Hutschenreuther findet Porzellanerde
So fand C.M. Hutschenreuther seine erste Porzellanerde
Im Rahmen der 550-Jahrfeier der Stadt Arzberg ist auch die Enthüllung eines Gedenksteins für C. M. Hutschenreuther bei der Ton- und Kaolingruben am Wege zum Steinhaus geplant. Damit sollte am Vorabend des Porzellinerfestes (5. Juli) der Gründer unserer hauptsächlich brotgebenden Industrie in sichtbarer und dankbarer Weise geehrt werden. Nach den uns zur Verfügung stehenden archivalischen Unterlagen und nach mündlichen Überlieferungen fand C. M. Hutschenreuther um das Jahr 1814 am basaltischen Großen Steinberg nahe der Waldabteilung „Tongrube" die erste Porzellanerde in unserer Gegend. Diese Entdeckung und ihre Auswertung führte zur Gründung einer ersten Porzellanfabrik in Hohenberg a. d. Eger und in den folgenden Jahren auch zur Ansässigmachung von Porzellanfabriken in Arzberg (1838), Selb (1856) und Schirnding. In letzterem Orte scheint bereits 1838 durch einen ehemaligen Gesellschafter Hutschenreuthers (Äcker) ein Probebrand „zur Erzeugung von Porzellain und Steingut unter Anwendung von Steinkohlen als Brennmaterial" stattgefunden zu haben, (s. „Sechsämterland", S. 273).

Die Tongrube am Großen Steinberg ist vorläufig erstmals 1616 in einer Grenzbeschreibung als „Dahegrube" archivalisch belegt. Das Material ihres fast weißen, glimmerhältigen, kaolinähnliche Töpfertons ist jedoch schon weit früher in der Burgenkeramik der Umgebung nachzuweisen. Im 18. Jahrhundert wird diese Tongrube in der heimatkundlichen Literatur wiederholt erwähnt. So schreibt 1787 J. M. Füssel in „Unser Tagebuch etc.", Erlangen 1787, 1788 und 1791 u. a.: „In dieser Gegend (bei dem Dorfe Kothigenbibersbach an der Egerstraße) wird rothe und weiße Töpfererde gefunden, die so fein und rein ist, daß sie zu Farben, zu Fettkugeln und als Kreide gebraucht wird . . . ." 1799/1800 findet sich bei Helfrecht „Das Fichtelgebirge", 1. Band S. 233, der folgende darauf bezügliche Hinweis: „Den vorzüglich guten Thon der Gegend bei Kothigenbibersbach am Steinberg, aus welchem man auch Schmelztiegel verfertigen kann, nimmt man zu den dichten Sauerbunnenkrügen, die sonst in Arzberg, jetzt in Wunsiedel verfertigt werden, zu anderen festen Geschirren, besonders aber zu den schönen farbigen Arzberger Öfen.."
In einem Gesuch vom 10. 9. 1816 an die Regierung des Mainkreises in Bayreuth weisen die Gesellschafter C. M. Hutschenreuther und Christian P. Aecker darauf hin, daß die Distrikte Hohenberg, Raithenbach, Oschwitz und Göpfersgrün die erforderliche „ausdauernde Thon- und Feldspath-Erde liefern" können. Später wird als Hauptfundort für den Bedarf der Hohenberger Fabrik der sog. Steinberg bei Kothigenbibersbach erwähnt (nach der Festschrift der Fa. C. M. Hutschenreuther, Hohenberg, „Tat und Vorbild", Bamberg 1939, S. 11). Dekan Bohrer äußert sich in dem Buch „Selb — eine Kirchen- und Heimatkunde", Selb 1930, S. 229 wie folgt: „C. M. Hutschenreuther fand am Steinberg, zwischen Wunsiedel und Hohenberg (bei Kothigenbibersbach) gelegen, weiße Erde; davon nahm er ein Stück mit in seine Heimat, wo er feststellte, daß es sich' um sehr brauchbare Porzellanerde handle . . ." Auch der Arzberger Chronist D. theol. M. Simon erwähnt in seinem „Arzberger Heimatbuch", 2. Aufl. 1954, S. 264, den Fundort am Steinberg an erster Stelle neben einem weiteren Fundort am Ostrand von Bergnersreuth.
Die mündlichen Überlieferungen alter Leute in Kothigenbibersbach, Dietersgrün und Rosenbühl schließlich bezeichnen ziemlich einheitlich den Platz im Staatswald, wo Hutschenreuther seine Erde gewann. Es erscheint daher so gut wie erwiesen, daß C. M. Hutschenreuther, aufmerksam geworden durch hochwertige in der Gegend hergestellte hafnerkeramische Arbeiten, sich des kaolinhältigen Tonverkommens am Großen Steinberg in erster Linie zur Porzellanherstellung während der Frühzeit seines Betriebes bediente. Daneben mag er sich sehr wohl auch rechtzeitig die Ausbeutungsrechte bei anderen Vorkommen brauchbarer Porzellanerde, etwa bei Göpfersgrün, gesichert haben, wie er ja auch (nach Simon, a. a. O.) die Feldspat- und Quarzvorkommen bei Grafenreuth in seine Hand brachte. Als weiterdenkender Industrieller wird er von jeder sich bietenden Gelegenheit zur Deckung des Bedarfs an Rohmaterial: Gebrauch' gemacht haben. Die Aufstellung eines Gedenksteins am ersten Fundort beim Großen Steinberg ist daher historisch wohl gerechtfertigt. Dort erhielt der Gründer unserer Porzellanindustrie den entscheidenden Anstoß durch das vorher bereits von den Töpfern der Umgebung verwendete Material; in Hohenberg errichtete er dann seine Fabrik.
 [1] Sechsämterland, 9. Jahrgang, Donnerstag, den 26. Juni 1958, Nummer 4