Anton Puchegger
Im Rahmen der Tierbildausstellung die das Berliner Künstlerhaus im Februar 1918 veranstaltete, wurde das Andenken des Tierbildners Anton Puchegger, der im September 1917 im besten Mannesalter einer Krankheit erlegen ist, durch eine Sonderausstellung seiner Werke geehrt. Puchegger war wie seine junge Gattin, Frau Leopoldine, Geb. Batleich, mitteilte, aus feinen Verhältnissen hervorgegangen und am 7. September 1879 zu Haßbach in Niederöstereich geboren. Ein Jugendstreich, den er als achtjähriger verübte, wurde von entscheidender Bedeutung für seine Künstlerlaufbahn. Durch eine treffende Karikatur des Bürgermeisters und des Bädermeisters von Haßbach, die er in die Hofplante seines Vaters schnitzte, fühlten sich die ehrsamen Dorfgewaltigen so bitter getränkt, dasss sie zum Herrn Lehrer liefen und die Bestrafung des kleinen Übeltäters forderten. Der Lehrer musste dann die Aufmerksamkeit des Grafen Wurmbrand, Schlossherrn auf Stenersberg unweit Haßbach, auf das Talent des Knaben zu lenken. Graf Wurmbrand schickte ihn mit vierzehn Jahren nach Bozen auf die Holzschnitzschule, von wo er nach vierjähriger Lehrzeit an die Wiener Kunstakademie übersiedelte. Dort erlangte er später ein Stipendium, das ihm ermöglichte, seine Ausbildung in der Holzbildhauerzunft in Paris zu vollenden.
Nach Wien zurück gekehrt, wurde er vom Grafen Tinti für die Leitung der Ausgrabungen und Restaurationsarbeiten auf Schloss Schalaburg gewonnen, die ihn zwei weitere Jahre völlin in Anspruch nahmen. Mit sechsundzwanzig Jahren wurde ihm eine Professorenstellen an der Bnaimer Kunstschule angeboten, die er jedoch ausschlug, um als freischaffender Künstler seinen Weg zu gehen. Er nahm jetzt Aufenthalt in Berlin, wo der Zoologische Garten ihm Gelegenheit zum eingehenden Studium der Tiere bot. Denn seine Vorliebe zu den Tieren sich immer entscheidender zuwandte. Prof. Dr. Ludwig, der Direktor des Berliner Tiergarten, hatte im Weltspiegel Jahrgang 1918 eine warmherzige Schilderung seiner dortigen Tätigkeit gegeben und seine besten in Holz geschnitzten Tierfiguren nach Modellen des Berliner Zoo aufgeführt. Das der Künstler sich auch in Materalien von entgegengesetzter Wirkung liebevoll einfühlen konnte, beweissen die mannigfachen Tiermodelle, die er in den Jahren 1909 bis 1912 ebenfalls nach Modellen aus dem Berliner Tiergarten für die Berliner Königliche Porzellanmanufaktur KPM geschaffen hat.
Ausstellung Bröhan Museum - Das Tier im Blick
Der Bildhauer Anton Puchegger (1878-1917) Ausstellung vom 24. Januar bis 6. Mai 2012 im Bröhan-Museum, Berlin
Die Tierbildhauerei erlangte um die Jahrhundertwende eine Schlüsselposition als Experimentierfeld und Präsentationsform für die moderne Bildhauerkunst. Einer der bedeutendsten, wenngleich heute fast vergessenen, Tierbildhauer war der gebürtige Österreicher Anton Puchegger (1878-1917), der mit 27 Jahren nach Berlin übersiedelte. Im Zentrum seines Werks stand zu allen Zeiten das Tier, dem er durch intensives Studium im Zoologischen Garten nahe zu kommen suchte. Eigentlich als Holzbildhauer ausgebildet, arbeitete Puchegger auch mit Bronze, Stein, Keramik und Porzellan. Eine repräsentative Auswahl von etwa 40 Werken dieses Künstlers kann nun erstmals in einer monographischen Ausstellung gezeigt werden.
Mit der Berliner Tierplastik um 1900 wird zunächst der Bildhauer August Gaul in Verbindung gebracht. Dass aber gerade der Österreicher Anton Puchegger eine große künstlerische Bedeutung für die bildhauerische Darstellung von Tieren in eben diesem Zeitraum in Berlin gewinnen konnte, ist ungewöhnlich und heute nur noch wenigen bekannt. Puchegger kam 1905 nach Berlin und wurde vornehmlich für seine Entwürfe für die Königliche Porzellanmanufaktur wahrgenommen. Das Arbeitsfeld des jungen Künstlers war der Zoologische Garten Berlin, eine der bedeutendsten Anlagen dieser Art. Die Modelle, die Puchegger sich aussuchte, waren dasberühmteElefantenpar„HaryundToni“,dieZebras, Affen, Meerkatzen, Leoparden, Königstiger, Eisbären, aber auch die exotischen Mandarinenten. Alle diese Figuren gehören zum Bestand des Bröhan-Museums.
Eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung der modernen Tierplastik war die Einrichtung zoologischer Gärten in vielen europäischen Großstädten, die für die Künstler ein reiches Anschauungsmaterial bereit hielten. Besonders die Darstellungen exotischer Tiere, die sich um 1900 wachsender Beliebtheit erfreuten, basieren in aller Regel auf an Zootieren getroffenen Beobachtungen und reflektieren daher weniger Naturverbundenheit als den Lebensraum der modernen Großstadt. Die Tierplastik des frühen 20. Jahrhunderts belegt so auch die wichtige Funktion der Zoologischen Gärten als Schnittstellen zwischen moderner Kunst und urbaner Moderne.
Mit der Austelung „Das Tier im Blick “wird wisenschaftliches und kunsthistorisches Neuland betreten,da Recherchen sichtbar machten, dass das Werk Pucheggers sehr viel umfangreicher und vielseitiger ist als vorerst angenommen. Durch die Mithilfe von engagierten Privatsammlern, Museen und Institutionen ist es erstmals möglich geworden, ein so noch nie gezeigtes Spektrum der Arbeiten Pucheggers zeigen zu können.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit neuen Forschungsergebnissen: 92 Seiten, zahlreiche farbige Abb., 10,- € Kuratoren der Ausstellung: Dr. Ingeborg Becker, Anna Grosskopf M.A. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit: Corinna Päpke M.A. Öffnungszeiten: Di bis So von 10 bis 18 Uhr und an allen Feiertagen (24. und 31.12. geschlossen)


