Porzellanfabrik Rauenstein Thüringen

Die Porzellanfabrik Rauenstein gehört, wie diejenige zu Kloster Veilsdorf, zu den ältesten Thüringer Porzellanfabriken. Sie wurde im Jahre 1783 von mehreren Mitgliedern der im Thüringer Walde weitverzweigten Familie Greiner dicht neben dem baufälligen Schlösschen des Dorfes Rauenstein errichtet, und zwar auf Grund sehr vorteilhafter Privilegien, die dem jungen Unternehmen von dem Herzog Georg zu Sachsen-Meiningen verliehen wurden. Den Begründern wurden neben dem Anrecht auf alle in den Ämtern Sonneberg und Schalkau und im Gericht Rauenstein gefundene Porzellanerde, doch ohne Schaden des Besitzers, ansehnliche Holznutzungen zu Brennzwecken verliehen. Sie sollten ferner ihr bei Glückstal gelegenes Pochwerk, ohne Erhöhung des Erbzinses zu einem Präparationswerk umbauen dürfen. Arbeiter anwerben und zur Geheimhaltung verpflichten können, und bei überhandnehmender Konkurrenz auch die zu erbauende Fabrik in eine Glashütte umbauen dürfen. 

Nach einigen Jahren wurde ihnen auch das Schloss zu billigem Preise verkauft. Der Betrieb wurde 1784 mit drei Teilhabern begonnen, von denen jedoch der älsteste bald austrat, und dann unter der Firma Friedrich Christian Greiner von den Vettern Johann Friedrich und Christian Daniel Greiner fortgeführt. Die Geschäfte gingen alsbald gut. Die Arbeiterzahl wuchs schnell, und 1793 beschäftigte die Fabrik über 100, 1802 schon 121 Mitarbeiter. Das entlegene und früher ziemlich nahrungslose Dörfchen Rauenstein wuchs von 167 Seelen in 1781 um mehr als 100 Einwohner binnen 10 Jahren. Selbst die Folgen eines verheerenden Brandes, der 1787 das neu erbaute Brennhaus nebst 100 Klafter Trockenholz in Asche legte, wurde mit fürstlicher Hilfe bald überwunden. Was die Fabrikation anbetrifft, so wurden in der Anfangszeit so grosse Massen der beliebten Thüringer Pfeiffenköpfe abgesetzt, dass die Porzellanfabrik Rauenstein im Jahre 1804 eine eingene Metallwarenfabrik zur Anfertigung der Deckel anlegte, in der bald auch Knöpfe geprägt wurden und die deshalb im Volksnamen den Namen Knopffabrik erhielt.

Das für die Metallfabrik verbrauchte Holz kam meist aus dem Hämmerer Forst, wo die Fabrik eine bis ins Jahr 1907 gewahrte Holzgerechtigkeit auf unentgeltliche Lieferung von 60 rm erworben hatte. Als ein echtes Kind des Thüringer Waldes hat die Porzellanfabrik Rauenstein von Anfang an das volksstümliche Genre gepflegt, wie man es im Lande liebte, jedoch mit dem Anspruche hoher Qualität in bezug auf Stoff und Dekor. Das Rauensteiner Porzellan zeichnet sich vermöge seines hervorragend guten Masseversatzes dadurch aus, dass es sehr hart ist und hohe Hitzegrade vertragen kann, ohne zu zerspringen. In dieser Hinsicht übertrifft es das Porzellan der meisten Konkurrenzfabriken. Dieser Umstand, verbunden mit einer guten Bemalung, verschaffte dem Rauensteiner Porzellan frühzeitig Absatz nicht nur in allen bedeutenden Städten des Inlandes, sondern auch nach Belgien, Österreich und Russland. Die besseren Geschirre der älteren Zeit wurden viel mit dem gerippten sächischen und dem Meissnerischen Blumenmodell gemalt, daneben gab es zahllose Muster. Seit 1894 wurde auch viel Geschirr mit den bekannten Delfter Landschaftsmotiven in Blau angefertigt. Das Fabrikzeichen war anfänglich ein rotes R auf der Glasur, seit 1860 wird das Zeichen, bestehend aus zwei gekreuzten Fähnchen mit den Buchstaben R-n, meist unter der Glasur gebrannt, benutzt. Die Rauensteiner Porzellanfabrik blieb im Besitz ihrer Gründer bis zu deren Tode. Der letzte von ihnen, Johann Friedrich Greiner starb im Jahre 1820.

Das Unternehmen befand sich nun zu gleichen Teilen in der Hand der beiderseitigen Erben, aus der es 1849 bzw. 1859 in den Besitz des Kaufmanns G. H. Wirth aus Schalkau überging. Dieser und seine Nachkommen zuletzt der Fabrikherr und Menschenfreund Franklin Georgii, haben die Fabrik weiter entwickelt und bis 1901 besessen. Als eine zweite, in Rauenstein gegründete Porzellanfabrik nach kurzem Bestehen im Jahre 1892 abbrannte, beschäftigte Georgii die Arbeiter, um sie nicht brotlos werden zu lassen, in den Räumen seiner eigenen Fabrik, bis er das abgebrannte Werk gekauft und wieder aufgebaut hatte. Dann wurde die neue Fabrik als Betrieb 2 der Porzellanfabrik Rauenstein angegliedert und hauptsächlich für die Herstellung billiger Artikel sog. Stapelware auf kunstgewerblichen Gebiete, beschäftigt. Aus diesem Werke gehen nun neben Puppenköpfen, Heiligenfiguren u. dgl. Artikeln für den Weltabsatz vor allem Nippenfiguren und sog. Phantasieartikel in jederlei Aufmachung hervor. Nach dem Tode des Herrn Franklin Georgii, der in der ganzen Umgebung von Rauenstein berechtigte Vereehrung mit Liebe genoss, wurde die Fabrik in eine Aktiengesellschaft (mit Wirkung vom 1. Januar 1900) verwandelt und dem Struppkonzern angegeliedert. Die Porzellanfabrik Rauenstein beschäftigte vor dem I. Weltkrieg bei einem Bestande von neun kleineren Öfen, etwa 550 Arbeiter. Die Porzellanfabrik wurde kurz vor dem II. Weltkrieg durch den Kahla Konzern stillgelegt.