Kloster Veilsdorf Thüringen

Die Porzellanfabrik Kloster Veilsdorf, zwischen den Städten Hildburghausen und Eisfeld auf dem Michelsberg am rechten Werraufufer gelegen, verdankt ihre Entstehung, wie so viele Porzellanfabriken des 18. Jahrhunderts, fürstlicher Entschliessung. Im Jahre 1765 lies der Prinz Eugen von Hildburghausen, der Bruder des regierenden Herzogs Ernst Friedrich II., neben den Ruinen des verfallenen Klosters auf dem Michelsberge einen Porzellanofen errichten und begann daselbst mit der Fabrikation von künstlerisch verzierten Geschirr und Figuren. Das Interesse des Prinzen an der Veilsdorfer Fabrik war bedeutend, er hatte auf dem Michelsberge auch ein Jagdschloss erbaut und weilte dort häufig. Schon eine Gothaische Handelszeitung aus dem Jahre 1787 berichtet, dass die Fabrik ein sehr gutes Porzellan liefere und über tüchtige Arbeiter verfüge. Sie verfügte aber auch über eine sehr gute Masse von reiner, milchweisser Farbe und eine gute Glasur, während z. B. das ältere Volksstedter Porzellan der Anfangszeit einen kalten grauen Ton und eine unreine Glasurhaut besass. Der Prinz war dauernd damit bemüht, die Fabrik zu heben, er unterhielt tüchtige Maler, er kaufte Erzeugnisse berühmter Manufakturen und gute Kupfer als Vorbilder, zog auch gelegentlich fremde Künstler heran, wie den Maler Gotts aus Volksstedt, der mehrere Büsten fürstlicher Personen in Veilsdorf modelliert hat. Auch eine sehr schöne Büste des Prinzen Eugen ist aus der Frühzeit der Fabrik vorhanden, sie ist von einem Sohne des damaligen Verwalters in Veilsdorf, dem Bildhauer Döll in Gotha modelliert. 

Gründung Porzellanfabrik Kloster Veilsdorf 1765

Schnorr von Carolsfeldt sagt von dem Veilsdorfer Porzellan der ersten Jahrzehnte: Am bekanntesten sind Geschirre in einem Muster Rocaillen und blütenbesetztem Gitterwerk, bemalt mit bunten, aussergewöhnlich duftig und flott behandelten Blumen und Früchten. Rosaviolett, Purpur, Gelb, zweierlei Grün und leuchtendes Eisenrot hersst vor. Typisch ist ein Dekor von flott gemalten Streublumen in Eisenrot. Von den Figuren urteilt er: Derb modellierten Gruppen von Götterfiguren mit dunklem Inkarnat schliessen sich Gruppen von Faunen und Amoretten an. Leuchter mit kletternden Faunen und Nymphen nach franzöischen Vorbild in Silber. Diesem künstlerischen entsprach leider nicht der geschäftliche Erfolg, und noch weniger scheint das der Fall gewesen zu sein, nachdem die Fabrik nach Prinz Eugens Tode 1795 an seinen Oheim Friedrich, den späteren Herzog von Altenburg, fiel. 

Schon im Jahre 1797 verkaufte dieser sie an einen der Söhne Gotthelf Greiners, des berühmten Schöpfers der Thüringer Porzellanindustrie, und an die Firma Friedrich Christian Greiner in Rauenstein, die bereits in einem früheren Abschnitt behandelt ist, zu gemeinsamer Hand. Die Porzellanfabrik zu Kloster Veilsdorf wechselte nunmehr ihre Besitzer noch verschiedene Male und wurde zuletzt unter der Firma Kieser & Heubach bis 1884 fortgeführt, in welchem Jahre sie unter Beihilfe der Struppschen Bank Bankhaus B. M. Strupp in eine Aktiengesellschaft verwandelt wurde. Dadurch trat das Bankhaus B.M. Strupp zum ersten Male in nähere Fühlung mit der Porzellanindustrie. Den Anlass zu dieser Veränderung hat zweifellos die kurz vorher erfolgte gegeben. Die Fabrik hatte sich von ihrer Gründung bis in die sechziger Jahre, also ungefähr hundert Jahre lang, ausschliesslich mit der Herstellung von einfachen und künstlerisch ausgestattetem Geschirr befasst. Mit dem Eintritt des Herrn Albert Heubach in die Firma im Jahre 1863 wurden dann die altbeliebten Massengegenstände der Thüringer Porzellanfabrikation, Porzellanpuppen, Badepuppen, bald auch Zeugpuppen und Heiligenfiguren aufgenommen, endlich folgte auch die Fabrikation von Vasen, Figuren aller Art für den grossen Absatz.

Als Anfang der achtziger Jahre durch die steigende Ausbreitung der Elektrizität in Deutschland der Bedarf an kleinen Isolierkörpern wuchs, begann Veilsdorf auch auf diesem Gebiete zu arbeiten. Es zeigte sich, dass die Veilsdorfer Masse für elektrotechnische Artikel sehr geeignet war, und der Absatz wuchs entsprechend schnell. Der neue Fabrikationszweig umfasste zuerst alle elektrotechnischen Artikel für Niederspannung, bald auch technische Erzeugnisse für andere Zwecke, und seit 1907 erfuhr die technische Abteilung eine weitere, wesentliche Vergrösserung durch die Aufnahme der Fabrikation von Hochspannungsporzellan.

Im Jahre 1922 ist der grösste Teil der 1300 Arbeiter und Arbeiterinnen, die das Unternehmen Veilsdorf und seine Zweigniederlassungen Brattendorf und Eisfeld beschäftigt, auf die Herstllung von hochwertigen Scharffeuerporzellan für Hoch- und Niederspannung und von sonstigen technischen Artikeln eingestellt, mit denen die Fabrik einen grossen Teil des In- und Auslandes versorgt. Die Porzellanfabrik zu Kloster Veilsdorf mit ihren Zweigniederlassungen besitzt um 1922 26 Rundöfen. Ihre Arbeiterzahl war vor dem I. Weltkrieg auf 1500 Mitarbeiter gestiegen. Die Folgen des Krieges, insbesondere Kohlenmangel, haben auch hier beschränkend eingewirkt.