Notizen [Philip Rosenthal]

Philip Rosenthal, 84. Zerbrechlich war er nicht, der Spross und zeitweilige Boss der oberfränkischen Porzellanfabrik zu Selb. "Wer glaubt, etwas zu sein, hat aufgehört, etwas zu werden" hieß sein Lebensmotto, und so war er immer am Werden. 1963 führte er als einer der ersten Unternehmer ein Beteiligungssystem für Mitarbeiter ein, als SPD-Politiker focht er für eine "Demokratisierung der Wirtschaft", als Schöngeist holte er berühmte Künstler für sein Porzellan. Weil sein Großvater Jude war, emigrierte er 1934 nach England, wo er in Oxford studierte. Der begeisterte Bergsteiger und Schwimmer bestieg den Karakorum-Gipfel und schwamm noch mit 73 Jahren in Etappen um die Insel Gran Canaria. Philip Rosenthal starb am 27. September in Selb.
 
Philip Rosenthal, 67, Porzellanfabrikant aus Selb und Vorzeige-Unternehmer der SPD, ist bei seinen Genossen in Bad Soden am Taunus in Ungnade gefallen. Der Industrielle, der gern als vorbildlicher Arbeitgeber auftritt und im Parteiblatt "Sozialdemokrat Magazin" zur Sicherung der Arbeitsplätze vollmundig Beiträge "auch von den Besitzern der Unternehmen" forderte, will die Rosenthal-Glasfabrik in Bad Soden schließen lassen. Die Orts-SPD entdeckte beim "lieben Genossen Rosenthal" eine "deutliche Lücke" zwischen "Anspruch und Wirklichkeit". Es sei befremdlich, daß weder er noch ein Bevollmächtigter es für nötig gehalten habe, mit den Mitarbeitern zu sprechen. In einem Brief an Rosenthal redeten sie mit dem Parteifreund Tacheles: "Wir erwarten gerade von einem sozialdemokratischen Unternehmer, daß er nicht ausschließlich das Diktat des Kapitals anwendet und derart selbstherrlich mit Arbeitnehmern umspringt."
 
Philip Rosenthal, 64, Porzellanfabrikant und SPD-Bundestagsabgeordneter, ließ für eine aufwendig produzierte Firmenbiographie ("Die Rosenthal Story, 1879--1979", Econ-Verlag, Düsseldorf, 68 Mark) von Altbundespräsident Walter Scheel das Vorwort schreiben und sein Leben von Geo-Chefreporter Hermann Schreiber ausführlich abschildern. Titel des Schreiber-Kapitels: "Reicher Junge, armer Hund". Da heißt es über den Polit-Industriellen beispielsweise, daß er schon als Kleiner (Photo l.) den richtigen Durchblick hatte: "Gegen diese von der schönen jungen Mutter ins Haus Rosenthal geholte 'feine Gesellschaft' war er schon frühzeitig 'resistent', weil sie ihm 'ein bißchen hohl' erschien." Aber nicht immer hat er gleich gewußt, wo's lang geht. So absolvierte er Oxford ebenso wie eine Bäckerlehre in London, ging in die französische Fremdenlegion, um gegen die Nazis zu kämpfen, und floh (nach vier gescheiterten Versuchen), "sobald er begriffen hatte, daß die Legion ihm zwar physisch und moralisch das Kreuz brechen, daß sie aber nicht gegen Hitler zum Kampf antreten würde". Sein Leben hat Philip Rosenthal (Photo als Bergsteiger mit Firmenflagge) seither besser im Griff, und sogar die Beerdigung ist schon geplant, schreibt Schreiber: Am Rosenthal-Grab dürfen keine Reden gehalten werden -- "Gestattet hat er nur, daß eine Weile nach seinem Tod von der Firma zu einem Sektabend eingeladen wird, wo dann sieben Musikstücke gespielt werden können, die er besonders gern hat: 'Los Muchachos' zum Beispiel, 'des schönen Textes wegen'." Aber "Brüder, zur Sonne, zur Freiheit" ist auch dabei.

Philip Rosenthal, 63, SPD-Bundestagsabgeordneter und kunstsinniger Porzellanfabrikant, der die Rosenthal-Produktion durch die Beschäftigung namhafter Designer und Künstler zu Sammel-Ware aufwerten läßt, wird demnächst selbst als Kunstwerk zu bewundern sein. Der US-Pop-Künstler Andy Warhol will Rosenthal porträtieren. Als Vorlage dient ihm -- wie immer -- ein schlichtes Polaroid-Photo, das Warhol auf Schloß Erkersreuth bei Selb von seinem Modell fertigte.

Philip Rosenthal hat die Besitzverhältnisse an seiner Porzellan-Fabrik auf Studiolinie gestylt. 24 Prozent der Aktien, die bisher die Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank hielt, brachte er bei Freunden mit Sinn für schöne Formen unter. So konnten unter anderem die Rosenthal Designer, die Künstler Richard Latham (Form 2000, Studio-Linie) und Björn Wimblad, sowie der Architekt Fritz Bornemann (Kairoer Oper) preiswert Rosenthal-Aktien erwerben. Industrie-Konzerne, an die man das Hypo-Paket "leicht und gut hätte loswerden können, die aber unsere Unabhängigkeit beeinflußt hätten" (Rosenthal), hatten keine Chance. Nur einige kunstsinnige Manager wie Rudolf Stilcken von der Werbeagentur Benton & Bowles bekamen -- zum persönlichen Gebrauch -- etwas ab.
 
Philip Rosenthal, 58, sozialdemokratischer Porzellan-Industrieller und Freizeit-Wanderer, hielt auf dem Fußweg nach Delphi Rast (Photo), weil Ehefrau Lavinia seinem Schritt-Tempo nicht mehr folgen konnte und nach dem vom Ehemann vorausgetragenen Klapprad verlangte. Lavinia Rosenthal hatte ihre Teilnahme am Wander-Marathon durch Griechenland von der Marscherleichterung durch das Gefährt abhängig gemacht, und der Porzellan-Millionär transportierte das (zumeist unbenutzte) Hilfsmittel auf dem Rücken. Seit elf Jahren schreiten die Rosenthals -- etappenweise -- durch Europa. Bis zum Marschziel 1975 -- Griechenlands Delphi -- lief das Paar in elf Tagen über 200 Kilometer. Klaus Rainer Röhl, 46, Ex-Gatte von Ulrike Meinhof, Herausgeber von Sex-Polit-Postillen und seit Ende Juni umstrittenes SPD-Mitglied, legte vor Sozialdemokraten des Wedeler Ortsvereins dar, wie er sich seine Aktivitäten in der Partei vorstellt. Etwa so: "Ich verteile auch Flugblätter, wenn"s sein muß." Vorläufiger Höhepunkt seiner Basis-Arbeit: eine Lesung aus dem Röhl-Buch "Fünf Finger sind keine Faust" vor Wedeler Genossen. "weil das Buch so schrecklieb teuer ist" und nur wenige es kaufen würden.
 
Philip Rosenthal, 48, Porzellan-Fabrikant und Bergsteiger, trug den Leiter des Düsseldorfer Rosenthal-Studios, Gerhard Pagels, 37, abends um neun Uhr auf den Schultern von dem Geschäft in der Königsallee zu der 900 Meter entfernten Gaststätte "Töff-Töff" und löste damit ein Versprechen ein, das er seinem Angestellten Anfang 1964 gegeben hatte. Rosenthal hatte damals gelobt, er werde Pagels zu dem Lokal tragen, falls das Düsseldorfer Geschäft 1964 seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent steigere. Studiochef Pagels erhöhte um 24 Prozent. Bergsteiger Rosenthal, der vor dem "Töff-Töff"-Portal in die Knie ging, um Pagels Kopf vor einer Kollision mit dem Türsims zu bewahren, zu seinem Gepäckmarsch: "Das fiel mir nicht schwer. Ich habe Übung. Auf den Wanderungen quer durch Deutschland mit meiner sechsjährigen Tochter laufen wir immer eine Stunde gemeinsam, dann trage ich sie eine Stunde. Sie wiegt zusammen mit dem Rucksack etwa 60 Pfund.
 
Philip Rosenthal, 46, Porzellanfabrikant, ergriff bei einem Wochenschauauftritt anläßlich einer Porzellanausstellung in Düsseldorf demonstrativ ein Whiskyglas und verbreitete sich anschließend über Alkohol im Verkehr mit der Kamera: "In Amerika kenne ich keinen Unternehmer, der sich nicht beeilen würde, sein Glas Whisky so rasch wie möglich verschwinden zu lassen, wenn er eine Presse-, Wochenschau- oder TV -Kamera auf sich gerichtet sieht. Ich verstehe das nicht. Warum soll man sich denn schämen, ein Glas Whisky in der Hand zu halten."
 
Philip Rosenthal, 45, Porzellan-Hersteller, aus seinem Leben: "Wir trinken eben in Venedig Kaffee, wenn wir Lust haben. Auf dem Rückflug aus Athen kam uns mitten über der Adria die gute Idee, einen Abstecher nach Rom zu machen. Es war herrlich, dort abends gut zu essen und dann im Mondschein über das Forum zu spazieren."