Rohstoffindustrie
Vorkommen von Rohstoffen als Gründungsursache für die Porzellanindustrie
Die nochmalige Erfindung des Porzellans (nach Böttger) in Thüringen durch Georg Henrich Macheleid im Jahre 1760 war bedingt durch den Fund einer kaolinhaltigen Sandsteins bei Königsee und Steinfeld auf dem Thüringer Wald. Unmittelbar an diese Erfindung schloss die Gründung einer Porzellanfabirk in Sitzendorf, die bald darauf nach Volksstedt bei Rudolstadt übersiedelte und das Stammhaus der Ältesten Volksstedter Porzellanfabirk AG werden sollte. Und nun folgende Gründung auf Gründung. In einem Abstand von etwa 50 km legten sich die Fabriken kreisförmig um die Steinheider Fundstelle:
Wallendorf 1764 Kloster Veilsdorf 1765 Gotha 1767 Limbach 1772 Grossbreitenbach 1779 Rauenstein 1783 Blankenhain 1790 Eisenberg 1795 Pößneck 1799
Mit diesen Fabriken, die zum Teil heute noch bestehen, war der Grundstock der thüringerischen Luxusporzellanindustrie gelegt. Ihre Rohstoffquelle war in dieser Gründungsperiode ausnahmslos der Steinheider Bruch. Das um so eher, als bei den damaligen Ansprüchen an die Masse auf hundert Teile Steinhuder Bruch nur 23 Teile fremder Erde kamen. Die staatliche Porzellanmanufaktur Meissen auf der Albrechtsburg bezog von 1710 ab Porzellanerde aus Aue im Vogtland, Bockau bei Zwickau und Zschopau in Schlesien. Diese Fundstellen sollten sich in der Folgezeit ergiebiger erweisen, als die des Thüringer Waldes, besonders als noch die zahlreichen Funde im Halleschen Becken und in dem Leipziger Tiefland dazu kamen und im Jahre 1855 die Ausbeute des reichen Kaolinlagers um Meissen.
Die günstigen Masserohstoffbedingungen waren von Anfang an im bayerischen Oberfranken vorhanden. C.M.Hutschenreuther erkannte das als erster und gründete 1814 in Hohenberg a. d. Eger eine Porzellanfabirk, die die Mutterfabrik für die heutige C.M. Hutschenreuther AG. wurde. 1827 zählte Oberfranken schon 6 Fabriken mit 429 Arbeitern, und zwar konzentrierte sich die Porzellanindustrie einmal mehr auf Selb und griff dann noch von Norden nach Süden gehend auf die Nordoberpfalz über. Städte wie Tirschenreuth, Waldsassen, Weiden, Vohenstrauss usw. wurden bekannt und zwar nicht nur als Fabrik-, sondern auch als Grubenorte für Kaolin. Als Grubenorte allerdings erst später, denn bis 1836 bezog man auch in Tirschenreuth die Gesamtrohstoffe noch aus Böhmen. Wenn ich oben die Rohstofflager der bayerischen Porzellanindustrie als die günstigste bezeichnete, so liegt ein Grund auch mit darin, dass hier von Anfang an ein getrennter Rohstoffbezug bestand: Kaolin aus dem benachbarten Karlsbader Becken, Quarz aus den Bergen des Fichtelgebirges und Feldspat anfangs auch aus Böhmen, später ebenfalls aus dem Fichtelgebirge und der Oberpfalz.
Die Kahla AG gliederte sich der Kemmlitzer Kaolinwerke G.m.b.H an, C.M. Hutschenreuther nahm Einfluss auf böhmische Kaolinlager in Imiligau und Rosenthal auf die Kaolinlager in Halle.
Rohstoff Holz
Für die bayerische Porzellanindustrie lagen die Verhältnisse anders als in Thüringen. Als C.M. Hutschenreuther 1814 seine erste Fabrik in Hohenberg gründete, musste er wohl auch noch mit dem Holz des Fichtelgebirges rechnen. Aber schon 1835, also 15 Jahre früher als in Thüringen, ging die bayerische Porzellanindustrie bahnbrechend zur Kohlefeuerung über und begann sich von da an erheblich schneller zu vergrössern. Die im günstige Rohstofflage und das Holz des Fichtelgebirges wirkten, wie wir sehen, nicht allein industriebildend. Erst musste die nahe böhmische und sächsische Kohle sich als verwendbar erweisen. - Die schlessischen Verhältnisse gleichen den bayerischen. Denn auch Carl Krister brannte erst in seiner Porzellanfabrik in Waldenburg 1831 bis 1840, also 9 Jahre mit Holz aus dem Riesengebirge, ehe er dann zum Brand mit Waldenburger Steinkohle übergeht. Damit ist es aber auch so, als ob der Bann gebrochen wäre, denn 1864 haben wir schon innerhalb der drei Handelskammerbezirke Scheidnitz, Waldenburg und Striegau in der Gesamtporzellanindustrie Niederschlesiens 3000 Arbeiter. Schon 1840 führte Krister in Waldenburg die Dampfmaschine ein, welche in Meißen erst um 1853 folgte. 1905 wurde in Altwasser der erste Tunnelofen gebaut.
"Die zwölf wichtigsten Orte der deutschen Luxusporzellanindustrie 1929 waren: Neuhaus am R., Wallendorf, Ilmenau, Arnstadt, Königsee, Kahla für Thüringen, Weiden und Selb für Bayern, Dresden, Meissen und Freiberg für Sachsen und Waldenburg für Niederschlesien; waren angesiedelt im Thüringer Wald, Fichtelgebirge, Böhmerwaldes usw."
Für das thüringische Produktionsgebiet lässt sich der Kampf der Fabrikanten um das Holz als Brennmaterial am deutlichsten verfolgen, denn dieses befand sich fast ausschliesslich im Staatsbesitz. Es konnte also an die Gründung einer Fabrik nicht eher gedacht werden, als bis der Fabrikant ein Privileg des jeweiligen Landesherrn in den Händen hatte, das ihm die verbilligte Lieferung seines jährlichen Holzverbrauches verbriefte. Erloschen diese Privilegien, dann waren die Fabriken auf die Anlieferung von Gemeindeholz angewiesen, was für die Fabrikanten meist den Ruin bedeutete.
Bereits im Herbst 1926 wurde in den Gustavsberger Porzellanfabriken in Schweden erstmalig ein Elektrobrennofen in Betrieb genommen. Allerdings nur für Steingut und Knochenporzellane, die nur ca. 800 - 900° C im Brande erfordern. Die Erfolge damit waren so befriedigend, dass im Februar 1928 die Fabrik bereits einen dritten Elektroofen baute.
Quelle: Die räumlichen Beziehungen der deutschen Luxusporzellanindustrie von Dr. Rudolf Abicht zur Erlangung der Doktorwürde der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften Fakultät der Universität Köln vorgelegt von Rudolf Abicht aus Rudolstadt 1931 - Seite 12 bis 14