Jugendstil Porzellan

Theodor Schmuz-Baudiss

Schmuz-Baudiss beginnt mit einer Ausbildung zum Maler in München. Er gehört zu der Gruppe jener Künstler, die den Jugendstil in München hervorbringen. So ist er einer der ersten Illustratoren der Zeitschrift die ‚Jugend’. Trotz einer vielversprechend beginnenden Karriere als Maler, wendet er sich schon im Jahr 1896 von der Malerei völlig ab und beginnt sich intensiv mit der Töpferei zu beschäftigen – und engagiert sich für die Gründung der Vereinigten Werkstätten in München. Er selbst experimentiert mit Ton, Steinzeug und Porzellan, beginnt für die Materialien Bronze, Stickerei, Möbel und Glas zu entwerfen. Daraus ergibt sich für diese Untersuchung, die Arbeiten von Schmuz-Baudiss in dieser Periode nach Werkgruppen der verschiedenen Materialien, die sich auch chronologisch überzeugend gliedern lassen, darzustellen. Auf der Pariser Weltausstellung hat Schmuz-Baudiss mit seinen Porzellanen Erfolg. Die Königliche Porzellanmanufaktur Berlin, auf ihn in Paris aufmerksam geworden, bietet ihm einen Arbeitsvertrag für eine ‚künstlerische Tätigkeit’ an. Wenig später wird er der Leiter der Unterglasurabteilung der KPM. Schmuz- Baudiss ist der künstlerische Motor der Manufaktur. Es soll aber sechs Jahre dauern, bis die Stelle des künstlerischen Leiters frei wird und der Kaiser ihn zum ‚artistischen Direktor’ der KPM ernennt. Sein Konzept für die Manufaktur ist vielschichtig aufgebaut: Zum einen bewahrt er die Kontinuität des traditionsbewussten Betriebes des preussischen Kaiserhauses, zum anderen kauft er avantgardistische Entwürfe von Künstlern an.

Nicht nur durch seine eigenen Arbeiten und durch die Produktion von angekauften Entwürfen, sondern auch durch die Teilnahme an Ausstellungen beeinflusst Schmuz-Baudiss die künstlerischen Arbeiten der festangestellten Modelleure und Maler der KPM. – Schmuz-Baudiss’ eigene Entwurfstätigkeit für die KPM setzt kontinuierlich deutliche Akzente im Gesamterscheinungsbild der KPM dieser Zeit. Die Darstellung der künstlerischen Tätigkeit von Schmuz-Baudiss ist von seiner Leitungsfunktion bei der KPM nicht sinnvoll zu trennen. Schmuz-Baudiss sorgt von Anfang an dafür, dass die KPM an den bedeutendsten Ausstellungen in dieser Zeit teilnimmt. Die Ausstellungen ermöglichen innerhalb der kontinuierlichen Produktion der KPM einen kurzen Einblick in einen punktuellen Stand der Entwicklung zu nehmen. Sie lassen vor allem den Kurs, den Schmuz-Baudiss vorgibt, deutlich erkennen.

Schmuz-Baudiss arbeitet sowohl in der täglichen, künstlerischen Arbeit der Manufaktur als auch mit seiner Ankaufspolitik zielgerichtet auf Ausstellungen hin. Er kuratiert die Ausstellungen und er ist es, der für die meisten Ausstellungen einen Schwerpunkt setzt, auf den er die Ausstellung ausrichtet. Daraus ergibt sich für diese Untersuchung eine inhaltliche Gliederung, die auch dem chronologischen Ablauf der Ausstellungen 13folgt. Gleichzeitig, im Zusammenhang mit der Ausstellung kann der Schwerpunkt als Akzent gesondert beleuchtet werden. Der Beginn des Ersten Weltkrieges unterbricht diese Entwicklung tiefgreifend. Während des Krieges ist Schmuz-Baudiss gezwungen, die künstlerische Arbeit annähernd einzustellen. Ausserdem finden in Deutschland und den kriegführenden Staaten keine Ausstellungen statt. Nach dem Krieg kommt der Betrieb nur schleppend in Gang.

Trotz aller wirtschaftlichen und politischen Probleme zeigt sich, dass Schmuz-Baudiss die Manufaktur nicht nur an die künstlerische Avantgarde, wie z.B. an das Bauhaus heranführt sondern auch Paul Scheurichs und Gerhard Schliepsteins Entwürfe ankauft. Gegen alle kriegsbedingten aussenpolitischen Feindseligkeiten kooperiert er auch mit der Wiener Werkstätte. Schmuz-Baudiss’ eigene Arbeiten demonstrieren hingegen zunehmend seine romantische Sehnsucht nach einem Rückzug in die Natur. Im April 1925 geht Schmuz-Baudiss in Pension und zieht mit seiner Frau nach Oberbayern an den Nordrand der Alpen. Schmuz-Baudiss’ künstlerische Möglichkeiten bei der KPM sind begrenzt. An erster Stelle ist es seine Aufgabe, die Manufaktur in ihrer Wirtschaftlichkeit zu unterstützen, zugleich ist er dem Kaiserhaus und dem Handelsministerium unterstellt. Oft bedeutet diese Aufgabe für Schmuz-Baudiss eine heikle Gratwanderung zwischen seinen Idealen und den äusseren Zwängen. Aber da er lange in München freiberuflich tätig war – er ist schon 42 Jahre alt, als er nach Berlin kommt – ist er nicht realitätsfern. Ziel der Arbeit ist es, das Werk von Schmuz-Baudiss’ kunsthistorisch auszuleuchten. Diese erstmalige Katalogisierung sowie ihre kunsthistorische, wissenschaftliche Bearbeitung im Kontext zum zeitgenössischen kunsthistorischen Diskurs ermöglicht eine Überprüfung der bisherigen Beurteilung von Schmuz-Baudiss.