Königliche Porzellanmanufaktur Kopenhagen
Im Hinblick auf die Gesamtentwicklung der europäischen Keramik während der Zeit von 1900 - 1925 lässt sich als Endergebnis die unbestrittene Vormachtstellung der nordischen Länder einschliesslich Deutschlands infolge ihrer künstlerischen und technischen Qualität als unangreifbare Tatsache feststellen.
Da die moderne europäische Keramik eng mit den dänischen Manufakturen verbunden ist, darf es gerechtfertigt erscheinen, wenn sie an dieser Stelle im Zusammenhang mit den Erzeugnissen des übrigen Auslandes in erster Linie genannt werden. Es braucht hier nicht von der grundlegenden Bedeutung der Königlichen Porzellanfabrik Kopenhagen für die Entwicklung der Keramik der Gegenwart seit der Jahrhundertwende geredet werden. Wenn das Genre Kopenhagen in den zwanziger Jahren nicht mehr so geschätzt wurde wie zu seinen Anfangszeiten, dann lag es nicht an den Formen- und Dekorstil seiner Zeit, sondern wir hatten uns daran sattgesehen weil die Thüringer Porzellanfabriken uns mit Minderwertigkeiten überschütteten, deren letzte Stunde zwar schon lange fällig ist, die aber anscheinend immer noch nicht geschlagen hat (Zitat Schaulade 1925).
Die Königliche Manufaktur hatte das Glück gehabt, die letzten vierzig Jahre (1880 - 1920) einer Leitung zu unterstehen, die sich in der Qualität ihrer künstlerischen Ziele gleichgeblieben ist: Die älteren Techniken wurden nicht kurzerhand aus der Produktion heraus genommen, sondern mit unermüdlichen Eifer vervollkommnet und ihnen verfeinerte künstlerische Wirkungen abgewonnen. In Deutschland machte sich schon seit einiger Zeit ein Rückgang der Vorliebe für geflossene, gesprüngelte und kristallinische Glasuren bemerkbar, weil die deutschen Manufakturen, nachdem es ihnen einmal geglückt war, die technischen Probleme zu bewältigen, ihre weitere künstlerische Ausnutzung aufgaben. Ganz anders dachte man in Kopenhagen. Wohl der Gedanke, dass das ostasiatische Können der Westländer nicht unerreichbar sei, gab die Veranlassung, jene erstaunlichen Wirkungen auch der europäischen Technik abzuringen. Nach manchen Mühen und Fehlbränden ist es tatsächlich gelungen, besonders die gesprüngelten Glasuren zu einer künstlerischen Schönheit zu entwickeln, die ausgezeichnet bleibt.
Es gelang zwar immer nur vereinzelte Stücke in völliger Tadellosigkeit herauszubringen, aber der Erfolg lohnte reichlich die Mühe. Olaf Jensen hatte aus diesem Material sehr ansprechende Tafel- und Ziergefässe geschaffen. Die blauen Unterglasurmalereien, in denen ab und zu ein sparsames Rotbraun auftaucht, standen zwar gut der leicht grau getönten Masse, die Gesamtwirkung entspricht aber nicht dem, was man von einem Porzellanerzeugnis erwartet; denn durch die Massefärbung wird die Leuchtkraft des Porzellans stark beeinträchtigt.
In der figürlichen ist der Fortschritt der letzten zwanzig Jahren (1900-1925) noch deutlicher zu spüren. Hier ist alles neu geworden. Von dem landläufigen Begriff Kopenhagen ist nicht einmal mehr eine Erinnerung übrig geblieben. Die Träger des neuen künstlerischen Geistes sind in der Hauptsache G. Thylstrup, Michael Pedersen, G. Henning und Jais Nielsen, wobei zu bemerken ist, dass des letzteren genannten Stärke in der Porzellanmalerei liegen. Von diesen vier Künstlern besitzt Thylstrup die grösste Wandlungsfähigkeit des Audrucks. Als Gegensätze in der Flächenbehandlung seien im besonderen die Jägerin mit Hund und das Mädchen mit dem Fisch hervorzuheben. Nebenbei bemerkt ist die Wirkung des grauen Porzellans in der figürlichen Plastik erheblich günstiger als in den Geschirren. An den Kompositionen von Michael Pedersen ist die Geschlossenheit im Gruppenaufbau ein charakteristischen Zeichen der plastischen Gestaltungskunst ihrers Urhebers. Technisch belangreich ist die Verbindung von Auf- mit Unterglasurmalerei. Am raffiniertesten, feinnervigsten in der Konzeption und von einer ausserordentlich kultivierten Delikatesse in den Farben des Dekors erscheinen die Figuren von G. Henning.
Ein anderer Zweig der keramischen Produktion, der von der Kgl. Manufaktur mit Erfolg gepflegt wurde, ist das Steinzeug. Zwar hat sich in den Formen und Bemalungen der Gefässe P. Nordström ziemlich eng an japanische Vorbilder angeschlossen, die Tier- und figürlichen Plastiken indes von Georg Thylstrup oder Hugo Liisberg besitzen eine durchaus persönliche Note. Selbst bei struktiv gewagten Stücken wie dem Pelikan sind die Grenzen des Werkstoffes klug gewahrt. Der seltene Fall, dass ein Bildwerk, das ursprünglich für die Ausführung in Porzellan gebracht ist, auch bei seiner Nachformung in Steinzeug seinem Wesen nicht untreu wird, tritt bei den bereits erwähnten Mädchen mit dem Fisch in Erscheinung, die auch in Steinzeug mit grünlichgrauer Glasur nichts von ihrem plastischen Werte verloren hat.
Der gleiche fortschrittliche Geist wie in der Porzellanmanufaktur betätigt sich auch in der derselben Leitung zugehörigen Kopenhagener Fayencefabrik, die vor etwa 10 Jahren ihren alten Namen Aluminia ablegte, weil er ständig zu Irrtümern über die Art der hergestellten Waren Veranlassung gab, da man glaubte, dass die Fabrik Aluminiumgegenstände erzeugte. Aber auch so noch ist das Produktionsgebiet nicht klar umschrieben; denn die Fayencefabrik stellt nicht Fayence, sondern Steingut her. Bekannt geworden und ihren Namen in alle Kulturländer getragen haben ihre aus einer leicht gelblich brennenden Masse hergestellten, mit stark leuchtenden bunten Malereien geschmückten Zier- und Gebrauchsgegenstände. In neuester Zeit ist man von der überreichen Bemalung zurückgekommen. Die jüngeren Arbeiten von Christian Joachim zeigen im Vergleich mit den älteren eine nicht ungünstige Vereinfachung des malerischen Dekors, der allerdings nicht mehr ganz die frische Selbstständigkeit der früheren Malereien aufweist, sondern nicht unerhebliche Anlehnungen an Delft zu Tage treten lässt.
Eine Neuerung waren die Tranquebar-Facencen. Sie bestehen aus einer graugrünlichen Masse, die mit kobalt-blauen Malereien unter der Glasur dekoriert werden. Die Arbeiten, die Chr. Joachim und Michael Pedersen geschaffen haben, kennzeichnen deutlich die beiden Richtungen, die in der Hauptsache den Charakter des Dekors bestimmen, die naturalistische Joachims und die mehr stilisierende Pedersen. Als Dritter schliesst sich diesen beiden Künstlern Oskar Willerup mit seinem ebenfalls in Kobalt bemalten sehr reich wirkenden Pfau Service an.
Designer der Königliche Porzellanmanufaktur Kopenhagen
- Georg Thylstrup
- Jais Nielsen
- Michael Pedersen
- Gerhard Henning
- P. Nordström
- Hugo Liisberg
- Chr. Joachim
- Oskar Willerup
Geschichte Royal Copenhagen
Die Manufaktur wurde am 1. Mai 1775 von dem Chemiker Frantz Heinrich Müller in Kopenhagen gegründet. Das junge Unternehmen wurde zunächst mit der Zusage eines Monopols auf 50 Jahre staatlich gefördert. Das Patronat übernahm die zweite Ehefrau des 1766 verstorbenen Königs Friedrich V., die Königinmutter und inoffizielle Regentin Dänemarks Juliane Marie aus dem Hause Braunschweig. Bereits 1779 wurde jedoch ein finanzielles Engagement des Königshauses in der Manufaktur erforderlich, deren Firma durch diese Übernahme des Unternehmens "königlich" wurde.
1868 erfolgte eine Privatisierung und Königlich Kopenhagen bekam wieder private Gesellschafter. Im Jahr 1882 erwarb die Fayencefabrik Alumina alle Anteile an Königlich Kopenhagen und verlegte die Produktion nach Frederiksberg vor den Toren der Stadt. Auch Alumina Fayencen wurden noch bis 1969 unter dieser Marke produziert und sind heute noch am Markt unter "Royal Copenhagen Fayence" erhältlich. Populäre Sammelobjekte sind seit Jahrzehnten die jährlich erscheinenden Weihnachtsteller der Serien Königlich Kopenhagen und Bing & Grøndahl des Unternehmens.
Bedeutende Geschirre aus der Manufaktur von Königlich Kopenhagen sind das berühmte Flora Danica, auch in Dänemarks Kulturkanon 2006, sowie die blauen Geschirre (Musselmalet, Blaue Blume oder auch Möwe). Das notwendige Rohmaterial beispielsweise für Flora Danica bezog Frantz Heinrich Müller unter anderem von dem Apotheker Marc-Hilaire Vilaris (1719-92) in Bordeaux, der 1766 entsprechende Kaolin-Vorkommen bei Saint-Yrieux im Limousin entdeckt hatte.
Bedingt durch die Koalitionskriege kam die Produktion in der Zeit von dem Angriff der Engländer auf Kopenhagen (1807) bis nach dem Wiener Kongress auch aus Rohstoffmangel so gut wie zum Erliegen und wurde erst 1816 wieder aufgenommen. Herausragender Künstlerischer Leiter der Manufaktur war während des Goldenen Zeitalters in Dänemark von 1828-64 der um die Empireformen der Manufaktur verdiente Architekt Gustav Friedrich von Hetsch. Aber auch danach fand in der Zeit von 1884 bis 1916 der Architekt Arnold Krog zu richtungsweisenden Gestaltungsleistungen.
Im Rahmen einer Expansionstrategie im Luxusgütersegment erwarb Königlich Kopenhagen auch den dänischen Silberhersteller Georg Jensen (1972) und schloss sich mit Tafelglashersteller Holmegaard (1985) sowie dem 1853 gegründeten Wettbewerber Bing & Grøndahl (1987) zusammen. Die internationale Marke Royal Copenhagen gehört heute als Unternehmen Royal Scandinavia zum Portfolio des dänischen Private Equity Fonds Axcel. Der Glashersteller Holmegaard wurde im Rahmen eines Buyouts an das Management veräußert und ist wieder unabhängig. Auch eine maßgebliche Beteiligung an dem schwedischen Unternehmen und Glashersteller Orrefors Kosta Boda wurde wieder abgegeben.