Werkslokomotiven
Werkslokomotiven Einsatz Porzellanfabriken
Informationen über die Geschichte der Eisenbahn in Selb erfahren Sie auf der Website von Lokschuppen e.V.
Diesellokomotive Schwarzenbach
Am 29.09.1948 beschafte die damalige Porzellanfabrik Oskar Schaller & CO. Nachfahren in Schwarzenbach a. d. Saale für die damals stolze 49.000 DM die Kleinlok und setzte sie fortan mit der Betriebsnummer 1 ein. Die Maschine fand bis zur Einstellung des Verkehrs auf der Werksbahn der später an die Winterling AG übergegangenen Fabrik verwendung. Anschliessend ging die Lok in die Obhut der Eisenbahn Freunde Münchberg über, die die Lok bis zum Ablauf der Untersuchungsfristen im Jahr 2000 einsetzten. Der letzte Standort war das Bahnbetriebswerk Hof. Dort wurde die betriebsbereite Lok im Juli 2001 per Autokran auf einen Tieflader verladen und zum Lokschuppen Selb überführt.
- Hersteller Klöckner-Humboldt-Deutz AG
- Fabriknummer: 46919
- Baujahr 1948
- Bauart: Bdh
- Länge über Puffer: 6,45m
- Gewicht: 16 t
- Leistung: 107 PS
- Höchstgeschwindigkeit: 30 Km/h
- Frühere Besitzer: Porzellanfabrik Winterling AG
Von links nach rechts: Arberg Lok Kraftwerk, Heinrich Lok, Hutschenreuther Lok, Winterling Kirchenlamitz, Zeh, Scherzer Rehau, Winterling Schwarzenbach/Saale
Schmalspurdiesellok 750 mm Hutschenreuther AG
Die Lok konnte 1986 von der Hutschenreuther AG übernommen werden, die sie in der Nähe von Wiesau-Pechbrunn einsetzte. Hier war die Maschine vorher schon durch die Firma "Schönhaider Kaolin- und Kapselerdegruben" in einem weitläufigen Abbaugebiet verwendet worden. Die Lok war nach Aufgabe der Abbautätigkeiten mindestens 20 Jahre in einem Holzschuppen mitten im Wald abgestellt und wurde nur durch Zufall vom MuEC entdeckt. Zusammen mit der Lok gelangten weitere Schmalspurutensilien, wie z.B. Puffer, Achslager, etc. nach Selb. Die Überführung der Lok geschah mit Hilfe eines offenen Containers. Die Maschine des Typs DG39 verfügt über einen Außenrahmen, der Antrieb erfolgt per Blindwelle mit der Hilfe von Hallschen Kurbeln. Angetrieben wird sie von einem zweizylindrigen Henschelmotor, der 39 PS leistet. Die Lok ist dafür vorgesehen auf verschiedene Spurweiten umgespurt zu werden.
- Hersteller: Henschel & Sohn, Kassel
- Bezeichnung: 750 mm
- Fabriknummer: 25 683
- Baujahr: 1955
- Bauart: Bdm, Typ DG 39
- Motor: wassergekühlter Reihenmotor mit 2 Zylinder von Henschel
- Leistung: 39 PS
- Länge über Puffer: 3,87 m
- Höchstgeschwindigkeit: 20 km/h
- Gewicht: 7 t
- Vorbesitzer: Hutschenreuther AG, Werk Wiesau-Pechbrunn
Elektrolok Zeh Scherzer
Die Firma Rehau AG & CO. hinterstellte die Werkslok in einer ihrer Hallen und entschloss sich dann, sie in die Obhut des MuEC zu übergeben. Die zweiachsige Maschine mit Mittelführerstand ist in einer klassischen dunkelgrünen Farbgebung mit rotem Fahrwerk im Einsatz gewesen. Sie verfügt über Stangenpuffer und Lyrastomabnehmer. Gebremst wurde die Lok durch Einlegen des Rückwärtsganges. Als Betriebsspannung ist 110 Volt Gleichstrom verwendet worden. Neben der Lokomotive gelangten noch zwei Rollwagen in den Besitz des MuEC, die nicht viel Jünger sein dürften als die Lokomotive. Einer der Wagen wird aufgrund seines hervorragenden Erhaltungszustandes als Museumsfahrzeug weiter erhalten.
Mit der Elektrolok und den Wagen verfügt der MuEC über eine interessante Rarität aus den Anfängen des elektrischen Werksbetriebs. Bei der Lokomotive handelt es sich um eine interessante Rarität und ein frühes Zeugnis aus dem Bereich der elektrischen Traktion. Die Maschine dürfte nach einer ebenfalls erhaltenen Lok der Trossinger Eisenbahnen die zweitälteste noch existierende Lokomotive aus der Produktion der AEG sein. Die Rehauer Maschine wurde 1902 mit der Fabriknummer 173 von der AEG gefertigt. Geliefert wurde sie allerdings nicht direkt an die Porzellanfabrik Zeh & Scherzer, sondern zuerst an einem Zwischenhändler. Bei der heute noch existierenden Firma Gross & Bohrer in Bamberg wurde die Lok komplettiert und zum Weiterverkauf ausgeschrieben. Nach einem Kostenvoranschlag vom 14. Februar 1905 gelangte die Maschine schliesslich für 5.700 Mark zur Porzellanabrik Zeh, Scherzer & CO. nach Rehau und wurde dem Betrieb übergeben. Nachdem die Produktion in der Fabrik und somit auch der Verkehr der Werksbahn zu Beginn der 90er Jahre eingestellt, Teile der Fabrik abgerissen und der Rest von der Fa. Rehau AG & CO. übernommen wurde, war die Lok arbeitslos.
- Hersteller: AEG, Berlin
- Fabriknummer: 173
- Baujahr: 1902
- Bauart: 1A
- Länge über Puffer: 4,50 m
- Höchstgeschwindigkeit: 10 km/h
- Gewicht: ca. 7 t
- Vorbesitzer: Rehau AG, Rehau (vorher Porzellanfabrik Zeh, Scherzer & Co)
Diesellok Kirchenlamitz
Die Porzellanfabrik Winterling in Kirchenlamitz an der Nebenbahn von Kirchenlamitz-Ost nach Weißenstadt setzte bis Ende der 80er Jahre eine Deutz-Lokomotive aus dem Jahre 1934 ein. Die Maschine war für den Vorschub auf dem dreigleisigen Anschluss zuständig. Nach Aufgabe der Bahnverladung durch die Porzellanfabrik wurde die Lok arbeitslos und im Werksgelände abgestellt. Nachdem der Abstellplatz anderweitig gebraucht wurde, ist die Lokomotive auf einem Stumpfgleis im Bahnhof Kirchenlamitz Stadt hinterstellt worden und war dort Wind und Wetter ungeschützt ausgesetzt. Dementsprechend schlecht war sowohl der äussere als auch der technische Zustand der nicht mehr betriebsfähigen Lok, als sie der MuEC 1993 erwarb. In mühseliger Arbeit wurde der Motor wieder in Gang gesetzt, die Lok sandgestrahlt und neu lackiert. Die Maschine präsentiert sich nun in einem leuchtenden Rot mit maschinengrauem Fahrwerk. Die Lok dient dem Verein seither als Vorschubgerät. Eine Baugleiche Lok konnte der Lokschuppen Selb 1994 von der Porzellanfabrik Winterling in Röslau erwerben. Diese ist derzeit im Europäischen Industriemuseum der Porzellanindustrie in Selb-Plössberg hinterstellt.
- Hersteller: Deutz, Köln
- Fabriknummer: 12638
- Baujahr: 1934
- Bauart: Bdm, Typ OMZ 122
- Motor: luftgekühlter 3-Zylinder-Reihenmotor von Deutz
- Länge über Puffer: 5,42 m
- Leistung: 42 PS
- Höchstgeschwindigkeit 13 Km/h
- Gewicht: 14,5 t
- Vorbesitzer: Porzellanfabrik Winterling AG
Die Diesellokomotive "Heinrich Bockel"
Die 1948 von Gmeinder in Mosbach unter der Nummer 4552 gebaute und am 12.09.1949 abgenommene Lokomotive war bis in den Sommer 1977 im Werksverkehr der Porzellanfabrik Heinrich & Co in Selb eingesetzt. Sie löste eine zweiachsige Dampfspeicherlokomotive das Herstellers Orenstein & Koppel (Fabriknummer 6850 / Baujahr 1914) ab, die aufgrund einer Reduzierung des Betriebsdruckes im Werk - dadurch hatte die feuerlose Lok nicht mehr genügend Betriebsreserven für die Steigung des Werksgleises zur Staatsbahnstrecke - abgestellt werden musste. Sie wurde an eine Werksbahn in Gelsenkirchen verkauft, wo sie bis Anfang der 1970er Jahre in Betrieb war. Die Diesellok bediente den Anschluss der vom Streckengleis in Richtung Holenbrunn auf Höhe des neuen Selber Schlachthofes abzweigte. Hier lag neben den notwendigen Übergabe- und Hinterstellgleisen für die Porzellanfabrik auch das Ladegleis des Schlachthofes. In einem weiten Bogen führte das Gleis dann ins Werksgelände.
Zuständig war die Werkslok dabei für den Verschub im Fabrikhof und den Transport der Wagen zur Übergabestelle der DB. Dafür ist die Maschine mit einer zweistufigen Druckluftbremse ausgerüstet worden. Nach Aufgabe der Bahnverladung war die Lok arbeitslos geworden und gelangte als erstes Fahrzeug in den Besitz des MuEC. Die Überführung geschah am 28. September 1977 durch die damals noch in Selb stationierte Rangierlok der Baureihe 333 (Köf III). Seit diesem Termin versieht die im Volksmund "Hare-Bockl" genannte Lok den Rangierdienst auf den Gleisen des MuEC und wird durch die Mitglieder bestens gepflegt. So wurde die Maschine in den Jahren 1990 und 1997 technisch überarbeitet und der Motor und sämtliche anderen Aggregate laufen zur vollsten Zufriedenheit. Äußerlich präsentiert sich der "Heinrich Bockel" ebenfalls in einem Topzustand. Der Aufbau besticht noch immer durch seine originale grüne Lackierung und das Fahrwerk strahlt in roter Farbe.
- Hersteller: Gmeinder & Co., Mosbach / Baden
- Bezeichnung: "Heinrich Bockel"
- Fabriknummer: 4552
- Baujahr: 1948
- Bauart: Bdh
- Motor: wassergekühlter Reihenmotor von Kaelble mit 6 Zylindern
- Länge über Puffer: 5,96 m
- Höchstgeschwindigkeit: 20 km/h
- Gewicht: 16,4 t
- Vorbesitzer: Porzellanfabrik Heinrich & Co.
Die Diesellokomotive "Röslau"
Eine zur Lok "Kirchenlamitz" bauartgleiche Maschine gelangte am 26.03.1994 zum MuEC. Die Lokomotive war bis Anfang der 90er Jahre bei der Porzellanfabrik Winterling in Röslau an der Hauptstrecke von Hof nach Marktredwitz im Einsatz und besorgte dort den Verschub im Werksgelände und auf dem fast einen Kilometer langen Anschlußgleis zum Bahnhof. Nachdem sie arbeitslos geworden war, wurde die Lok in einer Werkshalle abgestellt und schließlich vom MuEC erworben. Die funktionsfähige Werkslok präsentiert sich in einer grünen Farbgebung mit weinrotem Fahrwerk. Der äußere Zustand ist vom Alltagsbetrieb in der Fabrik und von der Abstellzeit im Freien gezeichnet. Die Lok ist derzeit im Industriemuseum Selb-Plößberg stationiert.
- Hersteller: Deutz, Köln
- Bezeichnung: "Röslau"
- Fabriknummer: 12637
- Baujahr: 1934
- Bauart: Bdm, Typ OMZ 122
- Motor: luftgekühlter Reihenmotor mit 3 Zylindern von Deutz
- Leistung: 42 PS
- Länge über Puffer: 5,42 m
- Höchstgeschwindigkeit: 13 km/h
- Gewicht: 14,5 t
- Vorbesitzer: Porzellanfabrik Winterling AG, Röslau
Diesellokomotive "Arzberg"
Der Modell- und Eisenbahnclub Selb/Rehau e.V. konnte am 13.12.2003 die Werkslok "1" des Kraftwerkes Arzberg zu übernehmen. Bei der Maschine handelt es sich um eine Diesellok des Herstellers Klöckner-Humboldt-Deutz aus Köln, die 1953 unter der Fabriknummer 55 692 gebaut wurde. Die zweiachsige Lok des Typs A4 L 514 R wird von einem luftgekühlten Vierzylindermotor angetrieben, der 55 PS leistet. Technisch interessant ist die bei der Rangierlok eingebaute hydraulische Kupplung der Bauart Voith-Sinclair, welche die Verbindung zwischen dem Motor und dem mechanischen Getriebe darstellt. Direkt angetrieben wird der hintere Radsatz, der mit der ersten Achse über Treibstangen verbunden ist. Die Lok wurde 1953 an die "Bayerische Elektrizitäts-Lieferungs-Gesellschaft AG (BELG)" mit Sitz in Bayreuth verkauft und am 20.08.1953 direkt an das zu dieser Gesellschaft gehörende Kraftwerk Arzberg geliefert. Aufgabe der Lok war es, die eingehenden Waggons mit tschechischer Braunkohle aus dem Sokolover Revier (Falkenau) zu rangieren und an den im Werk vorhandenen Waggonkipper zu befördern.
Scheinbar reichte die Leistung der Lok nicht aus, den schon 1957 beschaffte die BELG eine als Lok "2" bezeichnete stärkere Lok des Typs A8 L 614 R (Deutz 56579 / 1957). In den Jahren 1971 (Lok "3", O&K 26714 / 1971) und 1983 (Lok "4", Henschel 32473 / 1983) wurden für das Kraftwerk weitere Loks beschafft, wobei die Lok von Henschel als Ersatz für Lok "2" kam, welche 1984 an das DDM in Neuenmarkt-Wirsberg abgegeben wurde. Einsatzlok war danach Lok "4", während die O&K-Maschine 1998 verkauft wurde. Die in den Besitz des MuEC übergegangene Lok "1" wurde als Reserve-Notnagel behalten und nur noch sehr sporadisch eingesetzt. Gelegentlich wurde die Maschine mit einem Rollwagen gekuppelt und mit einer Pumpe versehen zur Unkrautbekämpfung auf dem Gleisanschluss eingesetzt. Nach Bekanntwerden der bevorstehenden Schließung des Kraftwerkes Arzberg, welches zum e.ON-Konzern gehörte, bemühte sich der MuEC um die Maschine und erhielt von der Kraftwerksleitung den Zuschlag zur Übernahme der historisch wertvollen Lok. Am 13.12.2003 verließ die Lok nach über 50 Jahren ihre angestammte Heimat und wurde zusammen mit dem Rollwagen nach Selb transportiert und bereichert dort die mittlerweile stattliche Sammlung historischer Werkslokomotiven der Region. Das Kraftwerk - jahrzehntelanges Wahrzeichen und wirtschaftlicher Knotenpunkt der Stadt Arzberg - ist mittlerweile vollständig abgerissen worden.
- Hersteller: Klöckner-Humboldt-Deutz AG, Köln-Deutz
- Bezeichnung: "Arzberg"
- Fabriknummer: 55 692
- Baujahr: 1953
- Bauart: Bdm, Typ A4 L 514 R
- Motor: luftgekühlter Reihenmotor mit 4 Zylindern von Deutz, Typ A4 L 514
- Länge über Puffer: 5,74 m
- Höchstgeschwindigkeit: 15 km/h
- Gewicht: 14 t
- Vorbesitzer: e.ON Kraftwerk Arzberg (vorher Bayerische Elektricitäts-Lieferungs-Gesellschaft AG, Kraftwerk Arzberg)