Herrin der 1000 Vasen und Tassen

Beachtlich | Petra Werner ist bei der Jahrhundert-Ausstellung im Porzellanikon Selb und Hohenberg für Objekte verantwortlich, von denen eines bis zu einer halben Million Euro wert sein kann. Sie kündigt eine Schau an, wie es sie in der Branche noch nie gab. Selb - Es liegt in der Natur der Sache, dass es in den Porzellanmuseen in Selb und Hohenberg unzählige Mengen an Porzellan gibt. Besucher sehen nur einen kleinen Teil davon, die meisten Stücke lagern im Fundus. Petra Werner ist eine der wenigen, die angesichts dieser Vielzahl die Übersicht behält. Die 47 Jahre alte Kunsthistorikerin arbeitet seit zwanzig Jahren in den Porzellanmuseen. Für die Jahrhundert-Ausstellung, die am 24. April beginnt, ist sie Hauptkuratorin, also die Verantwortliche für alles, was zu sehen und zu hören sein wird. Sie ist damit zuständig für Ausstellungsstücke im Wert von etwa 25 Millionen Euro.

Entsprechend schwierig ist es zurzeit, die Vielgefragte zu erreichen. Hat sie mal keinen Telefonhörer am Ohr, saust sie irgendwo durch die Museumsräume. Die Zeit drängt, und bis zur Eröffnung muss noch vieles getan werden. Petra Werner hat erst 1. Oktober vergangenen Jahres die Verantwortung für die Ausstellung übernommen, als die vorherige Hauptkuratorin Dr. Sabine Zehentmeier die Leitung des Fichtelgebirgsmuseums in Wunsiedel übertragen bekam. Die Ausstellung ist eine Mammutaufgabe", sagt die Kunsthistorikerin. "Es ist das erste Mal überhaupt, dass Porzellan in einer derartigen Bandbreite gezeigt wird, und zwar nicht nur Einzelobjekte, sondern auch in Zusammenhängen." Andere Ausstellungen hätten immer nur bestimmte Themen oder eine bestimmte Zeit behandelt, in Selb und Hohenberg gebe es erstmals einen Gesamtüberblick, und zwar über ganz Europa.

Wie ist eine solche Riesenaufgabe überhaupt zu schaffen - noch dazu für eine kleine Mannschaft? Petra Werner überlegt kurz, nimmt einen Schluck aus ihrer Kaffeetasse und antwortet genauso strukturiert, wie sie ihre Arbeit angeht: "Man macht eines nach dem anderen, möglichst ohne viel Hektik, mit guter Aufgabenteilung, guter Abstimmung und taktischem Geschick und vertraut auf ein trainiertes Gedächtnis." Die Dialektfärbung, mit der Petra Werner spricht, verrät, dass sie eine "Hiesige" ist. Sie stammt aus Wernersreuth bei Neusorg in der Oberpfalz, ging in Marktredwitz ins Gymnasium und studierte in Bamberg Kunstgeschichte. In Bamberg wohnt sie heute noch mit Mann und 14-jähriger Tochter. In Selb hat sie einen Zweitwohnsitz, was sie als großen Vorteil sieht, denn dort kann sie nachts "bis in die Puppen" arbeiten, ohne dass es jemanden stört.

Ihre Funktion im Porzellanikon sieht sie als eine Art Steuerzentrale, in der alle Fäden zusammenlaufen. Vor Monaten ging es darum, welche Ausstellungsstücke das Porzellanikon von anderen Museen ausgeliehen bekommt und wie die teilweise sehr wertvollen Stücke nach Oberfranken gebracht werden. Ab 25. April ist die Jahrhundert-Ausstellung zum Thema Porzellan für Besucher offen. Zurzeit steht andere Detailarbeit an: Welche Schrift ist für die Informationstafeln am besten zu lesen? Wie viele Tafeln braucht es? Wo fehlen noch Leihgaben? Welcher Dolmetscher kann die Verträge übersetzen?

Schließlich geht es um viel Geld und unersetzliche Kulturgüter. Einzelne Stücke sind bis zu einer halben Million Euro wert. Daneben werden in der Ausstellung Dinge zu sehen sein, die historisch einmalig oder einfach kurios sind, etwa die Porzellanblumen aus dem ehemaligen Palast der Republik der DDR. Stücke für das Ausstellungsthema "Porzellan auf Reisen" kommen aus dem Topkapi-Palast in Istanbul. Andere wichtige Museen, die Ausstellungsstücke nach Oberfranken schicken, sind das Metropolitan in New York, das Victoria & Albert in London, das Les Arts Décoratifs in Paris und der Peterhof in St. Petersburg. Auch die Nationalmuseen in Prag und Budapest stellen Gegenstände zur Verfügung. Wir können sehr zufrieden sein, denn wir haben nur ganz, ganz wenige Absagen bekommen", sagt Petra Werner. Das sei umso bemerkenswerter, als auch anderswo Ausstellungen zum Thema Porzellan stattfänden. "Was wir zeigen werden, ist einmalig. Es wird eine Schau, wie es sie in der Branche noch nicht gegeben hat."

Und wie überzeugt man andere Museen, damit diese ihre wertvollen Stücke für einige Monate aus dem Haus geben? "Wir pflegen seit Langem freundschaftliche Beziehungen zu vielen Häusern und wir sind anerkannt", erklärt die Kuratorin. "Diese vertrauensvolle Zusammenarbeit zahlt sich jetzt aus. Spricht's und hat bereits wieder eine Vase in der Hand, die unbedingt noch für den Ausstellungskatalog fotografiert werden muss. Eines von 1000 Ausstellungsstücken. Und jedes einzelne hat Petra Werner im Blick. 

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