Rohstoff Kaolin
Kaolin Rohstoff für Nordbayerisches Porzellan[1]
Hauptabbaugebiete[2] für Kaolin in Deutschland befinden sich bei Hirschau in der Oberpfalz. Im Kaolinrevier in der Hirschau-Schnaittenbacher Senke befindet sich eine der bedeutendsten kontinentalen Kaolin-, Quarzsand- und Feldspatlagerstätten Europas. Die Amberger Kaolinwerke (gegr. 1901), der größte Hersteller des Industrieminerals Kaolin in Deutschland und die traditionsreiche Firmengruppe Dorfner bauen dort im Tagebau die Roherde ab. In Lohrheim im Taunus und auch im Westerwald wird vereinzelt Kaolin abgebaut. Ein weiteres Abbaugebiet liegt im mittelsächsischen Hügelland bei Seilitz und Kemmlitz („Börtewitzer Becken“). Aus dem dortigen Vorkommen wird Kaolin, das über eine kaolinitische Verwitterung von Graniten entstanden ist, für das berühmte Meißener Porzellan gewonnen. Bei Hohburg im Leipziger Land wurde von 1901 bis 1965 Kaolin abgebaut, das ebenfalls für Meißener Porzellan verwendet wurde. Tschechische Abbaugebiete befinden sich in Pilsen und Karlsbad (Karlsbader Becken).“
Die Suche nach einer Ablösung von Holz, Zinn und Steingut oder Emaille als Material für Essgeschirre war über Jahrhunderte erfolglos. Manche Seuche, manche Krankheit mag Folge der nicht rückstandslos zu reinigenden Eß-, Trink- und Vorratsgefäße geworden sein. Dabei wußte man seit dem 12. Jh. um das Ideal all diese Missstände abzustellen. Aus China wurde durch Marco Polo und dann durch die Ostindische Kompanie das Porzellan bekannt. An der Preisfrage scheiterte die Verbreitung in Europa. Und als nach 1709 die Erfindung Böttgers unter Verwendung heimischer Erden Früchte trug, war's auch nur kostbarer Luxus europäischer Fürstenhöfe.
Von 1544 datiert die älteste Nachricht über die Tongruben in Putschirn bei Zettlitz, die dem Grafen Hieronymus Schlick lehensgebührpflichtig waren. Auf der Suche nach Porzellanerde für die Verarbeitung in größerer Mengen - eine Fundstelle bei Gabhorn war weder qualitativ noch in der Menge abbauwürdig - wurde nach einem auch nicht sehr geglückten Abbauversuch bei Klösterle im Egental und der nicht genügend verformbaren Kaolionmasse aus Passau, Zettfitz als Mittelpunkt großer Kaolinlager entdeckt. Dem Geologen E. Mohs ist zu verdanken, dass der Zettlitzer Kaolin wegen seiner besonderen Eignung rasch Eingang als Rohmaterial für die Anfang des 19. Jahrhunderts aus dem Boden schießenden Porzellanfabriken fand.
1819 stand dann endgültig fest, dass - so Prof. B. Schloz - die Lager in und um Zettlitz bei Karlsbad so umfangreich sind, dass Porzellanerde allein aus diesem Lager die Industrie für Jahrhunderte versorgen konnte. Kohlensäurebildung, die den Umwandlungsprozeß einleitet, in den Humusstoffen zu suchen ist, die den Kohleflözen entstammen. Für die Kaolinisierung ist es erforderlich - und das macht die Lagerstätten so selten -, dass der Humusstoff den Granit unmittelbar überlagert und dass sich keine wasserundurchlässige Lehmschicht dazwischen einschaltet. An einigen Stellen findet sich Sandstein zwischengelagert, der aber kein Hindernis für die Kaolinisierung darstellt. Die freiwerdende Kohlensäure der Karlsbader Thermen mag ein Übriges dazu beitragen, dass die Kaolinisierung des Granits gefördert wurde.
Der vorwiegend tiefbaumäßig gewonnene Rohkaolin wird in Schlämmereien aufbereitet. Durch Quirle werden der Grobsand, dann in größeren Behältern durch Verminderung der Durchflußgeschwindigkeit der Feinsand, schließlich in einem System von Rinnen der feinste Schluff und die gröberen Kaolinteilchen abgeschieden. Der so gereinigte Kaolin wird als Feinkaolin in Absetzkästen niedergeschlagen und dann abgepreßt, wobei unter Ausscheidung von Wasser feste Kuchen entstehen. Durch einen Trocknungsprozeß wird die Feuchtigkeit auf 5 %-10 % herabgemindert. Der in Stücke zerschlagene Kaolin ist versandfertig und kann dann in den jeweiligen Fabriken für die Fertigung von Porzellan mit Quarz und Feldspat vermengt - für Dreh- oder Gießteile aufbereitet werden. Die Beschaffenheit des Porzellankaolins ist nicht nur durch den geringen Gehalt verfärbender Bestandteile (Eisen und Titan), sondern auch durch gewisse physikalische Eigenschaften bedingt. Hierzu gehören die Plastizität, die Körnchengröße, die Schwindung und die Viskosität. Brennfarbe und Transparenz des Scherbens.
Während die Kaolinlager in Hirschau und Schnaittenbach in der Oberpfalz überwiegend in, der Papier- und Reinigungsmittelindustrie Verwendung fanden, eignet sich der dort abgebaute Feldspat und Quarz hervorragend, um mit Egerländer Kaolin zum Porzellan zu werden. Wir Egerländer wurden aus der Heimat vertrieben. Unsere Facharbeiter der Egerländer Kaolinschlemmereien haben in Schnaittenbach und Hirschau als willkommene Fachleute wieder Heimat gefunden. Aus der Egerländer Porzellanindustrie aber - unsere Fabriken standen in Schlaggenwald (seit 1793), Gießhübel (seit 1803), Elbogen (seit 1815), Pirkenhammer (seit 1802)" Klösterle a. d. Eger (seit 179,1), Dallwitz (1802), Chodau (1810), und Poschetzau, Neurohlau, Altrohlau" Töppeles, Karlsbad-Fischern, Aich bei Karlsbad - erwachsen heute noch - nach Ablösung der Vertreibungsgeneration - Facharbeiter, Modelleure, ja Fachlehrer an der Porzellanfachschule, die dem Porzellan verfallen sind und oberfränkisch-oberpfälzisches Porzellan für Deutschland, aber auch für den Export erzeugen. Egerländer und nordbayerische Produkte kamen sich übrigens bis 1945 kaum als Konkurrenten in die Quere, waren doch unsere Fabriken in Fagon und Dekor auf osteuropäische Bedürfnisse abgestellt, wo sich heute noch in vielen Haushalten ganze Service finden lassen.
Der Kaolin bildet flözartige Lagerstätten mit einer bauwürdigen Mächtigkeit von normal 15 Metern. Da er durch Oberflächenzersetzung des Granits entstanden ist, geht er nach der Tiefe allmählich in Granitfelsen über. Wenn auch die nutzbaren Kaolinlagerstätten des Karlsbad-Zettlitzer Reviers nur aus Granit entstanden sind, so können doch auch andere Feldspatgesteine wie Porphyr, Glimmerschiefer, Gneis und im beschränkten Umfang auch Basalt und Phonolith kaolinisiert werden. Die Tatsache, daß die Karlsbad-Zettlitzer Lagerstätten in Verbindung mit den vorbasaltischen Braunkohlenflözen vorkommen, lässt erkennen, daß die wichtigste Quelle der Kohlensäurebildung, die den Umwandlungsprozeß einleitet, in den Humusstoffen zu suchen ist, die den Kohleflözen entstammen. Für die Kaolinisierung ist es erforderlich - und das macht die Lagerstätten so selten -, daß der Humusstoff den Granit unmittelbar überlagert und dass sich keine wasserundurchlässige Lehmschicht dazwischen einschaltet. An einigen Stellen findet sich Sandstein zwischengelagert, der aber kein Hindernis für die Kaolinisierung darstellt. Die freiwerdende Kohlensäure der Karlsbader Thermen mag ein Übriges dazu beitragen, dass die Kaolinisierung des Granits gefördert wurde.
Der vorwiegend tiefbaumäßig gewonnene Rohkaolin wird in Schlämmereien aufbereitet. Durch Quirle werden der Grobsand, dann in größeren Behältern durch Verminderung der Durchflußgeschwindigkeit der Feinsand, schließlich in einem System von Rinnen der feinste Schluff und die gröberen Kaolinteilchen abgeschieden. Der so gereinigte Kaolin wird als Feinkaolin in Absetzkästen niedergeschlagen und dann abgepreßt, wobei unter Ausscheidung von Wasser feste Kuchen entstehen. Durch einen Trocknungsprozeß wird die Feuchtigkeit auf 5 %-10 % herabgemindert. Der in Stücke zerschlagene Kaolin ist versandfertig und kann dann in den jeweiligen Fabriken für die Fertigung von Porzellan mit Quarz und Feldspat vermengt - für Dreh- oder Gießteile aufbereitet werden. Die Beschaffenheit des Porzellankaolins ist nicht nur durch den geringen Gehalt verfärbender Bestandteile (Eisen und Titan), sondern auch durch gewisse physikalische Eigenschaften bedingt. Hierzu gehören die Plastizität, die Körnchengröße, die Schwindung und die Viskosität. Brennfarbe und Transparenz des Scherbens sind vorwiegend durch einen geringen Eisen- und Titangehalt bedingt.
Die physikalischen Eigenschaften machen u. a. die Bruchfestigkeit des Scherbens und die Standfestigkeit im Feuer aus. Von Hohenberg abgesehen, dessen Porzellanfabrik 1814 gegründet wurde, war um und nach 1873 (Fertigstellung der Eisenbahnlinie Eger-Prag) der Anschluss an das Eisenbahnnetz des Deutschen Reiches hergestellt. Da der Hauptrohstoff Kaolin wie auch die zum Scharfbrand bestens geeignete Kohle aus Königswerth und Falkenau kostengünstig bezogen werden konnte, war es kein Wunder, dass die Fabriken der bayerischen Porzellanstraße entstanden. Dazu einige Beispiele: Weiden 1881, Selb 1890 und 1896 Waldersdorf 1907, Tirschenreuth 1927, Sophiental 1929 und auch in Mitterteich J. Rieber 1868, M. Emanuel & Co. 1900, J. Richter & Co. um 1900, Porzellanfabrik A. G. 1917. Sie brachten Produktions- und was sicher noch wichtiger für die Oberpfalz und das steinreiche Oberfranken war, Arbeitsplätze in der Porzellanindustrie.
Jeder Waggon Kaolin aus den ZettlitzKarlsbader Gruben aber festigte das Band Bayern-Egerland. Unsere Erde wurde hier zu weißem Gold, brachte Hygiene, anheimelnde Formen" Eßkultur in bald jedes Haus und schaffte den Berufsstand des Porzelliners, dem seine Fabrik trotz damals ungenügender sozialer Sicherheit und fehlender Schutzgesetze doch Arbeit und Brot brachte. Denke ich gar an die Porzellandreher, dann entstand in ihnen eine eigene Gesellschaftsschicht von großem Berufsethos und einer heute nicht nachzuempfindenden Todesbereitschaft, wofür die Berufskrankheit der Staublunge sorgte. Mir ist der Zylinder meines Großvaters am Weg in die Arbeit unauslöschliche Erinnerung, war dieser doch Statussymbol. Erhalten wir Egerländer des ZettlitzKarlsbader Reviers heute Nachricht vom Zustand unserer Grundstücke, so müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass die einst im Schachtbetrieb abgebaute Porzellanerde derzeit nur im Tagbau gefördert wird.
Die Landschaft wird dadurch bis zur Unkenntlichkeit verändert, zumal es keine Rekultivierung gibt. Es mag bedrückend gewesen sein, dass viele Egerländer Porzellinerfamilien nach 1945 ohne einen Scherben ihr Land verlassen mussten. Die Zeit und die Harmonie im Einleben mit der Bevölkerung des bayerischen Nordgaus hat diese Wunde längst geheilt" und wir sind wieder die Porzellanfreunde und Sammler, die dokumentieren, dass, wer vom Virus Porzellan befallen ist, nimmermehr davon lassen kann. Daß die Konzentration der Porzellanindustrie im nordbayerischen Raum einst die Abwanderung der Erstgeborenen der Bauernhöfe und anderer Arbeit und Brot Suchender nach Nürnberg, Regensburg, ja München, wenn schon nicht ganz verhindern, so doch stark einschränken konnte, ist seit den 60er Jahren dieses Jahrhunderts ganz in Vergessenheit geraten gewesen.
Dem Porzellan auch wenn es heute zu einem Großteil aus galizischem Kaolin gefertigt wird, wünsche ich, daß es nicht durch Kunststoff oder Pappe ersetzt werden kann, nicht nur, weil dann wieder Arbeitslosigkeit die einstige Steinpfalz zeichnen würde, sondern weil Porzellan immer noch der geheimnisvollste, griffigste sauberste, vielfältig zu gestaltende und zu verschönernde, heimeligste, kurz schönste Werkstoff ist, den der Mensch sich dienstbar zu machen verstand.
[1] Eger Museum Marktredwitz
[2] Hohberger Dorfbuch Manfred Müller