Maschinenfabrik Carl Zollfrank
Wenn ein Unternehmen wie das Carl - Zollfranksche sich ein halbes Jahrhundert lang allen wirtschaftlichen und politischen Stürmen zum Trotz als eiserner Bestandteil unseres heimischen Industriepotentials zu bestätigen vermag, so ist damit der Beweis dafür erbracht, dass sowohl die Grundlage, auf der es beruht, als auch es beflügelnde Impulse von Wurzeln genährt werden, die aus anderen - menschlichen - Regionen gewachsen sind als das, was man gemeinhin unter Geschäftstüchtigkeit versteht. Zeugnis für die Richtigkeit dieser Feststellung legt die geschichtliche Entwicklung des Unternehmens ab.
Als Carl Zollfrank, dem es das Schicksal leider verwehrte, den 50. Geburtstag des von ihm ins Leben gerufenen Werkes mit zu begehen als 24jähriger den Grundstein zu der seinen Namen tragenden Maschinenfabrik legte - es war am 1.Mai 1907 - da zeigte sich sein Sinn für wirtschaftliche Zusammenhänge, die erst jetzt, da ihn der kühle Rasen deckt, unaufhaltsam zur vollen Auswirkung gelangen. Damals war die Gütererzeugung noch weitgehend von der handwerklichen Fertigung bestimmt. Auch der kleine Betrieb in Erkersreuth mit seinen halben Dutzend Arbeitern war nichts anderes als eine Schlosserei, die für die Porzellanindustrie in Selb und Thüringen Stanz- und Presswerkzeuge herstellte. Der Angelpunkt für Carl Zollfranks künftigen Weg lag indessen darin, dass bei ihm sich wirtschaftliche Weitsicht mit vielseitigem Vermögen paarte und das er sich selbst in der Konstruktion und Entwicklung seiner Erzeugnisse betätigte. Wohl Tausende von Zeichnungen hat er zu den Artikeln, die er herstellte, gefertigt. Der Erfolg solch hingebungsvollen Bemühens konnte nicht ausbleiben. Zu den Werkzeugen gesellten sich Stanzpressen für Eletroinstallationsmaterial. Der Kundenkreis erweiterte sich zusehens und mit der Herstellung von Freileitungsmaterial vollzog das Unternehmen den Übergang von der handwerklichen zur industriellen Produktion. Das klingt als wäre es der einfachste und selbstverständlichste Vorgang gewesen. Dem ist aber keineswegs so. Denn abgesehen davon, dass Carl Zollfranks Erfolg daraus resultierte, dass er in einer technischen Notwendigkeit für sein Werk eine wirtschaftliche Möglichkeit erblickte, so darf doch nicht übersehen werden, dass die strukturelle Wandlung seines Betriebes in die von wirtschaftlichen Gefahren umlauterten Jahre nach dem ersten Weltkrieg fiel.
Es kann nicht die Aufgabe dieser Zeilen sein, die Vielzahl all der Einzelteile des Produktionsbereiches, wie ihn die Maschinenfabrik Carl Zollfrank verkörpert, aufzuzählen, die - wie z.B. die Isolatorenstützen und Eisenkonstruktionen für Telegrafen-, Telefon- und Hochspannungsleitungen - ihre Abnehmer überwiegend bei Eisenbahn, Post und grossen Stromversorgern finden. Das hiesse Eulen nach Athen tragen, denn mit der Entwicklung vieler dieser Teile ist der Name Carl Zollfrank, Erkersreuth, auf engste verknüpft. Wenn der Exportmarkt für diese Artikel der Erkersreuther Firma heute fast gänzlich verloren gegangen ist, so liegt die Schuld nicht bei ihm, sondern daran, dass es sich bei diesen Artikeln um solche mit einem sehr hohen Materialanteil handelt, die eine Konkurrenz auf ausländischen Märkten mit stärkerer Frachtbelastung nahe zu ausschliessen. Gerade diese Tatsache aber beweist andererseits, wie unerschüttlich die Firma und der Mann, der ihr vorstand, ihren Weg zu gehen und neue Pfade zu erschliessen wussten, wenn solch ins Gewicht fallender Verlust ausgeglichen werden konnte. Dies gilt insbesondere auch für die Zeiten der Inflation und der starken wirtschaftlichen Depression, die Carl Zollfrank dadurch überwand, dass er - das letzte von sich selbst fordernd - ein mitreißendes Beispiel für seine Mitarbeiter gab, alle Kräfte einzusetzen, um die sich auftürmenden Schwierigkeiten zu überwinden. Es gelang. 1925 nahm er in das damalige Produktionsprogramm auch die Herstellung von Stahlregalen und Werkbänken auf, wie sie heute für einen rationell arbeitenden Betrieb unerlässlich sind.
Seit 1929 fand der Gründer der Fabrik in seinem Sohn Alfred, seines Zeichens Ingenieur, einen der Verantwortung gegenüber dem väterlichen Werk bewussten Mitarbeiter, der nach dem Tode des Vaters dessen Nachfolge als Leiter des Betriebes antrat. Er setzte den Goetheschen Satz: Was Du ererbt von Deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen in die Tat um, wobei ihm, der vom gleichen Geist wie sein Vater beseelt ist, sein Studium und seine Kenntnis der technischen Belange ein Schlüssel dazu waren, noch manche verschlossene Tür nach draussen aufzustossen, womit er das Unternehmen zu seiner heutigen Grösse und Bedeutung führte. Dass seine Aufgabe nicht leichter als die seines Vater ist, wird durch die gewaltigen Umwandlungen belegt, denen die Wirtschaft unserer Tage unterworfen ist und denen auch Alfred Zollfrank Rechnung tragen muss, weil mit den wachsenden Ansprüchen der Kunden zwangsläufig die Ansprüche wachsen müssen, die er an seinen eigenen Betrieb stellt. Mit der Abtrennung des mitteldeutschen Gebietes nach dem zweiten Weltkrieg verlor die Firma ihren traditionellen Absatzmarkt in Sachsen, Thüringen und Schlesien. Angesichts der verkehrstechnisch nunmehr ungünstigen Lage des Werkes musste dieser Verlust durch intensive Bearbeitung des neuen Marktes im Westen und Süden Deutschlands wettgemacht werden. Dass dies gelang, ist ein überzeugender Beweis für die Qualitätsarbeit, die in der Maschinenfabrik Carl Zollfrank geleistet wird.
1954 erfolgte die Gründung der Wohnungsbaugesellschaft Zollfrank m.b.H., die bereits ein grosses Wohnhaus mit neun Werkwohnungen erstellte. Darüberhinaus zollt auch die Gemeinde Erkersreuth sowohl dem Vater Carl Zollfrank als auch dem Sohne Alfred Zollfrank Anerkennung für die grosszügige Haltung, die sie allen gemeinlichen Problemen und Projekten angedeihen lässt. Beide werden als Förderer der Freiwilligen Feuerwehr geschätzt, die ihrer offenen Hand vieles in der Ausrüstung verdankt. Carl Zollfrank gilt als Initiator der Einrichtung der evang. Kirche, denn er war es, der den Platz, auf dem sie sich erhebt, kostenlos zur Verfügung stellte. Auch das Erkersreuther Gefallenen Ehrendenkmal ist eine Stiftung Carl Zollfranks.. Dessen Gedanke, für die Gemeinde einen eigenen Friedhof zu errichten, wurde von Alfred Zollfrank dadurch realisiert, dass er einen wesentlichen finanziellen Beitrag zu diesem Vorhaben leistete. Alfred Zollfrank bemüht sich ebenso wie sein Vater, dem ihm angeborenen Schönheitssinn innerhalb der Gemeinde geignete Wirkungsmöglichkeiten zu schaffen. An dieser Stelle ist z.B. sein Einsatz für eine neuzeitliche Kanalisation zu erwähnen, desgleichen die Tatsache, dass er bei Erbauung der Schule einen ansehnlichen Betrag spendete, der die Einrichtung eines Werksraumes ermöglichte.
All dies macht es verständlich, dass der Erkersreuther Bürgermeister Paul Zippel in aufrichtig lobenden Worten von der sehr guten Zusammenarbeit zwischen der Firma Carl Zollfrank und der Gemeinde spricht, der Vater Carl Zollfrank übrigens sogar lange Jahre als Gemeinderat diente.
In Selb hat die Industriealisierung das Gefüge der Stadt völlig verwandelt. Während vor hundert Jahren die Bevölkerung Selbs in der Hauptsache aus Landwirten und Hauswebern bestand, die um kärglichen Lohn ihrem Erwerb nachgingen – oft mussten die Weber mit Schubkarren ihre Ware bis nach Hof bringen – änderte sich das Bild durch die Entstehung der Porzellanindustrie grundlegend. Nach der Gründung der Porzellanfabrik Lorenz Hutschenreuther 1857 wurden weitere Porzellanmalereien und bald auch andere Porzellanfabriken ins Leben gerufen, so dass die Einwohner Selbs zu Porzellinern wurden. Freilich waren in den ersten Jahrzehnten die Arbeitsbedingungen alles andere als mustergültig. Es gab noch keinen Achtstundentag, die Sauberkeit in den Fabrikbetrieben lies zu wünschen übrig und gegen die furchtbare Gefahr der Silikose hatte man noch keine Abwehrmaßnahmen, so dass viele Porzelliner an Staublunge erkrankten und ein bitteres Los erfuhren.
Aber auch hier blieb man nicht in der Entwicklung stehen. Immer wieder wurden Verbesserungen ersonnen, die Betriebe wurden modernisiert, die Arbeitsbedingungen wurden besser und die Technik zog auch in die Porzellanfabriken ein und nahm dem Arbeiter manche voreinst schwere Arbeit ab. Nur an einem Beispiel kann man sehen, welcher Wandel gegen früher eingetreten ist. Als Lorenz Hutschenreuther seine Porzellanfabrik in Betrieb nahm, da war die nächste Bahnstation für Selb die Stadt Schwarzenbach a. d. Saale. Von hier mussten die Rohstoffe mit Pferdefuhrwerken auf schlechten Strassen nach Selb gebracht werden und die fertige Ware musste auf dem selben Wege wieder dorthin gebracht werden, um an die Kunden verschickt zu werden.
Kohle und Kaolin mussten mit Pferdefuhrwerken aus der Karlsbader Gegend nach Selb gefahren werden. Dann wurde im Jahre 1865 die Bahn Hof-Selb-Plössberg-Asch-Eger in Betrieb genommen. Damit war zwar eine Erleichterung erreicht, aber der für Selb zuständige Bahnhof lag immer noch einige Kilometer entfernt und erst mit Eröffnung der Bahnstrecke Selb-Plössberg – Selb Stadt im Jahre 1894 wurden die Verkehrs- und Transportverhältnisse erträglicher und heute ist es eine Selbstverständlichkeit, dass die Waggons unmittelbar auf einem Industriegleise in die Fabrikbetriebe gefahren werden oder dass der Kuhlemeier die Waggons ins Haus bringt, so dass ein Umladen erspart wird. Genau so revolutionierend wirkt sich der Tunnelofen aus, der die harte Arbeit der Brenner erspart und zugleich gesündere Arbeitsbedingungen schafft. Selb zählte 1957 über 90 Betriebe und allein vier Betriebe zählten über Tausend Arbeitnehmer.
Quelle: Frankenpost vom 1.Mai 1957



