Königszelt
Porzellanfabrik Silber & Comp.
Maurermeister Traugott Silber gründete 1860 eine Porzellanfabrik mit zwei Rundöfen in Königszelt. Die Verkehrstechnische Lage und die 1843 entdeckten Lagerstätten weißen Tons waren es wohl, die Traugott Silber veranlasste eine Porzellanfabrik zu gründen. Die Gemeinde Königszelt entwickelte sich mit den Bau der Eisenbahnlinien Breslau-Freiburg (1843) und Königszelt-Schweidnitz (1844) und Jauer-Striegau-Königszelt (1856) zum Eisenbahnknotenpunkt des Kreises Schweidnitz. Vielleicht war dieser Compagnon der aus Frankfurt/Oder stammende Maschinenbauer August Friedrich Wilhelm Rappsilber, der zusammen mit dem Berliner Porzellanmaler Carl Heinrich Otto Heckmann die Fabrik 1871 übernahm.
Die Porzellanfabrik C. Heckmann & Rappsilber
1872 produzierte sie bereits Waren im Wert von 270.000 Talern. Auf der Weltausstellung in Wien 1873 wurden ihre Produkte mit einem Anerkennungsdiplom ausgezeichnet. 1874 wurde die Fabrik durch umfangreiche Neubauten erweitert. Mit acht Rundöfen und ca. 400 Beschäftigte war sie nun die drittgrösste Porzellanfabrik in Schlesien. Sie hatte sich auf die Herstellung von Gebrauchsgeschirr wie Tassen und Teller spezialisiert, daneben wurden auch Tafel-, Kaffee-, Tee- und Waschservice in unterschiedlicher Ausführung hergestellt. Um 1878 verliess Heckmann die Firma. August Rappsilber, dessen Pachtverträge in Tillowitz 1878 und 1880 endeten, führte sie für einige Jahre unter seinem Namen weiter. Er verbesserte vor allem die technische Ausführung seiner Waren und präsentierte Prunkstücke seiner Produktion 1881 auf der Breslauer Industrie- und Gewerbeausstellung.
Im selben Jahr verlies sein Schwiegersohn und Wunschnachfolger Carl Bernhard Weisbach die Firma, um sein Erbe in Plauen anzutreten. Seinen Platz in der Firmenleitung nahm der Prokurist Paul Mogwitz ein. Wohl aus Gesundheitsgründen verkaufte August Rappsilber die Fabrik Ende 1886. Unter Führung des Thüringer Bankhauses Strupp in Meiningen wurde die Firma in eine Aktiengesellschaft mit 1,6 Mio. Reichsmark Grundkapital umgewandelt, mit Paul Mogwitz als geschäftsführendem Generaldirektor.
Porzellanfabrik Königszelt
Die nächsten Jahrzehnte waren von stetigem Wachstum geprägt. 1889 vergrösserte die Porzellanfabrik Königszelt das Firmengelände um fünf Hektar. Es entstanden zwei neue Brennöfen und zahlreiche Nebengebäude, wie z.B. eine Ziegelei, eine Bäckerei, eine Gärtnerei und eine Badeanstalt. Die Zahl der Beschäftigten stieg auf ca. 675 Mitarbeiter. Im Jahr 1905 wurde das Aktienkapital auf 2,6 Mio. Reichsmark erhöht, um damit die Aktienmehrheit der konkurrierenden Fabrik Lorenz Hutschenreuther im fränkischem Selb zu erwerben. Das Königszelter Unternehmen war nun die zweitgrösste Aktiengesellschaft der Porzellanindustrie im Deutschen Reich. Noch vor dem ersten Weltkrieg wurde die Produktionskapazität auf 16 Brennöfen- und 4 Muffelöfen erhöht.
Nach Einschränkungen durch den ersten Weltkrieg erfuhr die Fabrik erst ab 1921 unter Generaldirektor Friedrich Kempcke einen neuen Aufschwung. 1922 wurde sie durch den Bau einer gasbefeuerten Tunnelofenanlage, die in ihrer Leistung acht herkömmliche Rundöfen entsprach, modernisiert. Von Anfang an war Königszelt bestrebt, gutes und formschönes Porzellangeschirr in unteren bis mittleren Preislagen anzubieten. Über lange Zeit beliebt war der Unterglasdekor Indischblau. Eine Spezialität waren silberdekorierte Porzellane die in den dreißiger Jahren hergestellt wurden.
Das Ende des Krieges brachte eine kurzfristige Unterbrechung der Porzellanproduktion. Schon im Juli 1945 wurde unter polnischer Führung der erste Brennofen wieder in Betrieb genommen. Anfangs waren es noch zurückhaltene deutsche Arbeiter, die die Produktion aufrechterhielten und ihre polnischen Nachfolger anlernen mussten. Bis 1950 mussten auch sie Schlesien verlassen. Viele von ihnen fanden in der Porzellanindustrie in den Porzellanfabriken Oberfrankens und der Oberpfalz eine neue Heimat. 1954 erhielt die Königszelter Porzellanfabrik ihren neuen Namen Karolina. Sie gehört den neben den beiden grossen Waldenburger Unternehmen zu den wenigen, die auch unter der neuen Leitung bei der Porzellanherstellung blieben und bis heute produzieren.
Die Marken der Königszelter Porzellanfabrik gestalteten sich vornehmlich aus den Variationen von drei Hauptmotiven. Von 1871 bis zum ersten Weltkrieg zeigte sie einen heraldischen Adler über den Initialen des Inhabers oder dem Schriftzug "P.K.Silesia", von 1914 bis etwa 1925 prägte ein Zelt mit Königskrone das Bild und 1922-1945 beherrschte das bekrönte Wort "Königszelt" die Marke, oft mit dem Zusatz "Silesia" oder "Germany". Eine neue Königszelter Marke entstand 1979 als die bayerische Porzellanfabrik Waldsassen Bayreuther & CO., die viele Angestellte und Facharbeiter aus Königszelt übernommen und schon früher mit der schlesischen Fabrik bei der Entwicklung des Dekors Indischblau zusammengearbeitet hatte, den Namen Königszelt in ihrer Marke für Sammelteller.
Geschichte Königszelt
Als im Jahre 1843 die Eisenbahnstrecke zwischen Breslau und Freiburg in Schlesien errichtet wurde, lagen die wichtigen Städte Striegau und Schweidnitz zehn Kilometer abseits der Trasse. Zum Anschluss dieser Städte wurde eine Querverbindung gebaut, die sich auf den Feldern des Dorfes Bunzelwitz mit der Hauptstrecke kreuzte. Es entstand ein Bahnhof, um den sich schnell eine Eisenbahnersiedlung bildete. Sie erhielt in Erinnerung an das Feldlager von Bunzelwitz, wo im Siebenjährigen Krieg das Zelt Friedrichs II. im Jahre 1761 an jenem Ort gestanden hatte, den Namen Königszelt. Dort, in Bunzelwitz, schloss der König das erste preußisch-osmanische Bündnis, welches freilich wirkungslos blieb. Königszelt entwickelte sich zu einem Eisenbahnknotenpunkt. 1853 wurde die Strecke von Freiburg bis Waldenburg weitergeführt, 1855 erfolgte die Verlängerung der Schweidnitzer Strecke bis Reichenbach im Eulengebirge und 1863 bis Neisse. Die Striegauer Strecke wurde 1856 über Jauer nach Liegnitz erweitert. Wegen der günstigen Eisenbahnverbindungen erfolgte 1863 der Bau der Porzellanfabrik Königszelt, die 1929 in die Lorenz Hutschenreuther AG eingegliedert wurde. Bis 1945 gehörte Königszelt dem Landkreis Schweidnitz an. Als Folge des Zweiten Weltkriegs fiel es 1945 zusammen mit fast ganz Schlesien an Polen und wurde in Jaworzyna Śląska umbenannt. Die deutsche Bevölkerung wurde vertrieben. Nach dem Ausbau der Porzellanfabrik gehörte diese zu den drei größten Betrieben dieser Art in Schlesien. 1954 erhielt Jaworzyna Śląska Stadtrecht und die Fläche der Stadt vergrößerte sich um 1,34 km² auf fast 4 km². 1975–1998 gehörte Jaworzyna Śląska zur Woiwodschaft Wałbrzych.