Kunsthafnerei Stöhr Arzberg

Damals nun machte schon einmal die Keramik den Versuch, an Stelle der verschwindenden Eisenindustrie hier Boden zu fassen. Bei dem Reichtum an (freilich sehr verschiedenwertigem) Ton rings in Arzbergs näherer und weiterer Umgebung - besonders östlich von Bergnersreuth - gab es schon lange Hafner und Töpfer in Arzberg. Ein Hafnermeister Stöhr war auch schon bald nach dem Dreißigjährigen Krieg Bürgermeister. Nun aber erscheint 1719 ein Glied dieser Familie als „Kunsthafner". Diese Kunst- keramik, die im Hause Rathausstraße 6 ausgeübt wurde, stand dann durch mehrere Generationen in Blüte. Sie wäre einmal einer besonderen Untersuchung würdig.

 
Zur Kunsthafnerei hat Johann Stöhr, der 1755 im Alter von 73 Jahren starb, sein Handwerk gefördert. Sein 1719 geborener Sohn, Georg Andreas, der 1771 starb, brachte es auf den Höhepunkt. Besonders gerühmt wurde ein Werk aus dem Jahr 1753 — „drei überaus künstliche Öfen mit vielen kleinen Figuren — alles bossiert (= modelliert) — . ., die hernach auf Regensburg geführt" wurden. „Er arbeitete das meiste aus freier Hand ohne Form und so zart, daß es ein anderer nicht abdrucken kann." Wenn diesem Bericht dann angefügt wurde: „Seine Söhne wissen aber diese künstliche Arbeit nicht fortzusetzen", so ist dabei zweifellos eine Verwechslung mit seinem Sohn unterlaufen. Dieser, Georg Eberhard, der 1743 geboren wurde, übte di« Kunst seines Vaters weiter. Er starb dann allerdings 1801, ohne daß sein Sohn auch nur das Hafnerhandwerk fortgesetzt hätte. Von Georg Eberhard Stöhr erfahren wir mehr aus dem Reisebuch des Registrators Koppel vom Jahre 1794. Dieser erzählt:
 
„[Stöhr] verfertigt nicht nur gute Haushaltungsgeschirre, sondern auch schöne Vasen, zierliche Blumentöpfe, antike Leuchter, Öfen, die bis nach Frankfurt versendet wer- den. Was diesen irdenen Arbeiten einen vorzüglichen Wert gibt, das ist ihre schöne, dauerhafte Goldglanzglasur, mit der sie überzogen sind. Da aber der Meister seine Kunst sehr geheimhält, sie keinem seiner Gesellen mitteilt, sonach sich ganz allein damit abgibt, so kommt es auch, daß er nicht genug fördern kann und bei aller seiner Geschicklichkeit mit seinem Geheimnis arm bleibt. Würde er seine Profession ins Große treiben und fremde Messen beziehen, so dürften seine goldirdenen Töpferarbeiten dem feinsten Porzellan vorgezogen wer- den und als Seltenheiten außerordentlichen Abgang finden. Er formt auch ganz artige Figuren, unter denen mir die Böhmischen Bauern, welche die Stelle der Leuchter vertreten, von allen übrigen am besten gefallen haben."

 Die Arzberger Töpfer Stöhr

  • Michael Stöhr, Hafner zu Arzberg (geb. 1619, gest. 1633)
  • Georg Stöhr, Bürgermeister und Hafner (1603-1675)
Wilhelmstrasse 1
  • Lorenz Stöhr (1651-1695) Johann d. Ä., Kunsthafner (1682-1755
  • Georg Andreas Stöhr, Kunsthafner (1718-1771)
  • Georg Eberhard, Kunsthafner (1743-1801)
  • Christ. Joh. Pet. Siegmund Stöhr (1777-1834)
Rathausstrasse 13
  • Eberhard Stöhr (1657-1708)
  • Johann d.J. Stöhr (1686-1750)
  • Johann Georg Stöhr (1717-1776)
  • Johann Christian Stöhr (1745-1829)
  • Johann Andreas Stöhr (1784-1820)