Porzellanindustrie Markt Schirnding
Markt Schirnding
Die Wirtschaft war bis um 1850, wo ein Teil der Bewohner in die benachbarte Hohenberger Porzellanfabrik zu gehen begann, fast ausschließlich auf Landwirtschaft eingestellt. Daneben gab es einige Hausweber. Der rege Verkehr auf der Handelsstraße ernährte mehrere Führleute, Schmiede und Gastwirte. 1753 wird erstmals die Eisenstednzeche „Gottes Geschick" (auf PINr. 168 b), im 19. Jahrhundert daneben auch das Eisenbergwerk „Gottes Glück" (auf PINr. 153) genannt; beide wurden bis auf 36 Klafter Tiefe abgebaut. 1787 werden bei Schirnding und Hohenberg insgesamt 6 Gruben erwähnt, darunter eine („Carolina") bei Schirnding auf Vitriolkies. Doch scheint der Bergbau, nach der südlich gelegenen Waldabteilung „Eisenwäsche" zu schließen, schon weit früher einmal eine Rolle gespielt zu haben. Ein Kalkofen stand auf PINr. 165 1/7. 1838 erfolgte in Schirnding durch den Gesellschafter C,M. Hutschenreuthers, Christian Äcker, ein erster Porzellanbrennversuch mit Steinkohle. Einen Muffelofen für Porzellan errichtete der Schirndinger Einwohner Fürbringer („Patent-Fürbringer") im Hause Nr. 50 am Fischerweg. 1902/03 gründete Lorenz Reichel eine Porzellanmanufaktur.

Auch die Porzellanindustrie war früher rein rohstofforientiert. Man beutete die lokalen Kaolin-, Feldspat-, Quarz- und Tonvorkommen aus. Billige Braunkohlen zum Brennen lagen vor der Türe im Falkenauer Revier im nahen Böhmen. So siedelte sich dieser Industriezweig vor allem im Osten unseres Raumes an, meist an den Eisenbahnlinien. Marktredwitz, Arzberg, Selb wurden die Zentren. Selb hat sich durch diese Großindustrie zur zahlenmäßig größten Stadt des Fichtelgebirges entwickelt. Die keramische Industrie ist sicher die wichtigste im Fichtelgebirge. in ihr sind rund 30000 Personen beschäftigt. Das sind 60 Prozent aller Porzellanarbeiter in Bayern.
Im Grenzort Schirnding, unweit von Hohenberg, begegnen wir 183785 dem Kaufmann Christian Paul Aecker wieder, der 1816 als Geschäftspartner C.M. Hutschenreuthers genannt ist. Aecker, eine rastlose Persönlichkeit, hatte 1836 um die behördliche Erlaubnis nachgesucht in Hohenberg eine zweite Porzellanfabrik erichten zu dürfen, gegen den Widerstand Hutschenreuthers, der in gewohnter Weise protestierte: "Kaum ist es mir nach rastlosem Bemühen endlich gelungen, meine Lage sorgenfreier zu machen und meiner zahlreichen Familie die Aussicht auf eine bessere Zukunft zu eröffnen, so droht mir das Unternehmen, welches der Kaufmann Aecker neidisch beabsichtigt, schon wieder Verderben und vernichtet meine Hoffnung auf eine künftige sorgenfreie Entwicklung." Aecker bekam für eine Porzellanfabrik in Hohenberg keine Genehmigung erteilt, "weil eine Erhöhung des Holzpreises in der Umgebung zum Nachteil des Publikums sein und der Fortbestand Hutschenreuthers gefährdet werde". Aecker hatte zu dieser Zeit bereits verschiedene Unternehmungen bei Schirnding laufen. So war von ihm vor kurzem eine Braunkohlengrube eröffnet worden, "welche", so Aecker, "glückliche Erfolge zu gewähren beginnt". Im nahen Raithenbach betrieb er eine Ziegelhütte. Seinen ursprünglichen Plan für eine Fabrik in Hohenberg verfolgte er nicht weiter, und die Schirndinger waren Aeckers Vorhaben wohlgesonnen. Sie unterstützten Aecker auf alle mögliche Weise: "Der Ort Schirnding, welcher eine gute Zahl Taglöhnern und Handwerkerfamilien hat, sieht in der Aecker'schen Porzellan- und Steingutfabrik sein Heil, und in ganz Bayern liegt kein Ort so bequem wie Schirnding, um an den unermesslichen Steinkohlevorräten im Nachbarland Böhmen teilzunehmen". Aeckers Überlegeungen zielten auf das Wagnis, statt des zunehmend knapper und teuerer werdenen Holzes die böhmische Steinkohle für die Ofenfeuerung zu nehmen. In England war man schon auf Steinkohleöfen für den Porzellanbrand übergegangen. In Deutschland dachte man zunächst kaum daran, dem Beispiel der Engländer zu folgen. Noch war ja das Brennholz zu halbwegs erschwinglichen Preisen zu bekommen.
Aecker scheute vor kostspieligen und langwierigen Versuchen nicht zurück. 1837 hatte er "in einem gemieteten, zur Porzellanfabrikation bestimmten Gebäude unweit Schirnding" den Betrieb aufgenommen. Um den auf Vorsicht eingestellten Behörden auch den praktischen Beweis seiner Leistungsfähigkeit vorweisen zu können, bot er sich an, "unter Augen des Gerichts" und bestellter Sachverständiger, Brennproben mittels Steinkohle zu demonstrieren. Versuche mit Steinkohle zeigten noch nicht den gewünschten Erfolg, doch der Probebrand vom 13. Juli 1838 lieferte den Beweis, "dass man mit Braunkohle Porzellan und Steingut zu brennen vermag, wenngleich die Qualität der Produkte eine grössere Vervollkommennung bedürfe". Nun fertigte Aecker in seinem Schirndinger Betrieb munter drauf los, vor allem Pfeifenköpfe und Kaffeegeschirr; trotz ständiger Proteste Hutschenreuthers, der den öffentlichen Probenbränden "wegen Krankheit" ferngeblieben war.
Inzwischen hatten zwischen Christian Paul Aecker und dem Magistrat von Arzberg Verhandlungen stattgefunden, denn auch seitens des benachbarten Arzbergs hatte man sich für das neue Unternehmen Aeckers interessiert. Der Markt Arzberg bot dem Unternehmer jede nur mögliche Unterstützung an, die neue Porzellanfabrik nach dort zu bekommen. Besonders grosszügig zeigten sich die Arzberger bei der Grundstücksbeschaffung. Am 6. Oktober 1838 bezeugte der Magistrat, dass das Ansässigmachungs- und Etablissementsgesuch des Kaufmanns Christiop Aecker laut Beschlusses genehmigt sei und derselbe zugleich als hiessiger Bürger aufgenommen werde. Am 3. Oktober 1839 erhielt Aecker, unter der Bedingung, in Arzberg lediglich Braunkohle, Steinkohle und Torffeuerung zu verwenden, die amtliche Konzession erteilt. Das war die Geburtsstunde des Arzberger Porzellans.