktion von Hochspannungsporzellan verdreifachte sich, der Umsatz an Niederspannungsporzellan war rückläufig. 1913 betrug der Wert der gesamten produzierten Technischen Keramik 7,3 Mill. M gegenüber 13,8 Mill. RM 1928. Der Gesamtumsatz des Konzernes betrug 1928 32,2 Mill. RM (1913: 14,8 Mill. M) , wovon 43% (1913: 49%) auf technisches Porzellan entfielen; die Quote im Syndikat für Hochspannungsporzellan betrug 46%,53 der Anteil an der deutschen Produktion von Niederspannungsporzellan lag bei 12%. Der Konzern war außerdem an der PF Kloster Veilsdorf beteiligt, die 1065 Arbeiter beschäftigte und in ihren Fabriken hauptsächlich Niederspannnungs- und sonstiges technisches Porzellan produzierte (Wert 1928: 3,4 Mill. RM). Weiterhin bestanden Beteiligungen an der englischen Steatite and Porcelain Products Ltd. sowie enge Geschäftsverbindungen zur Schweizer Porzellanfabrik Langenthal. Die Fabriken des Kahla Konzerns deckten ihren Rohstoffbedarf zu etwa 40% aus konzerneigenen Rohstofflagern. Eine der PF Freiberg angegliederte Maschinenbauanstalt lieferte den Konzernbetrieben die nötigen Spezialmaschinen.
 
Im Jahre 1921 wurde von den der Bank für Thüringen nahestehenden Unternehmen die Forschungsgesellschaft Vereinigter Porzellanfabriken mit Sitz in Meiningen gegründet, deren Aufgaben wie folgt beschrieben wurden: Vornahme von Forschungen auf keramischem Gebiet, insbesondere auf dem der Porzellanindustrie, Errichtung und Beteiligung an industriellen, kaufmännischen, bergbaulichen und solchen Unternehmungen, die in irgendeiner Weise der Forschung auf keramischem Gebiet unmittelbar oder mittelbar dienstbar gemacht werden können, in jeder Form, insbesondere auch durch den Erwerb von Aktien oder Anteilen von Gesellschaften, Erwerb solcher Unternehmungen, Errichtung und Betrieb von Fabrikanlagen, Erwerb und Verwertung von Patenten, Verfahren, Lizenzen und Schutzrechten. Zu den Erfolgen der Forschungsgesellschaft zählten insbesondere die Einführung der Feuchtluft-Umwälztrocknung in der keramischen Industrie sowie die Umstellung des Brandes von Steinkohle auf Braunkohlenbriketts.
 
Die Entwicklung der Porzellanindustrie in Kahla bis in die zwanziger Jahre skizziert beispielhaft die Evolution der thüringischen Porzellanindustrie: 1844 durch Ch. ECKHARDT gegründet, hatte die PF in Kahla zunächst nur einen Brennofen, der mit Holz befeuert wurde. 1864 wurde ein zweiter Brennofen in die Fabrik eingebaut und gleich für Steinkohlenfeuerung eingerichtet. 1873 wurde eine neue Massemühle eingebaut und zum ersten Mal Dampfkraft mittels einer Dampfmaschine von 15 PS genutzt. 1878 versuchten Gewerkschafter der in Berlin-Moabit erscheinenden Gewerkschaftszeitung "Die Ameise" vergeblich, die Arbeiter der PF Kahla gegen ihren Fabrikherrn wg. zu später Lohnzahlung aufzubringen und sie zu einem Streik zu bewegen. 1881 zählte die Belegschaft bereits 300 Personen und war bis 1885 auf 400 Beschäftigte angewachsen. Im Jahre 1888 wurde die PF auf Wunsch und mit Unterstützung des Bankhauses B.M. STRUPP in Meiningen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Dieser Aktiengesellschaft wurde die 1890 in Hermsdorf mit 10 Rundöfen erbaute Porzellanfabrik angegliedert. Das erste Geschäftsjahr brachte den Aktionären eine Dividende von 14%. Auf Betreiben des Fabrikinhabers Hermann KOCH wurde 1889 in Kahla ein Konsumverein gegründet und mit Mitteln der Fabrik ein Konsumvereinshaus gebaut.
 
Dieser Konsumverein bestand jedoch wegen der Opposition der ortsansässigen Geschäftsleute nur bis 1893. 1890 wurde die PF Zwickau, die bis 1889 der Fa. Unger & Schall gehört hatte, aufgekauft und in Kahla selbst die Alte Lehmannsche Porzellanfabrik mit 5 Brennöfen. Zu dieser gehörte auch die Saalemühle, die in Folge zu einer Massemühle mit Kaolinschlämmerei ausgebaut wurde. Man gewann so nicht nur den für die Massebereitung notwendigen Quarzsand für den eigenen Bedarf, sondern konnte diesen darüber hinaus noch an andere PF verkaufen. Das Werk zählte zu dieser Zeit 38 Brennöfen, 6 Zug- und 10 Muffelschmelzen sowie 350 mechanische Drehscheiben. Im Jahre 1900 wurde die Jägersdorfer Mühle erworben, die zu einer elektrischen Zentrale mit 200 PS ausgebaut wurde und die PF durch eine 5 km lange Leitung mit Lichtstrom und Kraftstrom versorgte. Im Zweigbetrieb in Hermsdorf wurde ein großes Arbeiterwohnhaus errichtet und in Kahla selbst begann man 1901 mit dem Bau eines neuen, größeren Fabrikgebäudes Großer Holzreichtum des Altenburger Holzlandes, günstige Verkehrslage an der 1876 eröffneten Bahntrasse Gera-Weimar und Vorhandensein zahlreicher Arbeitskräfte in dem existenzarmen Waldgebiet sind als Standortvorteile Hermsdorfs zu nennen. Während in den ersten beiden Jahren ihres Bestehens die PF Hermsdorf ausschließlich Geschirrporzellan fertigte, begann man 1892 mit der Produktion von elektrotechnischem Porzellan: Ausgeprägt war um die Jahrhundertwende auch die Vergabe von Heimarbeit an Familien des Holzlandes, um erforderliche Erweiterungsbauten einzuschränken. Diese extensive Ausdehnung der Fertigung mit extra dafür entwickelten Kleinpressen diente vor allem der Herstellung elektrokeramischer Preßartikel.
 
Anfänglich wurden außer den Preßartikeln nur Telegrafenglocken hergestellt, doch schon nach kurzer Zeit produzierte Hermsdorf auch Starkstrom- und vor allem Hochspannungsisolatoren (‘Hochstromer’). Innerhalb kurzer Zeit sicherte sich das Werk große Aufträge von Siemens & Halske, Schuckert & Co u.a. Hermsdorf lieferte auch die Starkstromisolatoren für den Nordostseekanal in einer besonderen Scharffeuer-Blauglasur. Auch aus dem Ausland erhielt die PF Hermsdorf bedeutende Aufträge. So produzierte man Telegraphenglocken für Rumänien und Isolierteile für Kraftübertragungen nach Norwegen und Schweden. Der durch Patente im In- und Ausland geschützte Isolator Nr. 358 (Delta-Glocke) wurde in Hermsdorf maßgeblich mitentwickelt und brachte der PF Hermsdorf durch millionenfache Auslieferung einen raschen Aufschwung.48 Im Jahr 1901 baute man in Hermsdorf ein elektrisches Prüffeld. Die Zahl der dort jährlich geprüften Isolatoren stieg von ca. 150.000 i.J. 1902 auf über 2,6 Mill. 1913. In den Kriegsjahren wurden wg. Produktionsrückgangs weniger Isolatoren geprüft, doch bereits 1920 wurde mit rd. 2,3 Mill. geprüfter Isolatoren/Jahr ein neuer Höchststand erreicht.49 Der Hermsdorfer Belegschaftsstand lag 1901 bei 700 und stieg bis zum Jahr 1914 auf 1000. Damit hatte sich die PF Hermsdorf zu einem Großbetrieb entwickelt, der wichtiger Zulieferer der Rüstungs- und Kriegsproduktion war und dessen Inlandsaufträge i.J. 1917 zu 90% aus Heereslieferungen bestanden. Die Licht- und Kraftversorgung geschah zunächst mittels einer Dampfmaschine, später kam ein Dieselmotor dazu, bis man ein Elektrokraftwerk mit einer Leistung von 1000 kW anlegte. Nach dem ersten Weltkrieg wurde in Hermsdorf eine neue Fabrikanlage gebaut, in der erstmals gasbeheizte Tunnelöfen zum Einsatz kamen. Außerdem wurden die keramischen Labors sukzessive erweitert und ein neues Prüffeld errichtet, das die gleichzeitige Prüfung von mehreren Tausend Kappenisolatoren ermöglichte.
 
Da in Hermsdorf die Grenzen der Kapazität erreicht waren, die Nachfrage an technischen Porzellanerzeugnissen und Isolatoren jedoch unvermindert groß war, baute man 1906 ein weiteres Zweigwerk in Freiberg/Sachsen mit 6 Rundöfen und 800 Beschäftigten. Dort wurden neben den elektrischen Isolationsartikeln auch chemisch-technische Porzellane produziert. Der Umsatz stieg so an, daß 1913/14 weitere Rundöfen dazugebaut werden mußten und nach den kriegsbedingten Umsatzrückgängen 1921 ein Tunnelofen mit kontinuierlichem Betrieb errichtet wurde, der leistungsmäßig 15-20 Rundöfen größeren Inhalts gleichkam. Die Belegschaft betrug zu dieser Zeit rd. 400 Arbeiter und Angestellte. Schon in den 20er Jahren hatte Freiberg ein Hochspannungsprüf- und –versuchsfeld für 1 Million Volt. In eigenen Werkstätten wurden die benötigten Matrizen und Spezialmaschinen selbst hergestellt. So erfand man dort den sog. "Teleo-Kitt", durch den die mehrteiligen Deltaglocken sprengungssicher verbunden wurden.
 
Erwähnenswert ist das soziale Engagement der PF Kahla. Mit finanzieller Unterstützung des Unternehmens wurde Wohneigentum für die Arbeiter geschaffen. 1904 errichtete man eine Badeanstalt und eine Tagesunterkunft für Kinder von Werksangehörigen. Das Unternehmen Kahla gründete 1906 die Kemmlitzer Kaolinwerke und übernahm schließlich die gesamten Anteile an diesem Unternehmen. Das Kemmlitzer Kaolin war wegen seiner rein weißen Brennfarbe besonders begehrt und übertraf in der Güte noch die sonst so geschätzten Zettlitzer Kaoline. 1922 schloß das Unternehmen einen Interessengemeinschaftsvertrag mit der AG H. Schomburg & Söhne in Großdubrau und beteiligte sich an der Tonwarenfabrik Schwandorf AG. Ein Teil dieses Werkes wurde in eine Fabrik für elektrotechnisches Porzellan umgebaut. Das Schomburg-Werk, 1853 gegründet, bestand ursprünglich aus einer Fabrik in Berlin, die jedoch bald wieder stillgelegt wurde. 1877 baute man die Zweigfabrik in Margarethenhütte bei Großdubrau und 1898 eine weitere Fabrik in Roßlau. Damit beschäftigte Schomburg ca. 1600 Menschen und produzierte vorwiegend Isolationsmaterial für die Elektrotechnik. Die 1890 gegründete Tonwarenfabrik Schwandorf besaß Werke in Schwandorf, Wiesau, Birkensee und Schwarzenfeld.
 
Im Jahre 1927 fusionierte man endgültig mit der Firma H. Schomburg & Söhne und mit E.u.H. Müller, Schönwald. Die Müllersche Fabrik beschäftigte 600 Arbeiter. Das Werk Schönwald beschäftigte ca. 650 Arbeiter; das angegliederte, 1890 errichtete Werk in Arzberg ebenso viele. Die 1922 gegründete Hermsdorf-Schomburg-Isolatoren GmbH ("HESCHO") diente der Zusammenarbeit der elektrotechnischen Abteilungen der Werke Hermsdorf und Freiberg (beide PF Kahla) sowie Margarethenhütte und Roßlau (beide PF Schomburg) in vielen Bereichen der technischen Keramik.

Quelle: 1) Heinz-Peter Rönneper,DIE ENTSTEHUNG UND ENTWICKLUNG DER PRODUKTION VON TECHNISCHER KERAMIK; 2)Strupp Konzern Meiningen 1921