Fragmente einer Legende

Japanischer Palais Dresden

Nach Selb und Hohenberg war hier die grösste Sonderausstellung zu sehen. Sie zeigte ein umfassendes Bild der Meissner Porzellankunst vom Barock bis zum Biedermeier. Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden nahmen das Porzellanjubiläum zum Anlass, Meissner Porzellan erstmals an dem Ort zu zeigen, den August der Starke einst zur Präsentation der königlichen Porzellanschätze aus Ostasien und Meissen gewidmet hatte. August der Starke hatte im Jahr 1710 in Meissen die erste Porzellanmanufaktur gegründet. Meissner Porzellan war schnell ein unverzichtbares Statussymbol der europäischen Fürstenhäuser geworden. Bis heute gilt der Inbegriff für gehobene Tischkultur und luxuriöse Raumdekoration. Um seiner maladie de porcelaine den passenden Rahmen zu geben, plante der Kurfürst das Japanische Palais zum Porzellanschloss umzubauen. Ein Projekt das jedoch nie ganz vollendet wurde. August der Starke wollte unter anderem im Erdgeschoss ostasiatisches Porzellan und im Obergeschoss darüber Meissner Porzellan ausstellen. Mit dieser Art der Präsentation wollte er deutlich das Meissner Produkt über das von ihm hoch geschätzte ostasiatische Porzellan erheben. Die Sonderausstellung Triumph der blauen Schwerter zeigte insgesamt rund 800 Porzellane, darunter grosse Teile der Depotbestände der Dresdner Sammlung, die dem Publikum sonst nicht zugänglich sind. Sie wurden ergänzt durch umfangreiche Leihgaben aus Museen und Sammlungen der Welt. Meissen verkörperte in den ersten 100 Jahren die europäische Porzellankunst schlechthin, trotzte lange dem Konkurrenzkampf zwischen den neu entstandenen Manufakturen und konnte sich auch nach den Krisen des siebenjährigen Krieges und der Napoleonischen Kriege erfolgreich bis in die Gegenwart behaupten. Meissen war bis 1756 die tonangebende Manufaktur in Europa gewesen, danach hatte Sevres die Führungsrolle übernommen. Die Sonderausstellung Triump der blauen Schwerter, Meissner Porzellan für Adel und Bürgertum 1710-1815 im Japanischen Palais war nur ein Teil einer Vielzahl von Highlights im Jahr des 300jährigen Jubiläums des Meissner Porzellans. Bereits im März hatten die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden nach sechsmonatiger Schliessung die Porzellansammlung im Dresdner Zwinger wieder eröffnet.

Fragmente einer Legende – Weißes Gold aus Grabungen Japanisches Palais, Dresden Geöffnet dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr. Das Landesamt für Archäologie zeigt erstmalig wichtige Teile seiner umfangreichen Sammlung von Porzellanfunden aus archäologischen Ausgrabungen in Sachsen. Hier stehen nicht die prachtvollen, gut erhaltenen Objekte fürstlicher Repräsentation im Mittelpunkt, sondern die meist fragmentierte Hinterlassenschaft unserer Vorfahren: Alltägliche Stücke bürgerlicher Tischkultur, die aus verschiedenen Gründen unter die Erde gelangten. Manches wurde zusammen mit anderem Abfall einfach entsorgt, gibt uns aber heute kostbare Aufschlüsse über Lebensstandards in bestimmten städtischen Quartieren. Anderes wiederum wurde als Ausschuss, Fehlbrand oder als Probestück gleich nach dem Arbeitsprozess fortgeworfen. Ohne das Lob sächsischen Erfindergeistes und handwerklicher Meisterschaft zu schmälern, gilt es auch im Auge zu behalten, dass Porzellan in Sachsen nicht erst seit Böttgers Erfindung beliebt war. Bereits vorher wurden asiatische Porzellane über die Fernhandelskompanien vertrieben und gelangten als Handelsgut natürlich auch hierher. Wir lenken die Blicke aber auch auf Nachahmungen und Ersatzmaterialien, wie Fayence und Steingut, mit denen im 18. und 19. Jahrhundert wenigstens ein Abglanz des für das gemeine Volk unbezahlbaren Luxus’ des Porzellans erschwinglich gemacht wurde. Schließlich gelangen wir zum industriellen Massengut Porzellan, das etwa in Dresdner Kaffeehäusern der Vorkriegszeit genutzt wurde und dann bei den flächigen Ausgrabungen in der Innenstadt wieder auftauchte. Einen besonderen Stellenwert nehmen die Resultate der unlängst abgeschlossenen Grabungen auf dem Meißner Burgberg, direkt neben der ursprünglichen Porzellanmanufaktur in der Albrechtsburg ein. Hier wurden große Fundkomplexe von Produktionsabfall der Meißner Manufaktur entdeckt, die einen vorzüglichen Einblick in den historischen Herstellungprozess gewähren. Brennhilfen und farbenfrohe Malproben veranschaulichen in einzigartiger Weise, dass hinter der Pracht harte und akribische Arbeit stand, die nicht selten von Misserfolgen heimgesucht wurde. Nicht ausgestellt werden können allerdings die größten Funde der Meißner Grabungen. Die Fundamente der mächtigen Brennöfen, die unmittelbar neben der Albrechtsburg entdeckt wurden, haben einen Durchmesser von 7,5 Metern. Doch vermittelt die grafischen Inszenierungen auch hiervon einen bleibenden Eindruck.