Franz Heinrich 1896
Porzellanfabrik Franz Heinrich Selb
Der Porzellanmaler Franz Heinrich bewies im Jahr 1896 Unternehmergeist, als er im elterlichen Haus anstelle eines Backofens eine Schmelzmuffel mit 0,75 m³ Fassungsvermögen einbaute. Zunächst beschäftigte er nur eine einzige Arbeiterin und bezog die Weissware aus den umliegenden Fabriken. Ab 1901 produzierte er selbst Porzellan. 1913 Beschäftigte Heinrich 340 Mitarbeiter, bis 1930 stieg die Mitarbeiterzahl auf 500.

Die Form Anmut wurde zum Verkaufsschlager der Firma. Auf Heinrich Porzellan speisten unter anderem auch die Fluggäste des Zeppelins LZ 129. In der Blütezeit stellten Firmen wie Hutschenreuther, Rosenthal und Heinrich fast die Hälfte der deutschen Porzellanproduktion her. Nach dem 2.Weltkrieg nahm die Fabrik als erste Westdeutschlands die Produktion wieder auf. 1976 wurde diese traditionsreiche Porzellanfabrik von Villeroy und Boch aufgekauft. Bis dort stieg die Zahl der Arbeitnehmer auf 810.
Ein Jubiläum in Selb 1946
Wer in den späten Nachmittagsstunden des 27.November 1946 durch die Strassen der Porzellanstadt Selb spazierte, dem fielen die zahlreichen festlich gekleidenten Männer und Frauen auf, die alle einen Ziel zustrebten. Was war los? Heinrich & CO. feiert ihr 50jähriges Firmenjubiläum. Die Porzellanfabrik Heinrich & CO., die grösste bayerische Porzellanfabrik im Familienbesitz, die der Porzelliner nach dem Warenstempel H.&CO. nennt. Heinrich Porzellan war formschönes Gebrauchsgeschirr, das jeden Betrachter, vor allem die Frauen entzückte, während die Männer, wenn sie Fachleute sind, den guten Scherben lobten. Aus Anlass ihres Jubiläums hatte die Firma Heinrich & CO. in einer sehr geschmackvoll ausgestatteten Festschrift die Entwicklung des Unternehmens und das Werden des Weißen Goldes von Kurt und Marianne Piepenstock schildern und von Werner Schmidtner illustrieren lassen. Chronik der Porzellanfabrik Franz Heinrich & CO. Selb. Untrennbar verbunden mit dem Namen der Stadt Selb als Hochburg des Porzellans ist der Name Franz Heinrich, dessen Fabrikate sich mit Ehren neben die Erzeugnisse der Manufakturen von Berlin, Meissen, Nymphenburg und Kobenhagen stellen können. Das Werk wusste sich mit so formvollendeten Schöpfungen wie den Service Anmut nach dem Entwurf Karl Leutner und den durch In- und Auslandspatente geschützten Kunstschliffwen in Porzellan, den sogenannten Heinrich-Gemmo-Porzellan, eine überragende Sonderstellung zu sichern. Der Porzellanmaler Franz Heinrich bewies im Jahr 1896 Unternehmergeist, als er im elterlichen Haus anstelle eines Backofens eine Schmelzmuffel mit 0,75 m³ Fassungsvermögen einbaute. Zunächst beschäftigte er nur eine einzige Arbeiterin und bezog die Weissware aus den umliegenden Fabriken. Die Porzellanfabrik Heinrich & Co. wurde 1896 durch Franz Heinrich als Porzellanmalerei gegründet. Seit sich 1903 der Ascher Färbereibesitzer Ernst Adler an der Firma beteiligt hatte, wurde auch eigenes Porzellan hergestellt. In den vielen Jahren 1906 bis 1914 konnte sich die Firma wesentlich vergrössern. Sie erwarb 1918 bei Karlsbad eigene Kaolingruben. Die in unmittelbarer Nachbarschaft an der Vielitzerstrasse gelegene Porzellanfabrik Gräf & Krippner wurde 1929 nach dem Tod des Teilhabers Adolf Gräf (1926) ebenfalls von Heinrich erworben, jedoch schon 1932 stillgelegt. 1973 wurde die Firma an eine englische Firmengruppe verkauft, die den Immobilienbesitz und die Zweigwerke abstieß. Seit 1976 gehört die Firma zu Villeroy & Boch-Konzern, der sie durch Modernisierung und Rationalisierung wieder zu einem führenden Unternehmen der Branche machte. Im Jahre 1996 wurde die Produktion am Standort Selb beendet. Nachdem die Übernahme der Hutschenreuther AG durch Villeroy & Boch scheiterte und der Winterling Konzern die Sparte Lorenz Hutschenreuther übernahm.
Gründung 1896
1898 Gründung der Firma Heinrich & Gräf (Adolf Graf wurde Teilhaber). Adolf Gräf scheidet als Teilhaber aus, verbleibt aber als Mitarbeiter. Wolfgang Hertel wird der neue Teilhaber. Die Firma nennt sich anno 1898 Heinrich & Hertel. Franz Heinrich heiratet Jette Krippner. 1900 stirbt Wolfgang Hertel. Schon 1901 beschäftigt Franz Heinrich 50 Arbeiter. Die kleine Fabrik wuchs von Jahr zu Jahr. Schon 1902 konnte Franz Heinrich mit Unterstützung seines Teilhabers Ernst Adler in eigener Fabrik das Porzellan selbst herstellen. Die fertige Glasur wurde zuerst bei Geschäftsfreunden gekauft, später bezog das Werk sein Kaolin aus dem Karlsbader Becken, den besten Kaolinfeldern der Welt, wo Heinrich auch eine eigene Kaolinschlämmerei erwarb. Auf der großen Nürnberger Gewerbeausstellung von 1906 gewann die Firma ihre erste Medaille. Ausstellungen und Messen wurden nun regelmässig beschickt. In vierzigjähriger Exporttätigkeit wurden Formen und Dekore geschaffen, die in Anpassung an die Sitten und den Geschmack der Länder allen Wünschen der ausländischen Kunden Rechnung trugen, ganz gleich, ob es sich um Sonderanfertigungen oder um Hotelgeschirr handelte, das vorwiegend nach Amerika ging. Mehr als 25 Jahre unterhielt die Firma Heinrich in New York eine eigene Vertretung. Schon zwei Jahre später, 1904 konnten die Fabrikationsanlagen erheblich erweitert werden. Zwei weitere Brennöfen gesellten sich zu den ersten beiden, eine Massemühle wurde errichtet, eine eigene Kraftanlage geschaffen und die Gebäude für eine Malerei, Expedition und Packerei, ein Lagerhaus sowie eine geräumige Pferdestallung geschaffen. Mit der in Nürnberg auf der Gewerbeausstellung ausgestellten Vase hatte Maler Frey 1906 ein meisterliches Werk vollbracht, dass mit der bronzene Medaille ausgezeichnet wurde. In den Jahren 1906 bis 1911 wurden umfangreiche Ländereien sowie ein landschaftliches Anwesen erworben, der Bau eines Sägewerkes und verschiedene Nebenbetriebe bewerkstelligt sowie für die sich immer mehr steigernde Produktion die Verkaufs- und Absatzorganisation in immer neue Länder ausgedehnt.
In der Firma Heinrich wurde die Herstellung von elektrotechnischen Porzellan erst 1915 aufgenommen. Zuerst waren es vor allem Hoch- und Niederspannungs Isolatoren, für deren Erprobung auch umfangreiche Prüfanlagen geschaffen wurden. In den zwanziger Jahren widmete sich die Firma Heinrich & CO. vorallem dem hochwertigen Tafelporzellan, Hotelgeschirr und Geschenkartikeln. Auch eine Zusammenarbeit mit der Firma Schwarzfärber & CO., die als Spezialistin für elektrotechnische Artikel bekannt ist, wurde die Herstellung von elektrotechnischen Porzellan bedeutend erweitert. Vorallem werden elektrische Sicherungs-Patronen in allen Ausführungen im Werk B der Firma Heinrich & CO. gebrauchsfertig hergestellt. Im Jahre 1912 wurde dann mit der Schaffung einer grosszügigen modernen Fabrikanlage in einem sechsstöckigen Eisenbetonbau begonnen, der ausser einer geradezu idealen Dreherei und Kapseldreherei, einer Formgieserei, Modellierräumen, weitläufigen Formen- und Modell-Lagern und einem mustergültigen Tongewölbe vier weitere Brennöfen erhielt. Gleichzeitig wurden Massemühle und Masselager vergrössert. Zur Schaffung der sehr wichtigen Industriegleisanlage von fast 1700 m Länge wurden ebenfalls Gelände gekauft und die dafür notwendigen Maschinen erworben. Schon 1912 war eine eigene Betriebs-krankenkasse gegründet worden, die bei den Mitarbeitern rasch Anklang fand. Bei Ausbruch des I. Weltkrieges 1914 war also ein Werk vollendet, das zu den grössten der Branche zählt. 1918 wurde in Meierhöfen bei Karlsbad eine Kaolinschlämmerei mit Wohn- und Wirtschaftsgebäuden erworben, zu der ausgedehnte Kaolingründe gehörten. Das in Zettlitz bei Karlsbad gefundene Kaolin zählt zu den kostbarsten Porzellanerden der Welt. 1918 wurde Ernst Heinrich als kaufmännischer Leiter in der Firma angestellt. Er hatte als Buchdrucker gelernt und an verschiedenen Orten als Gehilfe gearbeitet, ehe er sich 1911 im elterlichen Haus mit einer Buch- und Steindruckerei selbstständig machte. 1921 konnte jedoch ein schon lang vorgesehener Lieblingsgedanke verwirklicht werden, nämlich die Errichtung einer eigenen Niederlassung in Amerika, wo man bisher nur durch Vertreter verkaufte. Die Firma wurde unter dem Namen Heinrich and Winterling New York gegründet und gewann bald grosse Bedeutung. Vorallem Ernst Heinrich baute das Amerikageschäft so aus, dass beispielsweise in den Jahren bis 1928 oft mehr als zwei Drittel der Produktion nach Amerika gingen. Anlässlich des 25jährigen Bestehens der Firma errichtete Kommerzienrat Heinrich die Franz-Heinrich-Stiftung, die dann durch die Firma noch erweitert wurde und der Förderung der Selber Handwerker sowie der Verschönerung der Stadt Selb zu dienen hatte. Seit 1927 arbeitete auch Adolf Heinrich, der Sohn des Gründers, in der Fabrik. Als 1928 Kommernzienrat Franz Heinrich verschied, steuerte Ernst Heinrich mit sicherer Hand das Werk durch die beginnende Krisenjahre. Wie vordem der Bruder, gehörte er dem Aufsichtsrat des Verbandes deutscher Geschirrporzellanfabriken an. 1933 wurde die Fabrik durch den einsetzenden Rückgang des Exportes nach Amerika schwer getroffen. Nach Kriegsende standen die Räder kurze Zeit still. Aber schon sieben Wochen nach dem Einzug der Besatzungsmacht nahm die Firma Heinrich & CO. als erste bayerische Porzellanfabrik mit Erlaubnis der dritten Armee ihre Arbeit wieder auf. Inwischen war die Belegschaft wieder auf 500 Arbeiter angestiegen. An der festlich aufgezogenen Jubiläumsfeier nahmen ausser den Werksangehörigen und ihren Familien Vertreter städtischer und staatlicher Behörden, der Militärregierung, der keramischen Industrie, der Industrie- und Handelskammer, der Gewerkschaft und Presse, und Gratulanten aus Freundeskreisen teil. Im Juli 1929 wurde die Porzellanfabrik Gräf & Krippner erworben, jedoch bereits im Jahre 1932 wegen der steigenden Wirtschaftskrise stillgelegt und ihre Fertigung ins Hauptwerk verlegt.
Nicht nur für das Luftschiff Zeppelin erhielt die Firma Heinrich die Lieferung des gesamten Porzellans übertragen. Sie wurde und blieb der alleinige Porzellanlieferant für die Zeppeline aus Friedrichshafen. Und bei allen Deutschlandfahrten kamen die Luftschiffe über Selb und grüssten das Werk, das wiederholf auf den Fabrikdächern in vielen Metern hohen aus Tellern belegte Buchstaben dem Schiff seinen Gruß entbot. Als freundlicher Zufall fügte es sich auch, dass am Tage der Siberhochzeit Ernst und Christine Heinrichs das Luftschiff Hindenburg unvermutet über Selb auftauchte und einen Auftrag abwarf. Auch die umseitige Zeichnung der Fabrik entstand nach einer Aufnahme des Zeppelins. Das Auftauchen des Zeppelin über Selb war jedes Mal eine Attraktion. Die Porzellanfabrik Heinrich & Co. hatte für das Luftschiff Graf Zeppelin 127 das Boardporzellan geliefert. Die Nachbarstadt Asch hatte sich durch wiederholte Geldspenden für den Luftschiffbau hervorgetan. Deshalb erklärte sich Dr. Eckner bereit, beide Städte anlässlich eines Englandfluges zu überfliegen. Wegen schlechten Wetters war dies erst beim Rückflug am 3.10.1928 möglich. Von Dresden über Ölsnitz herkommend flog das Luftschiff einen Halbkreis und traf um 13.30 Uhr über Selb ein. Die Firma Heinrich hatte zur Begrüssung auf ihren flachen Dächern mit Teller Herzlich Willkommen Graf Zeppelin, Porzellanfabrik Heinrich & Co. ausgelegt. Dr. Eckner warf vom Luftschiff ein Blumenbouquet auf das Werksgelände ab. Nach einem Kreis über Selb flog das Luftschiff in Richtung Südwesen davon.
II. Weltkrieg und deren Folgen
Mit dem Jahre 1933 war aber auch die Heinrichsche Fabrik und der Verband nur scheinbar über die ärgste Krise hinweggekommen. Vorallem die Firma Heinrich, die als der grösste Exporteur nach Amerika galt, wurde von dem allmählich einsetzenden Rückgang der Ausfuhr nach Amerika, das sich mehr und mehr den deutschen Erzeugnissen verschloß, sehr getroffen. Ebenfalls 1933 erfolgte die Errichtung der Franz- und Jette Heinrich Stiftung, um Studierende durch eine Studienbeihilfe zu unterstützen. Im Sommer 1942 war der Leiter des Betriebes, Ernst Heinrich, von seiner Lungenentzündung nicht wieder genesen. Zuerst übernahm der langjährige Prokurist Ottmar Poller die Leitung. Doch schon bald zwang ihn schwere Krankheit von seinem Posten. Adolf Heinrich wurde vom Militärdienst freigestellt und konnte den Betrieb übernehmen. Nach dem 2.Weltkrieg nahm die Fabrik als erste Westdeutschlands die Produktion wieder auf. Wie schwer war es für den Sohn des Gründers Franz Heinrich, den damaligen Chef des Unternehmens, Adolf Heinrich, als erster Porzellanfabrikant der Westzonen die Produktion nach dem verlorenen Kriege wieder aufzunehmen. Die Porzellanfabrik Heinrich & CO. , die sich 1918 zur Weltfirma entwickelte, verfügte einige Zeit nach der Wiederaufnahme der Produktion über mehr Mitarbeiter als vor Beginn des II. Weltkrieges. Auf über 1200 Mitarbeiter war die Belegschaft angestiegen. Zum 50 jähriges Firmenjubiläum 1946 begrüsste der damalige Leiter und Fabrikdirektor der Firma Heinrich & CO., Adolf Heinrich, alle Ehrengäste des Werkes, und dankte der Belegschaft an die über 30.000 RM als Jubiläumsgabe ausgezahlt wurden, für die treue Mitarbeit. Darüber hinaus erhielt die Stadtverwaltung von Selb 15.000 RM zur sozialen Verwendung und über 5.8000 RM zahlte das Unternehmen an Invaliden und deren Hinterbliebene. Herr Paulus Dorn dankte für die Belegschaft und lobte das gute familiäre Zusammenarbeiten zwischen Leitung und Werksangehörigen. Dr. Bogner, der zweite Bürgermeister, überbrachte die Glückwünsche der Stadtverwaltung. Dann übermittelte Dr. Pöhner der Industrie- und Handelskammer Bayreuth die Gratulation der Kammer und erwähnte die unternehmende Initative der fränkischen Familienbetriebe, durch die sich die Familie Heinrich besonders auszeichnete.
Im Oktober 1947 wurde in der in einem Naturschutzgebiet am Ufer des Chiemsees gelegenen ehemaligen Funkerschule der Wehrmacht die Manufaktur Chiemsee als Kunstabteilung der Porzellanfabrik Heinrich & CO. eingerichtet. Hier wurden nach Entwürfen und unter Leitung von Karl Mötsch Form Modelle des Stammhauses von neun Porzellanmalern auf sehr unterschiedliche Weise in Handmalerei aufwendig dekoriert. Die Kunstabteilung Manufaktur Seethal am Chiemsee wurde 1973 geschlossen; 1948 Erstmals gelingt es in dem oberbayerischen Filialwerk, handgeschliffenes Porzellan herzustellen. Diese Dekormethode wurde nur bei Heinrich angewandt (Heinrich Gemmo Porzellan). 1951 Goldmedaille auf der XI. Triennale in Mailand für die Form Armut; 1959 Übernahme der Geschäftsleitung durch Franz Heinrich, Sohn von Ernst Heinrich; 1970 Umwandlung des Unternehmens in eine G.m.b.H; 1973 Verkauf an die englische Slater-Walker Gruppe; 1974 Übernahme durch die englische Bowater-Gruppe 1976 Eingliederung der Heinrich Porzellan GmbH in den Villeroy & Boch Firmenverband. Die Eingliederung der Heinrich Porzellan GmbH in den Villeroy & Boch Firmenverband berührte die Fortführung der grossen Heinrich Tradition nicht, brachte vielmehr den Vorteil mit sich, dass das Heinrich Porzellan durch die Zusammenlegung der Verkaufsorganisation Villeroy & Boch und Heinrich weiteren Bevölkerungskreisen erschlossen wurde. 1980 Heinrich Porzellan beginnt als erster Hersteller im Porzellanbereich mit der Fertigung von BONE CHINA auf dem europäischen Festland.
Heinrich Porzellan siegt in Mailand
Auf der Triennale in Mailand 1951 errang das Geschirr Anmut der Firma Heinrich & CO., Porzellanfabrik, Selb in Bayern, als einzige Form unter allen ausgestellten der Porzellanindustrie nicht nur Deutschlands, sondern ganz Europas die höchste Auszeichnung in diesem Sektor nur einmal verliehene Goldene Medaille. Damit fand diese neuzeitliche von Karl Leutner geschaffene Form auf einer der bemerkenswertesten Ausstellungen internationale Anerkennung. Wirtschaftlich gesehen wurde mit der in Mailand errungen Auszeichnung nicht nur einem Fabrikat, sondern der deutschen Porzellanindustrie in ihrer Gesamtheit eine Würdigung zuteil, auf die schon deshalb besonders hingewiesen werden darf, weil hier das bayerische Porzellan zum erstenmal nach dem Kriege wieder öffentlich als Spitzenleistung Anerkennung fand.
Designer Porzellanfabrik Heinrich & CO. Selb
Heinrich Adolf
Sohn des Firmengründers Franz Heinrich, trat nach dem Besuch der Oberrealschule 1927 in das väterliche Unternehmen ein. Er war jahrelang in allen Abteilungen des Werkes tätig und übernahm nach dem Tode seines Onkels Ernst Heinrich 1942 die Leitung der Firma. Durch seine Initiative konnte die Produktion in dem von Kriegswirkungen betroffenen Unternehmen bereits 1945 wieder anlaufen. 1947 wurde in Seethal am Chiemsee die Kunstabteilung eingerichtet, die unter der Leitung von Karl Mötsch stand. Das von Karl Leutner gestaltete neue Modellprogramm brachte dem Unternehmen internationale Anerkennung, darunter die Goldmedaille auf der Triennale in Mailand 1951. Dem persönlichen Einsatz von Adolf Heinrich und seiner engagierten Beteiligung an allen Stufen des zeit- und kostenaufwendigen Entwicklungsprozesses ist aber insbesondere die Einführung des Kunstschliffs auf Porzellan zu verdanken. Nach längerem Versuchen gelangte das mittlerweile patentierte Verfahren unter der Bezeichnung Gemmo-Porzellan 1949 zur Serienreife.
Adolf Mötsch
Nach seinem Abschluss seiner Ausbildung zum Keramikmaler, die er in der als Kunstabteilung der Porzellanfabrik Heinrich & CO. von seinem Vater Karl Mötsch geleiteten Manufaktur Chiemsee erhielt, war Adolf Mötsch noch etwa zwei Jahre dort tätig. Er besuchte anschliessend die von dem Maler, Graphiker und Entwurfszeichner Karl Blocherer geleitete Schule für angewandte Kunst in München und absolvierte danach ein sechssemestriges Studium bei Wilhelm Heise an der Städtischen Hochschule der Bildenden Künste in München. Unmittelbar nach dessen Abschluss wurde er von Heinrich & CO. als Entwerfer übernommen. Er lieferte zahlreiche Dekore, darunter auch zur Ausführung in der Gemmo Technik, übernahm später die Leitung der Lehrlingsausbildung und war bis zu seinem Ausscheiden im Jahre 1994 für das Produkt Design des Unternehmens verantwortlich. Seitem ist er in seiner Selber Heimatstadt als freischaffender Künstler tätig. Seine letzte Ausstellung war im Oktober - November 2008 im Maria Bauer Sozialzentrum in Selb zu bewundern. Herr Adolf Mötsch war heute bei mir um meine Sammlung, insbesondere meine Vasen der Manufaktur Chiemsee, zu sehen und über deren Herstellung zu plaudern.
Karl Mötsch
war nach dem Besuch der Staatlichen Fachschule für Porzellan in Selb zunächst Maler in der Kunstabteilung von Rosenthal tätig, bevor er 1947 die Leitung der im selben Jahr als Kunstabteilung von Heinrich & CO. gegründeten Manufaktur Chiemsee und den Entwurf der dort ausgeführten Dekore übernahm. Darüber hinaus lieferte er eine Vielzahl von Entwürfen, die zur Ausführung im Stammhaus bestimmt waren, darunter auch für das Gemmo-Porzellan. Mehrere Studienreisen führten ihn nach Holland, Italien und in die USA. Nach Auflösung der Kunstabteilung im Jahre 1973 führte er für private Interessenten aufwendig gestaltete Einzelarbeiten aus, die häufig in einer abschliessend noch mit Achat polierten Goldreliefmalerei dekoriert wurden.
Greiner Rudolf
Der gelernte Keramaler Rudolf Greiner war in der 1947 als Kunstabteilung der Porzellanfabrik Heinrich & CO. eingerichteten Manufaktur Chiemssee in Seethal als Porzellanmaler beschäftigt und steuerte auch einige eigene Entwürfe bei und gestaltete 1949 für das neu entwickelte Gemmo-Porzellan des Stammhauses den ersten Seriendekor, der die Nummer 200a erhielt 1955 wechselte er als Leiter der Dekorationsabteilung zur Porzellanfabrik Tettau AG, musste diese Tätigkeit wegen einer Erkrankung aber vorzeitig beenden und kehrte wieder nach Selb zurück.
Karl Diebitsch
Der aus einer Kaufmannsfamilie stammende Carl Diebitsch zeigte schon als Gymnasiast eine ausgeprägte künstlerisch-zeichnerische Begabung, absolvierte aber auf Geheiß seines Vaters zunächst eine Malerlehre und schloss sie nach der Genesung von einer Verwundung, die er im Kriegsdienst erlitten hatte, 1919 mit der Gesellenprüfung ab. Im folgendem Jahr begann er an der Münchner Akademie das Studium der Malerei bei dem dort seit 1907 als Professor tätigen Maler Hermann Groeber und war bereits 1923 mit einem Porträt im Glaspalast vertreten. Ausstellungen seiner malerischen Arbeiten in Hannover, Budapest und Paris folgten. Um die Mitte der 1920er Jahre wandte sich Debitsch mehr der angewandtem Kunst zu. Neben der eigenen Porzellanmalerei, die ihm vorwiegend beschäftigte, entstanden Dekore für Fayence- und Glasarbeiten. Darüber hinaus lieferte er Entwürfe für Schmuck und gestaltete auch einige Briefmarkenserie, darunter Trachten und 100 Jahre Deutsche Eisenbahn. Schon früh hatte er sich der nationalsoziallistischen Bewegung angeschlossen. Er trat in die SS ein, avancierte rasch zum Obersturmbannführer und wurde Chef der SS-Abteilung für künstlerische Fragen. In dieser Eigenschaft war er 1936 entscheidend an der Übernahme der im Vorjahr gegründeten Porzellanmanufaktur Allach durch die SS beteiligt und wurde vorübergehend ihr Leiter und steuerte auch eigene Entwürfe bei. Von 1939 bis zum Kriegsende gehörte er der Waffen SS an und war dann als freiberuflicher Porzellanmaler in Rottach Egern ansässig. 1949 begann seine Zusammenarbeit mit der Porzellanfabrik Heinrich & CO. Selb. Er lieferte zunächst malerische Entwürfe, darunter die Jagdserie Parforce, und wurde 1950 nach Karl Mötsch zu dem zweiten wichtigen Dekorgestalter für das neu entwickelte Gemmo Porzellan. 1955/56 lieferte er Entwürfe für die neugegründete Porzellanfabrik Niederrhein in Rees. Nachdem die Porzellanfertigung dort 1957 eingestellt worden war, kam es zu einer zusammenarbeit mit der Porzellanfabrik Lorenz Hutschenreuther in Selb. In der Folgezeit widmete sich Diebitsch wieder ganz der freien Malerei. 1974 verlegte er seinem Wohnsitz in den Nachbarort Kreuth und war hier bis zu seinem Tode tätig.