Das weiße Gold des Nordes

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Internationales Keramik Museum Weiden - Pressemitteilung

Am Sonntag, den 1. April 2012, um 11 Uhr laden wir zur Finissage der Ausstellung "Das Weiße Gold des Nordens. Jugendstil-Porzellan. Beispiel Rörstrand, Schweden" ein. Es freut uns, dass der leitende Sammlungsdirketor des Haupthauses in München selbst, Prof. Dr. Florian Hufnagl, Die Neue Sammlung- The International Design-Museum Munich, ein Grußwort sprechen wird. Auch der Weidener Oberbürgermeister, Herr Kurt Seggewiß, hat sein Kommen zugesagt. Im Anschluss wird Herr Dr. Josef Straßer, Oberkonservator und Keramikexperte der Neuen Sammlung München, durch die Ausstellung führen. Sie haben Ihn vielleicht schon einmal bei uns kennengelernt oder auch als Experten aus der beliebten Sendung "Kunst & Krempel" des Bayerischen Fernsehens.

Die Ausstellung im Internationalen Keramik-Museum in Weiden war die erste Ausstellung über die Jugendstilporzellane von Rörstrand in Deutschland. Wie im Paris der Jahrhundertwende so begeistern auch heute noch die fantasievollen Dekore und Formen mit nordischer Flora und Fauna, Blüten, Nixen, Wassergetier oder Schlingpflanzen den Betrachter. Weit über Weiden und die Region hinaus findet die Ausstellung großen Anklang wie begeisterte Reaktionen von Besuchern aus Belgien, Italien, Malta, Rußland, Tschechien, Österreich und Schweden selbst zeigen, die zum Teil eigens deswegen angereist waren.

Nutzen Sie also die Gelegenheit - Wiederholungstäter sind willkommen!

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Steingutfabrik Wallerfangen Villeroy Boch

Geschrieben von Porzellanselb am . Veröffentlicht in Uncategorised

Steingutfabrik Wallerfangen

Die Steingutfabrik Wallerfangen war 95 Jahre ein Werk von Villeroy & Boch, bis sie 1931 aus verschiedenen Gründen stillgelegt wurde. Die Gebäude wurden 1935 abgerissen und so bleibt heute ausser den Objekten nicht mehr viel, was an den früheren Betrieb erinnert. Seit der Fusion der Boschschen Manufaktur in Mettlach mit der Villeroyschen Manufaktur in Wallerfangen im Jahre 1836 befindet sich der Sitz der Generaldirektion in Mettlach.

Trotz der Vorteile der nahegelegenen Saar die als Schifffahrtsweg nicht nur für den Abtransport der Rohstoffe, sondern auch für den Abtransport der fertigen Erzeugnisse genutzt werden. Im Umland von Wallerfangen schien die Versorgung mit Holz für die zu dieser Zeit üblicherweise noch mit Holz gefeuerten Öfen sichergestellt. Ausserdem waren Kohlegruben in der Nähe, welche schon vor 1789 von Thibault ins Auge gefasste Umstellung von Holz- auf Kohlefeuerung endlich ermöglicht hätte. Die meisten Keramikstandorte verlagerten sich erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in die Nähe der Kohle; Nicolas Villeroy hatte diese Notwendigkeit bereits ein halbes Jahrhundert zuvor erkannt und befolgt. In Wallerfangen waren die drei Teilhaber nicht bloss Pächter, sondern Eigentümer der Gebäude.

Die Übersiedlung der Frauenberger Manufaktur nach Wallerfangen fand jedoch nicht vor August 1791 statt. Vorhandene Rechnungen für 17 grosse und 7 mittlere Fenster im Januar 1791 über die Summe von 252 Livres oder für die Errichtung eines Ofens im Februar 1791 für 480 Livres belegen, dass das in Wallerfangen neu erworbene Gebäude erst einmal für die Keramikproduktion umgerüstet werden musste.

Nicolas Villeroy, der inzwischen wertvolle Erfahrungen in der Keramikherstellung gesammelt hatte, verfügte nun über 50%, Jean Thibault und Heinrich Kaiser je über 25% des Gesamtkapitals. Erst gegen Ende des Jahres 1792 siedelte Nicolas Villeroy mit seiner Familie von St. Avold nach Wallerfangen um, wo er zuerst das Schloss Warsberg bewohnte. Dieser Barockbau war das Kernstück der später einmal über 50 Gebäudeteile umfassenden Fabrik und wurde zuerst als Wohnhaus, in späteren Jahren auch als Bürogebäude genutzt. Nicolas Villeroy zog erst um 1825 dort aus, nachdem er sich in der heutigen Villeroystrasse ein eigenes Haus, das Schloss Villeroy, in Wallerfangen jedoch besser als - nach der letzten Besizerin - Schloss Fabvier bekannt, hatte erbauen lassen.

Am 8. Dezember 1794 starb plötzlich und unerwartet im Alter von 57 Jahren Heinrich Kaiser, der wie Thibault Junggeselle war. Die langwierigen Auseinandersetzungen mit seinen Erben bedeuteten zusätzliche Schwierigkeiten zu den alltäglichen Problemen mit der Produktion und dem schleppenden Absatz, die in dieser Zeit nicht nur auf Wallerfangen beschränkt waren, denn auch in Septfontaines stapelte sich zwischen 1790 und 1794 die unverkaufte Ware in den Lagerräumen. Dies führte soweit, dass Villeroy 1796 einen Verkauf nicht nur ernsthaft erwogen, sondern auch bereits in die Wege geleitet hatte. Das hätte vielleicht das frühe Ende der Wallerfanger Manufaktur bedeutet. Die einzige Stütze boten die teilweise aus Frauenberg übernommenen 11 Fach- und 12 Hilfsarbeiter, deren Fähig- und Fertigkeiten erprobt und bekannt waren und auf die Villeroy bauen und vertrauen konnte.

Namentlich bekannt sind der Glasierer Francois Adam, der Former Nikolaus Bähr, der Dreher Jacques Barbier, der faiencier Peter Gebel (auch Guebel oder Gnebel) und der Maler Antonie Lebelle, die aus Luxemburg und Lothringen stammten. Auch der erste Direktor Jakob Melchior Höckel - er war wohl für die technische Leitung zuständig - kannte sein Metier aus Frauenberg, Kelsterbach und Höchst, wo er Arcanist und Farbenlaborant gewesen war. Die Belegschaft stieg von den 11 Fach- und 12 Hilfsarbeitern des Gründungsjahres bis zur Jahrhundertwende auf 39 Fach- und 43 Hilfsarbeiter an. Zwischen 1803 und 1813 existierte in Saarlouis ein Lager englischer Kriegsgefangener, aus dem die ersten Engländer angeworben wurden. Nach 1810 sind relativ starke Schwankungen in den Arbeiterzahlen festzustellen: waren 1810 noch 42 verzeichnet, verminderte sich die Zahl 1811/12 auf 36, dann auf 25 im Jahre 1812, bevor sie 1813 wieder einen Höchststand von 90 Arbeitern für die Sommermonate und 42 für den Winter erreichte. Kurz darauf kamen auch Keramikarbeiter aus Niederweiler, Höchst und Saargemünd nach Wallerfangen.

Dem glücklichen Umstand, dass sich bis zum Jahre 1797 kein Käufer für die Manufaktur fand und der Tatsache, dass Thibault seinen Anteil schliesslich an Villeroy verkaufte, ist es wohl zu verdanken, dass er von seinem Plan des Verkaufes abkam. Stattdessen wurde am 15.5.1797 die Ausbezahlung der Anteile von Jean Thibault und der Erben von Heinrich Kaiser mit je 12.000 Livres vertraglich festgelegt, als alleiniger Besitzer galt Nicolas Villeroy jedoch erst nach der Ratifizierung dieses Vertrages am 19.11.1801. Er warb sofort neue Arbeiter an, startete die ersten Versuche mit Kohlenfeuerung - er gilt als der erste Fabrikbesitzer des Mosel-Departments, der Erfolg mit solchen Versuchen hatte - und steigerte seine Produktion so gewaltig, dass sie Gewinne abzuwerfen begann. Im Jahre 1798 ersteigerte Villeroy die Kohlengrube Hostenbach, für die er 1802 eine 50 Jahre gültige Konzession erhielt und deren Leitung sein Bruder Pierre übernahm. Im Jahre 1801 fertigte er in zwei Holz- (für den Glasurbrand) und zwei kohlebeheizten (für den Roh- oder Biscuitbrand) Öfen und beschäftigte 39 Facharbeiter sowie 43 Handlager, die die Produktion der Vorjahre mehr als verdoppelten. 1817 erhielt Villeroy für seine Manufaktur einen Vorzugspreis für Kohlen und einen Rabatt auf den Holzpreis, was bei Jean-Francois Boch in Mettlach Missfallen erregte. Die entgültige Umstellung auf Kohlefeuerung erfolgte jedoch erst 1828, in Septfontaines, Eich und Echternach hingegen einige Jahre nach der Fusion, nämlich 1838/39. Ein Kohlebrand dauerte etwa 40 Stunden und verbrauchte 5.000 Kilo Kohlen, wohingegen ein Holzbrand bei sieben Feuerstellen mit 24 Stunden Brenndauer und 10 bis 12 Stere Holz auskam.

Masse- und Glasurmühlen wurden nicht in Wallerfangen, sondern in Wadgassen eingerichtet, wobei die grosse Mehlmühle, die in eine Mühle zum Zerkleinern des Gesteins umgewandelt wurde, noch aus der Zeit des Prämonstratenserklosters stammte. Wann genau Villeroy die Gebäude der als Nationalgut eingezogenen Abtei Wadgassen erworben hatte, ist nicht ganz klar. Bis zum Jahre 1856 blieb die Wadgasser Mühle Eigentum der Steingutfabrik Wallerfangen.

Einen weiteren Aufschwung für die einheimischen Manufakturen brachte das durch die Kontinentalsperre 1806 erlassene absolute Einfuhrverbot für englische Waren, so auch englisches Steingut. Die napoleonischen Wirren waren auch an der Wallerfanger Manufaktur nicht spurlos vorübergegangen, doch die Produktion hatte sich schnell wieder stabilisiert, so dass Nicolas Villeroy sich 1816 dazu entschloss, die Manufaktur zu gleichen Teilen seinen vier Kindern zu übereignen.

Am 16.7.1816 trat rückwirkend zum 1. Januar des Jahres die Verzichtserklärung des Vaters zugunsten seiner Kinder Charles Ambroise, Louis, Sophie und Caroline in Kraft. Nicolas Villeroy kam damit seiner Verpflichtung nach, jedem seiner Kinder eine Mitgift von 60.000 Francs zu zahlen. Er behielt sich jedoch das Recht vor, den Anteil seiner gerade 20 jährigen Tochter Caroline selbst zu verwalten und sie in allen Dingen zu vertreten, solange er es für angebracht hielt. Da Caroline bereits 1819 starb, kam ihr Teil wieder dem Vater zu. Das Vermächtis umfasste nicht nur die Fabrik mit allen Nebengebäuden, dass Wohnhaus und den übrigen Besitz, sämtliche Waren, Rohstoffe, Brennholz, die Mühlen in Wadgassen sowie die Wohnung, Ställe und Gärten des Müllers, sondern auch eventuelle Schulden sowie die noch offen stehenden Rechnungen für Holz, Kohle und andere Rohstoffe.

Noch am Tage der Verzichtserklärung durch den Vater Nicolas Villeroy 1816, fassten die vier Geschwister Villeroy den Beschluss, den zweitältesten Sohn Louis zum Direktor zu ernennen. Doch selbst nachdem dieser die Direktorenstelle besetzt hatte, zog sich Nicolas Villeroy noch nicht ganz aus dem Unternehmen zurück, verfügte er doch seit dem Tod seiner Tochter Caroline wieder ein Viertel desselben. Nicht nur, dass das Unternehmen weiterhin seinen Namen trug, dieser Name Nicolas Villeroy wurde auch als neue Stempelmarke für bedruckte Objekte verwendet.

Auch hatte er 1818 bei Jean-Francois Boch um eine gemeinsame Beschwerde gegen die hohen Zölle auf ausländische Rohstoffe gebeten, doch kam Boch dieser Bitte nicht nach. Nicht erst - wie bislang immer angenommen - durch die 1818 erfolgte Lieferung von Mennige nach Mettlach war es zu einem ersten Kontakt zwischen den beiden Unternehmen gekommen, sondern es existieren Quellen, die bereits für das Jahr 1817 verschiedene Weinbestellungen des Nicolas Villeroy bei Jean-Francois Boch in Mettlach belegen. Es folgte die gemeinsame Nutzung der Glasurmühlen in Saarhölzbach in der Zeit um 1820.

Louis Villeroy, übernahm die technische Leitung, was ihn zu mehreren Englandreisen veranlasste, die er seit 1828 auch mit Auguste Jaunez oder seinem Schwager Henry de Galhau unternahm. Während seiner Amtszeit wurde die Produktion von gewöhnlichen Steingut auf eine feinere, kalkhaltige weisse Ware umgestellt, die mit qualitätsvollen Kupferdrucken unter einer perfekten Bleiglasur dekoriert wurde. Vier Jahre nach der Übergabe der Direktion an Louis Villeroy wiesen die Lohnlisten bereits mehr als 50 Beschäftigte auf, das waren mehr als 6% der überwiegend von der Landwirtschaft lebenden Wallerfanger Bevölkerung. In den Folgejahren setzte auch eine zweite Phase des Anwerbens englischer Arbeiter und Fachkräfte ein, besonders in Verbindung mit der Entstehung des Kupferstecherateliers. 1828 trat der aus Metz stammende Ingenieur Auguste Jaunez in die Dienste der Manufaktur Wallerfangen, der er bis 1861 treu blieb.

Unter Jaunez nährte man sich mehr dem englischen Produktionsverfahren und fallen auch in diese Zeit die ersten Metall-Lüsterversuche, die namentlich für Küchengeschirre Anwendung fanden. Jaunez war für die Komposition von Massen und Glasuren zuständig und diesbezüglich so unentbehrlich, dass für den Fall seiner Abwesenheit Aufzeichnungen angefertigt wurden, in denen die verschiedenen Rezepturen nachzulesen waren. Dank dieser Notes sind exakte Angaben über die zwischen etwa 1828 und 1836 verwendeten Zusammensetzungen der Masse verfügbar. Zur Aufsicht über die Mühlen in Wadgassen sowie in Verantwortung für die Farbzusammenstellungen wurde 1829 der Apotheker M. Vissers aus Merzig engagiert.

Am 19. Oktober 1830 verstarb Louis Villeroy im Alter von gerade 40 Jahren auf Hof Limberg. Auch in Mettlach hatte sich ein Jahr zuvor, also 1829 ein Wechsel vollzogen, als Jean-Francois Boch - um nach Septfontaines übersiedeln zu können - die Leitung der Mettlacher Manufaktur seinen 20 jährigen Sohn Eugen Boch übergeben.

Aus den unternommenen Englandreisen vom verstorbenen Louis Villeroy profitierte die Fabrik unter anderem durch die Anstellung eines englischen Brennmeisters, Sir Henry Wolff, der 1834 engagiert wurde. 1835 trag ein gewisser Saur aus Burslem als Spezialist für Glasuröfen in Wallerfangen ein. Gute Brennöfen waren für das Gelingen des Steingutes ebenso wichtig wie eine gute Masse. Dem Brennmeister kam insofern eine besondere Bedeutung zu, da es vor 1782 keine Möglichkeit gab, eine Brenntemperatur oberhalb von 360° C exakt zu bestimmen. Die einzige Methode war das Beobachten der Flammen, deren Farbe dem erfahrenen Auge Aufschluß geben konnte über die vorherrschende Temperatur. Erfolg oder Mißerfolg eines Brandes war somit abhängig von den Fähigkeiten des Brennmeisters und seinen Erfahrungen.

Am 14. April 1836 schliesslich wurde in der Saarmühle der Vertrag zur Gründung der offenen Handelsgesellschaft Villeroy & Boch unterzeichnet. Aus der für Nicolas Villeroy ausgefertigen Abschrift, die sich noch heute im Familienbesitz befindet, seien hier nur die wichtigsten Punkte zusammengefasst: Die Gesellschaft wurde rückwirkend zum 1.1.1836 begonnen und ihre Dauer auf 50 Jahre festgelegt. Zum Gesellschaftsvermögen zählten die Mobilien und Immobilien der Fabriken Wallerfangen und Mettlach mit sämtlichen Nebengebäuden sowie die Hälfte des Septfontainer Werkes. Das Gesellschaftskapital betrug 420.000 Preussische Taler, die in 120 Aktien zu je 3.500 Taler aufgeteilt wurden. Nicolas Villeroy verfügte über 72, Jean-Francois Boch-Buschmann über 48 Aktien.

Wohl in Anbetracht seines hohen Alters von fast 77 Jahren überlies Nicolas Villeroy gemäss Artikel 5 des Vertrages drei Viertel seiner Aktien, als 54 zu je 18 Aktien seinen Sohn Charles-Ambroise, seiner Tochter Sophie (Gattin von Henry Fulbert de Galhau) sowie seinem Enkelsohn Nicolas Henry Charles Villeroy, dem einzigen Nachkommen seines bereits verstorbenen Sohnes Louis, der aus der Ehe mit Marie Ebray hervorgegangen war. Jean-Francois Boch vermachte seinen Sohn Eugen sieben Anteile, seiner Tochter Anne Virginie, seiner Tochter Wilhelmine sowie seinem jüngsten Sohn Frederic Victor hingegen je fünf.

Da Luxemburg durch die Gründung des deutschen Zollvereins 1834 seinen belgischen Markt verloren, stattdessen aber den deutschen hinzugewonnen hatte, stellte Boch-Buschmann mit seinem Septfontainer Werk eine Konkurrenz für seine Mettlacher Erzeugnisse dar. Deshalb trat Septfontaines 1838 aus dem Verband aus. Noch im selben Jahr übertrug Jean-Francois Boch die Leitung der Fabrik Septfontaines seinen Sohn Eugen, der sogleich sehr darüber klagte, dass in Septfontaines gute Öfen fehlen würden; seit einigen Monaten betreibe man nun drei Kohleöfen, zwei für den Biscuitbrand und einen für bedruckte Ware.

Doch das Jahr 1838 war ein für alle drei Manufakturen besonders schlechtes. Eugen Boch beklagte auch, dass die Fusion noch nicht die gewünschten Erfolge gebracht hätte. Er plädierte für eine Arbeitsteilung anstelle der Beibehaltung des gleichen Produktionsprogrammes in allen drei Fabriken, um somit eine gegenseitige Konkurrenz zu verhindern. Umfasste die Firma bei der Fusion erst drei Manufakturen, so war ihre Zahl 1839 bereits auf sechs angestiegen: zu Mettlach, Wallerfangen und Septfontaines kamen die beiden luxemburgischen Fabriken Eich und Echternach sowie die Fabrik in Saargemünd. Eugen Boch schlug deshalb eine Neuorganisation vor, die ein von den Werken unabhängiges Zentralbüro für alle Verwaltungsangelegenheiten, administrativie wie kommerzielle Aufgaben übernehmend, schaffen sollte. Diese Art Generaldirektion sollte unter Vorsitz von Charles Villeroy in Fremersdorf eingerichtet werden. Das Projekt zerschlug sich jedoch, da Vater und Sohn diesbezüglich konträre Positionen vertraten.

Um die Jahrhundertwende waren über 1000 Arbeiter und Beamte in Wallerfangen beschäftigt. Für das Jahr 1906 ist nachweisbar, dass etwa 600.000 Kg Masse durch Kupferdrucke, 120.000 Kg Masse durch Steindrucke und 500.000 Kg Masse durch Malerei dekoriert worden sind. Als Obermaler waren Andreas Kronenberger und Johann Oswald aufgeführt; diese waren ein Schwamm- und drei Schablonenschneider zur Hand gestellt; Kronenberger oblag auch die Aufsicht über die Kupferdruckerei; als Modelleur waren Guillaume Theis, Nikolaus Schweitzer, Emil Weismüller und Nikolaus Baccus, als Graveure Theobald und Krämer tätig.

Villeroy & Boch

Geschrieben von Porzellanselb am . Veröffentlicht in Uncategorised

Es geschah im Jahr 1748, als der Eisengießer François Boch in dem lothringischen Dorf Andunle Tiche eine Töpferei für Keramikgeschirr eröffnet. Einige Jahrzehnte später gründet der Kaufmann Nicolas Villeroy in Vaudrevange an der Saar eine Steingutfabrik. 1836 legen der Enkel des Gründers, Jean François Boch, und Nicolas Villeroy ihre Manufakturen zusammen: Villeroy & Boch entsteht.

1748 begann François Boch, dessen eigentlicher Beruf Eisengießer war, mit Hilfe seiner drei Söhne in Lothringen mit der Herstellung von Keramikwaren, insbesondere Geschirr. Durch die hohe Nachfrage nach diesen Waren konnte das Unternehmen 1767 expandieren und begann nahe der Festung Luxemburg unter dem Namen Jean-François Boch et Frères mit der Serienproduktion von Keramik. Drei Jahre später, 1770, entstand das Brindille-Dekor, das mit Unterbrechung bis heute verkauft wird, im 20. Jh. unter dem Namen „Vieux Luxembourg“.

1791, als das Unternehmen mittlerweile über Lothringen hinaus (u. a. im Saargebiet und in Luxemburg) erfolgreich war, gründete Nicolas Villeroy in Vaudrevange eine Steingutfabrik. Beide Unternehmer arbeiteten zunächst gegeneinander, da es Nicolas Villeroy gelang, das Porzellan mit Kupferstichen zu bedrucken, was einen enormen Fortschritt in der Serienproduktion bedeutete und somit auch Konkurrenzfähigkeit mit dem Unternehmen Boch. 1801 kaufte Jean-François Boch eine ehemalige Abtei der Benediktinermönche in Mettlach an der Saar. In ihr wurde eine für die damalige Zeit hochmoderne, mechanisierte Geschirrfabrik eröffnet. Mit ihr verwirklichte Boch einige seiner Ideen von Maschinen zur Fertigung seiner Waren, womit er Anfänge einer Massenproduktion erreichen konnte. Die Abtei wird heute (2007) immer noch als Konzernzentrale von Villeroy & Boch genutzt. Das Unternehmen von Boch begann nun überregionale Bekanntheit zu erreichen.

Dieses wurde auch von seinen Söhnen weitergeführt: Pierre-Joseph Boch gründete 1812 in Septfontaines (Luxemburg) die Antonius-Brüderschaft, die den Arbeitern fortschrittliche Sozialleistungen bot, die noch über die erst 70 Jahre später von Otto von Bismarck geschaffenen Sozialgesetze hinausgingen. Durch diese Maßnahme wuchs in den Augen der Arbeiter das Ansehen des Unternehmens. Auch wurde in Boch (einem Arbeiterort, der nach François Boch benannt wurde) ab 1829 ein weißes, sehr hartes Steingut entwickelt und produziert, wodurch sich die Keramikwaren vermehrt auf dem überregionalen Markt absetzen ließen.

Um jedoch auf dem Markt weiterhin bestehen zu können, schlossen sich Jean-François Boch und Nicolas Villeroy 1836 mit ihren drei Werken zum Unternehmen 'Villeroy und Boch' zusammen. Dies ermöglichte ihnen einen weiteren Aufstieg im überregionalen und später europaweiten Markt. 1843 eröffneten Villeroy und Boch ihr erstes gemeinsames Werk in Wadgassen (Saarland), die Cristallerie, in der bis heute Glas hergestellt wird. Drei Jahre später wurde in Septfontaines die Trockenpressung zur Fliesenherstellung eingeführt. Dieses Verfahren wird bis heute verwendet. Villeroy und Boch erweiterten ihren Markt und exportierten nach Frankreich, in die Schweiz, nach Polen (damals deutsches Staatsgebiet) und nach England.

In den Fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts brachte das Unternehmen weitere Innovationen auf den Markt, so zum Beispiel hochwertigeres Porzellan, Bodenfliesen mit eingelegtem Muster („Mettlacher Platten“) und später den „Feuerton“. Villeroy und Boch wurde dadurch auch weltweit populärer: Man verkaufte die Waren in ganz Europa, exportierte nach Nordamerika und zum Teil nach Südamerika. 1879 wurde ein weiteres Keramikwerk in Merzig, ebenfalls im Saarland, eröffnet. Dieses entwickelte sich zur seinerzeit weltweit größten Fabrik für Bodenfliesen. Auch die im 20. Jahrhundert entwickelten „Terracotta-Baukeramiken“ wurden von dort weltweit vertrieben. Als gegen Ende des 19. Jahrhunderts vor allem im Sanitärbereich Keramik- und Porzellanprodukte die älteren Blechausstattungen immer weiter verdrängten, begann das Unternehmen ab 1899 mit einer Großserienproduktion von Sanitärkeramik, Toiletten, Spülbecken und Badewannen. Durch die erhöhte Produktion wurden modern ausgestattete Badezimmer nun auch für ärmere Bevölkerungsschichten erschwinglich.

Während des Ersten Weltkrieges wurde die Produktion vorübergehend eingestellt. 1920 erwarb Villeroy und Boch Fabriken in Bonn und in der Nähe von Breslau, da die Versorgung des Deutschen Reiches nicht mehr aus dem abgetrennten Saargebiet erfolgen konnte. In der Zeit zwischen den Weltkriegen nahm das Unternehmen die Produktion wieder auf: Im Saargebiet wurden die Waren für den französischen Markt hergestellt; in Bonn wurden die künstlerischen Ideen der Bauhaus-Bewegung aufgegriffen. Das Unternehmen hatte jedoch durch den Zweiten Weltkrieg schwere Probleme zu bewältigen: Die deutschen Fabriken wurden zerstört, in Frankreich wurden zum Teil Tellerminen aus Porzellan hergestellt. Nach dem Krieg wurden die Fabriken in Breslau, Dresden und Torgau enteignet und die saarländischen Fabriken zu Frankreich eingegliedert. Der Anschluss des Saarlandes an die Bundesrepublik Deutschland 1957 ermöglichte jedoch die komplette Wiederaufnahme aller Unternehmenszweige. So konnte 1959 das Werk in Septfontaines die Absätze mit weiteren Erfindungen, vor allem bei der Porzellanherstellung, wieder steigern. Das Unternehmen wuchs in den folgenden Jahren weiter an, exportierte ab 1971 bis nach Japan und beauftragte bekannte Designer, z. B. Luigi Colani mit den Entwürfen von Keramikprodukten.

1982 wurde das Unternehmen neu strukturiert; die Entwicklung wurde nun zentralisiert koordiniert. Die Produkte wurden in den Sparten „Fliesen“, „Sanitär“ und „Geschirr/Kristall“ verkauft. Auch in den 1980er Jahren expandierte das Unternehmen weiter, das Produktsortiment erweiterte sich um Wannen und Duschen. 1990 verkündete Villeroy und Boch den Gang an die Börse. In den 1990er Jahren kaufte das Unternehmen einige kleinere Hersteller auf. Bei der Jubiläumsfeier zum 250-jährigen Bestehen von Villeroy und Boch 1998 in Mettlach sprachen sich führende Politiker aus Luxemburg, Deutschland und Frankreich für das Unternehmen und den „Europäer der ersten Stunde“ aus. Das Produktsortiment wird bis heute (2005) ständig erweitert. V&B verkauft seine Waren nur an ausgesuchte Händler (weltweit), Privatpersonen können nur in den firmeneigenen Outlet-Shops an den Standorten Mettlach, Wadgassen, Lübeck und Torgau vergünstigte Tischkulturwaren zweiter Wahl kaufen, das heißt Porzellan, Glas, Bestecke und Dekorationsartikel mit kleinen Schönheitsfehlern. Es gibt inzwischen einen Online-Shop des Unternehmens für Privatpersonen mit dem regulären Angebot des Geschäftsbereichs Tischkultur.

Die Fliesensparte von Villeroy & Boch wurde zum 1. Januar 2006 in eine eigenständige GmbH (V&B Fliesen GmbH) ausgegliedert. Zum 1. Juli 2007 verkaufte die Villeroy & Boch AG 51% der V&B Fliesen GmbH an den türkischen Keramikhersteller VitrA (Eczacibasi Holding). Im Anschluss an eine lange Tradition der Zusammenarbeit mit Künstlern entwickelte sich eine intensive Zusammenarbeit mit dem Maler Stefan Szczesny der zahlreiche große Projekte mit dem Unternehmen entwickelte.

Desigener Stefan Szczesny

Stefan Szczesny wurde in München als Sohn der Dramaturgin Martha Meuffels und des Schriftstellers Gerhard Szczesny geboren. Nach dem Gymnasium besuchte er von 1967 bis 1969 eine private Schule für freie und angewandte Kunst in München bevor er sein Studium an der Akademie der Bildenden Künste München und sein Gaststudium der Kunstgeschichte und Philosophie an der Universität München aufnahm. Während seiner Studienzeit arbeitete Stefan Szczesny als freier Kunstkritiker für die Abendzeitung in München.

1974 heiratete er Mechthild Moldenhauer. 1975/76 war er als DAAD-Stipendiat in Paris, wo auch Sohn David geboren wird. 1979 kommt Tochter Sarah zur Welt. 1980 folgte ein Gastaufenthalt in der Villa Romana in Florenz, wo er sich intensiv mit der italienischen Renaissance auseinandersetzte. 1981 zog er nach Köln und organisierte die Ausstellung Rundschau Deutschland als Protagonist der „Neuen wilden deutschen Malerei“ in Köln und München. 1982/83 erhielt er den Rom-Preis der Preußischen Akademie der Künste: Aufenthalt in der Villa Massimo in Rom, wo er sich eingehend mit der römischen Antike befasste. 1987 und 1989 kamen seine Söhne Roman und Aurel zur Welt.

Von 1984 bis 1988 gab Stefan Szczesny die Zeitschrift Malerei•Painting•Peinture heraus. Im Winter 1990 reiste er erstmals in die Karibik, wo er mit der Arbeit an der Jamaica-Serie und den „Streifenbildern“ begann. Für die Inszenierung Dunkles Haus an der Bayrischen Staatsoper übernahm er 1991/92 die künstlerische Gesamtgestaltung. Im selben Jahr übernahm er ebenfalls die künstlerische Ausstattung für die Inszenierung Kabale und Liebe. Gemeinsam mit Elvira Bach reiste er 1993 nach Sizilien, um sich dort an dem Projekt Fiunara d'Arte zu beteiligen. 1994 bezog der Künstler sein Atelier in New York. 1995 folgte das Voltaire Project in Potsdam, das Projekt Lindencorso in Berlin und erste Aufenthalte auf der Insel Mustique. Ein Jahr später gründete er die Szczesny Factory und es erschienen erste Publikationen im angegliederten Verlag.

1998 begann Stefan Szczesny mit dem Kempinski Art Project und arbeitete in Murano an Glasskulpturen. 1999 heiratete er Eva Klein auf Mustique, sie haben zusammen zwei Söhne Felix (geb. 1997) und Anton (geb. 2000). Im Jahr 2000 gestaltete er im Auftrag des WWF die Weltkarte des Lebens für die Weltausstellung Expo 2000. Sein neues Atelier Les Mas des Palmiers in St. Tropez bezog er im Jahr darauf. Es folgte ein Arbeitsaufenthalt in Sevilla mit anschließender Ausstellung.

2002 erschien Szczesny - the Film (Regie Curt Faudon New York) und wurde auf dem internationalen Filmfestival Cannes uraufgeführt. 2003/04 begann er die Arbeit an den Keramikskulpturen für das Projekt Villa Soleil Terre Blanche in Tourettes sowie die Konzeption des Kunstprojekts Le Roc. 2005 eröffnete die Düsseldorfer Galerie Ludorff unter dem Titel Fleures et Fruits eine Einzelausstellung mit dem Künstler. Zudem eröffnete Szczesny 2006 Szczesny Factory Berlin und die Ausstellung Schattenskulpturen in Saint Tropez. 2007 startete, mit zwei Jahren Vorarbeit, das Projekt Insel Mainau: Szczesny 2007: Ein Traum vom irdischen Paradies, bei dem Stefan Szczesny die Bodensee-Insel zum künstlerischen Gesamtkunstwerk umgestaltete.