Scheibe Alsbach

Die Porzellanmanufaktur in Scheibe-Alsbach ist eine der jüngsten heute noch produzierenden Thüringer Manufakturen. Sie hatte weniger als vier Jahrzehnte gebraucht, um von einer unbedeutenden Pfeifenkopfmalerei zu einer Manufaktur von Weltgeltung aufzusteigen. Auf der seinerzeit grössten Weltausstellung in Wien 1873 konnte Scheibe-Alsbach gegen die Konkurrenz alteingesessener und namhafter Manufakturen den Grand Prix erringen.

Weitere hohe Auszeichnungen nahm die Manufaktur nun fast Jährlich von Melbourne bis Chicago und von Brüssel bis Turin entgegen. Ein grosser Teil des Sortiments ist nach historischen Motiven gestaltet oder ist Details berühmter Gemälde, meist französischer Maler, angelehnt. Von besonderen Reiz sind die Napoleon-Darstellungen, die alle wichtigen Szenen im Lebensweg des Korsen zeigen. Unter Militaria findet der Sammler die Marschälle und Generäle aus Napoleons Armee als Standfigur und zu Pferde. Die Modelle, die heute ein Alter von ca. hundert Jahren aufweisen, stammen von namhaften Bildhauern und Modelleuren. 1835 wurde durch Louis Oels aus Blankenhain in Scheibe eine Pfeifenkopfmalerei eröffnet. Am 30. Mai ersucht er den Fürsten Friedrich Günther von Schwarzburg-Rudolstadt um eine Konzession für sein Unternehmen. 1839 Weil er von der fürstlichen Kammer kein Brennholz genehmigt bekommt, verkauft Louis Oels an Daniel Kämpfe und Friedrich Greiner.

1840 Der Schwarzburger Hof erteilt nach fünfjähriger Bearbeitungszeit Louis Oels die Konzession zum Betreiben einer Porzellanfabrik. 1844 Kämpfe und Greiner haben die gleichen Schwierigkeiten wegen des Brennmaterials und verkaufen an den aus Eisfeld stammenden Dressel und an den aus Breitenbach stammenden Johann Friedrich Andreas Kister. Die Porzellanfabrik Dressel, Kister & CO. beginnt zunächst mit der Herstellung kleinerer Gegenstände wie Pfeifenköpfe, Stockgriffe und Puppenköpfe. Porzellanerde und Sand wurden aus der Umgebung bezogen (Steinheid). 1857 Nach Angaben der Leipziger Zeitung Nr. 100, war Scheibe die erste thüringische Manufaktur, die in grösseren Mengen Figurenporzellan herstellte. Anfangs waren das Devolutionalien (Madonen und Grabschmuck), später im Rokoko- und Biedermeierstil.

1860 Das Sortiment wird durch Büsten (Dichter, Komponisten), Tiere und Tiergruppen erweitert. 1863 August Wilhelm Fridolin Kister, der Sohn des Johann Friedrich Andreas Kister wird alleiniger Besitzer. 1890 Thematisch neue Gruppen (Tänzerinnen, Tanzpaare) und Tafelaufsätze werden in das Programm augenommen. 1894 Figuren in Altmeissener Art, Spitzenfiguren und historische Figuren und Gruppen bereichern das Angebot der Kisterschen Manufaktur. 1905 A.W.F Kister verkauft die Firma an seinen Schwiegersohn Offeney. Dieser wandelt das Unternehmen in eine G.m.b.H und firmiert als A.W.F Kister G.m.b.H. Die Erzeugnisse werden mit einen durchgekreuzten S gemarkt. 1911 Auf der Ausstellung in Turin erringt die Manufaktur ihre bisher 2 Goldmedaillen. Zwei Silbermedaillen und sechs Grand Prix von nationalen und internationalen Ausstellungen ergänzen die stolze Erfolgsbilanz der Thüringer Manufaktur. 1920 Offeney verkauft an einen Baron von Schilling; firmiert wird weiterhin A.W.F. Kister G.m.b.H.

1972 Die Manufaktur in Scheibe-Alsbach wird ein Volkseigener Betrieb und gehört zum VEB Vereinigte Zierporzellanwerke Lichte, den grössten Hersteller von Luxusporzellan in Europa. 1990 Die Manufaktur Scheibe-Alsbach wird in den Seltmann Weiden Konzern eingegliedert. Die Produktion der Figuren wird heute in der Ältesten Volksstedter Porzellanfabrik in Rudolstadt gefertigt.

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