Ausstellung Arzberg Porzellan 2004

Arzberg präsentierte in der Zeit vom 19. Juni bis zum 17. September 2004 die SKV- Arzberg-Porzellanfabrik GmbH und die Stadt Arzberg in der Halle und im Sitzungssaal des Rathauses Arzberg die Ausstellung 50 Jahre Form „Arzberg 2000“. Der Name Porzellanfabrik Arzberg steht seit Jahrzehnten für Design, Ästhetik und Qualität. Arzberg hat immer die Formgebung seiner Produkte in den Mittelpunkt seiner Unternehmenspolitik gestellt. Mit dem Blick auf zukünftige Entwicklungen und Trends wird der Stil der jeweiligen Zeit nicht nachempfunden, sondern mitgeprägt. Diese so entstandenen Linien, die über Jahre hinweg durch ihr zeitloses Niveau ihren Erfolg unter Beweis stellen, werden konsequent verfolgt. Die Designkompetenz von Arzberg drückt sich in der Umsetzung von hohen optischen und zugleich funktionalen Werten aus. Dieser Maxime folgend entstand Porzellan unter den Gesichtspunkten wie Zweckmässigkeit, Gebrauchsnutzen und Qualität, verbunden mit hohen Ansprüchen an Design und Ästhetik. Entwerfer und Gestalter, die dieser Richtung folgten, schrieben an der Erfolgsstory von Arzberg entscheidend mit. So Hermann Gretsch, Hans-Wilhelm Seitz, Matteo Thun-Hohenstein, Dieter Sieger, Michael Sieger und Heinrich Löffelhardt- um nur wenige zu nennen. 1954 hat Heinrich Löffelhardt die Form 2000 für Arzberg entworfen, die im gleichen Jahr mit der Goldenen Medaille  der X. Triennale, Mailand ausgezeichnet wurde. 1998 wurde diese Form zur Ambiente in Frankfurt wieder eingeführt. Arzberg setzt mit dem Relaunch des erfolgreichen Konzepts auf seine Kompetenz im Bereich der designorientierten Formenklassiker. Sehr puristisch wirken die klaren, schlichten Konturen der Form 2000 in reinem Weiss.

Erstmals Ende der sechziger Jahre fiel auch die Wahl des Bundeskanzleramts in Bonn für Konferenzgeschirr auf die Form 2000. Sie erhielt für diesen Zweck einen edlen Sonderdekor: Goldene Ränder und die goldene Vignette des Bundesadlers. Im Jahr 2001 liess das Bundeskanzleramt in Berlin sein Konferenzgeschirr erweitern und bezog weitere Artikel dieser Sonderanfertigung. Treffen so hohe Design- und Qualitätsansprüche einer Firma auf Personen wie die Eheleute Morris, so ist fast zwangsläufig eine Ausstellung die Folge. Die Familie Morris, er Engländer, sie Deutsche, wohnhaft im Nahbereich Münchens, haben ein besonderes Hobby, alles was den Namen „Arzberg“ auf der Bodenseite des Stempels trägt, wird gekauft und gesammelt. Grenzenlose Leidenschaft für das „Weisse Gold“ aus Arzberg mit dem Namen Arzberg dürfte wohl zu einer der grössten Sammlungen dieser Art geführt haben: Tim Morris schätzt sie selbst auf 14.000 Exponate ein. Herausragende und einmalige Stücke dieser Sammlung wurden im Arzberger Rathaus gezeigt. Tim C. Morris – Ein leidenschaftlicher Arzberg - Er ist leidenschaftlicher Sammler, Experte in deutscher Design-Geschichte und knallharter Kritiker der bayerischen Staatsregierung: Tim C. Morris hat gemeinsam mit der Arzberg-Porzellan GmbH die Ausstellung zum 75. Jubiläum der Form „1382“ konzipiert und zieht nun eine Zwischenbilanz. ARZBERG – Tim C. Morris bevorzugt selbst geometrisches Dekor. Beim Frühstück ist „Profi“ angesagt; unter der Woche mag er ganz gerne „Move“. Am liebsten benutzt er aber „1382“ in der Farbe Weiss, und derzeit testet er die Kanne aus der Kollektion „2006 Peter Schmidt“. Die Qual der Wahl bringt so ein Sammlerleben eben mit sich. „Gäste dürfen sich ein Jahrzehnt auswählen, und ich bringe dann das passende Geschirr auf den Tisch“, freut sich Tim C. Morris. Bei 17 500 Porzellanobjekten ist das ein Leichtes – obwohl der Grossteil besonders wertvolle Einzelstücke sind und nicht mehr zur Verwendung kommen. Seit 1995 hat der gebürtige Brite die weltweit grösste Privatsammlung von Arzberg-Porzellanen aller Epochen zusammengetragen. Auf einem Münchner Flohmarkt entdeckte Morris ein Stück des Designers Heinrich Löffelhardt und war sofort infiziert, kaufte hier und da Einzelteile zusammen und bekam auch zur Hochzeit eine Porzellandose geschenkt. „Einmal habe ich alle Stücke umgedreht und mich sehr gewundert, dass sie von der identischen Firma stammten.“ Von dem Moment an war seine unstillbare Neugierde an Arzberg-Porzellan erwacht. Rote Punkte wie auf den Petticoats junger Damen zieren einen Unterteller. Grünliche Magnolien sind auf einer Terrine zu sehen. Blaue Blümchen, bunte Längsstreifen und goldene Zierden sind auf den Tassen dekoriert. Florale Variationen im bäuerlichen Stil und Mosaikmuster in Grautönen verschönern Eierbecher. 10 000 Dekore hat Morris in seiner Datenbank erfasst, datiert und belegt. „Farben, Formen und Muster der fünfziger Jahre haben mich immer interessiert“, erinnert sich Morris. Mit Designgeschichte befasste er sich nicht erst nach dem Studium der visuellen Kommunikation in Oxford. Auch während er eine Design-Agentur in London betrieb, war der Grafiker und Fotograf von den farbenfrohen weichen Linien dieser Periode fasziniert. „Als ich dann auf Arzberger Suppentassen stiess, wollte ich mehr wissen. So etwas war bei uns in Grossbritannien völlig unbekannt.“

Internet erleichtert heute die Suche

Tausende von Flohmärkten klapperte Morris ab. Das Internet mit seinen elektronischen Auktionshäusern erleichtert ihm heute die Suche deutlich. „Das ist längst kein Hobby mehr, vielmehr dient das der wissenschaftlichen Erforschung und lückenlosen Dokumentation der Firmengeschichte“, erläutert der 46-Jährige. Jede freie Minute verbringt der heute in München lebende Sammler vor dem Computer, geduldig sucht er nach Fundstücken und kauft sie weltweit auf. Die Porzellanserien des 19. Jahrhunderts existieren nur im Ausland, produzierte die Manufaktur Arzberg bis zum Ersten Weltkrieg doch 95 Prozent Exportware. Da die Porzellanindustrie in der Region damals boomte, hatte sich das Unternehmen einen Nischenmarkt erschlossen. Grossaufträge aus Übersee sicherten teilweise 15 Jahre im Voraus die Existenz der Mitarbeiter. Aus Österreich und der Schweiz, aber auch aus USA, Kanada und Australien holt Morris nun die seltenen Stücke zurück nach Deutschland. „Derzeit bin ich an einer handbemalten Kaffeekanne in New York dran. Und erst kürzlich kam eine runde Butterdose an, die ich gleich in die Ausstellung aufnehmen konnte“, sagt Morris und zeigt in eine hell erleuchtete Vitrine. Im Europäischen Industriemuseum Selb läuft derzeit eine Ausstellung, die dem Designer Hermann Gretsch gewidmet ist, seine bahnbrechende Arbeit für Arzberg Porzellan dokumentiert und ehrt. Vor 75 Jahren entwarf er die so genannte Form „1382“ und leitete damit eine neue Epoche in der Porzellangestaltung ein: Im Gegensatz zu dem bis dahin vorherrschenden ornamentalen und barocken Prunk setzte Gretsch auf kompromisslos schlichte und klare Formen, die zweckmässig den Bedürfnissen des modernen Lebens angepasst waren. Sein Industrie-Design war zeitlos gestaltet, setzte auf neue (funktionale und zugleich ästhetische) Akzente bei den Geschirrformen und eine harmonische Abstimmung der Service. Dank des Design-Pioniers verschwanden die Schnörkel von Tisch und Tafel. Gretschs Tischkultur zelebrierte durchdachte Proportionalität und zeitbeständige Dekore nach dem Motto: modern, aber nicht modisch. „Mit ,1382’ hat Gretsch einen einzigartigen Design-Klassiker des Gebrauchsporzellans geschaffen“, schwärmt Arzberg-Experte Tim Morris. Der Grundstock der Arzberg-Linie sei damals gelegt worden, die intergenerative Attraktivität halte bis heute an. Nicht umsonst führt die Arzberg-Porzellan GmbH dieses Produkt nach wie vor erfolgreich und kontinuierlich im Sortiment. Um so wichtiger sei es, „Arzberg 1382“ zu erforschen und zu bewahren. „Dies ist nicht nur ein Stück bedeutender oberfränkischer, sondern auch bayerischer Historie. Ich gehe soweit zu sagen, dass es sich um Welt-Design-Geschichte handelt“, weiss Morris, der die Exponate zur Verfügung gestellt und gemeinsam mit der Firmenleitung die Jubiläumsausstellung koordiniert und konzipiert hat. Die Firmengeschichte sei einmalig; in der deutschen Porzellanindustrie finde sich kein zweites solches Beispiel. Den Auftrag, kulturelles Wissen zu bewahren und zu dokumentieren, hat Morris für sich verinnerlicht. „Wenn ich das jetzt nicht tue, sterben die Zeitzeugen aus. Also habe ich die Aufgabe, dieses Stück einzigartige Wirtschaftsgeschichte vor dem Vergessen zu retten.“Neben Arzberg-Erzeugnissen sammelt Morris Briefe, Muster- und Dekorbücher, Werbeplakate, Fotos, Dias, Skizzen, Gipsmodelle und Fabrikunterlagen. Viele ehemalige Mitarbeiter sind seine Bezugs- und Informationsquelle – meist jedoch nur ältere Generationen, die noch stolz auf das Handwerk sind. „Junge Leute hingegen sind nicht gut auf das Thema Porzellan zu sprechen. Sie haben ihre Arbeitsplätze verloren, stehen in dieser Region vor einer hoffnungslosen Zukunft.“

Verärgert über Staatsregierung

Verärgert sei er, Morris, daher über die bayerische Staatsregierung, die dieses wichtige Stück bayerischer Kultur schlichtweg ignoriere. Morris: „München interessiert sich nicht für Oberfranken, und das ist eine Schande. Die Landesregierung hält sich mit Subventionen total zurück und tut auch sonst seit dem wirtschaftlichen Zusammenbruch nicht viel für die Region.“ Dabei habe Arzberg-Porzellan dem Land einen weltweiten positiven Ruf eingebracht – dieser Triumph zähle aber heute wohl nichts mehr. Meinungsführer, Medien und Kultureinrichtungen handeln seiner Meinung nach ähnlich verantwortungslos. „Im Museum of Modern Art in New York ist das Gretsch-Design aufgenommen worden, in der Neuen Pinakothek in München ist von Arzberg weit und breit nichts zu sehen“, sagt Morris – er klingt verbittert und erzürnt zugleich. Es sei Schwerstarbeit, die Menschen für diese grosse Design-Sammlung zu begeistern, gerade auch weil überregionale Medien dies für nicht erwähnenswert hielten. „Wenn aber ein Bauer zwei Stühle vor seine Scheune stellt, dann ist das Kamerateam des Bayerischen Rundfunks gleich zu Stelle.“ Die Ausstellung Hermann Gretsch – 75 Jahre Arzberg 1382. Die gute Form für jeden Tag war im Europäischen Industriemuseum für Porzellan in Selb-Plössberg von 3. Oktober 2006 zu sehen.