Weimar Harlekin und Herkules

Schloss Belvedere feiert 300jähriges Porzellanjubiläum

Harlekin und Herkules. Thüringer Porzellane des Rokoko und des Klassizismus« – Klassik Stiftung Weimar lud zur Kuratorenführung in das Schloss Belvedere ein. Am Sonntag, 25. April 2010, 15 Uhr, stellten Susanne Schroeder und Cornelia Irmisch die Ausstellung »Harlekin und Herkules vor. Thüringer Porzellane des Rokoko und des Klassizismus« im Schloss Belvedere vor. Die beiden Kuratorinnen wießen auf Besonderheiten und Herkunft der fragilen Kostbarkeiten hin, die für die Ausstellung aus Sammlungen in ganz Deutschland zusammengetragen wurden. Die Führung am Sonntag bildet den Auftakt für das Rahmenprogramm zu der im Thüringer Porzellanjahr gezeigten Ausstellung, die bis zum 30. Oktober 2010 zu sehen ist.

Porzellane des Rokoko und Klassizismus im Schloss Belvedere Die Klassik Stiftung zeigte aus dem reichen Thüringer Porzellanschatz Erzeugnisse, die eng mit der Geschichte und dem Wirken des Hauses Sachsen-Weimar-Eisenach verbunden sind. Nach einem Auftakt mit Meißner Porzellanen des 18. Jahrhunderts, die beispielgebend für Thüringer Manufakturen waren, werden besonders die anmutigen und originellen Schöpfungen aus Closter Veilsdorf und Ilmenau in ihrem stilistischen Wandel vorgestellt. Klassik Stiftung Weimar, Schloß Belvedere 99425 Weimar Telefon: 03643 545400 Fax: 03643 419816 e-mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Die Passion des Herzogs Ernst August I. von Sachsen-Weimar-Eisenach für Porzellan ging so weit, dass er vor "Industriespionage" nicht zurückschreckte. Weimar verdankt ihm einen bedeutenden Bestand früher Arbeiten, die - um Leihgaben ergänzt - auf Schloss Belvedere gezeigt werden. Weimar. Wenn Sachsen und Thüringen ihre Porzellan-Jubiläen feiern, kann Weimar es ihnen gleichtun. Vermutlich die spektakuläre Sammlung August des Starken in Dresden weckte in Herzog Ernst August I. von Sachsen-Weimar-Eisenach die Liebe zum weißen Gold. Und obwohl es ihm nicht gelang, Meißener Experten abzuwerben, um bereits 1737 eine eigene Manufaktur zu gründen, so begann er bereits damals, Stücke nach Weimar zu importieren. Auf jene frühen Exponate legt die Ausstellung "Harlekin und Herkules. Thüringer Porzellane des Rokoko und Klassizismus" auf Schloss Belvedere den Fokus, die neben "Hinaus in die Natur!" im Neuen Museum und den Venetischen Meisterzeichnungen am Frauenplan zum dritten großen Publikumsmagneten der Klassik-Stiftung avancieren soll. Diese verfügt über einen Porzellanbestand von etwa 4000 Stücken aus ganz Europa, wobei jedes vierte aus Thüringen stammt. Und auch rund 700 Meißener Exponate werden während der Ausstellung natürlich nicht alle im Depot verstauben, weiß die Kuratorin Susanne Schroeder, sondern ergänzen jene ob des Herzogs Leidenschaft.

Rund 300 Exponate konnten die Besucher entdecken. Die Besonderheit lag in ganzen Figurengruppen, so jener zur Commedia dell' Arte, die durch Leihgaben aus Fulda zu einer Besonderheit im Porzellanjahr avanciert. Neben den großen Figuren aus Thüringens fürstlicher Manufaktur Closter Veilsdorf, die Wenzel Neu schuf, stehen kleinere Arbeiten seines Schülers Friedrich Wilhelm Döll. Gegenübergestellt sind im Schloss ebenso die siebenteilige Gruppe an Planetenfiguren mit Vorlagen aus Ton, die eine Besonderheit bei der Herstellung verdeutlichen: Die Porzellanmasse schrumpft beim Brennen beträchtlich. Der Westpavillon ist den Arbeiten der Manufaktur Ilmenau gewidmet, die sich die Medaillons des Briten Josia Wedgwood zum Vorbild nahm. Allein dazu finden sich neben fertigen Stücken hunderte Gipsabdrücke antiker Gemmen in den Vitrinen, aber ebenso Wedgwood-Originale. Zu Exponaten zählen aber ebenso Gebrauchsgeschirr aus dem Hause Wieland oder ein Frühstücks-Dejeuner Carl Augusts, das sich erst durch die Recherchen zur Ausstellung als Ilmenauer, nicht wie gedacht als Volkstedter Kunst erwies. Aus heutiger Sicht die Grenze zum Kitsch erreicht hingegen ein Meißener Tischaufsatz: Auf einer etwa 50 Zentimeter großen Schaukel sitzend, hält ein Jüngling eine kleine Schale, aus der Gäste an einer edlen Tafel Gewürze entnehmen konnten. Die Ausstellung wird Sonntag um 15 Uhr, umrahmt von Musikgymnasiasten, eröffnet.