Wiege des bayerischen Porzellans

Die Entwicklung des Hauses Hutschenreuther

Auf einem steilen Höhenrücken, der sich hoch über das Egertal erhebt, liegt das mächtige Schloss Hohenberg und das Städtchen gleichen Namens. Sicherlich handelt es sich um eine uralte Siedlung, die zu den wichtigsten im sogenannten Sechsämterland gehört und die seit 1549 städtische Verfassung hat. Die Anhöhe, auf der die Siedlung liegt ~ 525 m über dem Meere - ist ein Ausläufer des Fichtelgebirges. Die tschechoslowakische Grenze geht dicht an dem Ort vorbei. Noch heute wird die Stadt nicht unmittelbar von einer Eisenbahnlinie berührt, wohl aber liegt sie nahe an einer alten Verkehrsstraße, die ins böhmische Land hineinführt. Noch immer ist die Gegend sehr waldreich: zu Anfang des vorigen Jahrhunderts aber muss der Waldbestand noch viel größer gewesen sein. Durch diese Wälder hat in jener Zeit ein junger Thüringer seinen Weg genommen, um Verwandte zu besuchen, die in Hohenberg an · der Eger lebten. Der Oberförster Ernst Ludwig Reuß, der im Schlosse seine Dienstwohnung hatte, war vermählt mit Justina Maria Henriette Böhner vom Rosenhammer b. Weidenberg, nahe Bayreuth. Mit dieser Frau war der junge Mann durch eine Schwester seiner Mutter, Sophia Susanna Hammann, verwandt, denn diese Schwester hatte einen Forstmann aus der Familie Böhner geheiratet.

Dieser verwandtschaftliche Besuch sollte nicht nur für das Lebensschicksal des jungen Mannes, der Carl Magnus Hutschenreuther hieß, sondern auch für Hohenberg selbst und die gesamte bayerische Ostmark von schicksalhafter Bedeutung werden. Er war am 9. April 1794 zu Wallendorf in Thüringen als das 15. Kind seiner Eltern geboren worden. Sein Vater, Johann Heinrich Hutschenreuther, war Besitzer einer Porzellanmalerei in Wallendorf und starb im Jahre 1812; es ist anzunehmen, daß sein Sohn Carl Magnus sich von dieser Zeit ab selbständig machte in dem Sinne, daß er die Waren des väterlichen Betriebs und auch der in Wallendorf befindlichen Porzellanfabrik, mit deren Inhabern ihn ebenfalls enge verwandtschaftliche Beziehungen verbanden, auf dem Wege des Hausierhandels 1m östlichen Bayern und in Böhmen absetzte.

Aber der damals Achtzehnjährige hatte die Porzellanmalerei gründlich erlernt, soviel von der eigentlichen Porzellanherstellung erfahren, daß er sich wohl getrauen durfte, selbst eine Porzellanfabrik zu gründen, falls sich dazu einmal eine günstige Gelegenheit bieten sollte.

C.M. Hutschenreuther wird kaum daran gedacht haben, daß eine solche Gelegenheit sich aus dem sicherlich nur kurz gedachten Besuch bei seinen Hohenberger Anverwandten ergeben sollte. Es gehört nicht viel Phantasie dazu, um sich vorzustellen, wie dieser Besuch verlaufen ist. Der junge Mann wird dem Oberförster und seiner Frau erzählt · haben, wie es den Thüringer Verwandten ginge und wie ihre Geschäfte gediehen. Wie leicht kann bei diesen Erinnerungen und den sicher lebhaften Schilderungen des jungen Mannes über die Kunst des Porzellanmacheus der Oberförster, der sein Revier natürlich genau kannte, eingeworfen haben : "Ja, solche Erde, wie du sie da schilderst, die gibt es hier vielleicht auch. - Und wenn diese Erde richtig ist, an Brennholz fehlt es ja, wie du auf deinem Wege gesehen haben wirst, keineswegs. Vielleicht könnte man auch hier Porzellan machen!" Der junge Mann wird eine solche Äußerung nicht ungehört haben vorübergehen lassen und alsbald werden die beiden sich auf den Weg nach dem nahegelegenen Steinberg gemacht haben, wo der Oberförster an einer ihm gut bekannten Stelle die zutage tretende Erde vorweisen konnte. Carl Magnus sah sofort, welche Bedeutung der Fund hatte und nahm sich einen hinreichenden Vorrat mit, um ihn in Wallendorf in der Fabrik ausprobieren zu lassen. Das Ergebnis war so vielversprechend, daß in ihm fortan der Entschluss feststand, in Hohenberg eine Porzellanfabrik zu errichten. Wir dürfen deshalb annehmen, daß er nach kurzer Zeit wieder bei seinen Verwandten im Sechsämterland erschien, um ihnen Ergebnis und Absicht Mitzuteilen. Zweifellos hat er persönlich vom Zeitpunkt' dieses zweiten Besuchs ab den Beginn seines Hohenherger Unternehmens gerechnet. Das aber ist das Jahr 1814 gewesen; in der Familientradition ist, nach einer Mitteilung der Urenkelin, Frau Pfarrer Heim-Hutschenreuther aus Würzburg, folgendes überliefert: "Mit Genehmigung der ersten staatlichen Behörde stellt ihm (C. M. H.) sein Schwiegervater im Jahre 1814 Räume in seiner Dienstwohnung im Schlosse zur Verfügung, in denen die ersten Anfänge der Porzellanfabrikation stattfanden".

Es sollte allerdings noch geraume Zeit dauern, bis seine Pläne und Bemühungen dahin gediehen waren, tatsächlich eine Fabrik einzurichten. Während der ersten beiden Jahre hat er seinen Wohnsitz in Wallendorf noch beibehalten, aber es spricht alles dafür, daß er immer häufiger und zu immer längerem Aufenthalt in Hohenberg war. Mit diesem schön gelegenen Ort von alter Vergangenheit verband ihn, wie die obige Anmerkung aus der Familienchronik bereits erkennen lässt, noch mehr als sein großer geschäftlicher Plan. Johanna Maria Barbara Reuß, die älteste Tochter de·s Oberförsterpaares, wurde seine Verlobte. 1816 verehelichte er sich mit ihr und das junge Paar nahm zunächst Wohnung im Schlosse. Bei den Anfängen der Porzellanfabrikation kann es sich aber kaum um mehr als die Errichtung einer Porzellanmalerei gehandelt haben. Nichtsdestoweniger hatten Carl Magnus seine Nachfahren durchaus recht, den Anfang des Hohenberger Unternehmens auf das Jahr 1814 zu datieren, denn seit diesem Jahre beginnen die unausgesetzten Bemühungen, zur Errichtung der Fabrik zu kommen, Damit fangen in jenem Jahre auch die Aufwendungen für dieses Unternehmen an, wenn auch die Erfolge und Erträge sich beträchtlich später erst einstellten.

Wie mühselig die .Verwirklichung der Pläne gewesen ist und welche Widerstände dabei zu überwinden waren, das lässt sich kaum anschaulicher wiedergeben, als durch Auszüge aus dem im Staatsarchiv zu Bamberg befindlichen Akten (Reg. v. Oberfranken Rep. K 3/4 Nr. 3217 S. 1 ff.), Auszüge, die hier zusammenfassend wiedergegeben und durch einige Erläuterungen ergänzt werden sollen. Carl Magnus Hutschenreuther aus Wallendorf im Coburgischen und Christian Paul Äcker aus Seußen, Landgericht Wunsiedel, beantragen durch das Landgericht Selb bei der Kgl. Generalkommission des Landkreises in Bayreuth unterm 10. September 1816 die Erteilung der erforderlichen Konzession (eines "allerhöchsten Privilegiums") zur Errichtung einer"Porcellain-Fabrique" in Hohenberg.

Sie haben sich bereit erklärt, beiderseits ein Kapital von je 5000 fl.(Gulden) für die Fabrikanlage als solche beizusteuern. Acker habe, wie allgemein bekannt, wohlhabende Verwandte. Hutschenreuther, der zugleich um das Recht der Niederlassung in Bayern nachsucht, legt einwandfreie Leumundszeugnisse bei. Die Antragsteller beabsichtigen, das zum Verkauf bestimmte, unbewohnte Schloss zu Hohenberg - genannt ,Freundschaft' zur Unterbringung ihrer Fabrik zu akquirieren". (Dieses sogenannte "Schloss" hat mit der Burg, von welcher der Ort den Namen trägt, nichts zu tun. Ob die "Freundschaft", auf deren Areal die Fabrik heute noch steht, auch einmal ein Schloss, vielleicht eine Art Vorwerk der Burg gewesen ist, entzieht sich der Kenntnis des Verfassers. Jedenfalls war zuletzt in diesem Anwesen ein Alaunwerk betrieben worden). Sie weisen darauf hin, daß die Distrikte Hohenberg, Raithenbach, ... ? ... Oschwitz und Göpfersgrün den erforderlichen "ausdauernden Thon- und Feldspath Erde liefern" können.(Später wird als Hauptfundort für die Hohenherger Fabrik der sogenannte Steinberg bei Kotbigenbibersbach - erwähnt).

Das Landgericht Selb bemerkt dazu: Eine Vermehrung der bürgerlichen Nahrung für das noch gewerbearme Hohenberg erscheine durch die zu errichtende Fabrik gewährleistet. Einziges Hindernis liege in der Holzbeschaffung, da die benachbarten vier Hammerwerke sowie die Märkte Thiersheim und Selb gegen die Errichtung der fraglichen Fabrik kräftigst protestieren. Unter Beifügung der von jener Porzellanerde gefertigten Probe meint das Landgericht Selb abschliessend, dass man die Sorge um die Holzbeschaffung den Antragsteller selbst überlassen könne, dass deren Gesuch aber insofern Berücksichtigung verdiene, als es sich dabei nicht nur um ein wohltätiges, sondern auch um ein ausführbares Unternehmen handele.

Dieser erste Auszug zeigt, was Carl Magnus in den ersten zwei Jahren bereits alles getan hatte. Nicht nur, dass er selbst ein Kapital von 5.000 Gulden flüssig gemacht hatte, er hatte auch einen Teilhaber mit den gleichen Mitteln gefunden. Er hatte offenbar weitere Nachforschungen in Bezug auf Ton- und Feldspatvorkommen angestellt und sich um die Holzbeschaffung sehr bemüht. Dabei war er, trotz des Einflusses seines Schwiegervaters, auf einen unerwarteten Widerstand gestossen, der ihm noch viel zu schaffen machen sollte. Die alten Eisenwerke der Gegend fürchteten, dass ihre Holzbelieferung beeinträchtigt werden könnte und das gleiche scheinen auch die Märkte Thiersheim und Selb erwartet zu haben. Trotzdem setzt Hutschenreuther seine Bemühungen fort und beantragt das Privilegium. Er kann seinen Antrag sogar eine aus der neuen Porzellanerde angefertigte Probe beifügen.

Ein Erfolg war diesem ersten Gesuch von Hutschenreuther nicht beschieden. Die Generalkommission in Bayreuth verlangt unterm 19. September 1816 den Nachweis, dass die Antragsteller "rücksichtlich ihrer Kenntnisse und Geschicklichkeiten auch die Qualifikation haben, einer Porcellain-Fabrik vorzustehen und solche zu leiten". Ausserdem sollte festgestellt werden, ob sie sich auf die Herstellung von Porzellan zu beschränken gedächten oder auch Steingut und Fayence fabrizieren wollten. Diese Einwände wurden durch das Landgericht Selb unterm 16. Oktober 1816 beantwortet. Äcker sollte sich nicht mit der Fabrikation, sondern nur mit der Verwaltung abgeben, Hutschenreuther aber seine Geschicklichkeit als Buntmaler durch drei Atteste nachweisen. Auch habe er sich Kenntnisse in der eigentlichen Fabrikation erworben, an der ihm ausschliesslich gelegen sei, weil die Gebrüder Hammann in Wallendorf "ihr Arcanum nicht vor ihm geheim gehalten hätten". Schliesslich wird noch mitgeteilt, dass Hutschenreuther sich erbiete, unter der Aufsicht verpflichteter Sachverständiger Proben seiner Fähigkeit Porzellan zu fabrizieren, abzulegen.

Die Erwiderung aus Bayreuth erfolgte am 27. März 1817 und hält den Antrag noch immer nicht für hinreichend begründet. Diese nach fünf Monaten erfolgende Entgegnung führt aus, dass Vermögen sei nicht nachgewiesen, die erforderliche Qualifikation sei noch nicht belegt, die Holzbeschaffung sei nicht sichergestellt und es fehle der Nachweis, dass der in der Umgegend vorkommende Ton und der Feldspat sich wirklich zur Porzellanherstellung eigneten und ausserdem sei nicht gesichert, dass sie benutzt werden dürften. Der Vermögensnachweis sei auch deshalb wesentlich, weil Hutschenreuther sein Einwanderungsgesuch damit begründen müsse. Der Bescheid kommt zu dem Schluss, man solle den Gesuchstellern nahelegen, ihren Antrag zurück zuziehen, weil die Wahrscheinlichkeit bestehe, dass ihre Pläne misslingen und nur Kapitalverlust und Arbeitslosigkeit verursachen würde. Man kann es verstehen dass Hutschenreuther schon vor dem Eintreffen des abschlägigen Bescheides die Geduld verloren hatte, denn schon am 12.02.1817 hatte er sich mit der Bitte um rasche Erledigung an das Generalkommissariat gewandt. Der Teilhaber Äcker scheint inzwischen bereits die Lust verloren zu haben, denn sein Name erscheint in den Akten erst wieder im Jahre 1836, und zwar in einem ganz anderen Zusammenhang.

Fast drei Monate hat Hutschenreuther nun gebraucht, ehe er auf die Ablehnung vom März 1817 weitere Schritte unternahm. Er hat sich inzwischen das Vermögenszeugnis beschafft, hat die Holzbezugsfrage erledigt und die besondere Brauchbarkeit der von ihm gefundenen Erden durch ein Attest des Bergamtes Wunsiedel nachgewiesen. Durch Vermittlung des Landgerichts Selb bietet er am 20. Juni 1817 diese Nachweise an und erklärt gleichzeitig, ganz klein angefangen zu wollen, damit im Falle des Misslingens auch die Folgen geringfügig sein würden. Das Landgericht Selb setzt sich, wenn auch etwas weniger entschieden noch einmal für den Gesuchsteller ein.

Es könnte etwas im Erstaunen setzen, dass der erst Dreiundzwanzigjährige damals ein Vermögenszeungis über 5.000 bis 6.000 Gulden beizubringen vermochte. Man darf aber nicht vergessen, dass er von Mutterseite her über einiges Vermögen verfügen konnte und dass sein Vater ein erfolgreicher Mann gewesen war, der ausser der Porzellanmalerei, in der er vier Buntmaler beschäftigte, auch noch eine Gastwirtschaft und die Porzellanfabrik Schleiz besessen hat. Auch wird seine Frau, die Tochter des Oberförsters, einiges Geld mit in die Ehe gebracht haben.

Die Angelegenheit des Gesuchs nimmt nun folgenden weiteren Verlauf: Die Regierung des Obermainkreises in Bayreuth richtet am 03. Juli 1817 an das Kgl. Geheime Staatsministerium des Innern in München in Sachen Hutschenreuther ein Gesuch, indem sie die Genehmigung warm befürwortet unter Hervorhebung der wirtschaftlichen Vorteile einer solchen Gründung für die ganze Gegend. Das Staatsministerium aber verlangt vor weiterer Stellungnahme am 13. August 1817 einen besonderen Qualifikationsnachweis für C.M. Hutschenreuther. Daraufhin erklärt sich dieser durch das Landgericht Selb, seine Befähigung erst nachweisen zu können, wenn das allerhöchste Privilegium gewährt und der zur Fabrikation unumgänglich notwendige Brennofen erbaut worden sei. Die Fabriken, in welchen er gelernt habe, verweigerten ihm das schon so oft erbetene Attest "aus Besorgnis einer Nahrungsbeinträchtigung".

Bayreuth beantragte nun am 04. Dezember 1817 die bedingte Erlaubnis zur Errichtung einer Porzellanfabrik in Hohenberg. Das Innenministerium aber lehnte das Gesuch unterm 30. Februar 1818 ab: "die Bitte des C.M. Hutschenreuther findet nicht statt." Diese Ablehnung wird in keiner Weise begründet. Damit ist die erste Phase der Bemühungen von Carl Magnus mit einem glatten Misserfolg beendet. Die Haltung der bayerischen Regierung kann uns heute ebenso seltsam wie wunderlich vorkommen. Gerade waren die schweren Prüfungen, die das napoleonische Zeitalter mit sich gebracht hatten, vorüber und Bayern war schliesslich als vergrösserter und geschlossener Staat aus diesen schweren Zeiten hervorgegangen. Aber offenbar zeigte die Leitung dieses Staates keinerlei Wunsch, der neuen Zeit gerecht zu werden. Sie war noch soweit beherrscht von merkantilistischen Vorstellungen, dass Argumente der Bereicherung des Landes und der Erhöhung des Volkswohlstandes durch Errichtung neuartiger Fabriken bei ihr wohl verfingen, aber doch nicht jenen Ausschlag gaben, der dem echten Merkantilismus entsprochen hätte. Dazu fühlte man sich noch zu sehr als Obrigkeitsstaat, der es sogar als seine Aufgabe ansah, unternehmungslustige Untertanen vor Kapitalverlusten zu bewahren. In diesem Sinne ist auch das fortwährende Drängen zu verstehen, Hutschenreuther solle seine Qualifikation beweisen.

Man muss sich in die Lage des jungen Hutschenreuther versetzen können. Vier Jahre lang hatte er sich bemüht, den Nachweis zu führen, dass man aus einheimischen Erden Porzellan herstellen könne und dass er die Mittel und Kenntnisse besitze, um eine solche Herstellung zu unternehmen. Es war ihm, wie er glauben mochte, gelungen, allen Widerständen zu begegnen und sogar auf privatem Wege die Holzversorgung sicherzustellen. Aber er glaubte so fest an die Möglichkeit seiner Pläne und hatte sich an seinen neuen Wohnort so stark eingelebt, dass er auch jetzt den Mut nicht verlor. Der Familienüberlieferung gemäss hat er, wie oben schon erwähnt, ursprünglich mit Genehmigung der Behörde eine Wohnung im Schloss gehabt. Von hier aus wird er den hergebrachten Porzellanhandel weiter betrieben haben, vielleicht hat er auch in diesen Räumen schon eine eigene Porzellanmalerei unterhalten. Die in vieler Hinsicht sehr aufschlussreiche Eintragung im Hohenberger Kirchenbuch über die Verheiratung von Carl Magnus könnte diese Annahme unterstützen. Der Eintrag lautet:

Anna 1816

"Herr Carl Magnus Wilhelm Hutschenreuther, Porcelainmahler und angehender Porcellain-Fabricant zu Hohenberg, jüngster Sohn des weiland Herrn Johann Heinrich Hutschenreuther, gewesenen ansehnlichen Handlungsherrn zu Wallendorf wurde nach dreimaliger ungehinderter Proklamation und nach Beibringung des Ledigscheines vom Pfarramte Wallendorf am 22. Dezember ehelich eingesegnet mit Demoiselle Johanna Maria Barbara Reussin, des Kgl. Bayerischen Herrn Forst-Bereuter, Herrn Ludwig Ernst Reuß zu Hohenberg, ältesten Frau Tochter. Der Bräutigam war geboren den 09.04.1794. Das Fräulein Braut war geboren den 21. November 1798."

Als er 1819 entsprechende Gebäulichkeiten zum Preis von 500 Gulden auf der "Freundschaft", in denen eine Alaunfabrik betrieben worden war, erworben hatte, ist er aber ganz sicher zur Porzellanmalerei übergegangen. Dazu bedurfte es nämlich keines Privilegs, weil man die Porzellanmalerei als eine freie Kunst betrachtete.

Wir haben uns also vorzustellen, dass Hutschenreuther von 1816, sicher aber von 1819 ab, nur noch weiße Ware aus den ihm nahestehenden Fabriken bezogen hat, um sie selbst zu dekorieren und dann zumal die benachbarten böhmischen Bäder und deren Gebiete möglicherweise auch nach Regensburg zur Ausfuhr in den nahen Osten, weiterzuverkaufen. Es kann auch kein Zweifel bestehen, dass diese Art des Geschäftsbetriebes ihren Mann ernährt und ihm infolgedessen auch in seiner Unternehmenslust gestärkt hat. Schon im Jahre 1819 bitte er von neuem um eine Konzessionierung. Diesmal bietet er an, einen kleinen Probeofen zu errichten, den er ohne Entschädigungsanspruch wieder abreißen wollte, falls die in ihm hergestellten Proben als unzureichend befunden werden sollten. Aber auch dieses Gesuch wird vom Ministerium abgelehnt, weil die vorhergehende Abweisung des Gesuches unbedingt ausgesprochen worden sei.

Nun mag Hutschenreuther zunächst keinen weiteren Weg gesehen haben. Erst am 26. Febr. 1822 richtet er ein Schreiben unmittelbar an die Regierung von Bayreuth. Möglicherweise hatte das Landgericht Selb diesmal eine Vermittlung abgelehnt, weil es die Angelegenheit für aussichtslos ansah. Das Gesuch ist gut aufgebaut und zeigt in seiner Gedankenführung und in seiner Stilisierung für die Sachverständigkeit, das Zielbewusstsein und auch die Bildung des Mannes, der es verfasst hat. Er gibt an, dass seine geschäftlichen Verbindungen mit dem Ausland es ihm ermöglichen, Holz von dorther in ausreichender Menge zu beziehen. Seine Qualifikation in theoretischer sowie praktischer Hinsicht, begründet er damit, dass er der Sohn eines Porzellanfabrikanten zu Schleiz in Sachsen und bei diesem in allen zum Fach gehörigen Fertigkeiten gründlichst unterwiesen worden sei. Seine Eignung gehe weiter aus den beigelegten Proben hervor, von denen er schreibt, dass sie aus einer Masse bestünden, deren einzelne Bestandteile ich erst aufsuchen, ihre natürlichen Eigenschaften, ihr Verhalten und ihre gegenseitigen Einwirkungen aufeinander in dem höchsten Grade des Schmelzfeuers, und die Anwendung der verschiedenen Qualitäten derselben, behufs der Bildung einer zweckmässigen Komposition zu einer guten Masse, ich erst erforschen musste; und dieser Masse keineswegs die erforderliche Reife durch Kunst und Zeit gegeben werden konnte, weil es, wie bereits oben bemerkt wurde, mir an den erforderlichen technischen Einrichtungen fehlt.

In der Eingabe verspricht er sich "den vollkommensten Beyfall, sowohl von Seiten der Kenner, als von Seiten der Käufer ..,... indem sie innere Güte mit äusserer Schönheit und Dauerhaftigkeit verbinden" werden. Diese Zuversicht gründet er auf eine neue Entdeckung, die er ganz kürzlich gemacht habe. Es handele sich um die im Revier des Bergamtes Wunsiedel (laut beigeschlossenem Attest) gemutete und eröffnete Grube für Porzellanerde. Des weiteren führt Hutschenreuther aus, er werde nicht so unklug sein, mit den anderen Porzellanfabriken des Obermainkreises in Wettbewerb hinsichtlich des Absatzes treten zu wollen. Er habe sich ganz neue Absatzwege ins Ausland hier nur die böhmischen Bäder erwähnen, "in denen mir der Debit gesichert ist".

Er versäumt auch nicht, die Vorteile hervorzuheben, die seiner Ansicht nach die Gewährung der Konzession für den Staat bringen würde und erwähnt als solche die Verwertung eines bislang völlig ungenutzten Produktes des Mineralreiches, die Eröffnung einer neuen Nahrungsquelle in einer sehr dürftigen und "nahrungslosen" Gegend und schliesslich eine "wirklich bedeutende Vermehrung des Nationalreichtums", weil der Absatz ins Ausland bares Geld zurückfliessen lasse. Zum Schluss weist er noch auf die seit dem Jahre 1816 betriebenen, sehr kostspieligen Vorbereitungen hin und auf die Vermögenseinbuße, die ihm erwachsen müsste, falls die Konzession verweigert würde.

Diese Eingabe zeigt am Schluss die eigenhändige und früheste bekannte Unterschrift von Carl Magnus Hutschenreuther. Das Landgericht Selb befürwortete auf Nachfrage hin das Gesuch, indem es die Vortrefflichkeit der Proben, die vorteilhafte Lösung des Holzbezuges aus den Liebensteiner Waldungen in Böhmen und die volkswirtschaftlichen Vorteile des Unternehmens hervorhob. Eine Bestätigung vom Wirtschaftsamtes des Kronlehensgutes Liebenstein im Königreich Böhmen über vereinbarten Holzbezug von beiläufig 150 bis 170 Klaftern je Jahr war dem Gesuch angeschlossen. Bei den Proben handelte es sich um einen ungarischen eingesetzten Tabakskopf und einen bauchigen Pfeifenstummel mit Goldverzierung.

Die Regierung zu Bayreuth forderte am 12. März 1822 das Bergamt Wunsiedel zur gutachterlichen Äusserung auf. Das Gutachten sollte sich beziehen auf die Beschaffenheit des Tonmaterials, die Güte der mitübersandten Proben, sowie auf die von den Eisenfabrikanten geäußerten Besorgnisse wegen einer Beeinträchtigung der verfügbaren Holzvorräte.

Das ausführliche Gutachten des Bergamts wurde am 18.4.1822 erstattet und zählt zunächst die Gründe auf, weshalb die Konzession bisher verweigert wurde. An erster Stelle erscheinen hier Einwendungen von vier Eisenhütten, dann folgen die Bedenken des KgL Forstamts wegen Holzmangels und schließlich führt die Besorgnis der Kgl. Porzellanmanufaktur wegen drohender Absatzverringerung auf. Das Bergamt bemerkte dann, daß die Domänenforsten auch Holz ins Ausland, zum Beispiel nach Asch und Eger, lieferten, was beweise, daß der Einschlag mehr abwerfe, als man im Inland verbrauchen könne. Immerhin könne man sich zur Beruhigung der Hammerwerksbesitzer von Hutschenreuther die schriftliche Zusicherung geben lassen, daß die von ihm zu errichtende Porzellanfabrik ihren Holzbedarf auch in Zukunft niemals aus den benachbarten Waldungen decken werde. Ausserdem schlägt das Bergamt vor, Hutschenreuther zuzumuten, seinen Brennofen weder zu vergrössern noch zu vervielfältigen." Hinsichtlich der vorgelegten Porzellanproben ist das Bergamt der Meinung, dass sie noch nicht einwandfrei seien, die künftigen können es jedoch werden, wo nicht, so würde dies nur dem Fabrikanten schaden."

Die Ministerialentschliessung vom 7. November 1822 erteilt die nachgesuchte Konzession und zwar ohne ausdrückliche Einschränkung. Mit der Erlangung der Konzession, der Errichtung des Brennofens und allem, was dazu gehört, hatte Carl Magnus die Schwierigkeiten keineswegs überwunden. Am 6. Dezember 1826 richtete er ein Gesuch an das Innenministerium um Unterstützung aus dem für solche Zwecke vorhandenen Fonds "zwecks besserem Betrieb seiner Fabrique". Er gibt an, dass er seinen Betrieb auf 50 Arbeiter erweitern müsse, weil die wachsende Nachfrage Betriebsvergrösserung verlange. Er bittet um einen "einstweiligen unverzinslichen Vorschuss von 3 bis 4000 fl.", der ratenweise zurückbezahlt werden solle. Zur näheren Begründung fügte er an, dass die Vorbereitungen grosse Summen verschlungen hätten und dass Verluste entstanden seien infolge "Verunglückens mehrerer Porzellanbrände". Wiederum wird eine Fabrkationsprobe beigefügt und wiederum wird in Aussicht gestellt, dass die Fabrikation künftig besser ausfallen werde.

Das Landgericht Selb fügt ein Attest bei, indem der derzeitige Schätzungswert des Hauses auf der Freundschaft mit fl. 2953 angegeben wird. (Hutschenreuther hatte es bekanntlich für fl. 500 erstanden). Weiterhin wird erwähnt, dass Hutschenreuther ausser Pfeifenköpfen und -stummeln auch Türkenbecher, Milchtöpfe und -kannen herstellte: Daneben ist auch die Rede von Kaffee- und Teegeschirr, doch ohne nähere Angaben. Der Wert der Vorräte wird auf fl. 1400, der Betrag der Aussenstände auf fl. 100 geschätzt. Hutschenreuther bietet auch seine Tongrube als Sicherheitspfand an. Auch in dieser Eingabe beruft er sich darauf, dass er eine besonders geeignete Porzellanerde in hiesiger Gegend erstmals persönlich ausgemittelt habe. Die Übelstände, an denen sein Unternehmen leide, seien der zu kleine Brennofen und das zu wenig geschulte Hilfspersonal. Beidem ließe sich nur durch neues Betriebskapital abhelfen.

Das Ministerium des Innern lehnt das Unterstützungsgesuch am 8.3.1827 vorläufig ab; zu gelegener Zeit könnte es wiederholt werden. Vorläufig habe man durch die Gestaltung des Zolltarifs den Interessen der Porzellanfabrikanten hinreichend Rechnung getragen. (Es handelte sich darum, dass man den Ausfuhrzoll auf Porzellan stark abgebaut hatte). Der hier nach den Akten geschilderte Vorgang zeigt, mit welchen Schwierigkeiten Hutschenreuther im ersten Jahrzehnt der selbstständigen Porzellanfabrikation zu kämpfen hatte. Aus der oben schon erwähnten Erhebung über den Stand der Gewerbe geht hervor, dass er damals mit neun Arbeitern eine Jahresproduktion von achtzig Zentnern Ware fabrizierte und damit bei weitem die kleinste der sechs Porzellanfabriken des Obermainkreises betrieb. Er unterschied sich von dem meisten anderen vorteilhaft nur dadurch, dass er das Rohmaterial ausschliesslich aus den eigenen Lande bezog. Diese Produktion war natürlich viel zu klein, wenn er seine Kundschaft zufrieden stellen und einen Verdienst erübrigen wollte. Aber er ging in dieser Zeit der offenbaren Not, in der er sich sogar auf die Notwendigkeit der Ernährung einer zahlreichen Familie berufen musste, nicht den Weg, sich einen privaten Geldgeber zu suchen, sondern war vorallem bestrebt, seine wirtschaftliche Unabhängigkeit zu erhalten.

Im Jahre 1830 war Hutschenreuther der Sorgen und Schwierigkeiten noch nicht Herr geworden, und wieder wandte er sich mit einem Gesuch an den König von Bayern. Wegen Mangels an Betriebskapital könne sich die wohltätige Wirkung seines Unternehmens für die arme Grenzgegend nicht voll entfalten. Wohl habe er grosse Bestellungen aus Böhmen und Sachsen, aber er könne nicht genug Porzellan erzeugen, um diese Bestellungen auszuführen. Er bittet diesmal jedoch nicht um ein Darlehen, sondern um die Zuweisung von jährlich 130 Klaftern Scheitholz und 50 Klaftern Stöcke mit "jedesmaliger jährlicher Zahlungsnachsicht, gleich den Eisenfabriken. Dieses Gesuch wird bereits von der Regierung des Obermainkreises, Kammer der Finanzen, unterm 20. März 1830 ablehnend beschieden, da die nachgesuchte Vergünstigung nur den alten Eisenfabriken zugestanden wurde und eine dergleichen Avancierung den Verwaltungsgrundsätzen entgegen ist.

Der Sinn des Gesuches kann nicht zweifelhaft gewesen sein: Der absterbende Industrie der Eisenhämmer war in Bezug auf die Holzlieferungen eine Vergünstigung zugestanden worden, die Carl M. Hutschenreuther als für sein neuentstehendes Unternehmen als recht und billig ansehen musste. Es schien ihm deshalb aussichtsreicher, um verbilligten Holzbezug einzugeben, anstatt neuerlich um Darlehen zu bitten. Dass er jetzt um insgesamt 200 Klafter, einschliesslich der Wurzelstöcke, bittet, mag dafür zeugen, dass es ihm inzwischen gelungen war, die Zahl der Brände zu erhöhen, vielleicht weil er seine Mitarbeiter in der Zwischenzeit entsprechend geschult hatte. Es ist hier am Platz noch nachdrücklichst darauf hinzuweisen, dass Carl M. Hutschenreuther ja auch in den ersten Jahren seine Arbeiter heranbilden musste. Die Einwohner von Hohenberg hatten sich seit alters mit Ackerbau, Holzwirtschaft und Weberei beschäftigt; einige mochten auch in den benachbarten Eisenwerken tätig sein. Irgendwie geschulte Kräfte für die Porzellanfabrikation aber gab es natürlich nicht, und während heutzutage die Stärke der oberfränkischen und oberpfälzischen Porzellanindustrie gerade auf dem seit Generationen geschulten Arbeiterstamm beruht, musste einer mit der Schulung dieser Spezialisten beginnen. Und der Mann, dem diese Aufgabe vom Schicksal bestimmt war, war eben Carl Magnus, der auch in dieser Hinsicht, einen sehr schweren Weg zu gehen hatte. Ein bezeichnendes Licht fällt auf diese seine Aufgabe durch eine Stelle in den Akten aus dem Jahre 1838. Damals berichtet nämlich das Landgericht Selb von einem Porzellanmaler Christian Reuß, der für seinen Schwager, C.M. Hutschenreuther, tätig sein, in neuerer Zeit, aber auch auf eigene Rechnung arbeitete. Diese Notiz ist aber nicht nur in den Sinne beachtlich, indem sie hier angeführt worden ist, sondern sie vermag wohl unmittelbar zu zeigen, dass im Jahre 1838 Hutschenreuther über die grössten Schwierigkeiten hinweg war. Es wird nicht nur seinen eigenen Schwager angelernt haben, sondern manchen Brenner und Maler. Dass aber nun der eigene Schwager seinerseits bereits eine eigene Porzellanmalerei betreiben konnte, weist daraufhin, dass die Fabrik ihm genug Weißware zu liefern vermochte. Die Fabrikation war also so gestaltet worden, dass man weder den Wettbewerb dieses Schwagers zu fürchten, noch mit der Lieferung der Weißware zu knausern brauchte. Zwischen 1830 und 1838 ist zum mindesten der neue grössere Ofen gebaut worden, und in dieser Zeit mag die Fabrik die Entwicklung zum Zwei-Oefen-System genommen haben.

Diese letzte Periode der Tätigkeit des unermüdlichen und durch nichts zu entmutigenden Mannes war endlich die des vollen Erfolges. Aber er konnte sich ihrer nur sieben Jahre lang erfreuen, während die Jahre des Kampfes und der Ungewissheit, die Jahre der Sorge und vielleicht auch der Entbehrung vierundzwanzig zählten. Es gibt zwei Daten, die nach aussen hin deutlich vom schliessenden Erfolg in der zweiten Hälfte der dreissiger Jahre zeugen: das Wiederhervortreten des Kaufmann Christian Aecker, der nun in Hohenberg wohnhaft ist, im Jahre 1836, und die Gründung einer Krankenkasse zum Wohle der Arbeiter durch C.M. Hutschenreuther im Jahre 1837. Das erstgenannte Ereignis bedarf, da es für den Charakter des Hohenbergers Unternehmers als Stammfabrik und für die Geschichte der Porzellanfabrik in Arzberg wichtig ist, einer etwas breiteren Darlegung. Aecker macht im genannten Jahr ein Gesuch um die Genehmigung einer Porzellan- und Steingutfabrik. Carl Magnus spricht sich, wie nicht anders zuerwarten, gegen die Genehmigung dieses Gesuches aus. Er wandte ein, dass für eine weitere Fabrik kein Holz vorhanden sein könne, denn bei einem schwunghaften Betrieb einer ausreichend grossen Fabrik brauchte man mindestens 800 bis 1000 Klafter.

Man wird diese ablehnende Haltung gut verstehen können, denn wenn jetzt auch andere sich in der Lage glaubten, Porzellanfabriken errichten zu können, dann konnte das nur darauf beruhen, dass sie von C. M. Hutschenreuther gelernt hatten und sich auch die Dienste von Arbeitern sichern wollten, die er herangebildet hatte. Vielleicht war der nach Hohenberg übergesiedelte Kaufmann Äcker inzwischen auch Händler und Grossabnehmer für Porzellan geworden. Er liess sich durch die Ablehnung seines Gesuches nicht entmutigen, sondern machte am 11. August 1837 eine neue Eingabe, um die Erlaubnis zu erhalten, in Schirnding eine Fabrik zu errichten. Er gelobte dabei, bestehende Fabriken keine Konkurrenz zu machen, sondern ausschliesslich Gegenstände für die Ausfuhr nach Amerika, Italien, in die Türkei und in die Schweiz herzustellen. Diese Länder dürften also Märkte gewesen sein, mit denen er bereits zutun hatte. Äcker wurde schliesslich mit Regierungsentschliessung vom 22. Mai 1838 aufgefordert, Brennversuche mit Torf und Kohle zu machen.

Aus einer Beschwerde Hutschenreuthers ist zu ersehen, dass Äcker ohne Konzession im Jahre 1838 zwei Werkführer, drei Porzellandreher - darunter einen aus Küps - sechs Porzellanmaler und sechs Lehrlinge beschäftigte. Mit diesen Angaben wird der Charakter der Betätigung Äckers ziemlich klar; er wird seit längerer Zeit eine Porzellanmalerei betrieben haben und war nun dabei, diese stillschweigend zu einer Fabrik auszubauen. Jedenfalls wurde am 16. März 1838 ein Probebrand veranstaltet, bei dem zirka 3600 Stücke aus Porzellan und Steingut gebrannt wurden, unter Aufwendung von 20 Zentern und 30 Pfund Braunkohle und 17,5 Zentern Torf. Die Kosten dieses Brandes werden mit 15 fl. 51 2/3 kr. angegeben. Die Kosten der Holzfeurung betrugen für das gleiche Quantum beim Vergleichsbrand 24 fl. 41 1/2 kr.

Das ist offenbar der erste Brand mit Kohlefeuerung wenn nicht in Deutschland überhaupt, dann sicherlich im Obermainkreis gewesen. Äcker machte nun ein Gesuch, in Arzberg eine Fabrik errichten zu dürfen. Die Konzession dazu wurde ihm am 16. Juli 1839 erteilt, unter der ausdrücklichen Bedingung und Voraussetzung, dass die Fabrik lediglich mit Torf-, Stein- und Braunkohlenfeuerung betrieben werde. Diese Fabrik hat im Jahre 1884 Carl Auvera, ein Enkel von Carl Magnus, übernommen. Im Jahre 1918 ging sie in den Besitz der Aktiengesellschaft C.M. Hutschenreuther über. Wie Carl Auvera, so haben auch seine Vorgänger in Arzberg Pfeifen hergestellt. Auch heute noch widmet sich die Fabrik u.a. dieser Spezialerzeugung. Die Modelle sind seinerzeit von Hohenberg übernommen worden, das selbst seitdem diesen althergebrachten Artikel nicht mehr erzeugte.

In Bezug auf die Kranken-Unterstützungs- und Beerdigungskasse ist ein interessantes Dokument erhalten, das sich im Besitz von Herrn Matthes in Hohenberg befindet und das von Lorenz Hutschenreuther im Jahre 1840 als Prokurist der Firma gezeichnet ist. Das Schriftstück lautet: Inhaber dieses, Otto Burkhardt, Porzellanmaler aus Erbersdorf bei Ludwigsstadt, ist seit dem Jahre 1831 in meiner Fabrik als Maler beschäftigt. Derselbe hat während dieser Zeit, einen sehr fleißigen, treuen und besonders moralischen Lebenswandel an den Tag gelegt. Seine dabey verbundene Brauchbarkeit veranlasst mich, ihm hiermit die Versicherung zu ertheilen, daß er Zeit seines Lebens Beschäftigung bey mir finden soll. Zugleich kann ich den P. Burkhardt bezeugen, daß er vermöge seines Verdienstes eine Familie ernähren kann. Selbst in Krankheitsfällen ist derselbe durch die untermeinen Fabrikarbeitern bestehende Kranken-Unterstützungs- und Beerdigungskasse vor Mangel u. Verarmung geschützt.

Hohenberg, den 18. Januar 1840

(Fabriksiegel) ppa. C.M. Hutschenreuther L. Hutschenreuther

Der vierte Zeitabschnitt 1838-1845, wird eingeleitet durch den Bau einer grösseren Massemühle, zu deren Betrieb die Wasserkraft der Eger benutzt werden musste. Wegen dieses Plans geriet C.M. in einen hartnäckigen Streit mit Moritz Hartung, dem Besitzer der flussaufwärts gelegenen Königsmühle. Hartung hatte in dieser Mühle eine Stahlfabrik eingerichtet und machte geltend, dass der Plan Hutschenreuthers, der den Einbau eines Stauwerkes in den Egerfluss vorsah, sein Werk bei Auftreten von Hochwasser oder Eisfahrt durch Rückstauung gefährden müsse. Er erhebt dabei auch den Vorwurf: Hutschenreuther hat ein Nivellement des Egersflusses veranstaltet, bei welchem seine Herren Söhne mitwirkten, das augenscheinlich falsch ist.

Damit finden zum erstenmal die erwachsenen Söhne (Friedrich Lorenz und Christian) in einem Aktenstück Erwähnung. Der Streit fand Niederschlag in einem recht umfassenden Aktenband, aber schliesslich erteilte die Kreisregierung doch die nachgesuchte Bauerlaubnis. Gegen diesen Entscheid wandte sich Hartung beschwerdeführend an den König. Hutschenreuther verlangte Einsicht in diese Eingabe, um dann am 31. Januar 1841 ebenfalls ein Gesuch an den König zu richten. Der Inhalt dieses Gesuches ist so beachtlich, dass einiges wesentliche aus ihm hier wiedergegeben werden muss. Ihn ihm heisst es unter anderem: Die ihm in Hohenberg bisher zur Verfügung gestellte und auf kündbaren Pachtvertrag überlassene Wasserkraft sei unzureichend und es bestehe die Möglichkeit sie zu verstärken. Inzwischen habe sich aber die Zahl der von ihm beschäftigten Arbeiter auf 50 bis 60 erhöht, die wegen eingetretenen Wassermangels schon seit drei Monaten grösstenteils feyern müssen. Deshalb sei die nachgesuchte Massemühle an der Eger eine Lebensfrage für die Fabrik, ihn selbst, seine grosse Familie und die vielen Arbeiter. "Ich liefere", so fährt er fort - aus inländischen rohen Produkten ein Porzellan, das keinen anderen in Deutschland an Güte und Feinheit nachsteht, beziehe den Erlös dafür beinah ganz vom Auslande, es werden zugleich viele fleißige Arbeiter mit ihren Familien ernährt, und ich produziere in nationalwirtschaftlicher Hinsicht ein nicht unbedeutendes Reineinkommen." Die Hartung'sche Stahlfabrik sei dagegen ein schon in seinem Entstehen nicht begründetes und bald darauf wieder gescheitertes Projekt von an sich sehr geringem Belang". Hartung, ein ehemaliger Geistlicher, besitze auch nicht die Qualifikation zum Stahlfabrikanten.

Die schliessliche Entscheidung ging dahin, dass die genehmigte Stellungnahme der Kreisregierung als vollkommen begründet zu erachten sei, nur solle die Frage der Kostenverteilung noch einmal gewürdigt werden. Dieser Streit um die Wasserkraft der Eger stellt die letzte Tätigkeit Hutschenreuthers dar, die aktenmäßigen Niederschlag gefunden hat. Leider sind die internen Fabrikakten aus seiner Zeit nicht erhalten geblieben und ohne die Akten des Staatsarchivs und und ohne Familienforschungen und Erinnerungen würde man für diese Periode der Gründung und des ersten Erfolges überhaupt kaum Anhalte haben gewinnen können. Aber jene Streitakten sind aufschlussreich genug, zeigen sie doch, dass Hutschenreuther inzwischen die Gefolgschaft von 50 Leuten, die er für die Rentabilität des Unternehmens als notwendig gehalten hatte, wirklich erreicht hatte. Es kann auch kein Zweifel darüber bestehen, dass er sein Produkt in berechtigtem Stolz richtig schildert, wenn er von ihm sagt, dass es keinem anderen in Deutschland nachstehe. Auch was er über das Absatzgebiet vorbringt, wird den Tatsachen entsprechen, wenn man auch nicht vergessen darf, dass für die damalige Zeit nur das Königreich Bayern Inland, alles andere aber einschliesslich der anderen deutschen Staaten, Ausland war. In überschläglicher Berechnung wird man annehmen können, dass Hutschenreuther damals rund 430 Zehnter oder 22,5 Tonnen Ware im Jahr produzierte. Der Fortschritt gegenüber dem Jahre 1827 ist gross, zumal wenn man bedenkt, wie mannigfaltig die Schwierigkeiten gewesen sind, die er zu überwinden gehabt hatte. Über die Art der Produktion verlautet nichts, aber es ist anzunehmen, dass sie im wesentlichen noch aus Pfeifengeschirr, Türkenbechern und erst in zweiter Linie aus Kaffee- und Teeservicen bestand. Der Wert dieser Produktion muss verhältnismässig hoch gewesen sein, wie sich später ergeben wird. Der damals Siebenundvierzigjährige war auf der Höhe seiner geistigen Leistungsfähigkeit, wenn er vielleicht auch in den Jahren seines Ringes seiner Gesundheit zuviel zugetraut hatte, wie der verhältnismässig frühe Tod als Einundfünfzigjähriger am 10. November 1845 vermuten lässt.

Der Sohn Lorenz Hutschenreuther hatte schon zu Lebzeiten des Vaters das Bestreben gezeigt, sich wirtschaftlich möglichst unabhängig zu machen. So machte er im Frühjahr 1843 ein Gesuch, indem er um die Genehmigung von Handelsassoziationen sowohl mit seinem Vater, wie auch mit seiner Schwiegermutter, der Schnittwarenhändlerin Wilhelmine Heßner in Altenburg bittet. Nur diese letzte Assoziation ist genehmigungspflichtig gewesen, weil sie im Auslande ausgeübt wurde; die Erlaubnis wurde aber ohne weiteres erteilt. Beim Tode des Vaters wurde aber nicht dieser Sohn, der die Unternehmungslust und den Schaffensdrang des Vaters geerbt hatte, Leiter des Unternehmens, sondern das Testament übertrug diese Funktion der überlebenden Gattin Johanna Hutschenreuther, geborene Reuß. Der Verstorbene soll von ihr in seinem Testament in grosser Verehrung und voll Anerkennung über ihre Tatkraft, Klugheit und Umsicht gesprochen haben. Sie muss die gleiche Tatkraft und die gleiche Ausdauer besessen haben wie ihr Mann selbst und so wird man einen beträchtlichen Teil des Erfolges der Hohenberger Gründung auch Johanna Reuß zuzuschreiben haben.

Sicher ist, dass sie sich bei den grossen Unglück, welches die Fabrik im Jahre 1848 traf, ebenso gefasst wie tatkräftig gezeigt hat. Ein beträchtlicher Teil der Fabrik wurde nämlich durch Feuersbrunst eingeäschert, ohne dass eine Versicherung möglich gewesen wäre. Trotzdem wurde sofort zum Wiederaufbau geschritten, der zweifellos auch eine Verbesserung der Produktionsanlagen bedeutete. Es existiert eine Abbildung der Fabrikanlage aus dem Jahr 1849, die deutlich erkennen lässt, dass es sich um einen recht ansehnlichen Gebäudekomplex handelt und dass die Fabrik mindestens zwei, wenn nicht bereits drei Öfen aufwies. Diese Öfen werden allerdings wesentlich kleiner gewesen sein, als sie später in der Porzellangeschirrindustrie üblich geworden sind.

Der fünfte Zeitabschnitt in der Geschichte der Fabrik ist am zweckmässigsten so abzuteilen, dass er mit dem Tode von Carl Magnus beginnt und mit dem Ausscheiden von Lorenz Hutschenreuther endet. Die Entwicklung, die das Unternehmen in dieser fünften Periode genommen hat, tritt eindeutig vor Augen wenn man das Gesuch durchliest, dass Lorenz am 11. Februar 1857 um Verleihung der Konzession zur Errichtung einer Porcellainfabirk in der Stadt Selb eingereicht hat. Aus diesem Gesuch ergibt sich, dass sein Geschäftsanteil, den er aus dem Hohenberger Unternehmen herauszuziehen beabsichtigt, von ihm mit 80.000 Gulden bewertet wurde und dass er dieses Vermögen schuldenfrei besaß. Die Fabrik, die zur Zeit 200 Arbeiter beschäftigte, gehörte zu zwei Drittel seit dem Ableben seines Vaters der noch lebenden Mutter und den Geschwistern. Obgleich er als alleiniger Betriebsführer fungierte, werde ihm doch von den Miteigentümern zuviel hineingeredet, weshalb er den Wunsch habe, sich selbstständig zu machen. Angesichts des ständig steigenden Bedarfs an Luxusware sei eine Beeinträchtigung der alten Fabrik durch das neuzugründende Unternehmen in keiner Weise zu befürchten.

Wir erinnern uns, dass 1841 die Zahl fünfzig der Gefolgschaft erreicht und überschritten war; sechzehn Jahre später zählt das Unternehmen schon rund 200 Arbeiter. Wahrlich eine erstaunliche Entwicklung, die eindringlich zeigt, wie weitsichtig C.M. Hutschenreuther bei seinen Plänen und Unternehmungen gewesen ist und wie sehr ihm gerade der Erfolg nach seinem Tod noch recht gegeben hat. Noch erstaunlicher ist die Angabe, die Lorenz Hutschenreuther über die Höhe seines Drittelanteils an der Hohenberger Fabrik macht. Nach diesen Angaben beziffert sich der Wert des ganzen Hohenberger Unternehmens im Jahre 1857 auf 240.000 fl. Das sind nach heutigem Geld rund 404.000 DM, wobei allerdings zu berücksichtigen ist, dass die Kaufkraft der 240.000 fl. eine unvergleichlich höhere war. Dieses Vermögen ist in der vierten und fünften Periode des Unternehmens also seit 1838, in einem Zeitraum von noch nicht 20 Jahren erworben worden.

An Hand eines Preis-Courants (jedenfalls vom Jahre 1850) sind folgende Fabrikationsgegenstände festzustellen: Kaffee- und Teeservice, Dejeuners, Tassen aller Art, Töpfe und Kannen, Mineralwasserbecher, Punschbecher, alle Bestandteile eines Tafelservices einschl. von Butterbüchsen und Senftterrinen, Mostrichlöffel und Eierbecher. Ferner: Kuchen- oder Brotkörbe, Fruchtkörbe, Fruchtschalen, Tafelaufsätze, Cabaretts, Plateaux und alle Bestandteile von Waschgarnituren. Weiter: Schreibzeuge, Leuchter, Aschenbecher, Weihkessel, Schmuckhalter, Bierseidel mit Goldrändern und Beschlag, Blumenvasen, Flacons, Badepuppen dekoriert, Puppenköpfe dekoriert, Kinderköpfe, Knapenköpfe, Beine und Arme. Schliesslich noch Eiermenagen, Visitenkartenkörbe und Visitenkartenhalter, Zigarrenkörbchen, Löffelkörbchen, Nadelhalter, Kindertassen und Kinderservice.

Man sieht also, dass die Fabrik damals alles, was überhaupt aus Porzellan hergestellt wurde, fabrizierte und eine Spezialisierung auf Geschirr noch in keiner Weise stattgefunden hatte. Lediglich der Artikel, der beim Beginn des Unternehmens eine so grosse Bedeutung gehabt hat, das Pfeiffengeschirr, findet sich nicht mehr im Preis-Courant. Die meisten dieser Gegenstände waren mehr oder minderreich reliefiert oder sonstwie plastisch gestaltet viele auch durchbrochen. Farbige Dekoration ist im Preis-Courant nur in Form von Goldrändern dort angegeben, wo sie in der obenstehenden Aufstellung erwähnt ist.

Es ist vielleicht damals in der Fabrik nur wenig Ware dekoriert worden, weil man die Eigenart der Ware vorwiegend in der Form und vorallem Dingen in der Reliefierung und der plastischen Gestaltung suchte, eine Gestaltung, die einer nachträglichen farbigen Ausstattung ebenso viel Anreiz wie Spielraum bot. Wahrscheinlich widerstrebe es dem Zeitgeschmack diese Schmückung allzu uniform zu gestalten, wie man ja auch mechanische Umdruckverfahren damals noch nicht anwendete. Weil der Verbraucher handgemalte Stücke individueller Prägung zu schätzen wusste und vorzog, mag es die Fabrik für günstig angesehen haben, die weiße Ware im wesentlichen zur Dekorierung der Kunst und der Erfindungsgabe selbstständiger oder doch halbselbstständiger Malereien zu überlassen.

Von diesen Überlegungen her fällt ein besonderes Licht auf die Tatsache, dass der Schwager Christian Reuß sich so frühzeitig als Maler selbstständig machen konnte und dass offenbar auch Christian Äcker lange vor 1839 eine Porzellanmalerei in Hohenberg betrieben hat. Damit in Einklang würde stehen, dass auch der Verbraucher ein ganz besonderes Verhältnis zu der edlen Ware gehabt hat und der Auffassung war, dass jede individuelle Gestaltung des Dekors den Wert der Ware wesentlich erhöhte. Von diesen Erwägungen aus ist auch zu verstehen, warum eine Umfrage der Regierung von Oberfranken im Jahre 1838 bezüglich der Behandlung der Porzellanmalerei gemäss Gewerbegesetz vom 11. September 1825, Artikel 8, Ziffer 1, die von den zuständigen Landgerichten erteilte Antwort ergibt: "Die allgemeine Übung geht dahin, dass die Porzellanmalerei als freie Kunst oder freie Erwerbsart betrachtet werde, für die bisher höchstens ein Lizenzschein erteilt worden sei, die man aber nicht als konzessionspflichtig ansehe." Man wird den Jahreswert der Erzeugung auf 125.000 fl. schätzen dürfen. Die Multiplizierung mit einer noch höheren Zahl dürfte sich wegen des geringeren Preises der zweiten Wahl jedenfalls nicht empfehlen.

Angesichts dieses Umsatzwertes, der sich natürlich seit 1838 erst ganz allmählich entwickelt hatte, ist es nicht mehr so erstaunlich, dass der Wert der Fabrik mit 240.000 fl. angegeben wird. Er ist damit nur doppelt so hoch als der Jahresumsatz oder, anders ausgedrückt, das Kapital wurde in zwei Jahren einmal umgesetzt. Das aber ist angesichts der Tatsache, dass sich auch heute noch das Kapital vieler Porzellanfabriken häufig im Jahr nur einmal umsetzt, durchaus glaubhaft. Man könnte leicht vermuten, dass die Porzellanmanufaktur C.M. Hutschenreuther seit dem Brande vom 1848 von keinem schwereren Rückschlage hätte betroffen werden können, als ihn das Ausscheiden von Lorenz Hutschenreuther und die Gründung einer neuen Fabrik in dem benachbarten Selb bedeutete. Der selbstwillige und vorwärtsstrebende Mann nahm mit sich den Namen und die Erfahrung, nahm mit sich ein Drittel Kapitals und sicherlich sehr gute Beziehungen zu der Kundschaft, nicht zuletzt auch geschulte Arbeiter. Aber allem Anschein nach hat diese Trennung, welche die Stammfabrik in schwere Besorgnisse bringen musste, sich kaum störend ausgewirkt.

Zwar ist nach seinem Ausscheiden die Entwicklung von C.M. Hutschenreuther nicht mehr in dem Tempo vorangeschritten, wie das in dem Zeitraum 1838 bis 1857 der Fall war. Aber das war keine Folge der Trennung sondern eine ganz bewusste geschäftliche Haltung. Ein recht unverfängliches Urteil über die Fabrik ist aus dem Jahre 1872 vorhanden und befindet sich ebenfalls im Staatsarchiv Bamberg. Am 18. Juli 1872 berichtet nämlich der Regierungspräsident Freiherr von Lerchenfeld über eine Inspektionsreise, die er in seinem Kreis unternommen hat. In diesem Bericht heisst es: "In Hohenberg besichtigten wir zunächst die grossartige Hutschenreuther Porzellanfabrik, in welcher zur Zeit 280 Arbeiter beschäftigt sind. Es werden 12.000 verschiedene Nummern grösstenteils bemalt und verziert gefertigt, bis zu wahren Kunstprodukten. Die Fabrik wird gegenwärtig erweitert - Eine Krankenkasse besteht seit längerer Zeit, heuer kam auch eine Pensionskasse zu Stand, zu welcher die Fabrik ein Drittel der Arbeitsbeiträge zuschiesst.

Seitdem im Jahre 1880 Johanna Hutschenreuther sich von der Leitung der Fabrik völlig zurückgezogen hatte, war diese an ihren Sohn Christian und ihre Schwiegersöhne Philipp Auvera aus Würzburg und Heinrich Wolf aus Bischofsgrün übergegangen. Trotzdem die neue Leitung die Fabrik und ihren Absatzkreis zu erweitern verstand und sich mit grossen Geschick den neuen nach 1871 gegebenen Verhältnissen anzupassen wusste, ohne dabei dem Rausch der Gründerjahre zu verfallen, wird man die sechste Periode der Fabrikgeschichte nicht schon im Jahre 1860 als beendet ansehen, sondern bis zum Jahre 1877 zu rechnen haben. Denn es ist ganz augenscheinlich das Signum eines in seiner Art hervorragenden Mannes, dass sich diesem ganzen zwanzigjährigen Zeitraum aufgeprägt hat. Dieser Mann war Philipp Auvera. Er war ein Abkömmling der ursprünglich aus den Niederlanden stammenden Bildhauerfamilie van der Auvera, die in so bedeutendem Maße bei der künstlerischen Gestaltung der fürstbischoflichen Residenz Würzburg mitgewirkt hat. Philipp Auvera hat eine der Töchter von Carl Magnus geheiratet. Was ihn aber, der gelernter Kaufmann war, für das Unternehmen besonders wertvoll gemacht hat, war der Einfluss, den er aus natürlicher Begabung und seiner eigenen Familientradition heraus, auf die Gestaltung der Ware auszuüben vermochte.

In irgendeiner Art wirkte die Begabung seiner Vorfahren in ihm weiter und machte es ihm möglich, mit einem offenbar sehr begabten Modelleur Hand in Hand zu arbeiten. Das nachbiedermeirliche Barock und Rokoko, das natürlich mit den historischen Stilarten gleichen Namens nur entfernt verwandt ist, ähnlich so wie die geschwungenen Mahagonimöbel dieser Zeit, zeigt in der Porzellanherstellung der Firma C.M. Hutschenreuther durchaus persönliches Gepräge in den sehr temperamentvollen Linienführung des Reliefs und zumal der Schnaupen und der Henkel.

So scheint die Periode von 1857 bis 1877 vorallem durch das Schaffen oder den Einfluss dieses Mannes gekennzeichnet. In dieser Periode liegt die Hauptleistung der Fabrik auf dem Gebiet der Formgebung, der reichen Reliefierung und nicht zuletzt der virtuosen Behandlung des Durchbruchs. Philipp Auvera muss auch ein vorzüglicher Lehrmeister gewesen sein, denn was die Hände von Arbeiterinnen damals in der Formung von kleinen Blüten, Blumen und Girlanden geleistet haben, ist um so erstaunlicher, als wir heute nicht nur diese Kunst der Verzierung, sondern auch die Kunstfertigkeit ihrer Herstellung verloren haben. Form und Ornament waren die Gebiete, auf denen die Fabrik damals aus einem unversieglichen Born schöpfen konnte, während in der figürlichen Gestaltung, wie sie in Puppenköpfen, stilisierten Figuren bei Tafelaufsätzen und wohl auch in der Büste von C.M. Hutschenreuther selbst zum Ausdruck kommt, eine letzte Vollendung und Lebensnähe versagt bleibt.

Philipp Auvera hat auch das Ätzen des Porzellans mit Flusssäure, das an die Kunst der Radierung erinnert, zu einem sicher beherrschten Verfahren und einer wirkungsvollen Kunst ausgearbeitet. Es werden ihm auch Verdienste um die Malerei zugeschrieben, ohne dass sich freilich in dieser Hinsicht viel vermitteln ließe.

Die beiden Mitstreiter Christian Hutschenreuther und Heinrich Wolf haben allem Anschein nach das Gewicht ihrer Tätigkeit mehr auf die Seite der kaufmännischen Leitung und des Absatzes der Ware gelegt und zweifellos den Erfolg gehabt, den Markt für die Hohenberger Erzeugnisse stetig zu erweitern.

Nach dem Tode von Christian Hutschenreuther trat im Jahre 1877 sein Sohn Albert Hutschenreuther, der Enkel von Carl Magnus, in die Leitung der Fabrik ein. Sein Wirken, dass bis zum Jahre 1904 dauerte, bezeichnet die siebente Periode in der Fabrikgeschichte. Bei ihm handelt es sich um eine junge, aber ebenso weitsichtige wie unternehmenslustige Kraft. Die im Jahre 1914 geschriebene, aber nicht veröffentlichte Festschrift zum hundertjährigen Bestehen des Hohenberger Unternehmens sagt von ihm: "Er hatte in Limoges, wo damals das feinste Gebrauchsporzellan hergestellt wurde, in verschiedenen Fabriken gearbeitet, und auch in der Königlichen Porzellanmanufaktur zu Kopenhagen hatte er durch längere Tätigkeit seine Fachkenntnisse erweitert. Dazu kamen theoretische Studien und weite Reisen, um seine ausgezeichnete Ausbildung zu vollenden." Die erste Aufgabe, die sich ihm stellte, war technischer Natur. Die umliegenden Wälder konnten dem stetig wachsenden Unternehmen nicht mehr genügend Holz liefern und vorallem Dingen stiegen die Holzpreise ständig. Wenn, wie berichtet, anderswo bereits der Übergang zur Kohlenfeuerung vollzogen war, so hatte man in Hohenberg sich an diese Neuerung nicht herangetraut, weil man eine Beeinträchtigung der Qualität des Erzeugnisses befürchtete. Auch war es natürlich schwieriger eine auf Holzfeuerung eingerichtete Fabrik nachträglich auf Kohle umzustellen, als etwa eine neue Fabrik gleich für diese Feuerung zu bauen. Albert Hutschenreuther gelang es, ohne Störungen der Fabrikation die Öfen für das neue Brennmaterial einzurichten und ein ebenso schönes Porzellan wie bei der Holzfeuerung zu erzielen. Er benutzte böhmische Braunkohle der langflammigen Art und die Kohlen wurden anfangs auf der Achse von Schwarzenbach Saale der damaligen nächsten Bahnstation, später von Selb, herangeholt. Trotzdem wird sich die Kohlenfeuerung nicht unwesentlich billiger gestellt haben als die alte Holzfeuerung. Seitdem die Bahnstrecke Marktredwitz-Eger ausgebaut ist, also seit 1880, werden die Kohlen, wie die anderen Rohstoffe, von der Bahnstation Schirnding angefahren. Hand in Hand mit der Einrichtung der Kohlenfeuerung ging die Einführung des Antriebes der Massemühle und anderer Teile der Fabrik durch Dampfkraft. Dadurch wurde man von der immer unsicher bleibenden Wasserkraft der Eger unabhängig. Beide Neuerungen zusammen ermöglichten es, die erzeugte Menge je Zeiteinheit wesentlich zu steigern und brachten es mit sich, dass man sich von nun ab auf die Herstellung von Gebrauchsgeschirren spezialisierte, eine Besonderung, die Tafel-, Kaffee- und Teeservice, sowie Hotelporzellan zum ausschliesslichen Erzeugnis der Fabrik gemacht haben.

Mit diesen grundlegenden Neuerungen war aber der Aufgabenbereich vor den sich Albert Hutschenreuther gestellt sah, noch keineswegs erledigt. Er legte mehr Wert als seine Vorgänger auf die Kunst der malerischen Dekorierung des Porzellans und dabei kommen die Anregungen, die ihm seiner Limoger Zeit gegeben hatte, stark zur Auswirkung. Aber er geht auch neue Wege. Die obengenannte Festschrift sagt in dieser Beziehung: "Seit jeher ist das schöne Blau, das auf Porzellan in der hohen Temperatur des Glattbrandes durch Kobalt hervorgebracht wird, die Porzellanfarbe gewesen.Schon für das chinesische Porzellan war die Qualität dieses von arabischen Händlern ins Land gebrachte Metalls von der grössten Wichtigkeit für die Schönheit dieser unübertrefflichen Porzellane; der Ruhm der Porzellanmanufaktur von Sevres ist zum grossem Teil an das wundervolle Blau, das mit Recht als "blau royal" (Königsblau) bezeichnet wird, gebunden.

Dieses Blau in hervorragender Ausführung zu liefern, machte sich Hohenberg zur Hauptaufgabe. Lange Jahre dauerten die Versuche, grosse Summen mussten geopfert werden, bis es der zähen Ausdauer Albert Hutschenreuthers gelang, das Kobaltblau herzustellen. Durch fortwährende Vervollkommnung der Fabrikation und durch die langen Erfahrungen steht das Hohenberger Kobaltblau in seinem gleichmässigen Ton, seiner Wärme, Tiefe u. Leuchtkraft heute unerreicht da.

Im Jahre 1891 zählte die Fabrik 425 Arbeiter. Es wurden 298 Doppel-Waggonladungen an Rohprodukten verarbeitet und 528 Waggonladungen Brennmaterial verbraucht. Der Versand an verpackten fertigen Waren betrug 580.000 kg. Im Vergleich zu den früher angegebenen, meist geschätzten Produktionszahlen zeigen diese neuen Zahlen in eindeutiger Weise den erzielten Fortschritt. Wenn es sich bei dem Versand auch um Bruttogewichte handelt, die die Verpackung mitenthalten, so hat sich doch die Leistung je Kopf des Arbeiters auf über eine Tonne, also mehr als zwanzig Zehnter, erhöht und damit ist eine starke Verdoppelung der Leistung noch des Jahres 1856 zu verzeichnen. In dieser Weise hatten sich die Kohlenfeuerung, die Mechanisierung des Betriebs und die Spezialisierung auf Geschirrporzellan ausgewirkt. Die Qualität aber hatte sich nicht verschlechtert, sondern im Gegenteil, wie schon das Beispiel der Kobaltverwendung zeigt, gehoben. Es ist sicherlich der Einfluss von Limoges gewesen, der Albert Hutschenreuther davor bewahrt hat, die Verwilderung der Formen und Dekore mitzumachen, wie sie in den beiden letzten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts mehr oder minder allgemein wurde. Die Ware der Porzellanmanufaktur C.M. Hutschenreuther, wie sie sich damals noch nannte, blieb einer ruhigen Formgebung, der sogar vieles, was Philipp Auvera geschaffen hatte, fremd wurde, getreu und die gleiche Vornehmheit des Stils pflegte sie auch im Dekor. Im Vergleich zum Durchschnitt der gleichzeitigen Porzellanfabrikation konnte deshalb die Ware in geschmackvoller Hinsicht als etwas weltfremd und kühl traditionell erscheinen, aber gerade diese Eigenschaften, die in Wirklichkeit von einem gepflegten Geschmack zeugten, sicherten dieser Ware den Absatz und stellten die Fabrik, die sie erzeugte, in eine Linie mit dem berühmtesten Manufakturen Europas. Das alte Programm von Carl Magnus, ein Porzellan zu erzeugen, das keinem anderen an Güte und Feinheit nachstehe, war beibehalten worden bis zu der von ihm ungeahnten Erfüllung hin, dass es zu den kostbarsten Porzellanen gehörte und - wie gleich hier gesagt werden kann - auch heute noch gehört, die überhaupt erzeugt wurden und erzeugt werden.

Hätte Albert Hutschenreuther nicht die gründliche Ausbildung gehabt, die ihm zuteil geworden ist, und wären bei ihm nicht Begabung und Neigung entsprechend gewesen, so hätte er in jener Zeit des Grossen Aufschwungs sich vielleicht doch damit verführen lassen können, wie so viele andere Fabriken zur Massenfabrikation überzugehen. Dann wäre allerdings immer noch ein Umstand wirksam geblieben, der ihn in dieser Hinsicht hätte bewahren können, nämlich die verkehrsmässig ungünstige Lage von Hohenberg. Als C.M. Hutschenreuther das Unternehmen gründete, bestand natürlich kein Anlass, an Eisenbahnverbindungen zu denken, aber je mehr Eisenbahnen gebaut wurden und je mehr andere Fabriken Gleisanschlüsse erhielten, desto ungünstiger konnte die Lage der Hohenberger Fabrik erscheinen. Es gab nur ein Mittel um diese Ungunst aufzuwiegen: eine Ware herzustellen von solchen Wert, dass ihm gegenüber die frachtlichen Mehrkosten ohne Bedeutung blieben.

Die geschilderte siebente Periode der Fabrikgeschichte würde nur sehr unvollkommen dargestellt sein, wenn man nicht auch das Wirken von Hugo Auvera sen. gedenken wollte. Sein verwandtschaftliches Verhältnis zu Albert Hutschenreuther, dessen Vetter er war, geht ja aus bereits früher Gesagtem hervor. Diese beiden Vettern, Enkel von Carl Magnus, haben bis zum Jahre 1904 einträchtig zusammengewirkt, seitdem im Jahre 1886, nach dem Ausscheiden von Philipp Auvera, der Sohn Hugo in die Leitung der Fabrik eintrat. Sie haben sich in vorzüglicher Weise ergänzt, denn in Hugo Auvera hatte sich die künstlerische Begabung seiner Vorfahren weiter vererbt und ihm ist zu verdanken, dass die Malerei in vorbildlicher Weise gefördert wurde. Während A. Hutschenreuther in erster Linie eine technische Begabung war, der die verschiedenen und seltensten Methoden der Porzellanveredelung vorzüglich beherrschte, war Hugo Auvera derjenige, der diesem technischen Können künstlerischen Ausdruck zu verleihen vermochte. War schon diese Ergänzung eine für das Geschick der Fabrik sehr günstige, so war es darüber hinaus besonders glücklich, dass beide Leiter und Inhaber des Unternehmens tüchtige Kaufleute von festen u. unverbrüchlichen Grundsätzen waren. Diese Eigenschaften haben es ihnen ermöglicht, im In- und Ausland einen Abnehmerkreis zu gewinnen, der sich nicht nur geschäftlich mit ihnen verbunden fühlte. Von Jahr zu Jahr steigerte sich der Ruf der Firma und wenn irgendwo, dann war bei Hohenberg dieser Ruf auf Leistung begründet. Die ganz unverkennbare Achtung die man den Erzeugnissen sowohl wie der geschäftlichen Haltung des Unternehmens entgegenbrachte und bis zum heutigen Tage noch schenkt, ist damals errungen worden und das Erstaunliche ist, dass sie durch allen Wandel der Zeit hindurch als ungeschmälertes, ja vermehrtes Kapital auch in das hunderfünfundzwanzigste Jahr des Bestehens der Unternehmung hinübergetragen werden konnte.

Angesichts dieser Erfolge ist es zunächst ein wenig erstaunlich, dass im Jahre 1904, als Albert Hutschenreuther den Entschluss fassen musste, sich zu entlasten, der Gedanke, das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln, auftauchen und schliesslich verwirklicht werden sollte. Der sicherlich nicht leichte Entschluss, den die beiden Vettern, und Inhaber in jener Zeit zu fassen hatten, lässt sich unmöglich aus der Fabrikgeschichte allein heraus erklären. Es war zunächst nicht so, als ob man aus dem Stamme des Gründers in der jüngeren Generation kein Nachfolger vorhanden gewesen wäre. Schon war einige Jahre hindurch ein Neffe von Hugo Auvera, nämlich Hugo Auvera jun. im technischen Betrieb der Fabrik tätig gewesen. Er besass alle Eigenschaften, um an Albert Hutschenreuthers Stelle zu können und hätte die Fähigkeiten seines Onkels nicht minder gut ergänzen können als Albert Hutschenreuther es selbst getan hätte. Allerdings ein weiterer Träger des alten Namens, der in die Leitung der Fabrik hätte eintreten können, war nicht mehr vorhanden. Vielleicht war das einer der Gründe, die Albert Hutschenreuther bei seinem Ausscheiden den Entschluss der Umwandlung erleichtert haben. Aber man darf nicht vergessen, dass sich auch die Zeiten wiederum gewandelt hatten. Die Epoche des Frühkapitalismus in Deutschland war endgültig vorbei.

Die Wirtschaftsgeschichte schickte sich an, unser Land in die Phase des Hochkapitalismus hinüberzutragen. Es entsprach deshalb dem neuen Geist der Zeit, private Unternehmungen, zumal wenn keine unmittelbaren Erben vorhanden waren, in Kapitalgesellschaften umzuwandeln und dadurch dem Vermögen flüssigere Form zu geben. Der Gedanke, dass man dann selbst ja im Aufsichtsrat des Unternehmens verbleiben könne, wie es Albert Hutschenreuther tatsächlich getan hat, wird auch etwas Verlockendes gehabt haben, wenn dabei vielleicht auch vielfach die Stärke des Einflusses, der noch bleiben konnte, überschätzt werden mochte.

Es wäre aber einseitig, die Änderung der Anschauung nur auf die Seite der Leitung der Unternehmung suchen zu wollen. Auch in der Arbeitschaft hatte sich vieles gewandelt. Wenn wir die frühen Zeiten der bayerischen Porzellanindustrie durchforschen, dann wird man auch auf besondere Eigentümlichkeiten im Verhältnis der Gefolgschaft zur Leitung und im Verhältnis der Gefolgschaftsmitglieder untereinander stossen. Schon das früher gebrachte, von Lorenz Hutschenreuther unterzeichnete Attest zeugt in mannigfacher Hinsicht von der Verbundenheit der Fabrikbesitzer und der Mitarbeiterschaft. Es war tatsächlich ein ganz unbestrittenes Ziel, den Mitarbeitern, die sich damals selbst noch Fabrikanten nannten, sobald sie ihre Lehre aus hatten, eine gesicherte Lebensstellung zu bieten. Da diese Sicherung aber vom Gedeihen des Unternehmens abhing, waren sie auch selbst mit ganzer Seele dabei, die Leistung des Unternehmens zu steigern. Weniger im Sinne der mengenmässigen Leistung, umso mehr aber im Sinne der Güte des Erzeugnisses. So bestand zwischen Besitzern und Leitern einerseits und den Mitarbeiter aller Kategorien andererseits in der Regel eine sehr weitgehende, enge Solidarität und ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis. Die persönlichen Beziehungen überwogen die sachlichen bei weitem.

Die ausgelernten Arbeiter betrachteten sich mit Recht als eine Schicht besonderen Vorzugs und Rechts und wahrten diesen Anstand gegenüber den Lernenden auf das nachdrücklichste. Die durchschnittliche Lehrzeit für die verschiedenen Sparten der Tätigkeit betrug vier Jahre. Von diesen vier Jahren konnte das letzte Vierteljahr nachgelassen werden, wenn die Führung des Lehrlings ebenso tadellos gewesen war wie seine Leistung. Aber es genügte, den Lehrling um den Vorzug dieser Kürzung zu bringen, wenn er von einem Ausgelernten in einer Wirtschaft oder beim Rauchen oder sonst irgendeiner Erholung betroffen wurde, die sich für ihn nicht ziemte. In einem solchen Falle lag es im Belieben des Entdeckers einen solchen Fehlgriffs, entsprechende Meldung zu machen und damit unweigerlich die oben angegebene Folge herbeizuführen. Es war deshalb ausgeschlossen, dass die Lehrlinge in Hohenberg selbst eine Wirtschaft besucht hätten. Aber auch wenn sie draussen auf den Dörfern einmal getroffen wurden, dann mussten sie weh- und demütig die Nachsicht desjenigen anrufen, der sie überrascht hatte. Die wurde vielleicht gewährt, die Erlaubnis dagegen weiter in der betreffenden Wirtschaft zu bleiben, nie. Ähnliche strenge Gliederung und Abgrenzung gab es zwischen den verschiedenen Graden der Ausgelernten. Auch sie mussten im unverbrüchlicher Weise beobachtet werden.

Man würde aber fehl gehen, wenn man die "Fabrikanten" und die Schmelzmaler" als allzu ernste und wenig lebensfreudige Leute ansehen wollte. Es gibt im Gegenteil genügend Beweise, dass sie für Frohsinn und Spass aufgeschlossen waren. Am 27. Dezember 1904 geschah die Umwandlung in die Aktiengesellschaft; die Eintragung in das Handelsregister Hof erfolgte am 9. Februar 1905. Die Höhe des Aktienkapitals betrug 750.000 RM. Die Zahl der Beschäftigten wird für damals mit 375 angegeben. In dieser Hinsicht war also gegenüber dem Jahre 1891 ein Rückgang zu verzeichnen, der aber nicht als Rückgang der Produktion aufgefasst werden kann, weil sich in der Zwischenzeit die Fabrikationsmethoden noch erheblich verbessert hatten und die Einrichtung der Fabrik immer zweckmässiger gestaltet worden war. Der Jahresversand nach Gewicht ist für das bedeutsame Jahr 1904 leider nicht feststellbar, wohl aber der Wert dieses Versandes; er war genau so hoch, wie das Aktienkapital, das also damals einmal im Jahr umgesetzt wurde. Dieser Umstand lässt gegenüber früheren Verhältnissen ohne weiteres auf eine Steigerung der technischen Leistungsfähigkeit schliessen.

Direktoren der Gesellschaft wurden Hugo Auvera sen. und Hugo Auvera jun., die beiden sowohl aus der Geschichte des Unternehmens wie aus ihrer persönlichen Befähigung und Begabung heraus für diese Stellung eindeutig vorbestimmt erscheinen. Hugo Auvera jun. bemühte sich mit Erfolg um die weitere technische Ausgestaltung der Fabrik und baute eine neue Massemühle, die die Leistungsfähigkeit des ganzen Betriebes erhöhte und den Fertigungsgang wesentlich abkürzte. Beide verstanden es auch im hervorragendem Maße, die alten Beziehungen zu der Kundschaft weiter zu pflegen. Auch unterlagen sie nicht der Versuchung, zur Massenfabrikation überzugehen; das Unternehmen blieb auch als Aktiengesellschaft ein streng in sich geschlossener Betrieb, der von seinen Leitern bis ins kleinste übersehen werden konnte und indem die persönlichen Beziehungen bei weitem nicht zu stark durch die "Versachlichung" verdrängt wurden, wie das bei Betrieben, die mehr Organisationen als organisch gewachsene Gebilde sind, allzu leicht der Fall ist. Dass die Fabrik diesen Charakter bewahrt hat, ist ihren Erzeugnissen zugute gekommen, bei denen es zwar auf Vielerlei, zuletzt aber doch auf den Geist der Zusammenarbeit ankommt. Es können eine Reihe von äusseren Zeichen für das Fortleben dieses Geistes aufgezeigt werden. Die Betriebskrankenkasse blieb erhalten und besondere Unterstützungskassen wurden eingerichtet, die Erwerbung von Eigenheimen und Gärten wurde erleichtert und auch in anderer Hinsicht wurde getan, was möglich war, um der Gefolgschaft die Last der Lebenssorgen nach Kräften abzunehmen. Man kann sagen, dass in jeder Beziehung der Wille des Gründers lebendig blieb, sowohl in Bezug auf die Sicherung der Existenz aller Mitarbeiter wie in Bezug auf das Fabrikationsprogramm. Auch weiter blieb das Bestreben, eine Ware herzustellen, die an Güte keiner anderen nachstand. Eine über alle Erwartungen hinausgehende Erfüllung fand dieses Programm dann in der folgenden 9. Periode der Fabrikgeschichte, seitdem Louis Schilling, der am 1. Juli 1909 in die Firma eingetreten war, Vorstandsmitglied und Leiter des Unternehmens wurde.

Wenn also in Hohenberg und auch in Arzberg der alte Charakter der solidarischen Zusammenarbeit auf ein durch die Überlieferung gegebenes Ziel hin so weit gewahrt wurde, als die neue Zeit es nur erlaubte, so zwangen die Verhältnisse doch zu einer Erweiterung des Unternehmens. Wenn man auch nicht sagen kann, dass die Hohenberger Fabrik nur Ware für den Verbraucher mit höheren Einkommen herstelle - sie tut das so wenig und so viel wie jede andere Fabrik ihres Ranges - so konnte sie natürlich mit der im neuen Jahrhundert immer breiter werdenden Massenfabrikation von Porzellangeschirr nicht im Wettbewerb treten und hat, wie wir gesehen haben, zu ihrem eigenen Heil auch nie Versuche in dieser Hinsicht übernommen. Aber inzwischen hatte sich doch auf dem Gebiet der Absatzwege manches geändert. Im In- und Ausland hatten sich die Warenhäuser durchgesetzt und damit das Spezialgeschäft von Rang gezwungen, zur Festhaltung der Kundschaft auch die billigere Gebrauchsgeschirre zu führen, die preiswert genug nur in einer zweckdienlich aufgebauten Massenfabrikation hergestellt werden kann.

Bei dieser Lage der Dinge war der einzige Ausweg, dem Unternehmen auch eine Fabrik anzugliedern, die stärker auf Massenfabrikation eingestellt war. Die Form der Aktiengesellschaft erleichterte die Durchführung einer solchen Absicht und C.M. Hutschenreuther folgte dem Zug der Zeit und schloss sich damit einem Geschehen an, dass in der Porzellanindustrie seit dreißig Jahren allenthalben zu beobachten ist. Mit besonderer Berücksichtigung der für die Firma seit alters so wichtigen Exportinteressen erwarb man im Jahre 1909 die grosse Porzellanfabrik M. Zdekauer in Altrohlau bei Karlsbad. Damit hatte man sich einen Betrieb angegliedert, der, obwohl im Ausland gelegen, doch die zusätzliche Versorgung des Kundenkreises mit Ware in billigeren Preislagen ermöglichte. Auch die nach dem ersten Weltkrieg eingetretene enge Verbindung mit der Porzellanfabrik C. Thielsch & CO. in Altwasser (Schlesien) ist aus der gleichen Einstellung zum Markt heraus zu erklären. Die durch diese Erwerbungen und Beteiligungen gekennzeichnete marktorientierte Ausweitung fand ihre Vollendung durch die Errichtung einer besondreren Malerei in Dresden, wo seit alters eine hohe Kunst der Porzellanschmückung zu Hause ist, und durch die Errichtung der Zahnfabrik in Radeberg. Insgesamt beschäftigte der Konzern um dessen Aufbau sich Hugo Auvera jun. und Louis Schilling besonders verdient gemacht haben, 1939 rund 2.300 Gefolgschaftsmitglieder.

Diese vorletzte neunte Periode, ist gekennzeichnet durch die Persönlichkeit von Louis Schiling, seit dem Ausscheiden von Hugo Auvera jun. Vorsitzender des Vorstandes der Unternehmung. Die Zahl der Beschäftigten stieg in Hohenberg auf 450. Im Jahre 1938 hatte die Fabrik einen Jahresversand von 650.000 Kilogramm, also von 650 Tonnen und der Wert dieses Versandes betrug 1.330.000 Mark. Das bedeutet gegenüber 1904 eine wertmässige Steigerung von 77 Prozent.

Angesichts dieser Zahlen wendet sich unser Interesse zunächst der Erzeugnissteigerung zu, berechnet auf das Gefolgschaftsmitglied. Bei der letzten Erörterung dieser Kopfleistung hatte sich - für das Jahr 1891 - etwas mehr als eine Tonne ergeben. Im Jahre 1938 ist diese Leistung auf fast 1,48 Tonnen oder beinahe dreissig Zehnter gestiegen. Dieser Vergleich ist deswegen so besonders interessant, weil er zeigt, in welcher Weise die bessere Organisation des Leistungsvollzuges und die Verbesserung der Produktionsmittel und des Erzeugnisapparates eine Erhöhung der erzeugten Menge ermöglicht haben, selbst dort wo man die Güte des Erzeugnisses nicht nur bewahrt, sondern noch erhöht hat.

Die oben genannten Zahlen ermöglichen noch einen anderen Vergleich, der aufschlussreiche Einsichten zu bringen vermag. Der Durchschnittspreis pro Tonne hat für den Versand der Hohenberger Fabrik im Jahre 1938 rund 2000 RM betragen. Demgegenüber steht zum Vergleich die Zahl, die den Durchschnittspreis des Porzellanversandes aller deutschen Geschirrfabriken mit 1160 RM angibt. Man sieht, wie hoch, auch am Preis gemessen, das Hohenberger Produkt über dem Durchschnitt steht. Wenn damit die Erzeugung der Hohenberger Fabrik qualitativ so stark über dem Durchschnitt liegt, dann ist für die Spitzenleistungen der Fabrik anzunehmen, dass sie zu den allerwertvollsten Porzellanen gehören, die überhaupt in der Welt hergestellt werden.

Es ist der Verdienst von Loius Schiller, die Güte und Leistung in jeder Weise gesteigert und das Ansehen der alten Firma vermehrt zu haben. Seine ruhige, kaufmännisch vornehme und zuverlässige Art haben ihn auch die alten Traditionen in den Beziehungen zur Kundschaft weiterpflegen lassen. Die kriegerischen Ereignisse in all den Jahrzehnten seit Gründung der Hutschenreuther Porzellanfabrik konnten deren Entwicklung nicht wesentlich beinträchtigen. Wohl waren dem Export mehr oder weniger Schranken gesetzt, die Produktion selbst aber blieb intakt.

Die zehnte und bisher letzte Periode, deren Beginn wir in das Jahr 1945 legen dürfen - sollte hier eine tiefe Veränderung bringen. Mit dem Städtchen Hohenberg wurde durch mehrtätigen Artilleriebeschuss im April 1945 auch das Werk stark in Mitleidenschaft gezogen; nach dem Wiederaufbau vernichtete im Jahre 1946 ein Brand erneut grösstenteils die Fabrikgebäude.

Der unglückliche Kriegsausgang mit der folgenden Abtrennung der Ostgebiete brachte weiter den Verlust der angeschlossenen grossen Werke bei Karlsbad (Altrohlauer Porzellanfabriken), in Schlesien (C. Thielsch & CO.) und der sächsische Kunst- und Zahnabteilung. In dieser turbulenten Zeit war es für die Porzellanfabrik C.M. Hutschenreuther ein besonderer Glücksfall, an der Spitze eine starke Persönlichkeit gefunden zu haben, die mit seltener Tatkraft zielbewusst die Aufbauarbeit leitete. Direktor Werner Heckmann war seit 1922 in der Zentralverwaltung des Gesamtunternehmens in Dresden tätig, die er 1937 übernahm. Ausser der Leitung der Zentralverwaltung und der sächsischen Betriebe war dem bewährten Wirtschaftler im Jahre 1941 auch die persönliche Leitung der bayerischen Unternehmungen übertragen worden, da in diesem grössere Ausbauten vorgesehen waren. Trotz grosser Schwierigkeiten gelang der Wiederaufbau in verhältnismässig kurzer Zeit, so dass die Firma in Hohenberg in Bezug auf Transportmittel und Arbeitsplätze eine modernste eingerichtete Fabrik mit Sanitätsraum und Bestrahlungsmitteln usw. ist. In Arzberg wurde ein bedeutender Tunnelofenbetrieb (zwei Tunnelöfen mit Generatorenanlage), der zum Teil mit Fliessband arbeitet, errichtet.

Die Zerstörung der Dresdner Zahnfabrikanlagen und die Enteignung des Restes dieser Werke in Sachsen führte bereits 1945 dazu, in Arzberg eine Fabrik zur Herstellung künstlicher Zähne zu errichten. Damit ist auch in Bayern die erste Porzellanzahnfabrik von Weltgeltung geschaffen.

Eine von Hutschenreuther in Deutschland zuerst entwickeltes, inzwischen unter der Markenbezeichnung Neo-Novophan weltbekannt gewordenes Zahnsystem aus hochtransparenten Schmelzmassen in Verbindung mit einem besonders harten, untransparenten Spezialporzellankern hat sich in allen Kreisen der Praktiker und Patienten grösste Beliebtheit erworben. Als erste fabrikmässige Herstellerin von Zähnen aus Kunststoffmassen auf Acrylbasis in Europa hat die Firma eine weitere epochenmachende Erfindung inzwischen in die Praxis umsetzen können. Auch an der Errichtung einer kleinen Wäscheknopffabrik (Alca-Knopffabrik, Arzberg) hat sich die Firma nach Kriegsende zwecks Beseitigung dieses besonderen Engpasses beteiligt.

Dem Porzellankenner schweben bei Erwähnung der "ältesten Hutschenreuther Porzellanfabrik" in Hohenberg die in ihrer Eigenart einzigartigen Tafel-, Kaffee- und Teeservice, Vasen, Schalen und Dosen in hervorragenden Kobaltdekorationen mit Goldätzkanten und vollendeter Handmalerei vor, welche im vergangenen Jahrhundert und auch heute noch zu den Prunkstücken mancher fürstlichen Tafel und vieler zehntausender bürgerlicher Haushalte gehören. Die Kobalterzeugnisse dieser Firma sind auf diesem Gebiet in der ganzen Welt wohl unübertroffen.

Auch moderne Formen werden seit vielen Jahren gepflegt und besonders in Servicen und Geschenkartikeln neuzeitliche Dekorationsarten, die dem modernsten Geschmack Rechnung tragen, hervorgebracht. Auffallend sind hier glattlinige Vasen, Dosen und Tischschalen, auf welche von Künstlerhand seidenartig wirkende Glasuren, Fonds und Blütenzweige hauchartig in reiner Handmalerei gelegt werden. Auf dem Gebiet der Unterglasur-Kobaltdekoration bringt die Firma nach eigenen Entwürfen seit vielen Jahrzehnten Servicedekorationen, die an die holländische Manier erinnern und in den nordischen Staaten besonders gefragt sind, hervor.

Feuerfeste Kochgeschirre in gefälligen, von dem Üblichen abweichenden Zweckformen nach Entwürfen von Prof. Wagenfeld eignen sich sowohl für den Gebrauch auf dem Herd als auch unmittelbar auf dem Tisch jedes guten Haushalts. Dentalporzellane, wie sie vom Zahnarzt als hitzebeständig und ohne Bruchgefahr sterilisierbare Mundbecker, Ablageschalen, Mörser, Sterilisierungsbehälter u.a.m. benötigt werden, wurden nach dem Kriege aufgenommen.

Das Programm von C.M. Hutschenreuther, ein Porzellan herzustellen, dass keinem anderen an Güte und Feinheit nachstehe, ist mehr als erfüllt worden. C.M. Hutschenreuther-Porzellan bedeutet seit langem eine Weltmarke und gehört zu jenen deutschen Markenwaren, die organisch zu ihrem Rang herangewachsen sind. Diese Marke ist ein Aktivum für die deutsche Wirtschaft und wird auch in Zukunft ihre volkswirtschaftlich wichtige Aufgabe erfüllen. Dass diese Erfolge möglich waren, beruht auf der alten Tradition und in dem Willen des Gründers, der durch alle Nachfolger hindurch weitergewirkt hat. Und wenn die Leiter des Unternehmens hohe Anerkennungen gefunden haben, so soll dabei nicht vergessen werden, dass der Weg und die Erfolge von C.M. Hutschenreuther nur möglich waren, weil ein Geist die Arbeitsgemeinschaft beseelt hat und weil sich die Fähigkeit aller Mitarbeiter von Generation zu Generation steigern konnte. Ein solches Wachsen der Kräfte im Ganzen und in jedem Einzelnen aber ist nur dort möglich, wo ein starker Wille ein grosses Ziel gesetzt hat, wo die Tat des Gründers als dauerndes Vorbild lebendig ist.

So hat die Porzellanfabrik C.M. Hutschenreuther AG Hohenberg a. d. Eger mit einem breiten Arbeitsgebiet die Hoffnung, auch über die kommenden, sicher nicht leichten Zeiten durch den Fleiß ihrer Belegschaft und das reiche Ideengut ihrer Techniker weiter fortzuschreiten und den von ihr besonders gepflegten Export mit Erfolg durchzuführen. Mit der nun abgeschlossenen Entwicklung des Hauses Hutschenreuther sollte mehr als nur die Geschichte einer Familie aufgezeigt werden. Schon die Überschrift unserer Artikelfolge "Hohenberg - Wiege des bayerischen Porzellans" erklärt, welche Bedeutung der Pionierarbeit Carl Magnus Hutschenreuthers und seiner Nachfolger beizumessen ist. Eine Parallele zu dieser Abhandlung bildet die Carl Schumann Porzellanfabrik und die aus ihr weiter entstandenen Werke. In den verflossenen Jahrzehnten erwuchs aus kleinsten Anfängen heraus eine Industrie, deren Erzeugnisse weltbekannt wurden. Sie allein schuf auch die Voraussetzungen für die Entwicklung früher unbedeutender Marktgemeinden, ermöglichte Auf- und Ausbau anderer Gewerbezweige und legte den Grundstock zu kulturellem Leben. Wenn man heute von Arzberg als der zweitgrössten Porzellanstadt Deutschlands spricht, so wollen wir der sorgenvollen Arbeit und des Mutes der Begründer dankbar gedenken. Möge ein gütiges Geschick, das weiße Gold weiterhin in alle Welt strömen und in Frieden von deutscher Wertarbeit künden lassen.

[1] Sechsämterland Zeitschrift Die Heimat in der Vergangenheit und Gegenwart Nummer 14 Arzberg, den 11.November 1950 Jahrgang 1

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