Industriebrachen Selb
Widerstand formiert sich in Selb gegen den Abriss von Häusern in der Innenstadt. Bei einem ersten Treffen diskutieren Bürger über Alternativen. Auf den Trümmern der Häuser in der Friedrich-Ebert-Straße thront der Abrissbagger. Ein gutes Dutzend Bürger, die mit den Abrissen in der Innenstadt nicht einverstanden sind, haben sich jetzt im Brauhaus getroffen. Selb - Der Abriss von Häusern in Selb hat jetzt engagierte Bürger auf den Plan gerufen.
Im Brauhaus Ploss diskutierten sie lebhaft über den möglichen Erhalt der Gebäude. Cornelia und Dominik Voigt sowie Rudolf Kirschneck hatten zu der Stammtischdiskussion eingeladen. Sie möchten die Bevölkerung für dieses Thema sensibilisieren. Der Einladung gefolgt waren einige interessierte Bürger, die rund zwei Stunden lang diskutierten. Viele Gebäude seien in den vergangenen Jahren der Abrissbirne zum Opfer gefallen. "Die lassen sich mit Worten nicht mehr aufbauen, aber man kann ein Bewusstsein dafür schaffen, die Bausubstanz in Selb weiterhin zu erhalten", formulierte Kirschneck sein Anliegen nach einer "emotionalen Rückschau", wie er sagte.
Gezeigt wurden Bilder vom Café Lichtspielhaus, dem Mulzhaus, der Alten Post, der Brauerei "Rauh & Ploß", der Villa Ploß, dem Haus der Jugend und Werken von Rosenthal und Hutschenreuther. Aktuell werde die Villa Rieber, eine 100 Jahre alte Jugendstilvilla in der Schillerstraße abgerissen. Helmut Heinrich wusste einiges über die Bauten zu sagen und bemerkte, dass in der Bevölkerung grundsätzlich zu wenig über die Gebäude bekannt sei. Die gesamte Ludwigstraße stehe unter Denkmalschutz, das müsse den Bürgern und den Stadträten, bekannt gemacht werden. Lebhaft diskutiert wurde auch der mögliche Abriss des Backsteinhauses an der Ecke Schiller-/ Friedrich-Ebert-Straße sowie des Gebäudes, in dem die Stadtbücherei untergebracht ist. Anstelle der bisherigen Häuser, deren Eigentümer nicht mehr in Selb leben und die Immobilien ohne persönlichen Bezug zur Heimatstadt verkaufen, soll im Rahmen der Sanierung des Kaufhauses Storg möglicherweise ein Parkhaus entstehen. Dies sei unästhetisch, war die Meinung einiger Bürger, das Stadtbild verliere an Identität. Allerdings habe die Stadt keine Möglichkeiten mehr, darauf Einfluss zu nehmen. Die Stadtratsmitglieder seien vor der Abstimmung nicht ausreichend informiert gewesen, monierte Kirschneck, der im Stadtrat dagegen gestimmt hatte. Walter Wejmelka räumte ein, er habe zugestimmt, um einen möglichen Investor nicht zu verlieren, wohl wissend, dass damit der Abriss möglicherweise in Kauf genommen werden müsse.
Auch die fehlenden Hotelbetten wurden thematisiert. "In Selb ist es nicht möglich, einen Reisebus unterzubringen", kritisierte Wejmelka. Die Chance, Investoren zu finden, sieht Kirschneck dann, wenn die Urbanität der Innenstadt erhalten bleibt. Wünschenswert sei es, Wohnprojekte in Altbauten zu integrieren, nach Zuschussmöglichkeiten für Altbausanierungen zu suchen und mit Bebauungsplänen zu arbeiten. "Die Stadt soll den Willen kund tun, zu benennen, was erhaltenswert ist und darüber soll diskutiert werden" so der SPD-Stadtrat.
Dem Diskussionsabend sollen sich weitere Veranstaltungen anschließen. Angedacht wurde ein Rundgang durch die Innenstadt, die Forderung, alte Gebäude von innen anschauen zu können oder auch einen Referenten vom Baukunstbeirat in Nürnberg einzuladen. Cornelia Voigt hat nach eigener Aussage bereits Kontakt aufgenommen. Auch ein TV-Team des Bayerischen Rundfunks habe Interesse an diesem Thema und werde in Kürze die Stadt besuchen.