Porzellanindustrie Oberpfalz

Porzellanfabriken Oberpfalz

Bei der Kaolingewinnung ist zu unterscheiden zwischen der Förderung des Rohmaterials (Kaolinerde oder Rohkaolin) aus der Grube und der Gewinnung des Kaolins aus der Kaolinerde mittels Schlämmen. Zweck des Schlämmens ist, das Kaolin aus dem Gemisch von Quarz, Feldspat und Kaolin zu isolieren und den Feldspat- bzw. Quarzgehalt aus dem Kaolin möglichst vollständig zu isolieren; dies geschieht mit Hilfe von Rührwerken (Quirlen). Dabei macht man sich die unterschiedlichen spezifischen Gewichte der Bestandteile zu Nutze: Da Kaolin das geringste und Quarzsand das größte spezifische Gewicht hat, wird sich Kaolin am längsten im Wasser suspendiert halten, während die spezifisch schwereren Bestandteile sich nach und nach absetzen. Danach wird der Kaolinschlamm durch Filterpressen gedrückt, wobei das Filtertuch das Kaolin zurückhält, während das Wasser abfließt. Beim Auseinandernehmen der Pressen finden sich kompakte Tafeln (Kaolinkuchen), die, nachdem sie nochmals getrocknet sind, in den Handel gelangen.

Die oberpfälzische Kaolinindustrie produzierte folgende Erzeugnisse: Kaolin (Porzellanerde), Pegmatit (Schlämmrückstände), Kaolinerde, Feldspat, Quarzsand. Kaolin wurde hauptsächlich von der Papierindustrie verwendet, da das oberpfälzische Kaolin zu wenig bildsam war, so dass sich beim Brennen Haarrisse bilden konnten. Pegmatit, bestehend aus Feldspat und Quarz, wird vorzugsweise von der Porzellanindustrie verwendet, da Pegmatit zur Herstellung der Porzellanmasse nur noch mit dem adäquaten Kaolin versetzt werden muss. Kaolinerde diente der Fertigung feuerfester Klinkerplatten, Kapseln und Muffeln. In den Kapseln wurde das Porzellan gebrannt, die Muffeln dienten zum Einbrennen der Aufglasurfarben.

Im Jahre 1909 bestanden in der Oberpfalz folgende Kaolinwerke:

Amberger Kaolinwerke GmbH, Hirschau, Fa. Gerding, Haidmühle bei Schnaittenbach, Gebr. Dorfner, Scharhof b. Schnaittenbach, Dorfner & Co., Schnaittenbach, Fa. Eduard Kick, Schnaittenbach, Fa. Isidor Schmidl, Kohlberg, Fa. Heinrich Knab, Steinfels, PF AG Tirschenreuth; dieser gehörten die Gruben bei Schmellitz und Schönhaid.

Porzellanfabriken in der Oberpfalz:

In der nördlichen Oberpfalz wurde die erste Porzellanfabrik 1836 in Tirschenreuth gebaut, die zweite  1862 in Waldsassen.

Weitere Standorte der Keramikproduktion, die sich im Stiftland und Egerland bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen lässt, waren Waldershof, Mitterteich, Wiesau, Ernestgrün, Hardeck, Hatzenreuth, Konnersreuth, Bärnau, Fuchsmühl, Falkenberg und Kondrau.

In der Oberpfalz gab es 1877 einundzwanzig keramische Betriebe der Porzellanproduktion mit 537 Beschäftigten, 1882 zwölf Betriebe mit 520 Arbeitern. Die 1910 bestehenden, nachfolgend aufgeführten Porzellanfabriken beschäftigten 4.350 Arbeiter.

  • PF Bavaria AG, Tirschenreuth. Gegründet 1836 entwickelte sich die PF Bavaria im 19. Jahrhundert zu einem großen Betrieb, in dem bspw. 1925 750 Beschäftigte zu finden waren. Die Fabrik verfügte im gleichen Jahr über 8 Öfen, 2 Muffelöfen, 4 Tonbearbeitungsmaschinen und 2 Schlagmaschinen, 18 Masse- und Glasurtrommeln und 10 Filterpressen. 
  • PF Bareuther in Waldsassen, die 1866 gegründet wurde. Im Jahre 1906 hatte die PF Bareuther 10 Porzellanöfen und 600 Beschäftigte. Der Erzeugung des Porzellans dienten u.a. 28 Trommelmühlen und 12 Brennöfen mit überschlagender Flamme.
  • PF Gareis & Kühnl in Waldsassen. Gegründet 1898 als PF Fortuna ging diese schon 1899 in Konkurs. Als PF Gareis, Kühnl & Cie. neu gegründet mit 1925 ca. 300 Beschäftigten. 
  • Die PF Gebr. Bauscher, Weiden wurde 1881 mit 70 Arbeitern gegründet und beschäftigte bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1.000 Arbeiter. 
  • PF Seltmann in Weiden, die 1911 mit 5 Öfen, Massemühle und Malerei gegründet wurde und 1923 630 Arbeiter und Angestellte zählte. 
  • PF Seltmann, Vohenstrauss verfügte über folgende Einrichtungen: 10 Trommeln, 3 Massepressen, 3 Rührwerke, 2 Quirle, 4 Schlagmaschinen, 3 Massepumpen und 1 Kollergang. 
  • PF Ottmar Opfinger. Gegründet 1921, bestand diese PF nur bis zum Jahre 1924. Sie beschäftigte 180 Arbeiter und produzierte ausschließlich elektrotechnisches Porzellan. 
  • PF Tirschenreuth, die auf kleinste Anfänge in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts zurückging. In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg beschäftigte die PF Tirschenreuth zeitweise mehr als 1.000 Arbeiter und Angestellte und es waren 8 Brennöfen in Betrieb. 
  • Die PF Mitterteich wurde im Jahre 1886 gegründet. Nach mehreren Umbauten und Erneuerungen der maschinellen Einrichtungen beschäftigte diese PF 1925 300 Arbeiter. 
  • 1899 wurde die PF Josef Rieber & Co. in Mitterteich mit 1 Brennofen gegründet. 1914 verfügte diese PF schon über 4 Brennöfen und beschäftigte in den 20er Jahren 200-250 Arbeiter. 
  • M. Zehendner erbaute 1923/24 an der Bahnstrecke Eger-Wiesau eine PF mit 3 Öfen; beschäftigt wurden rd. 100 Arbeiter 
  • PF Plankenhammer bei Floss besaß 3 Brenn- und Muffelöfen sowie eine Malerei. 
  • PF Mandl, Krummenaab wurde 1889 erbaut und umfasste 2 größere und 1 kleineren Brennofen. Nach dem Ersten Weltkrieg entstanden außerdem noch folgende Porzellanfabriken: 
  • Porzellanfabrik Waldershof; 
  • Bavaria Ullersricht; 
  • Haberländer Windischeschenbach; 
  • PF Erbendorf

 [1] Dissertation-Roenneper