Abriss Hutschenreuther B
Stadt Selb will das Werk Lorenz Hutschenreuther B abreißen Die Stadt Selb will die Gebäude auf dem Gelände des ehemaligen Werkes B abreißen. Sie rechnet mit Kosten in Höhe von vier Millionen Euro. Was wird aus dem ehemaligen Werk B der Hutschenreuther AG, das die Stadt Selb Ende des vergangenen Jahres für 100 000 Euro erworben hat? Die Gebäude werden abgerissen, das hat Oberbürgermeister Wolfgang Kreil auf Nachfrage des Selber Tagblattes gesagt. Nach ersten Schätzungen werden dafür rund vier Millionen Euro erforderlich sein, die die Stadt natürlich nicht alleine tragen könne. Kreil: „Wir werden über die Regierung von Oberfranken beim Freistaat Mittel aus dem Städtebauförderprogramm für den Abriss und die Neuordnung des Geländes beantragen. Ich gehe davon aus, dass wir wie bei der Umgestaltung des Geländes des ehemaligen Werkes A der Hutschenreuther AG 80 Prozent Förderung erhalten werden.“ Im Gespräch mit dieser Zeitung bestätigte der Oberbürgermeister, dass auf dem Gelände Altlasten vorhanden seien, allerdings „in einem überschaubaren Rahmen“. Deren Beseitigung könnten die Kosten in die Höhe treiben, verhehlte der Oberbürgermeister nicht. „Doch die Verantwortlichen dafür sind uns bekannt.“

Über den zeitlichen Ablauf konnte der Oberbürgermeister noch keine Angaben machen. „Wir haben ja noch nicht einmal den Kauf und die Übernahme komplett abgewickelt.“ Auf die Frage, ob denn tatsächlich alle Gebäudeteile auf dem Grund- stück abgerissen werden müssen und nicht das eine oder andere erhalten werden könne, wie es sich manche Selber wünschen, sagte der Oberbürgermeister, dass das nicht möglich sei. Bereits jetzt seien an vielen Stellen in dem vierstöckigen Gebäude bereits Wassereinbrüche zu verzeichnen. Zudem verfüge das Werk B nur über eine Heizung. „Dreht man die an, wird es überall warm, dreht man die ab, dann wird es auch überall kalt“, erläuterte Kreil. In einem völlig unüberschaubaren Zustand sei auch die Elektroinstallation.Nochmals bestätigte der Oberbürgermeister, dass es bereits Interessenten für das Gelände gebe, Namen wollten er aber noch nicht nennen. Diese Interessenten wollten keine sanierungsbedürftigen Gebäude, sondern nur freigeräumte Flächen. Schon jetzt sei das Areal als Gewerbegebiet ausgewiesen, dabei werde es auch bleiben.
Es könne nicht als Industriegebiet verwertet werden, denn dazu reiche die Wohnbebauung zu nahe heran. „Mein Ziel ist es, dass wir langfristig die gesamten 6,5 Hektar in private Besitz übergeben. Der Stadt kann nicht daran gelegen sein, für den Geländeunterhalt aufzukommen.“ Eine Wohnbebauung schließt der Oberbürgermeister aus. Zum 31. Dezember 2009 seien in Selb 8 434 Haushalte registriert worden und 9641 Wohnungen: „Noch immer viel zu viel.“ Für die „Wurschtler und Bastler“, die sich Gedanken um den Erhalt von ein bisschen Altem machten, habe er Verständnis, mehr aber auch nicht. „Wir wollen auf dem Gelände etwas zum Segen für die Stadt Selb schaffen.“ Inzwischen melden sich auch „Schatzsucher“ im Selber Rathaus: Wie der Oberbürgermeister berichtet, erhält er fast täglich Anrufe mit der Bitte um den Schlüssel für die Gebäude. „Die möchten sich alles, was noch verwertbar ist, unter den Nagel reißen.“ Doch dem schiebt Kreil ei- nen Riegel vor: „Wenn es dort noch etwas Verwertbares gibt, dann steht das der Stadt zu, niemandem sonst.“
Dominik Voigt - Zum geplanten Abriss der Hutschenreuther B
Dominik Voigt setzt sich für den Erhalt des Hutschenreuther Werkes B ein. Er unterbreitet Vorschläge, wie die Gebäude genutzt werden könnten. Selb - Ganz entschieden gegen den Abriss der Hutschenreuther B hat sich der Selber Dominik Voigt bereits in einem Leserbrief geäußert. Er hat sich intensiv Gedanken gemacht, für welche Zwecke die Gebäude genutzt werden könnten. Optische Instandsetzung und Einbindung in das Porzellanikon (Museum einer modernen Porzellanfabrik). Die traditionsreiche Fabrik bliebe somit erhalten, was Touristen und Kunden des Rosenthal-Shops die große Bedeutung der Porzellanstadt Selb weiterhin vermitteln würde. Gerade eine perfekt sanierte Fabrik dieser Größe trage im Gegensatz zu einer brachen Abbruchfläche zu einem verbesserten Antlitz der Stadt bei und erzeuge bei Auswärtigen, die sich im Übrigen nach wie vor nach Hutschenreuther erkundigten, einen sehr guten Eindruck. Angebotene Führungen durch den Komplex Werk B steigerten das Angebot der Porzellanwelt Selb. Die angeblichen Investoren könnten die sanierten, historischen Gebäude nutzen und hätten durch den Bekanntheitsgrad der Gebäude einen höheren Werbeeffekt.
Einrichtung einer Außenstelle der Fachschule für Produktdesign, zum Beispiel Anbietung von Ateliers und Werkstätten für selbstständige Absolventen, was eine große Hilfe bei der Existenzgründung darstellen würde; ebenso könne auch die Gestaltung der Fassade - in prominenter Nachbarschaft des Regenbogenhauses der Firma Rosenthal - durch Fachschüler übernommen werden, wie dies beim ESM-Gebäude in Selb praktiziert worden sei. Vermietung der Etagen für Vereinsheime, Geschäftsräume und Einrichtung von großen, lichtdurchfluteten Appartements in den oberen Stockwerken, die - energetisch saniert - sicher schnell Abnehmer fänden, was auch bei den neuen Wohngebäuden an der Sedanstraße der Fall war. Einbindung der Bevölkerung zur Instandhaltung der Gebäude, zum Beispiel Ein-Euro-Jobs oder "Patenschaften" von Bürgern, denen der Wiedererkennungswert ihrer Heimatstadt etwas wert ist. Auch eine Wiederbelebung des Freibades sollte nicht ad acta gelegt werden, da man mittels eines Investoren eine Art Wellness-Oase aufbauen könnte, die im Zentrum der bekannten böhmisch-bayerischen Porzellan- und Bäderlandschaft einen Besuchermagnet darstellen würde. Die Fabrik selbst kann hierbei zum Themen-Hotel umgebaut werden.
Anbringung von Photovoltaikanlagen auf den großen Dachflächen der Fabrik, was nicht nur aus ökologischer Sicht sinnvoll wäre, sondern auch die Unterhaltskosten konsolidieren würde. Unterbringung der Bundespolizeiinspektion zur Einsparung von Neubaukosten oder Einrichtung des geplanten Datenerfassungszentrums der Steuerverwaltung. Nach Voigts Meinung, er ist Produktdesigner, dürfe nicht unterschätzt werden, dass Selb Hochschulstandort werde. Abgesehen davon, dass die Fabrik schon aufgrund ihrer Größe gut geeignet wäre, um die Hochschule mit Raum für Erweiterungen dort unterzubringen, biete es sich geradezu an, attraktive und großzügige Studentenappartements darin zu errichten. Die Lage wäre optimalerweise zentral zwischen Porzellanikon und Innenstadt gelegen. Auch wenn die Studentenzahlen anfangs noch überschaubar sein werden, könne es durchaus sein, dass die Hochschule schon bald einen ähnlichen Andrang erlebt, wie er sich bei der Fachschule für Produktdesign in den letzten Jahren entwickelt habe. Die Schüler der Fachschule könnten diese Wohnungen im Übrigen ebenso nutzen, was zu einem produktiven Austausch zwischen Studenten und Fachschülern führen würde. Sicherlich sei ein Blick über den Tellerrand, in diesem Fall zur erfolgreichen Universitätsstadt Bamberg, sinnvoll, wo eben aufgrund steigender Studentenzahlen die bestehenden Gebäude der einstigen Baumwollspinnerei ERBA zu Studentenwohnungen umgebaut worden seien. Abschließend weist der Produktdesigner noch auf den Erfolg des Factory In hin. Dort sei im alten Heinrich-Werk ein erfolgreiches Projekt entstanden, aus dem man Mut und visionäres Handeln gelernt haben sollte, um auch aus der Hutschenreuther B wieder einen leuchtenden Stern am Himmel der Porzellanwelt Selb werden zu lassen.







