Jugendstil Porzellan

Prof. Fritz Klee

Fritz Klee und die Fachschule für Porzellanindustrie in Selb

Fritz Klee wurde am 26.08.1876 in Würzburg geboren und verstarb am 12.12.1976 in Stuttgart. Klee studierte an der Technischen Hochschule in München Architektur und war nach seinem Studium bei mehreren Architekturbüros in Dresden und München tätig. Unteranderem für Lossow & Vieweger und für das Städtische Bauamt in München. Von 1904 bis 1908 war Klee als Architekt beim Stadtbauamt München und übernahm unter dem Architekten Prof. Dr. Franz Schacher die künstlerische Leitung des Baubüros des Schwabinger Krankenhauses. Diese Arbeiten am Schwabinger Krankenhaus verschaffte Klee einen zunehmenden Bekanntheitsgrad. Noch heute schmücken fünf Mosaike von Prof. Fritz Klee die Hauptfassade des Schwabinger Krankenhauses. Schon in jungen Jahren entwarf Fritz Klee Dekore für Steingut und Porzellan sowie Mosaiken und Metall- und Sibergefäße.

Bei der 1908 in München durchgeführten Kunstausstellung beteiligte sich Fritz Klee mit kunstgewerblichen Arbeiten. Klee entwarf für die Kunstausstellung in München 1908 Postkarten und einen Plakatentwurf, für den er den dritten Platz erhielt. Im Jahre 1908 wurde mit Hilfe von Geheimrat Philipp Rosenthal die Fachschule für Porzellan in Selb gegründet und Fritz Klee für den Aufbau und Leitung der Fachschule vom königlichen Bayerischen Staatsministerium berufen. Am 01.04.1909 wurde die Porzellanfachschule in Selb feierlich eröffnet. Der Unterricht wurde vorerst aufgrund fehlender Gebäude im behelfsmässig umfunktionierten Rathaussaal in Selb durchgeführt und später in die Räumlichkeiten der alten Volksschule verlegt. Aufgrund der nicht angepassten Verhältnisse und Zielsetzungen einer Volksschule bzw. Fachschule für Porzellan waren die damaligen Bedingungen nicht optimal. Zum Beispiel konnte der grosse Brennofen aufgrund seiner Grösse nicht optimal ausgeschöpft werden was dazu führte, dass viele Entwürfe in den umliegenden Manufakturen in Selb gebrannt werden musste. Dies führte oftmals zu Verzögerungen und manchmal verschwanden auch Entwürfe.

Die Schulen[1] in Selb und Bunzlau sind standortlich ohne weiteres aus der benachbarten feinkeramischen Industrie zu verstehen gewesen. Nicht so die in Landshut und Höhr. So bezweckte die Bunzlauer Fachschule von ihrer Gründung an, 1789 bis 1913 nur die Hebung der Steinzeugindustrie des Westerwaldes. Erst von da ab wurde die Feinkeramik die eigentliche Unterrichtsgrundlage. Die Fachschule in Landshut war vom Tage ihrer Gründung 1873 bis 1903 eine reine Töpferschule, Hafnerschule, wie man in Bayern sagt. Auffallend ist, dass das thüringische Produktionsgebiet keine Fachschule gleichen Ranges aufweisen konnte. Der Grund hierfür lag weniger bei der thüringischen Luxusporzellanindustrie, als bei der thüringischen Kleinstaaterei, die zu beheben erst 1919 der Anfang gemacht worden ist. Die thüringischen Kleinstaaten waren bis dahin zu klein, um eine Fachschule vom Range Selb oder Bunzlau mit einem verhältnismässig kostspieligen Produktionsapparat zu unterhalten, und die thüringische Luxusporzellanindustrie viel zu rentabel, um durch Fachschulen eine technisch-künstlerische Sanierung nötig zu haben.

Im Jahre 1914 beschloss der Stadtrat Selb einen Neubau der Porzellanfachschule auf dem Grundstück der heutigen Fachschule für Produktdesign. Dieses Grundstück wurde von Franz Heinrich (Inh. Porzellanfabrik Heinrich & CO.) und Ernst Adler bereits 1913 für den Neubau zur Verfügung gestellt. Der Ausbruch des I. Weltkrieges verhinderte in den Jahren 1914 bis 1918 den Baubeginn. So konnte im Jahre 1919 mit den Baumaßnahmen begonnen werden. Fritz Klee entwarf die Baupläne für die neue Fachschule und musste sich mit der Obersten Baubehörde des Ministeriums verständigen, da die finanziellen Mittel bei weitem nicht ausreichend vorhanden waren. Erst nach mehrmaligen Versuchen und Änderungen des Bebauungsplanes konnte Fritz Klee die Zustimmung einholen. Das Hauptgebäude der heutigen Fachschule für Produktdesign entspricht dem damaligen Gebäude und Fritz Klee konnte am 05. Mai 1921 endlich mit den Fachschülern und Lehrkörpern endlich in die neue Fachschule umziehen.

Die Ausbildung beschränkte sich nicht nur auf die Schulung von kreativen Fachkräften sondern auch die Versorgung von Entwürfen der heimischen Porzellanindustrie mit Gebrauchs- und Zierporzellan. Viele Entwürfe der Fachschule wurden bei Lorenz Hutschenreuther, Heinrich & CO. und Gräf & Krippner ausgeführt. Neue Formen und Dekore entstanden so unter strenger Aufsicht des Direktors der Porzellanfachschule Prof. Fritz Klee. Die gute Ausbildung der Schule machte sich schon in den Anfängen bemerkbar und so konnten viele Fachschüler Schlüsselpositionen in der heimischen Porzellanindustrie besetzen: Hans Achtziger, Direktor der Hutschenreuther Kunstabteilung; Franz Heirnich Jun., Direktor der Porzellanfabrik Heinrich & CO. Selb; Hans Wohlrab, Designer bei Rosenthal; Georg Krautheim, Direktor der Porzellanfabrik Krautheim & Adelberg, Selb und viele andere mehr. Die Ausbildungsrichtung der Fachschule schlossen mit dem Titel: Staatlich geprüfter Porzellanmodelleur und/oder Porzellanmaler die Ausbildung ab.

Unter der Leitung von Prof. Fritz Klee hat sie sich zu einem hervorragenden, einzig dastehenden Institut entwickelt, das die einzige Porzellanfachschule Deutschlands darstellt. Nicht allein aber nur für Selb wirkt die Fachschule, weit darüber hinaus hat sie der bayerischen und deutschen Porzellanindustrie Betriebsleiter, Werkmeister, Modelleure, Obermaler und zum Teil selbstständige Direktoren gestellt. Der Gang durch die Ausstellung macht mit allen Einrichtungen und Hilfsmitteln der Schule, der ja der Aufbau der Ausstellung im Wesentlichen zu danken ist, bekannt. Auch wurde auf die Gewerbeausstellung aus Anlass der 500 Jahrfeier der Stadt Selb 1926 vom 04.-25. Juli hingewiesen. Die Ausrichtung Porzellanausstellung im 1926 für die heimische Porzellan- und Hilfsindustrie in Selb wurde anlässlich der 500 Jahrfeier in Selb ebenfalls durch die Porzellanfachschule ausgerichtet.

Die Geschichte der Fachschule für Porzellan

Mit bewusst regionalen Bezug wurde die Schule am 1. April 1909 gegründet. Dafür hatte sich Geheimrat Philipp Rosenthal eingesetzt, um zu vermeiden, dass die jungen Leute durch längere Abwesenheit aus der Heimat dieser und der heimischen Industrie entfremdet werden. Als Schulleiter konnte der renommierte Münchner Architekt Prof. Fritz Klee gewonnen werden. Klee entwarf 1910 auch den Rosenthal-Ausstellungsraum für die Brüsseler Weltausstellung. Insgesamt war zu Zeiten von Professor Klee die Anbindung der Schule an die Porzellan herstellende Industrie ganz besonders eng. Nach Überwindung vieler Provisorien waren jedoch erst 1921 die notwendigen Räumlichkeiten und Einrichtungen geschaffen, damit ein qualifizierter Nachwuchs für die Porzellanindustrie ausgebildet werden konnte. Im Jahr 1941 wurde eine chemisch-technische Ausbildung gegründet, die zehn Jahre später in den Rang einer Ingenieurabteilung erhoben werden konnte. Aufgrund einer Reform im Ingenieur-Schulwesen wurde diese Abteilung dann allerdings in 1973 an die FH Nürnberg verlegt, sodass in Selb Werkkunst-Abteilung und die 1971 neu gegründete dreisemestrige Technikerschule verblieben. Um die Schule wieder attraktiver zu machen, gründeten Kultusminister und der Schulträger Landkreis Wunsiedel die Staatliche Berufsschule für keramische Berufe, in der alle keramischen Ausbildungszweige für ganz Bayern in Blockform unterrichtet wurden. So konnte am 1. August 1975 offiziell das Staatliche Berufsbildungszentrum für Keramik entstehen mit Staatlicher Fachschule für Porzellan, Staatlicher Fachschule für Keramtechnik und Staatlicher Berufsschule II für keramische Berufe. Stetig steigende Schülerzahlen führten zur Notwendigkeit baulicher Erweiterung, die dann auch in den achtziger Jahren Schritt für Schritt durchgeführt worden sind. Der bereits 1948 gegründete Freundes- und Förderkreis der Schule macht Austausch zwischen Schülern und bereits im Berufsleben stehenden Absolventen zwanglos möglich und unterstützt soziale und kulturelle Aktivitäten.

Bereits eine Erfolgsgeschichte vorzuweisen hat Barbara Flügel, ebenfalls Absolventin der Porzellan-fachschule und heute Inhaberin einer eigenen Porzellanmanufaktur mit zahlreichen Beschäftigten. Die Modelleurin entwirft Modelle und Kleinserien für Villeroy & Boch und andere Grossbetriebe, entwickelt Formen und Produkte, auch Einzelstücke auf Kundenwunsch. Ihr Betrieb exportiert unter anderem nach Russland und Amerika. Mit gutem Gefühl für Zeit- und Modeströmungen bietet Barbara Flügel dekorative Artikel aus Porzellan, Porzellanschmuck, Kaffee- und Teeservice an, alles aus eigenem Entwurf, handgefertigt und handbemalt. Frau Flügel will sich für die Förderung freier Kunst an der Porzellanfachschule einsetzen, zum Beispiel für Künstlervorträge. Dabei stösst sie jedoch auf die Ablehnung von Seiten der Ingenieure und Techniker, angeblich gibt es für derartige Veranstaltungen sowieso keine Schülerinteressen. Zusammen mit Marlene Kretschmar, ebenfalls Absolventin der Porzellanfachschule, die im Factory In von Selb ihr Atelier betreibt, beklagt Frau Flügel den Verlust traditionellen Fachwissens und Könnens in Selb. Wie Farben übereinander reagieren, lernt heute keiner mehr, die eigene Herstellung von Unterglasurfarben ist heute nicht mehr bekannt und oft wird in der Industrie nur noch mit Abziehbildern gearbeitet. Am 1. Februar 2001 wurde das Kompetenzzentrum für Werkkunst und Modelltechnologie - Forschungs- und Innovationcenter e.V. mit dem Ziel einer besseren Zusammenarbeit der Schule mit der Industrie gegründet und in einem aktuellen Prospekt der Selber Fachschule werden berufliche Möglichkeiten für staatlich geprüfte Formgestalter in den folgenden Branchen in Aussicht gestellt: Automobilindustrie, Studios für Industriedesign, Spielzeugindustrie, Sportartikelhersteller, Tafelbesteckhersteller, Restaurator in Museen, Feinkeramische Industrie. Seit Frühjahr 2007 hat die Schule nun allerdings den Namen Berufsfachschule für Produktgestaltung. Ein Wort wie Porzellan oder Keramik ist nun also im Schulnamen nicht mehr zu finden. Einen Schwerpunkt der Porzellangestaltung in Form und Dekor gibt es nicht mehr. Das erscheint radikal, riskant und bedenklich, schliesslich ist das Selber Schulzentrum mit bewusst regionalem Bezug gegründet worden.

Professor Fritz Klee

"Hans Achtziger, Modelleur und Direktor der Kunstabteilung Lorenz Hutschenreuther, ehemals Schüler von Prof. Fritz Klee erzählte eine Begebenheit, die sicherlich sehr viel über die Art und Ausstrahlung des damaligen Fachschulleiters aussagte: Eines Tages knallte der junge Hans Achtziger die Klassentür laut zu, worauf Fritz Klee aus dem Direktorat heraus kam und über das gesamte Treppenhaus rief: "Ein Flegel ging hinaus, man hörte es im ganzen Haus"! In der Fachschule herrschte Sitte und Ordnung. Anderseits schilderte Hans Achtziger ihn als Lehrer mit Einfühlungsvermögen, wenn es darum ging, Talente und aussergewöhnliche Begabungen zu erkennen und zu fördern."[2]

Fritz Klee nahm am bürgerlichen und gesellschaftlichen Leben in Selb regen Anteil. Fritz Klee besuchte wöchentlich den Stammtisch im Grünen Baum in Selb, der ein Treffpunkt aller Selber Persönlichkeiten zur damaligen Zeit war. Er war auch Mitbegründer des Casino Vereins in Selb 1911 und fertigte die Entwürfe und Pläne für den damaligen Bau des Casinos als gastronomischen Betrieb an. Das Casino gehörte zwischen den beiden Weltkriegen zu einem stark frequentierten Ort der elitären Selber Gesellschaft. Im Jahre 1938 erwarb die Rosenthal A.G. das Anwesen, baute es 1956 zum Gästehotel um (Architekt Hans Minarik) und Ende der Achtziger weiter aus.

Rosenthal Casino

1910 entwarf Fritz Klee die Ausstellungsräume der Weltausstellung in Brüssel und 1911 beteiligte sich die Fachschule Selb mit Entwürfen an der Berliner Kunstausstellung. Mehrere Firmen wie Lorenz Hutschenreuther, Zeh Scherzer & CO, Paul Müller Selb, Heinrich & CO. haben zahlreiche Entwürfe in ihrem Produktionsprogramm aufgenommen. Überwiegend Zierporzellan, Figuren und Service.

Im Jahre 1911 wurde Fritz Klee zum Königlichen Bayerischen Professor ernannt und 1912 wurde Prof. Fritz Klee Mitglied im Deutschen Werkbund und entwarf die Ausstellungsräume für die Firma Rosenthal A.G. bei der Bayerischen Gewerbeschau in München. Durch die Zusammenlegung der Porzellanfabrik Lorenz Hutschenreuther A.G. mit der Porzellanfabrik Paul Müller entstand 1917 die Abteilung für Kunst der Lorenz Hutschenreuther A.G. in der Abteilung Paul Müller, Lorenz Hutschenreuther. Prof. Fritz Klee war der erste Leiter der Lorenz Hutschenreuther Kunstabteilung und die ersten Entwürfe stammen überwiegend von der Fachschule für Porzellan bzw. wurden aus dem Bestand der Paul Müller Porzellanfabrik übernommen, für die Fritz Klee bereits eine kleine Kollektion an Zierartikeln entworfen hatte.Im Jahre 1918 präsentierte der damalige Direktor der Kunstabteilung Lorenz Hutschenreuther, Emil Mundel, die Kollektion der Öffentlichkeit. Im wesentlichen handelte es sich hierbei um Deckeldosen, Vasen, Gefässe und Tierplastiken, die mit einer stark farbigen Aufglasurbemalung versehen, zum Teil noch etwas unbeholfen wirkten. Ein Teil dieser Plastiken war unter der Leitung von Fachschullehrer Veit und von Schülern modelliert[3] worden. Es gab zur damaligen Zeit in der Kunstabteilung ca. 200 Modelle die zum grossen Teil von Prof. Fritz Klee entworfen worden sind.

Seit 1919 thront auf dem Porzellan der Lorenz Hutschenreuther A.G. der berühmte Löwe in der Bodenmarke, Entworfen von Fritz Klee. Im Jahre 1922 übernahm der Bildhauer Carl Tutter und Carl Werner, letzterer als technischer Leiter, die künstlerische Betreuung der Abteilung für Kunst. Im Jahre 1939 verlässt Fritz Klee nach einer arbeitsreichen und erfolgreichen Tätigkeit von 31 Jahren auf eigenen Wunsch Selb und die Fachschule für Porzellanindustrie. Der Freidenker Klee kam mit den Nationalsozialisten nicht zurecht und zog mit seiner Frau Frieda Klee, geb. Rödel nach Stuttgart - Sillenbuch. Nach dieser Zeit entstanden noch sehr viele Grafiken von ihm.

Im hohen Alter von 99 Jahren übte sich der Prof. täglich im Zeichnen und Kleben farbenfrischer Collagen. Prof. Fritz Klee wurde 100 Jahre alt und starb am 12.12.1976 in Stuttgart. Seine bedeutende Porzellansammlung vermachte Fritz Klee dem Württembergischen Landesmuseum. Dem Stadtmuseum München schenkte er in den 50er Jahren seine Theater Puppen, die Besonderheit seiner Puppen lag darin, dass die Köpfe der Theaterpuppen aus Porzellan gefertigt worden sind. Zur Faschingszeit führte man für die Kinder der Porzelliner im Casino Vereinshaus in Selb ein Puppentheater auf. Die Hauptakteure waren meistens Prof. Fritz Klee und auch Karl Himmelstoss.

[1] Keramos 1925, 1926
[2] Zitat: Homepage www.porzellansammlung.de von Adele Vetter
[3] 175 Jahre Hutschenreuther, Seite 66