130 Jahre Schierholz Plaue

130 Jahre v. Schierholzsche Porzellanmanufaktur Plaue GmbH

Wenn auch das schon im achten Jahrhundert als Siedlung der Wenden gegründete 8km von der Kreisstadt Arnstadt entfernte Städtchen Plaue durch die Ereignisse des Dreisigjährigen Krieges schwer gelitten hatte und die Einwohnerzhal auf 150 zurück gegangen war, so begann sich doch um das Jahr 1800 in diesem Städtchen ein Unternehmergeist zu regen, der den Grundstein zu einer dann ständigen Aufwärtsentwicklung legte. Über die Entstehung der Schierholzsche Porzellanmanufaktur im Jahre 1816 berichtet die Chronik, dass der Kaufmann Johannes Karl Rudolf Heuäcker und sein Bruder Dr. Phil. Gottlob Ferdinand Heuäcker das Rösersche Haus in Plaue erwarben und zu einer kleinen Porzellanfabrik umbauten. Der plötzliche Tod des Dr. Heuäcker veranlasste den vorwärtsstrebenden aussergewöhnlich tätigen Kaufmann Christian Gottfried Schierholz, der das Rittergut Dornheim besaß, sich mit dem Kaufmann Heuäcker im Jahre 1817 zum gemeinsamen Betrieb der Porzellanfabrik zu verbinden, über deren ersten und erfolgreichen Brand am 11. August 1817 die Chronik berichtet.

In der Folgezeit gerieten allerdings verhältnismässig viele Brände nicht, sodass die junge Fabrik grossen Schaden erlitt. Der Kaufmann Dr. Heuäcker wurde mit 2000 Reichstalern ausgezahlt. Durch Urkunde aus dem Jahre 1817 erhielt der Kaufmann und Rittergutsbesitzer Christian Gottfried Schierholz die sich auf die Oberherrschaft des Fürstentums Schwarzburg erstreckende alleinige Konzession zur Fabrikation von Gesundheitsgeschirr. Die aus Westfalen stammende Familie Schierholz führte ihr ununterbrochene Stammreihe bis auf das Jahr 1694 und auf den Advocaten und fürstl. Mansfeldischen Stiftsverwalter Joachim Schierholz in Eisleben zurück, dessen Nachfahre Christian Friedrich Schierholz um 1760 nach Arnstadt übersiedelte und dort das late Patrizierhaus, das Schierholz'sche Haus am Markt erwarb und bald zu den angesehendsten Bürgern der Stadt zählte. Sein Enkel Christian Gottfried, geboren am 17. Januar 1787 zur Arnstadt, wurde, wie bereits erwähnt, im Jahre 1817 der alleinige Inhaber der Porzellanfabrik in Plaue. Später beteiligte er seinen ältesten Sohn Julius Adelbert an der Firma, die sich von da an C.G. Schierholz & Sohn nannte. Auch sein jüngerer Sohn Hugo wurde als Mitinhaber in die Firma aufgenommen.

Sehr interessant sind die Berichte über die Fabrikation in den ersten Jahren. Die Weißware wurde in Plaue hergestellt und gebrannt, die Geschäftszimmer und Versandräume befanden sich in Arnstadt in den Hintergebäuden des Schierholz'schen Hauses, während das Bemalen der Weißware auf Rittergut Dornheim vor sich ging. Frauen und Kinder trugen die Waren in Körben oder auf Brettern zum Bemalen und zum Verkauf nach Dornheim und Arnstadt. Nachdem 1841 das Brennhaus in Plaue abgebrannt war, wurde der gesamte Betrieb nach Plaue verlegt, wohin auch alle bisher in Arnstadt und Dornheim ansässigen Arbeiter und Angestellten verzogen. Die neuen Fabrikationsgebäude wurden auf den Grundmauern der Gutsgebäude des fürstlichen Vorwerks errichtet, das mit fast allen dazugehörigen Ländereien um 1833 vom Landeskammerrath Christian Gottfried Schierholz erworben worden war. Dieser verstarb am 31. Oktober 1851. Die Arbeiter der Fabrik errichteten ihm in Dankbarkeit für seine soziale Fürsorge ein Denkmal aus Stein und Erz am Burgberg zu Plaue. Sein ältester Sohn Julius Adelbert erbte das Rittergut Dornheim und zu gleichen Teilen mit seinem Bruder Hugo die Porzellanfabrik und das Gut in Plaue sowie das Haus in Arnstadt.

In den siebziger Jahren übernahmen die Vettern Max und Arthur Schierholz die Geschäftsanteile der Firma von den beiderseitigen Eltern noch zu deren Lebzeiten. Max Schierholz schied jedoch 1887 aus, sodass Arthur Schierholz nunmehr alleiniger Besitzer der Firma war. Durch eine tatkräftige Leitung und seinen künstlerischen Ideenreichtum verschaffte er den Erzeugnissen seiner Firma, vor allem dem plaueschen Kunstporzellan, Weltruf. Seine Inspirationen fielen bei dem damaligen Obermodelleur Haase, einem Künstler von Rang und dessen Vorgänger John, einem Bruder der bekannten Schriftstellerin Marlitt, auf fruchtbaren Boden. Unter ihm wurden die Musterzimmer für die Leipziger Messen, die bereits seit dem Jahre 1823 ununterbrochen besucht werden, in das neuerbaute Städtische Kaufhaus verlegt und auch sonst zahlreiche Änderungen, Modernisierungen und Neuerwerbungen in der Porzellanfabrik getätigt. Im Jahre 1899 wurde die Firma in eine Familiengesellschaft umgewandelt, die etwas später die heutige Firmenbezeichnung erhielt. Während dieser Zeit erwarb sich Frau Helene v. Schierholz besondere Verdienste durch zahlreiche Neuanschaffungen. Ihr hoher Kunstsinn kam der Firma zugute, ihr soziales Empfinden und ihre grosse Opferfreudigkeit erhielten in schweren Krisenzeiten die Manufaktur sowie deren Betriebsangehörige. Für die internen und fachlichen Betriebsangelegenheiten sind tüchtige Facharbeiter tätig, die besonders in den letzten 10 Jahren die Fabrik modernisierten und ihre Leistungsfähigkeit mit Hilfe des alten Arbeiterstammes erheblich steigerten. Es muss besonders hervorgehoben werden, dass es Thüringer Wertarbeit ist, die in Plaue geleistet wird. Die alten hier ansässigen Porzelliner haben einen wesentlichen Anteil an der Entwicklung der v. Schierholz'schen Porzellanmanufaktur.

Sie waren in vielen Jahren, häufig von einer Geschlechtsfolge zur anderen, zuverlässige und treue Mitarbeiter und sind es auch heute noch (1947). Unter Berücksichtigung der gegenwärtigen Geschäftsverhältnisse ist die Firma noch nicht in der Lage, ihre Kapazität in vollem Umfang auszunutzen. Die Produktion gegenüber der vor dem I. Weltkrieg umfasste etwa 70-75%. Von der Fertigung entfallen etwa 60% auf chemisch-technische Porzellane, während etwa 40% auf Gebrauchs-, Zier- und Kunstporzellane entfallen. Gerade letzteres ist früher der Hauptexportartikel des Unternehmens gewesen. Man hat auch jetzt schon wieder Beziehungen zu zahlreichen Auslandskunden aufgenommen. Voller Stolz kann die Firma auf die Beständigkeit ihrer geschäftlichen Beziehungen blicken. Ein beträchtlicher Teil der Kundschaft hält die Manufaktur schon seit Jahrzehnten die Treue. Ebenso dauerhaft ist das gute Verhältnis der Firma zu ihren Lieferanten. Wie fest gefügt diese Verbindungen sind, das erweist sich gerade in den schwierigen Zeiten nach dem II. Weltkrieg. Mit dem guten Willen, immer wieder zu helfen werden entstehende Schwierigkeiten überwunden. Es steht zu hoffen, dass im Jahre 1947 den Wünschen der Kundschaft im bescheidenen Maße Rechnung getragen werden kann.

Das gesunde Kaufmannstum, durch das die v. Schierholz'sche Porzellanmanufaktur alle Wandlungen der Zeit in 130 Jahren bestanden hat, wird auch in Zukunft weitergepflegt werden um so einem Besitz zu erhalten, den bald fünf Generationen der Familie Schierholz zum Teil unter grossen Opfern erarbeitet hat. Über den Neuaufbau der Firma nach den Zusammenbruch unseres deutschen Vaterlandes kann gesagt werden, dass dieser bereits im April 1945 begann. Mit eigner Hilfe wurden die durch Sprengungen verursachten schweren Beschädigungen repariert, sodass schon in den ersten Maitagen 1945 die Arbeit mit etwa 30 Betriebsangehörigen aufgenommen werden konnte. In enger Zusammenarbeit mit dem sofort gegründeten Betriebsrat wurde die Beschaffung von Rohstoffen und Kohlen in die Wege geleitet. Manche Rückschläge, die den Optimismus und den Glauben an die Entstehung einen neuen, freien, demokratischen Deutschlands nicht erschütterten, mussten überwunden werden. Es wurde in Tag- und Nachtarbeit geschafft, und als im Jahre 1945 die ersten Schlöte der Brennöfen wieder rauchten wurde die Arbeit noch intensiver durchgeführt. Trotz Kohlemangel Anfang des Jahres 1946 erfolgte keine Einschränkung der Arbeit und der Löhne. Es war ein Zeichen des Erfolges, dass im Laufe des Jahres 1946 der Stand der Belegschaft auf etwa 150 Betriebsangehörige stieg. Im Jahre 1947 beschäftigte die v. Schierholz'sche Porzellanmanufaktur bereits wieder 160 Arbeiter und Angestellte. Die gesamte Belegschaft ist ohne Ausnahme im FDGB. organisiert. In sozialer und kultureller Hinsicht stehen die Leistungen der Firma wohl mit an erster Stelle. Es muss erwähnt werden, dass der Betriebsratsvorsitzende Waase mit seinen Betriebsrat vorbildlich alle Fäden einer gewerkschaftlichen und demokratischen Aufklärungsarbeit bei den Betriebsangehörigen in der Hand hat. Alle Mitarbeiter bemühen sich, in rastloser Arbeit praktische Vorschläge zur Verbesserung er Qualität sowie der gesamten Erzeugung in guter Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung durchzuführen.