Porzellanmalerei August Roloff
Als Porzellanmarke hatte August Roloff das Wappen der Wiedertäufer aus Münster abgewandelt. Ein Reichsapfel mit Krone, der statt von zwei Dolchen durchbohrt, auf der rechten Seite mit einem Bischofsstab versehen wurde, (Münster als Bischofssitz) ist das Zentrum der Marke. Seitlich in den beiden Fahnen ist jeweils eine 19 zu sehen, die auf das Gründungsjahr 1919 hinweisen soll. Je nach Dekor wurde die Marke mit Handmalerei, handgemalt oder bei "Abziehbildern" gar nicht unterschrieben. Anfänglich handelte es sich um nicht gemarkte Weissware anderer Manufakturen. Dies wollten letztendlich einige Hersteller nicht mehr. Und so wurde die Fremdware mit Herstellermarke verkauft. Zunächst wurde von Roloff eine Negativmarke als Überdecker benutzt.

Da von der Ursprungsmarke Teile zu sehen waren, wurde eine Überdeckermarke als Abziehbild hergestellt. Der Hintergrund der Marke war zunächst in Gold. Jetzt war es möglich, die Herkunft völlig unkenntlich zu machen. Anfangs hatten die Dekore Namen wie Cleopatra oder Semiramis, teilweise war der Namenszug mitgestempelt. Als die Namensgebung immer unübersichtlicher wurde und die Dekore graphische Muster darstellten, wurde eine Dekornummer unter den Porzellanen angebracht. Eine ordentlich geschriebene Nummerierung beinhaltete Form-, Dekor-, Malernummer. Üblicher war erst die Dekor-, dann die Malernummer. Porzellane ohne Nummerierung waren eher privat oder 2. und 3. Wahl. Bei Ess- und Kaffeegeschirren stand die Dekornummer meistens nur unter der Terrine, bzw. unter der Zuckerdose, bei Sammeltassen meist auf allen Einzelteilen. Für die Aufglasur-Dekore bedurfte es eines Muffelofens (keramischer Ofen zum Brennen der Waren).
August Roloff hatte von 1927-1929 die Teilhaberschaft an einer Porzellanmalerei in Konstanz. Er stieg in die Firma Joseph Jöhle ein, der ehemaligen Porzellanmalerei "Alt-Konstanz". Jöhle hat danach die Firma bis 1935 unter "Konstanz" weitergeführt. In einem Verkaufsgeschäft am Michaelisplatz in Münster stellte die Firma Roloff ihre Ware aus. Die Manufaktur bemalte Services, Bonbonnieren, Deckelvasen, Keksdosen, Knöpfe, Broschen, Wandteller, Schalen, Sammeltassen, Haushaltsgeschirr und vieles andere mehr. August Roloff bezog in den Anfangsjahren über-wiegend die Weissware von: Thomas, Rosenthal, Schumann, Tettau, Gräf & Krippner, Königszelt, in den Nachkriegsjahren von Heinrich, Johann Haviland, Eschenbach, Krautheim, Pirkenhammer, etc.

Auch Glas wurde bemalt (Biergläser, Weinrömer und Stamper). Über das gezielte Aufkaufen älterer Porzellane (Lagerbestände, die meistens früheren Datums waren) von sächsischen (z.B. Carl Thielsch/Altwasser) und süddeutschen Porzellanfabriken (z.B. Heinrich/Selb) hinaus entwarf August Roloff eigene Formen, die er dort für sich in grossen Mengen herstellen liess. Diese Porzellane tragen seine Marke in Grün unter der Glasur. Teilweise wurde die Weissware zusätzlich mit "Entwurf von Aug. Roloff" unter der Glasur in grüner Farbe ergänzt. Figuren wurden überwiegend von der Porzellan-manufaktur Katzhütte gekauft und bemalt, oder vom Bildhauer Möller aus München modelliert. August Roloff begann mit drei Malern seinen Betrieb.
1921 kam der erste Lehrling, Bernhard Bufé, dazu. Dieser wurde im Laufe der Jahre ein meisterhafter Maler, sowohl ein "Meister" für das Brennen, insbesondere für die Farbe Korallerot. Werner Reize (aus Konstanz, geb. 7.8.1902, gest. 1962 in Bonn), Freund von August Roloff und Mustermaler, bestimmte sehr viele neue Dekore. In der Zeitschrift "Das schöne Münster", 2. Jahrgang, 1. Juli 1930 ist einiges über die Teller mit den Dekoren von Hans Pape und Joos Jaspert zu lesen. Der Autor Hermann Stuff geht in dem Artikel ganz besonders auf den Zeitgeist ein. Eine Porzellanausstellung auf dem Paulinen-Schlösschen in Wiesbaden habe Roloff den ersten innerdeutschen Erfolg gebracht. Dabei standen seine Wappenteller im Mittelpunkt.
Als August Roloff am 9.10.1931 verstarb, übernahm der damalige Prokurist Fritz Henze gleich die Leitung der Manufaktur. Mit der Einheirat des Schwiegersohnes Ludwig Wiesner wurde dieser dann entlassen, weil Wiesner die Führung des Betriebes übernahm. In den Kriegsjahren hielt Porzellanmalermeister Otto Fuldauer, der als Holländer nicht zum Kriegsdienst eingezogen wurde, den Betrieb aufrecht. Otto Fuldauer war vorher in Dieringhausen (Wuppertal) bei der Porzellanmalerei Spitzer beschäftigt und kam 1938 zu Roloff. Beide Malereien zeigen in einigen Mustern Ähnlichkeiten. Später kam Edith Wiesner, geb. Roloff nach ihrer Ausbildung als Porzellanmalermeisterin dazu. Der Betrieb wurde im Jahre 1944 durch Bombeneinwirkung zerstört. Die Kriegsschäden betrugen 146.841,91 DM. Die grossen Auslandsverluste infolge des Kriegsausganges beliefen sich auf 63.000,-- DM. Die Weissware anderer Porzellanmanufakturen aus dem süddeutschen Raum, die von der Fa. Roloff sonst bemalt wurde, galt nicht als lebenswichtig und wurde somit nicht durch die Zonengrenzen gelassen. In den Nachkriegsjahren wurden des-halb Töpfer aus den westfälischen Orten Hamm und Ochtrup geholt, um Haushaltsgeschirr für den täglichen Gebrauch herzustellen. Töpfermeister Josef Schörösch, der bei der Töpferei Paul Adolf Schäfer in Telgte arbeitete, kam 1948 zu Roloff (später hatte er seine eigene "Münsterische Töpferstube" an der Bolandsgasse im damaligen Pelsterhaus). Die Formen wurden teils auf der Töpferscheibe gedreht oder gegossen. Es wurden besonders für Steingut geeignete Dekore entworfen oder bisherige übernommen. Wenig später wurden alte Muster abgewandelt und als neue angeboten.

Nach dem Krieg war das Verkaufsgeschäft in einer Baracke am Hansaplatz untergebracht. Porzellane aus die-ser Zeit wurden mit dem sogenannten "Altgold" versehen. Der Wiederaufbau an Gebäude, Öfen und Maschinenanlagen wurde bis auf die Wiedererstellung des alten Bodenraumes durchgeführt. Im Jahre 1949 wurde die Firma August Roloff in eine OHG umgewandelt, deren Gesellschafter waren die Witwe Ida Roloff und Edith Wiesner geb. Roloff, Grevener Strasse 138, Münster/Westf.. Jetzt gab es auch wieder ein Verkaufsgeschäft in der Stadt.
Nach dem Krieg war das Verkaufsgeschäft in einer Baracke am Hansaplatz untergebracht. Porzellane aus die-ser Zeit wurden mit dem sogenannten "Altgold" versehen. Der Wiederaufbau an Gebäude, Öfen und Maschinenanlagen wurde bis auf die Wiedererstellung des alten Bodenraumes durchgeführt. Im Jahre 1949 wurde die Firma August Roloff in eine OHG umgewandelt, deren Gesellschafter waren die Witwe Ida Roloff und Edith Wiesner geb. Roloff, Grevener Strasse 138, Münster/Westf.. Jetzt gab es auch wieder ein Verkaufsgeschäft in der Stadt.
1953 wurde das Betriebsgebäude durch ein Betondach abgedeckt. In dieser Zeit spricht die Fa. Roloff von rund 500 Orten des damaligen Bundesgebietes, in denen sie durch Einzelhandelsgeschäfte vertreten ist; in grösseren Städten sogar in mehreren Häusern. Aber auch die bereits seit 1925 geführten Auslandsgeschäfte wurden unverzüglich wieder aufgenommen.
Anfang der 50er Jahre gingen grosse Lieferungen nach: "Belgien, Freistaat Triest, Norwegen, Niederlande, Schweden, Italien, Schweiz, Portugal, Luxemburg, Türkei, Südafrika, Curacao, Mexiko, Cuba, Peru, Panama, Britisch West-Indien, USA, Australien und Neuseeland." Die Mitarbeiter malten teilweise im Akkord, um die ganzen Auslandsaufträge so gut wie nur möglich zu erfüllen. Trotz allem (die Schiffe in Übersee wurden festgehalten und nicht gelöscht) konnte sich die Fa. Roloff nicht wieder erholen. Es ging bergab. Dienstleistungen wurden mit Porzellan verrechnet, Löhne wurden nicht ausbezahlt. Einige Maler hatten schon rechtzeitig den Arbeitsplatz gewechselt, z. B. hatte Porzellanmalermeister Heinz Pettirsch vom 1.5.1950 bis 31.12.1971 eine eigene Manufaktur auf dem Lohkamp 11 in Burgsteinfurt. Mehrere Maler (Kahler, Kästermann, Neufeind) gingen zur Porzellanmanufaktur Rhenania (ehemals Cautex) in Duisdorf bei Bonn. Auch der Mustermaler Werner Reize ging mit. Andere machten beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe eine Lehre als Technischer Zeichner.
Auch die letzte Porzellanmalerin Ute Lieder (heute Ute Elpers) ging nach einer Lehre als Technische Zeichnerin in einem münsterischen Ingenieurbüro (VEW) zum Landschaftsverband und arbeitete dort wieder mit Bernhard Bufé im gleichen Büro zusammen. Die vier Lehrlinge, die ihre Ausbildung nicht bei Roloff beenden konnten, mussten sich andere Ausbildungsplätze suchen. Einige machten ihre Lehre bei Heinz Pettirsch in Burgsteinfurt oder bei Bernhard te Uhle in Münster zu Ende.Die Firma Roloff beschäftigte in 36 Jahren mindestens 104 Maler und Malerinnen, Stahldrucker, Brenner, Verkaufs- und Versandpersonal. Zeit-weise waren etwa 40 Mitarbeiter beschäftigt. Roloffmaler Bernhard Bufé hatte mit einigen Kollegen vor, die Firma August Roloff zu übernehmen, bevor sie am 8.9.1955 Konkurs machte. Das Geld war in diesen Zeiten knapp, er selbst hätte noch ein Monatsgehalt bekommen müssen. Diesen Schritt haben sie dann doch nicht gewagt. In den Jahren danach haben Bernhard Bufé, Bernhard te Uhle, Otto Grosse, Heinz Pettirsch und Kurt Sünderhauf Porzellan in Münster bemalt. Einige malten nur für den privaten Bereich, andere erledigten auch grössere offizielle Aufträge. Das Wirken und die Erinnerung an diese Künstler versucht der Verein Porzellanmuseum mit seiner Arbeit zu erforschen und für die Nachwelt zu sichern. 
[1] Rainer-Ludwig Daum, Porzellanmusaeum Münster









