Franz Anton Bustelli

Der bedeutendste Künstler schlechthin, den die bayerische Porzellanfabrik aufzuweisen hatte, war, wie neuere Forschung erwiesen, der italienische Bildhauer und Modellmeister Franz Anton Bustelli. Merkwürdigerweise aber sind über das Leben dieses ausgezeichneten Künstlers nur sehr mangelhafte Daten, nicht einmal die eindeutige Namensform, bekannt. Die früheste gedruckte Nachricht stand in der Augsburgischen Kunstzeitung 1772 bei der vier veröffentlichten Biographie des Nympenburger Modellmeisters Dominikus Auliczek; wird berichtet, dass um die Zeit, als Auliczek nach München gekommen war, der kurfürstliche Modellmeister Franz Pastalli, ein Italiener von Geburt, in Nymphenburg starb.

Eine andere Namensform findet sich später im Wöchentlichen Anzeiger für Kunst- und Gewerbefleiß im Königreich Bayern über die Nymphenburger Manufaktur, in der als erster Modelleurmeister Franz Pastelli genannt wird. Bald darauf tritt die Schreibweise Bastelli auf, die dann später allgemein akzeptiert wurde. Über den Künstlers eigentliche Tätigkeit als Modellmeister in Nymphenburg wissen diese Quellen nichts zu berichten. Ein wenig besser sind wir unterrichtet über das Ende seiner Arbeitszeit in Neudeck. Nach der bereits erwähnten Biographie Auliczeks starb Pastalli um die Zeit als Auliczek, von einem Schwindler geprellt, einer neuen Anstellung umsah. Da als Tag des Eintreffens Auliczeks hier der erste des Heumonats, also der 1. Juli 1763, angegeben ist, könnte nach der weiteren Schilderung der Situation der Tod des bisherigen Modellmeisters in Nymphenburg wohl noch 1763 erfolgt sein. Zu den eigenartigen Problemen nämlich, die der Forschung Leben und Kunst dieses Meisters ausgibt, gehört das plötzliche Auftauchen eines Obermodellmeisters Franz Anton Pustelli bei der württembergischen Porzellanfabrik Ludwigsburg. Es ist daher schon des öfteren die Vermutung aufgetaucht, dass der Nymphenburger Modellmeister Franz Bustelli und der Ludwigsburger Obermodellmeister Franz Anton Pustelli ein und dieselbe Person seien.

Bustelli starb am 18. April 1763 in Nymphenburg, nachdem er seit dem 3. November 1754 ununterbrochen im Dienste der kurfürstlichen Porzellanfabrik Nymphenburg gestanden hatte. Begraben wurde Bustelli wohl in Sendling, das damals zur Pfarrei für Nymphenburg gehörte. Wie aber löst sich nun das Rätsel? Bustelli hatte in Nymphenburg schon einmal im Jahre 1758, unzufrieden mit der niedrigen Bezahlung, die ihm seine Kunst nicht angemessen entlohnte, sein Glück woanders gesucht. Durch seine daraufhin erfolgte Aufbesserung von 5 auf 6 fl. wurde er veranlasst, vorerst in Nymphenburg zu bleiben. Als man aber dann gegen Ende des Jahres 1760 in Neudeck mit den Vorbereitungen zum Umzug nach Nymphenburg begonnen hatte, mochte Bustelli dem Direktor der Fabrik, Grafen Haimhausen, erneut mit der Bitte um Aufbesserung in den Ohren gelegen haben. Als er abgewiesen oder vertröstet wurde, machte er wieder einmal den Versuch, anderwärts unterzukommen. Und es ist nur natürlich, dass er sich bei diesen Bemühungen an den Direktor der Ludwigsburger Fabrik, Joseph Jakob Ringler, wandte, der ja mehrere Jahre, vom Herbst 1753 bis Anfang 1757, gleichzeitig mit ihm in Neudeck gearbeitet hatte. Bustelli aber blieb in Nymphenburg. In der Tat erhielt er dann auch im Laufe des Jahres 1761, nachdem er seinen Plan wegzugehen aufgegeben hatte, wieder eine Aufbesserung von 6 auf 10 fl. Wochenlohn.

Die in Ludwigsburg 1760 beabsichtigte Organisations Änderung durch die Ernennung eines eigenen Obermodellmeisters, von der Brücks Adressbücher etwas grosssprecherisch und vorschnell Kenntnis geben, fand also überhaupt nicht statt. Statt des in Aussicht genommenen fremden Obermodellmeisters wurde der schon 1759 erwähnte Johann Götz damals 1760 als Oberpoussirer Leiter der plastischen Produktion. Ein Obermodellmeister wurde auch nachher in Ludwigsburg nicht mehr angestellt. Nachdem steht wohl einwandfrei fest: In Ludwigsburg hat niemals ein Modellmeister Franz Anton Pustelli gearbeitet. Aller Wahrscheinlichkeit stammte Bustelli aus Locarno. Im Tessin, der Heimat so vieler Berühmter Künstler und Kunsthandwerker, gibt es eine Familie Bustelli, die das gleiche Wappen führte, wie unser Meister. Der Giovanni Giacomo Bustelli, Glockengiesser in Locarno, der 1776 bis 1778 Glocken für die Kirchen in Selva und Broglio goss, gehörte sicher auch in diese Künstlerfamilie; er ist vielleicht ein Neffe des Franz Anton Bustelli.

Haute Couture in Porzellan – von Franz Anton Bustelli bis Vivienne Westwood

Eine Studioausstellung des Bayerischen Nationalmuseums und der Porzellan Manufaktur Nymphenburg 18. Juni – 31. Oktober 2010

Die Studioausstellung des Bayerischen Nationalmuseums und der Porzellan Manufaktur Nymphenburg bildet im Rahmen des Veranstaltungsprogramms „300 Jahre Europäisches Porzellan – Meißen und Nymphenburg in München“ einen Höhepunkt. Sie widmet sich den Commedia dell’Arte-Figuren, die zu den berühmtesten Werken des Modelleurs Franz Anton Bustelli (gestorben 1763) zählen. Der inhaltliche und formale Bezug zum Thema Mode veranlasste die Porzellan Manufaktur Nymphenburg anlässlich ihres 260jährigen Bestehens im Jahr 2007, die Figurinen Bustellis durch 16 der international renommiertesten Couturiers, unter ihnen Vivienne Westwood, Gareth Pugh, Christian Lacroix und Elie Saab, neu „einkleiden“ zu lassen. Die delikaten figürlichen Schöpfungen der Porzellankunst, realisiert in Kooperation zwischen den Meisterwerkstätten der Manufaktur und den Protagonisten der Modewelt, werden in der Ausstellung zusammen mit den einzigartigen Rokokoausführungen aus der bedeutenden Porzellansammlung des Bayerischen Nationalmuseums präsentiert. Die außergewöhnliche Ästhetik der historischen Figurinen in der Wiedergabe von Bewegung, Ausdruck und Stofflichkeit, gesteigert durch die raffinierte Staffierung der Gewänder, spiegelt in trefflicher Weise die modischen Strömungen des galanten Zeitalters. Ergänzt wird die Ausstellung durch eine Auswahl prächtiger Damen- und Herrenroben des 18. Jahrhunderts aus der Kostümsammlung des Museums. Außerdem konnten zwei Entwürfe der Londoner Designerin Vivienne Westwood gewonnen werden. Florian Böhms Fotoaufnahmen der Couture-Studios sowie Formen, Farbmuster und Werkzeuge aus der Porzellan Manufaktur Nymphenburg, wo seit dem 18. Jahrhundert mit unveränderten Methoden von Hand Porzellan gefertigt wird, veranschaulichen den aufwendigen Entstehungsprozess der Figuren. Die Studioausstellung „Haute Couture in Porzellan – von Franz Anton Bustelli bis Vivienne Westwood“ führt vor Augen, wie faszinierend und aktuell der Werkstoff Porzellan heute noch ist. Begleitet wird die Ausstellung von einem vielfältigen Programm aus Führungen, Vorführungen und Workshops im Bayerischen Nationalmuseum und in der Porzellan Manufaktur Nymphenburg.

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