Glanzlichter Helmut Drexler

„Glanzlichter“ ist die erste Abteilung mit Werken des Selber Porzellankünstlers Helmut Drexler im Porzellanikon Selb benannt. Seine reich bemalten Exponate mit ihren goldenen, platinfarbenen oder auch polychromen Oberflächen verzaubern und faszinieren zugleich.

Nach einigen Jahren kommt nun eine zweite Schau-Ebene hinzu. Nicht als Schatzkammer in edlem Schwarz gehalten, sondern in glänzendem Weiß bekommen die Arbeiten des ehemaligen Rosenthalers wiederum einen ganz neuen Reiz, strahlen förmlich die Menschen an, die diese auf sich wirken lassen. Und manches Mal ist Helmut Drexler, der im Museum sein Atelier hat, auch persönlich zugegen und erläutert seine Werke.


Tabubruch als Teil der Kunst

Im Porzellanikon Selb eröffnet Karin Seehofer die neue Dauerausstellung mit Werken von Helmut Drexler. Sie nennt den Künstler überraschend und voller Leidenschaft.

Dieter Wunderlich und Helmut Drexler

Selb - "Sie haben Recht, dass Sie heute gekommen sind. Was Sie sehen werden, wird Sie umhauen!" Mit diesen Worten machte Landrat Dr. Karl Döhler die gut 200 Besucher neugierig, die sich zur Eröffnung der Ausstellung "Weiße Oase" mit Werken von Helmut Drexler im Porzellanikon Selb eingefunden hatten. Ehrengast dabei war Karin Seehofer, die Frau des bayerischen Ministerpräsidenten, die Helmut Drexler im vergangenen Jahr bei der Jubiläumsausstellung "Königstraum und Massenware" kennengelernt hatte.

In ihrem Grußwort bezeichnete Seehofer die Ausstellung als "überraschend, begeisternd und voller Leidenschaft - wie ihr Schöpfer -" und nannte Selb "ein Mekka europäischer Porzellankunst". Dass freute natürlich auch den Selber Oberbürgermeister Wolfgang Kreil, vor allem, "dass der Herr Ministerpräsident uns mit seiner Gattin sein bestes Stück geschickt hat". Kreil verwies darauf, dass der Künstler Helmut Drexler an die 900 der seit 1960 geschaffenen Objekte dem Porzellanikon geschenkt habe. Außerdem sei er seit seinem Ausscheiden aus der Firma Rosenthal im Jahr 1990 auf der Basis eines unbefristeten Künstlervertrages tätig und habe 2007 gemeinsam mit seiner Frau Käthe eine gemeinnützige Stiftung gegründet, deren Zinserlöse dem Porzellanikon zu Gute kommen. "Wir sind stolz auf Helmut Drexler; er hat versucht, der Welt etwas Schönes zu geben", sagte der Oberbürgermeister.

Mit sehr bewegenden Worten bedankte sich der Künstler für die große Anerkennung, die ihm von so vielen Seiten ausgesprochen wurde, und sah in der Anwesenheit von Karin Seehofer "vielleicht ein gutes Omen", sei es doch wünschenswert, dass ein Weg gefunden wird, der die Porzellanmuseen finanziell auf eine sichere Basis stellt. Er erinnerte sich an "Geschehnisse bei Rosenthal", dem Unternehmen, dem er seit Beginn seiner Porzellanmaler-Lehre 1942 verbunden war.

"Dabei", sagte Helmut Drexler, "war der Beruf des Porzellanmalers durchaus nicht meine Wunschvorstellung." Das habe sich erst geändert, als er von der Geschirrabteilung in die Kunstabteilung geschickt wurde, da nämlich "wurde in einer ganz anderen Liga gespielt". Von diesem Zeitpunkt an habe er alles mit Begeisterung gemacht und sei von seinen Ausbildern unterstützt worden. Und als er nach Krieg und Gefangenschaft 1949 in die Heimat zurückkehrte, erkannte auch Philip Rosenthal das Talent des jungen Mitarbeiters, räumte ihm die nötige künstlerische Freiheit ein und brachte ihn in Kontakt mit renommierten Künstlern aus der ganzen Welt.

Museumsleiter Wilhelm Siemen erläuterte zusammen mit dem Innenarchitekten Sven Sieber die Konzeption des Dauerausstellungsbereichs "Weiße Oase", der in enger Zusammenarbeit zwischen dem Künstler, dem Museumsleiter und dem Architekten erstellt und verwirklicht wurde. Er sei eine Erweiterung und ein bewusster Kontrast zu der bereits bestehenden mystisch-dunklen "Schatzkammer" . Der renovierte weiße Saal im Haus 5 des Museums wird dominiert von zwei hohen, je 4,50 Meter langen Glasvitrinen, zwischen denen sich eine lange Sitzbank befindet. Von ihr aus lassen sich in Ruhe die Exponate "Fantasie in Weiß" und "Die Dornenkrone" betrachten, die aus über 200 handgeformten Einzelteilen bestehen.

Selbst für Kenner des Oeuvres von Helmut Drexler dürfte die "Weiße Oase" eine wirkliche Überraschung sein, finden sich doch hier Arbeiten, mit denen sich der Künstler auf das Terrain der formalen Neugestaltung begibt. Drexler schuf neue Porzellanobjekte, die er selbst mit der Hand aufbaute, ohne Gipsformen als Hilfe zu verwenden. Er fügt zerschlagenes Porzellan ein, arbeitet mit bewusst herbeigeführten "Fehlern" als ästhetischer Komponente, fügt die teilweise komplizierten Volumen nach dem Glattbrand mit einem High-Tech-Kleber zusammen und schreckt so nicht vor einem Tabubruch zurück, wenn dieser seiner künstlerischen Aussage dient.

Ein neuer Raum, ein neues Konzept und, wie es Wilhelm Siemen formulierte, "ein weiteres Zeugnis des fantastischen Reichtums der Kreativität dieser Region".

Von Johanne Arzberger, http://www.frankenpost.de/ Stand: 24.10.2011

Standort

Anhang 1

Download