Albrechtsburg Meissen
929 wurde die Burg Misni (Meißen) vom ersten König und Herzog von Sachsen Heinrich I. gegründet. Den Markgrafen des sächsisch-thüringischen Raums - den Wettinern - gelang die Festigung ihrer Herrschaft vor allem durch die bauliche Maßnahme, den hölzernen Festungsbau der Burg im 11. Jahrhundert durch einen steinernen zu ersetzen. So konnten schwere Angriffe aus Böhmen und Polen abgewehrt werden.

Neu geordnete Machtverhältnisse im Land sowie Silberfunde im Erzgebirge veranlassten die Wettiner dazu, eine neue Residenz auf den Mauern der alten Burg zu errichten. Ab 1471 wurde das Bauwerk durch den Landeswerkmeister Arnold von Westfalen errichtet. Seine Architektur verband höchste funktionale Ansprüche mit modernsten nordalpinen Bauformen. Die repräsentative Anlage war 1489 im Wesentlichen vollendet und hinsichtlich ihrer baukünstlerischen Qualität einzigartig. Die seltene Vereinigung mittelalterlicher Wehrhaftigkeit mit der Großzügigkeit und Eleganz eines Residenzschlosses sowie sensationelle Statik mit nach oben mächtiger werdenden Wandpfeilern über steilem Abhang macht die Albrechtsburg zu einem echten architektonischen Erlebnis. Außer als Architekturdenkmal erlangte die Albrechtsburg auch insbesondere aus historischer Sicht Berühmtheit: Der Standort des Schlosses gilt als die „Wiege Sachsens“. Ein Wandmalerei-Zyklus in der Albrechtsburg macht als einer der umfangreichsten aus der Zeit des Historismus die Geschichte rund um die Hausmacht der Wettiner erlebbar. Als Johann Friedrich Böttger am 15.01.1708 in einer Labornotiz das erfolgreiche Brennen einer weißen und durchscheinenden Scherbe dokumentiert, nimmt die Erfolgsgeschichte des ersten europäischen Porzellans ihren Anfang. Weitere Versuche und Entwicklungen sind notwendig, bis August der Starke schließlich am 23.01.1710 in einem in vier Sprachen verfassten Dekret die Gründung der „Königlich-Polnischen und Kurfürstlich-Sächsischen Porzellan-Manufaktur“ verkündet. Am 06.06.1710 wird die Albrechtsburg in Meissen zum Domizil der ersten europäischen Porzellan-Manufaktur und bleibt es bis in das Jahr 1863. Erfindung und Vervollkommnung des Porzellans bedurften der Leistungskraft, des Wissens und des Zusammenwirkens von Vertretern verschiedener Gewerke und Wissenschaften. Böttgers experimentelles Geschick sowie sein gutes Gespür für neue originelle Lösungswege schließlich waren wesentliche Vorraussetzungen für den Erfolg der Forschungsarbeit am Problem der Porzellanherstellung. In der Ausstellung wird ergänzend die Vielzahl der Personen vorgestellt, die Böttgers alchemistischen und wissenschaftlichen Werdegang sowie seine erfolgreiche Arbeit an der Entdeckung des Arkanums begleiteten. Ein Schwerpunkt wird dabei auf den Leistungen des bedeutenden Physikers, Chemikers und Mineralforschers Ehrenfried Walther von Tschirnhaus liegen, der die erheblichen experimentellen Vorleistungen erbrachte, auf denen Böttger später bei seinen keramischen Forschungen aufbauen konnte.
Johann Friedrich Böttger (1682-1719)
Johann Friedrich Böttger erblickt am 5. Februar 1682 in der thüringischen Kleinstadt Schleiz das Licht der Welt. Er ist Sohn des Münzmeisters Johann Adam Böttger und seiner Frau Ursula, Tochter eines Ratsmünzmeisters. Schon kurz nach der Geburt müssen die Eltern Schleiz wegen ungünstiger Arbeitsbedingungen verlassen. Bald darauf verstirbt überraschend Böttgers Vater, Böttger ist noch nicht einmal ein Jahr alt. Kindheit und Jugend verbringt er als Halbwaise in dem immer noch durch die Pest und den Dreißigjährigen Krieg geprägten Magdeburg. Der Tod des Ehemanns bringt der jungen Witwe und ihren vier unmündigen Kindern große Schwierigkeiten, die erst durch die Heirat mit dem Magdeburger Bürger und Witwer Johann Friedrich Tiemann im Jahr 1685 gelöst werden. Tiemann, der seinerseits zwei Kinder in die Ehe bringt, arbeitet als Aufsichtsbeamter beim Festungs- und Vermessungsbauwesen. Der aufgeweckte und begabte junge Böttger kann schon früh schreiben und rechnen. Sein Stiefvater unterrichtet ihn zusätzlich in Geometrie, Festungsbaukunde und Feuerwerkerei. Auch eignet sich der junge Böttger durch den Besuch einer Sprachschule frühzeitig Kenntnisse des Lateinischen an. Auf Anregung einer befreundeten Familie lässt sich Böttgers Stiefvater davon überzeugen, ihn das Apothekerhandwerk erlernen zu lassen. Daraufhin beginnt der erst vierzehnjährige Böttger im Jahr 1696 eine Lehre bei dem renommierten Berliner Apotheker Friederich Zorn. Der junge Lehrling zeichnet sich durch Fleiß, Wissbegier und seltene Talente aus. Vor allem sein lebendiger Sinn für Chemie sticht hervor. Wie viele seiner Zeitgenossen erliegt auch Böttger dem verhängnisvollen Traum von der Goldherstellung. Anstatt sich mit Pharmazie und Chemie zu beschäftigen, interessiert den jungen Lehrling vor allem die Alchemie, die Lehre von der Herstellung des Steins der Weisen oder "Lapis Philosophorum". Mit dieser Substanz hoffte man, unedles Metall in Gold verwandeln zu können. Außerdem sollte sie ihrem Besitzer ewige Jugend schenken. Angetan ist Böttger vor allem von dem Benediktinermönch Basilius Valentinus – er soll den Stein besessen haben. In dessen Schriften findet Böttger eine Anleitung zur Herstellung des Wundermittels und folgt ihr. Heimlich schleicht er sich nachts in das Apothekenlabor, um zu experimentieren und die Geister der Alchemie zu beschwören – natürlich erfolglos. Friedrich Zorn, sein Lehrmeister, findet wenig Gefallen an den neuen Interessen und Aktivitäten seines Zöglings. Noch während seiner Lehrzeit bei Zorn trifft Böttger auf zwei Männer, die seinen Lebensweg prägen sollen. Einer davon ist der erfahrene Chemiker Johann Kunckel von Löwenstjern, ein Anhänger der "transmutatio metallorum", der Verwandelbarkeit von Metallen. ArbeitsordnungBoettger forschtArkaniumAppellation StubenPresslersche PlaeneSaal Dreher
Der andere ist ein geheimnisumwobener griechischer Mönch, mit dem Namen Lascaris. Er ist auf der Suche nach Alchemisten. In Berlin wird er in Zorns Apotheke fündig. Der mysteriöse Grieche weiht Böttger, so erzählt man sich, in die Geheimnisse des Goldmachens ein und schenkt ihm zum Abschied eine kleine Probe des Steins der Weisen, sowie die Rezeptur zu seiner Herstellung. Lehrmeister Zorn steht der Goldmacherei nach wie vor kritisch gegenüber und fordert von Böttger ein öffentliches Experiment. Böttger kommt der Bitte nach und verwandelt, so die Legende, im Oktober 1701 unter Zeugen 15 silberne Zweigroschenstücke in Gold. Ob es sich dabei um Selbsttäuschung oder um gelungenen Betrug handelt, bleibt offen - Eine echte "transmutatio metallorum" war es mit Sicherheit nicht, da die Herstellung von Gold aus unedlen Metallen erst durch die Entdeckung der Kernspaltung im 20. Jahrhundert möglich wurde. Die Neuigkeit, dass ein Apothekerlehrling in Berlin das Geheimnis des Steins der Weisen kennt, verbreitet sich rasch. Auch der frischgebackene und von Finanzsorgen geplagte König in Preußen, Friedrich I., erfährt davon. Seine Krönungsfeier hatte sechs Millionen Taler verschlungen. Jetzt braucht er Geld – also Böttger. Er bestellt ihn zu sich an den Hof. Als Böttger nicht freiwillig erscheint, setzt er eine Belohnung von 1.000 Talern für dessen Ergreifung aus. In der Nacht des 29. Oktobers 1701 flieht Böttger, in einem Planwagen versteckt, nach Wittenberg in Sachsen, kurz hinter der preußischen Grenze.
In Wittenberg will Böttger Medizin und Philosophie studieren. Doch kommt er nicht dazu, denn auch hier suchen ihn die Preußen. Und es kommt noch schlimmer. August der Starke, in ähnlichen finanziellen Nöten wie Friedrich I., hatte ebenfalls von den angeblichen Talenten des Goldmachers erfahren. Nachdem der Amtshauptmann von Wittenberg Böttger vorsorglich in Gewahrsam genommen hat, beginnt ein Tauziehen der beiden Souveräne um den Alchimisten, das sich zur Staatsaffäre steigert. August der Starke, Kurfürst von Sachsen und König von Polen, macht seinem Namen alle Ehre und gewinnt. Sein Argument: Böttger sei kein preußischer, sondern sächsischer Untertan, da er in Schleiz geboren wurde. Demnach habe Friedrich keine Ansprüche. August lässt Böttger ins sichere Hinterland bringen. Am 29. November 1701 trifft der vermeintliche Goldmacher unter starker Bewachung in Dresden ein. Unter den Augen des Statthalters muss Böttger sein Experiment wiederholen – durch Tricks besteht er die Probe. Böttger befindet sich in einer heiklen Situation, da er doch gar kein Gold herzustellen vermag. Schon sein Lehrmeister Zorn hatte Böttger warnend gesagt, dass "Goldmacher mehrenteils in Narrethei oder ander Unglück geriethen..." Trickbetrügern wie ihm drohte damals der Galgen. Böttger hat keine Wahl und muss die Gunst seines neuen Landesherrn erlangen. Mit dem Mut des Verzweifelten verspricht er August, tonnenweise Gold anzufertigen. Aber August hat Bedingungen: Erst nach Offenbarung des Gold-Geheimnisses will er Böttger die Freiheit zurückgeben.
Beginn der keramischen Experimente In Dresden wird ihm ein Laboratorium zur Verfügung gestellt. Zwei Männer werden ihm zur Seite gestellt: der Gelehrte Ehrenfried Walther von Tschirnhaus und der Bergbaubeamte Gottfried Pabst von Ohain. Sie sollen Augusts Goldmacher unterstützen und beaufsichtigen. Der vielseitig interessierte Wissenschaftler Tschirnhaus befasst sich schon seit Jahren mit der Entschlüsslung eines anderen Geheimnisses – der Porzellanherstellung. Endlich will er dem Technologievorsprung der Chinesen ein Ende bereiten und August das "Weiße Gold" machen. Doch bisher sind seine Bemühungen erfolglos. Unter Tschirnhaus’ Einfluss beginnt Böttger mit keramischen Experimenten. Doch noch immer steht das Gold an erster Stelle. Kriegsunruhen veranlassen August, seinen "Goldjungen" in Sicherheit zubringen. Im Herbst 1705 lässt er ihn zunächst auf die Albrechtsburg in Meißen befördern. Im Mai 1706 gelingt dort Tschirnhaus, Böttger und Pabst von Ohain die Herstellung einer rotbraunen Keramik, heute bekannt als "Böttgersteinzeug" – eine wichtige Vorstufe auf dem Weg zum Porzellan. Allerdings währt die Arbeitsphase auf der Albrechtsburg nur kurz, der Kriegsgegner Schweden nähert sich unaufhaltsam der kursächsischen Grenze. Im September 1706 wird Böttger sicherheitshalber auf die Festung Königstein verbracht. Niemand darf wissen, wer der geheimnisvolle Gefangene ist. Auf Königstein wird er nur als der "Herr mit den drey Dienern" bezeichnet. Aus Gründen des Brandschutzes muss Böttger auf der Festung seine Goldversuche einstellen. Zum Glück für ihn, denn er weiß nicht mehr weiter und sieht sich dem Galgen immer näher. In der Verzweiflung ist Tschirnhaus sein Retter. Während eines Besuches des Gelehrten auf der Festung beschließen die beiden, August den Starken für die Porzellanherstellung zu begeistern. Der Coup gelingt, was Böttgers Rettung ist. Nach einem Jahr Festungshaft in Königstein kehrt er am 23. September 1707 nach Dresden zurück. Schon vor seiner Ankunft werden Gewölbe unterhalb des Lustschlösschens auf der Jungfernbastei hergerichtet. Bei dem Versuch, Porzellan herzustellen, wird Böttger von Pabst von Ohain unterstützt. Der Metallurge, Bergwerks- und Hüttenfachmann stellt Materialen und Gerätschaften bereit. Wieder vereint, machen sich Böttger und Tschirnhaus ans Werk. Gottfried Pabst von Ohain und mit ihm mehrere Freiberger Berg- und Hüttenspezialisten steuern ihr Wissen bei. In nur zwei Monaten gelingt dem Team das scheinbar Unmögliche. Zum Jahresende 1707 präsentieren sie dem sächsischen Kurfürsten Porzellan. Der erste Beleg für das europäische Porzellan datiert vom 15. Januar 1708. Es ist ein schlichter Zettel, auf dem ein Mitarbeiter von Tschirnhaus und Böttger die richtigen Mischungsverhältnisse der Porzellan-Zutaten festhielt.
August ist begeistert. Sein Ziel, die erste europäische Porzellanmanufaktur zu eröffnen, scheint zum Greifen nahe. Er lässt die Sicherheitsmaßnahmen verstärken. Sieben Oberoffiziere, fünf Sergeanten, zwölf Korporale, ein Tambour und neunzig Soldaten bewachen ab jetzt Böttger und die Jungfernbastei. Noch während der Vervollkommnung des Herstellungsprozesses im Jahr 1708 verstirbt Tschirnhaus. Der Todesfall trifft Böttger hart. Er verliert nicht nur einen Mentor, sondern auch einen Freund und Helfer. In seinen letzten Lebensjahren arbeitet Böttger als Administrator in der 1710 gegründeten Meißner Porzellanmanufaktur. Die keramischen Arbeiten, vor allem die Verbesserung der technologischen Umsetzung, nehmen Böttger voll in Anspruch. Am 19. April 1714 ist es endlich soweit: Böttger wird nach fast dreizehnjähriger Haft wieder in die Freiheit entlassen. Allerdings ist es ihm untersagt, das Land zu verlassen und die Rezeptur des "Weißen Porzellan" zu verraten. Vom Traum, den "Stein der Weisen" herzustellen, haben sich Böttger und August der Starke noch immer nicht gelöst. Ein neuer Vertrag zur Herstellung des Steins der Weisen wird geschlossen und Böttger verspricht, das Goldelixier noch bis Januar 1719 herzustellen. Doch kommt er nicht mehr dazu, sein Versprechen - ernst gemeint oder nicht - einzulösen. Böttger ist geschwächt, sein Körper durch jahrelanges Hantieren am Brennofen und ständigem Umgang mit gefährlichen Chemikalien, wie Quecksilber und Arsen, chronisch vergiftet. Im Alter von erst 37 Jahren stirbt Johann Friedrich Böttger am 13. März 1719. Mit Sicherheit ist er nicht der alleinige Erfinder des europäischen Porzellans. Allerdings ist es fraglich, ob die geniale Tat ohne die Hilfe des findigen Experimentators Böttger gelungen wäre.
Fragmente einer Legende – Weißes Gold aus Grabungen Japanisches Palais, Dresden Geöffnet dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr. Das Landesamt für Archäologie zeigt erstmalig wichtige Teile seiner umfangreichen Sammlung von Porzellanfunden aus archäologischen Ausgrabungen in Sachsen. Hier stehen nicht die prachtvollen, gut erhaltenen Objekte fürstlicher Repräsentation im Mittelpunkt, sondern die meist fragmentierte Hinterlassenschaft unserer Vorfahren: Alltägliche Stücke bürgerlicher Tischkultur, die aus verschiedenen Gründen unter die Erde gelangten. Manches wurde zusammen mit anderem Abfall einfach entsorgt, gibt uns aber heute kostbare Aufschlüsse über Lebensstandards in bestimmten städtischen Quartieren. Anderes wiederum wurde als Ausschuss, Fehlbrand oder als Probestück gleich nach dem Arbeitsprozess fortgeworfen. Ohne das Lob sächsischen Erfindergeistes und handwerklicher Meisterschaft zu schmälern, gilt es auch im Auge zu behalten, dass Porzellan in Sachsen nicht erst seit Böttgers Erfindung beliebt war. Bereits vorher wurden asiatische Porzellane über die Fernhandelskompanien vertrieben und gelangten als Handelsgut natürlich auch hierher. Wir lenken die Blicke aber auch auf Nachahmungen und Ersatzmaterialien, wie Fayence und Steingut, mit denen im 18. und 19. Jahrhundert wenigstens ein Abglanz des für das gemeine Volk unbezahlbaren Luxus’ des Porzellans erschwinglich gemacht wurde. Schließlich gelangen wir zum industriellen Massengut Porzellan, das etwa in Dresdner Kaffeehäusern der Vorkriegszeit genutzt wurde und dann bei den flächigen Ausgrabungen in der Innenstadt wieder auftauchte.
Einen besonderen Stellenwert nehmen die Resultate der unlängst abgeschlossenen Grabungen auf dem Meißner Burgberg, direkt neben der ursprünglichen Porzellanmanufaktur in der Albrechtsburg ein. Hier wurden große Fundkomplexe von Produktionsabfall der Meißner Manufaktur entdeckt, die einen vorzüglichen Einblick in den historischen Herstellungprozess gewähren. Brennhilfen und farbenfrohe Malproben veranschaulichen in einzigartiger Weise, dass hinter der Pracht harte und akribische Arbeit stand, die nicht selten von Misserfolgen heimgesucht wurde. Nicht ausgestellt werden können allerdings die größten Funde der Meißner Grabungen. Die Fundamente der mächtigen Brennöfen, die unmittelbar neben der Albrechtsburg entdeckt wurden, haben einen Durchmesser von 7,5 Metern. Doch vermittelt die grafischen Inszenierungen auch hiervon einen bleibenden Eindruck.


