Björn Wiinblad Atelier

Atelier Björn Wiinblad

Björn WiinbladBjörn Wiinbland Atelier

Björn Wiinblad

Bjørn Wiinblad wurde 1918 als Sohn eines Typographen in Kopenhagen geboren. Schon der Jugendliche illustrierte eigene Gedichte und lernte Klavier und Flöte spielen. Zuerst besuchte Wiinblad dieselbe Zeichenschule wie ein Bekannter seiner älteren Schwester Ulla, anschließend studierte er von 1940-1943 Malerei und Illustration an der Königlich Dänischen Kunstakademie in Kopenhagen.

Während dieser Zeit kam er über seinen Freund Richard zur Keramik. Nach Abschluss des Studiums verdiente sich Wiinblad Geld als Modell, Laufbursche und als Feuerwehrmann, um sich Material für seine Arbeit als freier Maler und Designer leisten zu können. 1957 beginnt die Zusammenarbeit mit der Rosenthal AG in Selb. Björn Winblad, 1918 in Kobenhagen geboren, begann seine Karriere im Rosenthal Konzern im Werk Bahnhof Selb. Dort entstand die Form Zauberflöte und bis zur Verlagerung ins Werk Rotbühl entstanden dort noch viele kleine und grosse Kostbarkeiten aus den Händen von Björn Winblad.

Entwürfe und Arbeiten

1945 richtete Wiinblad seine erste eigene Ausstellung aus, die sehr positive Kritiken erhielt. Die darauf folgenden Arbeiten waren Aufträge für Plakate, eine Buchillustration für 1001 Nacht und eine Theaterdekoration für Lysistrata. Von 1946 - 1956 hatte Wiinblad eine Zusammenarbeit mit der Associated Nymølle Fajancefabrik, 1950 folgten Arbeiten für Marshal-Plan in Paris. Seit 1957 arbeitete Wiinblad hauptsächlich mit der Rosenthal AG zusammen. An Bühnendekorationen entwarf er 1962 Bühnenbilder, Kostüme und Dekorationen für das Königliche Theater in Kopenhagen und 1965 die Kostüme zu Shakespeares The Tempest für das Dallas Theatre Center. 1969 folgten Entwürfe für das Ballett Schweinehirt in Kopenhagen (zum 70. Geburtstag von König Frederik), denen Illustrationen zu dem gleichnamigen Märchen Der Schweinehirt von Hans Christian Andersen nachfolgten, die 1974 in einen kurzen Animationsfilm umgesetzt wurden. Er entwarf 1981 das Jahresplakat für Tivoli in Kopenhagen und 1987 ein Poster für das Königlich-Dänische Ballet. Seine Textilentwürfe wurden für Kostüme mehrerer Ballett- und Bühnenaufführungen verwendet. Der Nussknacker - Poster, Kostüme und Bühnenbild von Wiinblad - wurde 17 Jahre lang in Kopenhagen durch das Königliche Ballett aufgeführt. Seine größeren Keramikarbeiten und Gobelins sind als Hoteldekorationen in Japan and den USA zu finden, z.B. der große Scheherazade-Gobelin für das Dallas World Trade Center oder die Einrichtung des Flowerpot-Restaurants 1978 in Chicago. Im Jahr 1971 eröffnete er sein eigenes permantentes Ausstellungshaus, Bjørn Wiinblads Hus, in der Ny Østergade in Kopenhagen.

Phillipp Rosenthal - Ein Zusammentreffen mit Folgen:

Als Phillipp Rosenthal 1957 auf einer Fahrt durch Jütland in ein kleines Geschäft kam, sah ich dort Keramiken von einem mir unbekannten Künstler. Ich war begeistert von dieser Überziehung einer ganzen Fläche mit Ornamenten, die zwar aufgelöst und auch persönlich waren, aber nie den Zusammenhalt mit der Fläche und der Form verloren. Ich fragte nach der Adresse des Entwerfers und suchte ihn umgehend auf. Dieser Mann war Björn Wiinblad. Aus diesem spontanen Kontakt wuchs eine lange und fruchtbare Zusammenarbeit, die bis heute nicht aufgehört hat, immer wieder Neues hervorzubringen. Björn Wiinblad, einer der ca. 100 Künstler und Designer, die für die Rosenthal Studio Line arbeiten. Der dänische Keramiker Björn Wiinblad in Kongens Lyngby bei Kobenhagen gehörte zu den vielseitigsten Künstlern unserer Zeit. Er gegann als Maler, erregte aber mit seinen unverwechselbaren, fantasievollen Keramiken internationales Aufsehen. Wiinblad packte viele Dinge gleichzeitig an. Neben der Keramik brachten ihm Plakate, Bühnenbilder, Buchillustrationen, Glas-Porzellan und Silber Arbeiten Erfolg. In Deutschland ist Wiinblad vor allem durch seine Entwürfe für Rosenthal bekannt. Björn Wiinblad ist ein Künstler, der seinen Wirkungskreis auf der ganzen Welt fand. Arbeits- und Privatspäre trennt er nicht. Er lebte, wo er arbeitete und er arbeitete wo er lebte. Zentrum seines Schaffens waren das Blaue Haus. Hier zeigt sich am deutlichsten, dass alle Entwürfe aus seiner Lebensart entstanden. Er entwarf sich seine eigene oft märchenhafte schöne Welt.

Zusammenarbeit mit Firma Rosenthal

Die produktive Zusammenarbeit zwischen dem freien Mitarbeiter Bjørn Wiinblad und der Rosenthal AG in Selb begann 1957 und wurde - auch durch die persönliche Freundschaft zwischen Wiinblad und Philip Rosenthal († 2003) fast fünfzig Jahre lang fortgeführt. Die folgenden Gemeinschaftsprojekte wurden realisiert:

  • 1959/60 Porzellanform Romanze, Porzellan, Glas, Besteck
  • 1964 Kaffeegeschirr Siena mit Gartengrilltisch
  • 1966 Kunstkeramik Jongleur und Leuchterfrau
  • 1968 Porzellanform Zauberflöte
  • 1964 Porzellanform Lotus, Kaffee- und Speiseservice
  • 1969 Porzellan-Geschenkserie 1001 Nacht
  • 1971 Mokkaservice Petite Fleur Gold
  • 1971 Erster Weihnachtsteller für Rosenthal (zwölf insgesamt, limitierte Auflage)
  • 1975 Porzellanform Form ohne Namen u.a. mit 40 Till Eulenspiegel-Motiven
  • 1976 Porzellanform Bodil
  • 1976 Kunstmöbel Die vier Himmelsrichtungen (limitiert)
  • 1978 Kunstkeramik Wiinblads poetische Ceramic
  • 1978 Zierteller Jahreszeiten
  • 1979 - 1983 Sammelkollektion Aladin (zwölf Teller)
  • 1984 - 1987 Sammelkollektion Sindbad der Seefahrer (acht Teller)
  • 1985 Leuchterskulptur Sommernachtstraum
  • 1985 Porzellanform Asimmetrias, Porzellan, Glas, Besteck
  • 1988 - 19?? Sammelkollektion Das Zauberpferd (zwölf Teller)
  • 198? Porzellanform Scheherazade
  • 2003 Schachspiel (limitiert); mit Unikat Hommage Philip Rosenthal
  • 2007 Vasenserie Scherenschnitt schwarz

Vor allem die Teller der Sammelkollektionen sind sehr beliebt und haben heute einen hohen Sammlerwert.

Kunststil und Lebensweise

Bezeichnend für Wiinblads Werk sind umrisshaft gezeichnete Figuren, deren große, rundliche Gesichter mit Kulleraugen und Spitznasen an Kinderzeichnungen erinnern. Sie werden oft in einer naturähnlichen aber phantastischen Umgebung gezeigt mit filigranen Weinranken, rahmengebenden Blumenkränzen und stilisierten Bäumen. Wenn Wiinblad Farben einsetzt, so sind sie kräftig und satt, manchmal nahezu psychedelisch und oft mit metallisch glänzendem Gold- oder Silbertönen umrandet oder akzentuiert. Die Vielfalt von Wiinblads Entwürfen - Keramiken, Bestecke, Bühnendekors, Kostüme, Möbel, Textilien, Figurinen, keramische Wandverkleidungen, Gobelins, Glasfenster, Brunnen, Gartenanlagen, Grilltische, Plakate, Buchillustrationen, Arbeiten in Silber, Bronze und Glas - fand sich auch in seinen privaten Interessen: Während seiner Arbeit im Atelier war klassische Musik obligatorisch. Wiinblad war Reiter, fuhr schnelle Wagen, sammelte exotische Kunstgegenstände, spielte Klavier, war ein phantasievoller Koch und bewirtete Freunde und Verwandte häufig bei Einladungen. Neben seiner Muttersprache Dänisch war Wiinblad fließend in Deutsch und Englisch. Seinen Hauptsitz mit Atelier und Werkstatt hatte Wiinblad im Blå Hus (Blauen Haus) in Kongens Lyngby, wo der in seiner Arbeitsweise einzelgängerische Künstler seine Entwürfe oft ohne Rücksicht auf Tages- oder Nachtzeit zu Ende brachte und in dem auch heute (2010) noch nach seinen Entwürfen Porzellane hergestellt werden. In der Schweiz hatte er Wohnsitze in Schaffhausen (am Pferdewald) und ein Atelier in Lausanne. Während der Zusammenarbeit mit Rosenthal hatte er in Selb ein Atelier, dazu ein Apartment in Salzburg, ein Ferienhaus auf Ærø und ein Wochenendhaus in Asserbo.

Ausstellungen

In den 1950er und 1960er Jahren wurden Wiinblads grafischen Arbeiten in Europa, den USA (zum ersten Mal 1954), in Japan, Australien und Kanada (1968) gezeigt. Museen weltweit zeigen derzeit seine Werke, darunter das Victoria and Albert Museum in London; das Museum of Modern Art in New York; das Nationalmuseum in Stockholm und das Kunstgewerbemuseum (Kunstindustrimuseet) in Kopenhagen.

  • 1945 (13. Jan.) Erste Ausstellung (Keramik, Portraits, Illustrationen), Kopenhagen
  • 1945 Binger, Kopenhagen
  • 1946, 1956 und 1965 Den Permanente, Kopenhagen
  • 1947 Röhsska Konstslöjdmuseet, Göteborg
  • 1950 Nordiska Kompaniet, Stockholm
  • 1954 Georg Jensen, New York (NY)
  • 1954 Brown Stone Gallery (Contemperary Art in Scandinavia), New York (NY)
  • 1961, 1972, 1974 Illums Bolighus, Kopenhagen
  • 1963 Gumps, San Francisco
  • 1963 Niemann-Marcus, Dallas (TX)
  • 1964 Georg Jensen, New York (NY)
  • 1967 Rosenthal Studio-Haus, Zürich ("10 Jahre Wiinblad-Rosenthal")
  • 1969 Takashimaya, Tokio
  • 1970 Bloomingdales, New York (NY)
  • Seit 1971 Permanentausstellung und Verkauf im Bjørn Wiinblads Hus, Kopenhagen
  • 1974 Århus Kunstmuseum 1974 ("Bjørn Wiinblad wunderbare Welt")
  • 1975 Art Museum, Nordjütland
  • 1978 Gürzenich ("Gobelin-Ausstellung"), Köln
  • 1980 Theater im Pfalzbau, Ludwigshafen
  • 1980 Landesbank Schleswig-Holstein, Kiel
  • 1982 Österreichisches Theatermuseum, Wien
  • 1985-86 Dumont-Lindemann-Archiv, Düsseldorf
  • 2007 Europäisches Industriemuseum für Porzellan, Selb (Retrospektive)

Biographien

Rosenthal Mythen, Märchen und Musik - Hommage Bjørn Wiinblad, Selb (2007) Mel Byars Design Encyclopedia Klinkhardt & Biermann, München (1994), S. 590 Thomas Heider, Markus Stegmann, René Zey Lexikon Internationales Design, Rowohlt (1994), S. 362-363 Bernd Fritz Die Porzellangeschirre des Rosenthal-Konzerns - 1891-1979, Stuttgart (1989), S. 47-48

Im Jahr 1965 schrieb Björn Wiinblad aus USA an Phillipp Rosenthal:

Lieber Phillipp, ich freue mich zu hören, dass Du eventuell in Amerika bist, wenn ich die Eröffnung von Sturm habe. Ich habe niemals zuvor so viele Gedanken und so viel harte Arbeit in eine einzige Sache gelegt, aber jeder hier am Theater arbeit mit solcher Begeisterung, um mir zu helfen. Wir haben grosse Probleme mit der Musik, die ich mit einem dänischen Komponisten gemacht habe, und wir haben einige Probleme mit der sogenannten Kostümierung, da wir noch keine wirkliche Konzeption dafür haben. Aber ich habe Hunderte und Hunderte sehr hübscher Skizzen gemacht, und entweder wird es wundervoll oder es wird schrecklich! Der Applaus nach der Premiere von Shakespeares Sturm in Dallas galt nicht allein den Schauspielern. Er galt vor allem auch den Kostümen und dem Bühnenbild von Björn Wiinblad. Zu Wiinblad jüngsten Arbeiten auf diesem Gebiet zählen die Kostüm Entwürfe für Ludwig Holbergs Don Ranudo. Diese Entwürfe zeigen, dass Wiinblad immer wieder andersartig arbeiten kann und doch immer seine Handschrift, die ihn so bekannt gemacht hat, behält.

Der Illustrator Wiinblad

Der dänische Journalist Martin Hartung charakterisierte Wiinblads Zeichnungen und Illustrationen folgendermaßen: Das beste Beispiel für Wiinblads Ausdrucksform ist das bevorzugte Figurenmotiv: die Dame mit der spitzen Nase und den runden Wangen und dem schmollenden Mund, die wieder und wieder in seinen Kompositionen auftritt. Man beachte, dass sie immer in einer anderen Variation auftaucht, sie wird ewig verändert. Was ist es eigentlich, dass so unmittelbar die Aufmerksamkeit des Beschauers aufsichzieht? Im konventionellen Sinn ist sie weder besonders schön noch sehr charmant, sie wirkt weder kokett noch erotisch. Ihre Anziehungskraft - übrigens auf Männer und Frauen gleichermassen - mag darin liegen, dass sie all das universelle und speziell mädchenhafte ausdrückt, welches wir all so gut kennen, aber was keiner richtig definieren kann. Die zahlreichen Versionen der Dame mit der spitzen Nase ist das Kennzeichen für Björn Wiinblad gesamte, enorm vielseitige Produktion, die in ihrer Gesamtheit mit dem Konsequenten Streben charakterisiert werden kann, den Alltag zu einem sorglosen Fest zu gestalten und die Arbeit zu einem unbekümmerten Spiel. Wiinblad hat auch immer wieder Illustrationen auf Porzellan oder Keramik gemacht. Beispiele in der Rosenthal Studio Line sind Die Zauberflöte, der Dekor Serenade auf der Form Polygon und der Dekor Till Eulenspiegel.

Die Romanze

Die Rosenthal Form Romanze von Björn Wiinblad ist inzwischen Die Romanze. Jeder Kenner guten, zeitgenössischen Porzellans kennt diese Form. Wenige jedoch wissen, dass Wiinblad zu diesem Service auch das passende Besteck schuf. Beim Besteck gibt es mehrere Ausführungen - von versilbert, massiv Silber bis zu vergoldet. Jedes Besteckteil trägt das berühmte Romanze-Relief. Wie Strohhalme muten die schlanken Stiele der sensiblen, mundgeblassenen Romanze Gläser an. Das Relief überzieht wie Webwerk die schlanken, hohen Kelche.