Thomas Marktredwitz

Kommerzienrat Fritz Thomas

Mit Kommerzienrat Fritz Thomas ist am 12. Oktober 1940 einer der markantesten und erfolgreichsten Grossindustriellen unserer heimischen Porzellanindustrie in München aus dem Leben geschieden, wo er einem Herzleiden erlag, dessen Ursache auf die berufliche Überarbeitung in der Hauptperiode seiner Tätigkeit zurückzuführen ist. Er wurde am 28. Mai 1865 als Sohn des Stadtbaurates Thomas in Hof geboren und absolvierte 1882 die Realschule seiner Vaterstadt. Schon damals wurde seine ausgesprochene Begabung für Zeichnen und Modellieren entdeckt. Diese Begabung und der Rat seines väterlichen Freundes Pabst, des Mitinhabers der Porzellanfabrik Lorenz Hutschenreuther in Selb, waren für die Berufswahl ausschlaggebend und so kam Fritz Thomas zur Ausbildung als Keramiker in der ältesten heimischen Porzellanfabrik C.M. Hutschenreuther in Hohenberg und unter Leitung des erfahrenen Keramikers von Albert Hutschenreuther in die denkbar beste Lehre. Dankbar hat er auch stets seines alten und getreuen Lehrmeisters gedacht.

Glasfabrik Thomas Amberg

Dort lernte er alle Stadien des komplizierten Werdegangs des Porzellans von der Drehscheibe bis zum Brennofen, sowie die verschiedenen Abteilungen der Veredelung und auch die Anforderungen, die man an die Zusammensetzung und Bildsamkeit des Materials stellen kann, gründlich kennen und beherrschen, was ihm später zugute kam, als es galt, selbst Leute zu schulen. Nach dieser rein handwerklichen Vorbereitung hatte er als Einjährig-Freiwilliger bei der technischen Waffe der Pioniere noch Gelegenheit, auch mit bautechnischen Disiplinen bekannt zu werden, bezog dann zu seiner künstlerischen Ausbildung von 1885 bis 1889 die Kunstgewerbeschule zu München und hospitierte nebenbei an der technischen Hochschule, um sich mit der Chemie der Keramik, ihren Rohmateriallien und der Feuerungstechnik vertraut zu machen. Auch an der Kunstgewerbeschule fiel seinem damaligen Lehrer Professor Kurz, bei dem auch der später als Maler und Bildhauer gleich bedeutende Franz Stuck arbeitete, die besondere Begabung seines Schülers für Modellieren sofort auf und es war nahe daran, dass sich dieser der reinen statt der angewandten Kunst widmete.

Nach dieser vielseitigen handwerklichen, künstlerischen und technischen Ausbildung begannen für Thomas die Wanderjahre, die ihm in die bekannte thüringischen Werke Ohrdruff und Scheibe und dann noch nach Weisswasser in der Lausitz führten. Im Jahre 1897 baute und leitete er unter der Firma Jäger, Thomas & CO. in Marktredwitz seine erste Porzellanfabrik, der dann 1903/04 unter seinem Namen das eigene Werk - sein Lebenswerk - folgte. Er hatte den kleinen aufstrebenden Industrieort Marktredwitz, der bis dahin nur als die Geburtsstätte der chemischen Industrie Deutschlands und einer achtenswerten Textilindustrie bekannt war, wegen seiner günstigen und Verkehrsverhältnisse zum Standort auch einer keramischen Industrie gewählt, trotzdem vorgeschulte Arbeiter hierfür nicht vorhanden waren. Und so schulte und schuf er sich seinem ausgezeichneten Stamm von Arbeitern, die seiner technischen und künstlerischen Initiative folgten, und nach kurzer Zeit waren seine Erzeugnisse unter dem Namen "Thomas Porzellan" in aller Welt bekannt.

Fritz Thomas war der erste Porzellanfabrikant, der aus dem seitherigen Schema vorwiegend käufmännischer Ausbildung durch seine technische und künstlerische Veranlagung und Ausbildung herausfiel. Er war dadurch imstande, in neuer ruhiger Formgebung und einfachen vornehmen Dekors seine Industrie selbstschöpferisch zu beinflussen. Diese künstlerische Neugestaltung wurde noch ergänzt durch einen technisch vervollkommneten und auf höchste verfeinerten Scherben seines Porzellans.

Im Jahre 1908 schloss Thomas sein Werk dem Rosenthal Konzern an und blieb bis zum Jahre 1915 als Vorstandsmitglied der Rosenthal AG noch Leiter seiner Schöpfung und zog sich dann nach München zurück, wo er Erholung fand in ausgedehnten Reisen, Wanderungen in den bayerischen und Tiroler Bergen, in seinem Hochwildrevier und in der Pflege der Kunst, der er in ihrer Vielseitigkeit jetzt mehr nachgehen konnte, als während seiner industriellen Tätigkeit. Späterhin, als es galt, die ehemalige hochstehende Wiener Porzellanmanufaktur in ihren alten Modellen und auch in Neuschöpfungen wieder ins Leben zu rufen, übernahm er Ausbau und Leitung der ehemaligen kaiserlichen Porzellanmanufaktur Augarten in Wien in den Jahren 1922 bis 1924, die in seinem Sinne heute noch weitergeführt wird. Von 1925 bis 1936 war er dann noch künstlerischer und technischer Beirat der ältesten bayerischen Porzellanfabrik, der privilegierten kgl. preussischen Porzellanfabrik Tettau, deren Gründung auf Alexander von Humbold zurück geht. Auch diesem Werk hat er durch seine Formgebung und Dekors zur neuen Blüte verholfen.

Das Bild wäre unvollständig, sollte ich nicht auch seiner sozialen Einstellung und seines innigen Verhältnisses zur Natur, speziell zu unserem Fichtelgebirge gedenken. In weiser Erkenntnis und mit dem angeborenen sozialen Verständnis war er jederzeit von der Tatsache durchdrungen, dass der Aufschwung und die Leistungen seines Lebenswerkes, das wohl ausschliesslich seiner Initative entsprang, nur möglich waren durch den vorzüglichen Stamm von Mitarbeitern, den er sich selbst Schulte und heranzog. Und so war es für ihn selbstverständlich, dass er stets auf das Wohl seiner Arbeiter bedacht war. Er eilte der sozialen Fürsorge seiner Zeit weit voraus, führte neben mustergültigen Einrichtungen innerhalb der Betriebsstätte bereits den bezahlten Urlaub für seine Arbeiter und den alljährlich gemeinsamen Betriebsausflug mit seiner Gefolgschaft ein. Einer besonderen Fürsorge erfreuten sich seine Arbeiterveteranen und Jubilare, die alle dem Werke erhalten blieben und mit denen er auch noch nach seinem Weggang von Marktredwitz immer noch in Verbindung stand.

Die Liebe zur Natur und das Wandern in Gottes freier Natur waren ihm von seinem Vater vererbt, dem Schöpfer des schönen Naturdenkmals "Theresienstein" seiner Geburtstadt Hof. In allen Vorgängen der Natur, war es eine blühende Wiese oder ein schöner Waldbestand, sei es eine Wanderung in den bayerischen Voralpen oder in den Tiroler Bergen, immer konnte er die Schönheiten herausfinden und so stand er auch den Bestrebungen unseres Fichtelgebirgsvereins stets fördernd zur Seite. Die Idee, auf dem Gipfel der Kösseine ein Unterkunftshaus erstehen zu lassen, ging ursprünglich von einigen Heimatfreunden in Marktredwitz aus und Freund Thomas übernahm sofort die Finanzierung des Unternehmens durch Ausgabe von Anteilscheinen und führte die Finanzverwaltung bis zu seiner Übersiedelung nach München. Plan und Bauleitung des Hauses übernahm dann Wunsiedel. Der am Wege von Redwitz nach der Kösseine liegende "Büttnersfelsen", eine in sich geschlossene kleine Felspartie, war früher kaum beachtet worden, es ist sein Verdienst, dass er auf seine Kosten auch diese Partie durch Wege und Markierungen erschloss. Stets war er darauf bedacht, bei den Werksausflügen seine Gefolgschaft auf die Schönheiten unserer engeren Heimat aufmerksam zu machen. Bei all den grossen Erfolgen, die der Freund der künstlerisch-industriellen Tätigkeit aufzuweisen hatte, und bei dem grossen Ansehen, dass er unter seinen Fachkollegen genoss, blieb Thomas der einfache natürliche Mensch, der er von Hause aus war und der auch in seiner behaglichen Lebensführung die Tradition seines elterlichen Hauses stets hoch hielt.

Quelle: Der Siebenstern, 15. Jahrgang, Mai/Juni 1941 Nummer 5/6, Dr. H. Laubmann, München