Selb 1232

Gründung der Stadt Selb 1232

Die Ankunft des Freiheitszuges aus der Tschechoslowakei auf dem Bahnhof Selb-Plössberg im Jahre 1951. Damals durchbrachen freiheitsliebende Tschechen auf der später nur mehr der Kohlenlieferung dienenden Eisenbahnstrecke Eger – Asch – Hof den Eisernen Vorhang und setzten sich nach dem Westen ab. In jenen Tagen wurde Selb für einige Stunden und Tage buchstäblich zum Mittelpunkt der Welt. Womit – mittelbar – ein Höhepunkt in seiner geschichtlichen Entwicklung erklommen war. Der Ursprung dieser Entwicklung ist nicht genau feststellbar. Die älteste Urkunde über Selb stammt aus dem Jahre 1232. Während frühere Geschichtsforscher die Meinung vertraten, dass Selb aus einer wendischen Siedlung hervorgegangen sei, führt der Selber Heimatforscher Dr. Ludwig Riess den Nachweiss, dass Selb nicht – wie noch vor über drei Jahrzehnten angenommen wurde – 1426, sondern erst 1836 zur Stadt erhoben wurde. Dessenungeachtet bleibt festzustellen, dass laut der ältesten Urkunde aus dem Jahre 1232 Kaiser Friedrich II. dem Feldhauptmann Heinrich Vogt von Plauen, Selb sowie das benachbarte, viereinhalb Kilometer entfernte, in der Tschechoslowakei gelegene Asch übertrug. Die Frühzeit Selbs liegt im tiefen Dunkel, und bis zur Stunde hegen die Historiker manche Zweifel. Doch dürfte entschieden sein, daß unsere Stadt aus einer germanischen Siedlung entstand. Die älteste auf uns überkommene Urkunde stammt aus dem Jahre 1232 und berichtet, daß Kaiser Friedrich II dem Feldhauptmann Heinrich, Vogt von Plauen, den damaligen Marktflecken Selb und das heute in der Tschechei gelegene Asch übertrug. Aus einer anderen Urkunde geht hervor, daß Kaiser Rudolf von Habsburg beide Märkte 1281 an die Vögte von Plauen verpfändete. Um 1308 hat das Geschlecht der Forster im heimatlichen Raum und damit auch in Selb an Bedeutung gewonnen. Sie kamen aus Eger und verfügten hier über drei Burgsitze, als da waren das Wasserschloss mit Ringmauer am Selbbach (an der Stelle des heutigen Rathauses), das Schlößchen am Schloßberg, das nun zu den ältesten Bauwerken gehört, und endlich auch das Burggut. Als die Forster gezwungen waren, ihre Besitzungen zu verkaufen, geriet Selb an den Burggrafen Johann von Nürnberg und sollte dadurch für immer dem zukünftigen Deutschland angehören.

 

 

Durch seine Urkunde aus dem Jahre 1281 wurden die beiden Märkte von Kaiser Rudolf von Habsburg an die Vögte von Plauen verpfändet. Am 21. August 1426 verlieh Marktgraf Friedrich von Brandenburg dem Markte Selb das sogenannte Wunsiedler Stadtrecht. Das entsprechende Dokument ist nicht mehr erhalten, wohl aber zwei Bestätigungen des Schriftstückes, die vom 23. Mai 1606 und vom 8. Januar 1663 datiert sind. 1823 richtete der Rat der Stadt Selb an König Max I. von Bayern ein Bittgesuch um Verleihung des Titels “Stadt”, das abschlägig beschieden wurde – eine Tatsache, welche nach Auffassung von Dr. Riess untermauert, dass Selb nicht 1426, sondern erst am 17. Juni 1836 zur Stadt erhoben wurde, und zwar durch ein Reskript der Kgl. Regierung des Obermainkreises, Kammer des Innern, womit König Ludwig I. von Bayern auf wiederholte Gesuche des Selber Rates hin die Anerkennung Selbs als Stadt vornahm. Tiefes Leid brachte über die Menschen jedoch Albrecht Alcibiades, der 1541 den obergebirglichen Teil der markgräflichen Lande übernahm und gewissenlos eingesessene Männer aushob und als Kriegsleute in ferne Länder und an andere Fürsten verkaufte. Er ließ 1552, als sich der Schmalkaldische Krieg unmittelbar in der Nähe abspielte, weitere 73 Selber zum Heer pressen, wobei die Stadt später noch unter den Truppendurchzügen der gegnerischen Streitkräfte zu leiden hatte. 

Anfangs der zwaniger Jahre des 14. Jahrhunderts

hatte das Geschlecht der Forster, das in Eger gebürtig war, begonnen Bedeutung für Selb zu gewinnen. Die Forster traten 1308 als Forstverwalter über den Reichsforst in die Geschichte der hiesigen Gegend ein. Die vorhandenen Urkunden lassen die berechtigte Annahme zu, dass Karl VI. 1355 die Forster mit dem Selber Forstmeisteramt belehnte oder die bereits bestehende Belehnung erneuerte. 1357 wurde letztere nochmals bestätigt. Die Forster verfügten in Selb über drei Burgsitze. Der grösste war das Wasserschloss mit Ringmauer und Graben am Selbbach, das an der Stelle des heutigen Rathauses stand. Es wurde 1583 niedergerissen und neu erbaut. Das Schlösslein am Schlossberg, ein schmuckloses Gebäude, gehörte unstreitig zu den ältesten Bauwerken der Stadt. Das Burggut endlich stellte unzweifelhaft eine Forstersche Gründung dar. Ein weiteres bemerkenswertes Gebäude war die unter den Vögten von Plauen und Weida errichtete Kirche, die etwa den Platz der heutigen evangelischen Stadtkirche einnahm. Aus der Reihe der Forster ragt vor allem Erhard Forster hervor. Die Forster wurden indes das Opfer der damals herrschenden politischen Verhältnisse, durch die sie schliesslich gezwungen waren, ihre Besitzungen im Selber Forst zu verkaufen. Diese Massnahme erstreckte sich auf Selb mit drei gemauerten Sitzen und das Kirchlehen sowie auf die benachbarten Orten Weissenbach, Brunn, Schönwald, Schönlind, Viielitz und Neuhaus. Der Abnehmer war Burggraf Johann von Nürnberg. Der Kaufpreis betrug 4000 Gulden. Damit ging das Sechsämterland – bezeichnet nach den sechs Ämtern Wunsiedel, Weissenstadt, Thierstein, Kirchenlamitz, Selb und Hohenberg a. d. Eger – den Egeren verloren. Diese historisches Ereignis jedoch bedeutete für die Zukunft die Erhaltung des hiesigen Gebietes für Deutschland. 1613 wurden die einzelnen Ämter eingezogen und einem einzigen Amtmann unterstellt, der seinen Sitz in Wunsiedel hatte. Das Gebiet wurde in die neun Richterämter Wunsiedel, Hohenberg, Arzberg, Weißenstadt, Thierstein, Selb, Kirchenlamitz und Marktleuthen eingeteilt und unter der Bezeichnung “Stadt und Sechsämter Wunsiedel” zusammengefasst. Es geht zwar die Sage, dass Selb 1430 mit seiner Kirche den Hussiten zum Opfer gefallen sei, doch gelang es bis heute nicht, dafür einen stichhaltigen Beweiss zu erbringen. Wahrscheinlich ist aber, dass die Hussiten 1462, als sie auf den Ruf des Herzogs von Bayern hin zum zweiten Male ins Land kamen, die erste Selber Kirche zerstörten. Zu dieser Annahme berechtigt die Tatsache, dass auf Anregung des Pfarrers Kaspar Schirndinger Papst Sixtus IV. am 21. Oktober 1475 einen von acht Kardinälen unterzeichneten Ablass von 100 Tagen all jenen erteilte, die zu den Baukosten der Selber Kirche, die seit 1310 bereits erbaut gewesen sein muss, beitrugen. Der Neu- und Um- und Erweiterungsbau der Pfarrkirche zu Selb war 1482 vollendet. Pfarrer Schirndingers Nachfolger Paulus Brandner leistete drei Jahre später dem Kurfürsten Albrecht den Priestereid. Brandners Nachfolger Christoph von Schirnding wiederum war der letzte vorreformatorische Pfarrer in Selb. Weder Geistliche noch die Selber Gemeinde sträubten sich dagegen, als der Marktgraf von Brandenburg 1527/28 durch ein Gesetz im hiesigen Gebiet die Reformation einführte.

Tiefer in die Wirren der Geschichte verwickelt wurde Selb dadurch, dass Albrecht Alcibiades 1541 den obergebirglichen Teil der marktgräflichen Lande, zu dem Selb gehörte, übernahm. Dieser verantwortungslose kleine Herrscher machte sich kein Gewissen daraus, ausländische Hilfsgelder anzunehmen, um damit seine Schulden zu tilgen. Dafür mussten viele nichtsahnende Bürger als Kriegsleute in ferne Lande ziehen. Vor allem im Schmalkaldischen Krieg, dessen Kämpfe sich auch in der unmittelbaren Nachbarschaft Selbs abspielten, zeigte sich, was für ein Unglück Albrecht Alcibiades für sein Land bedeutete. Bei den Aushebungen 1552 wurden 73 Selber zum Heere eingezogen. Als schliesslich die fränkischen Städte sowie die Kurfürsten der Pfalz und von Sachsen gemeinsam gegen Alcibiades marschierten, litt Selb schwer unter den Truppendurchzügen der Grafen von Reuss und Plauen sowie des Burggrafen von Meissen, die in der hiesigen Gegend übel hausten. In jenen Tagen – 1543 – wurde die frühere steinerne Brücke erbaut. Ende des 16. Jahrhunderts wurde in Selb neben dem Rektor ein Kantor angestellt. Eintragungen im Kirchenbuch aus dem Jahre 1632 lassen darauf schliessen, dass die Schweden in Selb einen Werbeplatz aufgeschlagen hatten. Ende 1631 oder Anfang 1632 schleppten in Selb sich sammelte Soldaten eine ansteckende Krankheit ein und einfallende Kroaten brachten die Blattern mit. Die Kroaten bildeten Truppen des friedländischen Heeres, das am 9. Juni 1632 zum ersten Male in Selb einfiel und sich hier fürchterlich gebärdete. 1633 erfolgte ein Truppendurchzug der Armee des Feldmarschals Gallas, der auf Befehl Wallensteins von Wunsiedel aus über Thiersheim und Selb nach Meissen marschierte. 

Am 1. Juli 1633 wurde der Diakon Albinus

aus Selb von Kroaten des Holkschen Korps bei Kautendorf ermordert. Am 31. August 1633 infolge des Waffenstillstandes zwischen dem Kaiser und Sachsen nach Böhmen zurückflutendes Holkschen Kriegsvolk schleppte in Selb die Pest ein, an der Feldmarschal Holk selbst in Tirschenreuth bei Adorf starb. In Selb gingen an der Pest vier Bürgermeister und vier Ratsmitglieder sowie unzählige Bürgerinnen und Bürger zugrunde. Andreas Krembs, auf den Bürgermeisterwürde überging und der es dank seltener Tüchtigkeit zum reichsten Manne der hiesigen Gegend brachte, soll damals die meisten Toten als diese niemand mehr begraben wollte, selbst bestattet haben. Im Jahre 1660 hat Markgraf Wilhelm von Brandenburg nachweislich die Gründung der Metzgerzunft genehmigt, die sich auf Selb und das benachbarte Arzberg erstreckte. Diese Tatsache bildet einen willkommenen Fingerzeig für die Geschichte des Selber Handwerks. Fest steht, dass die einstigen Zünfte auch im alten Selb eine gewichtige Rolle spielten. Als wichtige Beweisstücke dürfen noch vorhandene Erzeugnisse der Selber Töpfer gelten. Die früheren Bürgermeister von Selb sind fast allesamt Handwerker gewesen, was beweist, dass die Einwohner dem Handwerk eine führende Stellung im kommunalen Leben einräumten. Neben alten Zunfttruhen sind auch Zunftsiegel und andere Symbole erhalten geblieben. 1677 stiftete Markgraf Christian Ernst die Schreinerszunft, 1698 entstand die Gerberzunft. Daneben soll Selb noch eine Zunft der Papiermacher bestanden haben – ein Hinweis übrigens auf die 1709 von dem Papierer Johann Georg Jäger aus Niederreuth bei Asch begründete Selber Papiermühle, die derzeit neben der in der benachbarten Ortschaft Mühlbach befindlichen Papierfabrik den einzigen Maternlieferanten in der Bundesrepublik verkörpert (1963). Chronik der Geschichte der Stadt Selb 12. Jh. Die Kolonisation im 12. Jahrhundert brachte Siedler aus dem bayerischen Raum in die Region um Selb. Ein Adelsgeschlecht, das sich „de Selewen“ nannte, ist seit 1135 fassbar. 1281 Erstmals wird Selb urkundlich erwähnt, als es zusammen mit dem benachbarten Asch im heutigen Tschechien an den Vogt Heinrich von Plauen verpfändet wurde und Kaiser Rudolf von Habsburg darüber eine Urkunde ausstellen liess. 1357 Selb wird als Reichslehen an das Geschlecht der „Forster“ übertragen, weil von hier aus der Egerer Reichsforst verwaltet wird.1412 wird Selb an die Burggrafen von Nürnberg verkauft.

Diese schufen 1437 das „Sechsländerland

so genannt, weil die Verwaltungsaufgaben dezentral auf sechs Amtsstädte verteilt waren. Eines dieser „Sechsämter“ war Selb. 1426 Markgraf Friedrich I. von Bayreuth-Brandenburg verleiht der Stadt ein erstes Stadtrecht. Selb bleibt Zentrum des markgräflichen Forstes und bevorzugtes Jagdrevier der Bayreuther Fürsten. Noch heute erinnern die Hirschgeweihe im Stadtwappen an die jagdgeschichtliche Bedeutung der Stadt. 17. Jh. Nach mehreren Besitzwechseln und kriegerischen Zerstörungen in den darauffolgenden Jahrhunderten erlangt Selb bis weit ins 18. Jh. Bedeutung als Bergbaustandort in Verbindung mit Hammer- und Eisenschmelzwerken. Die bedeutendsten Hammerwerke (Wenden-, Kaiser-, Schwarzen- und Hendelhammer) nutzen die Wasserkraft der Eger. Bergbau findet sich im Steinbruch auf der Häusellohe (heutiger Schausteinbruch). Das dortige sehr feinkörnige Granitvorkommen, das keine Eisenbeimengungen enthält, wird in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vor allem zur Herstellung von technischen Walzen für die Porzellanindustrie und von Mühlsteinen genutzt. 18. Jh. Selb ist im 18. Jh. eine Handwerkerstadt mit ca. 1.500 Einwohnern und mit Zünften der Schreiner, Zimmerleute, Gerber, Müller, Schuster und Weber. Die Wirren des 30-jährigen Krieges führten die Schweden nach hier, wo sie 1632 einen Werbeplatz aufschlugen. Blattern und andere ansteckende Krankheiten grassierten, und die Kroaten des Friedländers fielen ein. 1633 schleppte das Holsche Kriegsvolk die Pest her, an der 4 Bürgermeister, 4 Ratsmitglieder und eine unbekannte Zahl von Bürgern zugrunde gingen. Nach einigen Jahrzehnten muß eine leichte wirtschaftliche Besserung eingetreten sein. Besonders von den Zünften sind aus dieser Zeit eine Reihe von Nachweisen erhalten geblieben. Die Handwerker haben in dem alten Selb keine geringe Rolle gespielt, denn die früheren Bürgermeister sind fast alle ehrbare Handwerksmeister gewesen. Der größte Teil der Bewohner hat damals seinen Lebensunterhalt aus der Landwirtschaft bezogen.

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