Beyer & Bock Rudolstadt
Am 16. Mai 1853 schlossen in Volksstedt, zur altberühmten Stätte hochwertiger Porzellanerzeugung, die Porzellanmaler Ferdinand Beyer und Theodor Bock einen Kontrakt, nach dem sie sich auf Lebenszeit zum Betrieb einer Porzellanmalerei verbanden. Wenn diese zunächst bescheidene Gründung jeder der beiden Teilhaber schoss 200 Taler oder 50 Gulden als Geschäftsteil ein - schon in 50 Jahren zu einem Unternehmen wurde, das zeitweise bis zu 300 Angestellten und Arbeitern Unterhalt sicherte, so kann die Firma nun am 75 Jahrestage ihrer Gründung erst recht mit Stolz auf ihren Werdegang zurückblicken.
Eröffnet wurde der Malerbetrieb seinerzeit in dem Hause der Witwe des Schultheißen Schnapp in Volksstedt. Die zu dekorierende Ware wurde von den erst wenigen damals bestehenden Porzellanfabriken geliefert. Umsicht und Fleiß trugen bald gute Früchte. Beyer kaufte das staatliche Eckhaus Zum Anker und Bock ein gegenüberliegendes Eckhaus. Im Jahre 1869 konnte Ferdinand Beyer seinen Sohn Alfred mit in das Geschäft aufnehmen, den er durch Schulbesuch und Reisen eine gute kaufmännische und technische Grundlage hatte erwerben lassen. Enger noch wurde dieses Band der Geschäftsfreunde durch die Verheiratung Alfred Beyers mit einer Tochter Theodor Bocks, dem selbst männlichen Erben versagt verblieben.
Im Jahre 1890 ging dann die Firma dazu über, selbstständig Porzellan zu erzeugen. Auf schwarzer Flur wo heute die staatliche Porzellanfabrik steht, wurde der erste Porzellanofen errichtet. In den 90iger Jahren, die Deutschland allgemein einen starken industriellen Aufschwung brachten, gewann das Geschäft bei Beyer und Bock an Ausdehnung und Absatzgebieten. Das Jubiläumsjahr 1903 sah bereits 230 Angestellte und Arbeiter in dem ständig vergrösserten Betrieb tätig. Zwei Jahre später erstand das Kontorgebäude mit den Musterzimmer an der Strasse nach Schwarza.
Der Sohn des Kommerzienrats Alfred Beyer, L. Max Beyer, der 1904 die Prokura erhalten hatte, trat 1908 als Mitinhaber in die Firma ein. Ihm stand den gesteigerten Anforderungen des modernen Geschäftsbetriebes entsprechend auf mehrjährigen Reisen im europäischen und amerikanischen Ausland erworbenes Rüstzeug zur Verfügung. In den Jahren vor dem Krieg wurde mit 300 die höchste Angestellten und Arbeiterzahl erreicht. In der Hauptsache wurde, wie heute noch, Geschirrporzellan fabriziert, daneben auch Luxusware wie Vasen, Bonbonnieren u. dergl.
Unerschüttert in den Grundlagen, ging die Firma durch Kriegs- und Nachkriegszeit. Immerhin brachte auch ihr, wie so vielen anderen, die Inflationszeit, die Blütezeit der Schleuderkonkurrenz, einen gewissen Rückgang, so dass heute mit 225 Angestellten und Arbeitern der Vorkriegsstand noch nicht wieder erreicht ist. Dennoch ist es weder im inländischen Geschäft noch in dem weitreichenden Absatz im Ausland je zu ernsten Stockungen gekommen. Die ihrer Qualität wegen geschätzte Ware Beyer & Bock geht sowohl nach Skandinavien und Holland, als ständig auch nach Italien, England und Nord- und Südamerika.
Mehr noch als Hauptbuchzahlen vermag die Tatsache zu sprechen, dass in diesem aus schlichter Porzelliner Tradition herausgewachsen - nein, herausgearbeiteten Grossbetrieb stets ein fester und treuer Stamm von Mitarbeitern das Charakteristische gewesen ist. So hat der Maler Ernst Kohlstruck erst nach 65jähriger Tätigkeit für Beyer & Bock den Pinsel zu verdienter Ruhe aus der Hand gelegt; Obermaler Liebmann ist seit 41 Jahren und Porzellanmaler Max Lunderstedt seit 40 Jahren in der Fabrik tätig und konnte hierfür bei der Jubiläumsfeier gebührend geehrt werden. Nahezu 40 Jahre sind es auch, dass der Prokurist des Hauses, Richard Blechschmidt, Anteil hat am Wachsen und Gedeihen der Firma. 50 Werksangehörige hatten bereits schon das 50jährige Jubelfest mitzufeiern vermocht.
Noch nicht lange ist es her, dass der Senior Kommerzienrat Alfred Beyer, die Augen schloss, am 22. Oktober 1926. Er sah nicht nur das Aufblühen des Betriebes, er wertete in der Arbeit eines halben Jahrhunderts vorausschauend und führend aus, was der Vater ihm als Grundlage gegeben hatte. Er hinterliess in seinem Sohn auch einen Führer, in dessen Hand die Geschicke des Hauses Beyer & Boch auch weiterhin im Geiste der Gründer sicher geleitet werden und der sich auch im öffentlichen Leben in anerkennenswerter Weise betätigt. Seit langen Jahren ist er Mitglied des Aufsichtsrats des Verbandes Deutscher Porzellangeschirrfabrikanten, wie auch des Verbandes Deutscher Fabriken für Gebrauchs-, Zier- und Kunstporzellan Weimar; gleichfalls gehört er an dem Aufsichtsrat der Gewerbe- und Handelsbank e. G.m.b.H Rudolstadt, wie auch dem Kreisrat für Rudolstadt-Land als dessen Vorsitzender.
Beyer & Bock, Porzellanfabrik, Aktiengesellschaft
1943 Organe und Kapital der Gesellschaft Vorstand: Heinrich Grießhammer, Schwarza (Saale): Richard Agler, Rudolstadt. Aufsichtsrat: Gustav Grießhammer, Leipzig, Vorsitzer; Helene Grießhammer, Schwarza (Saale), stellv. Vorsitzer; Richard Lenz, Berlin-Charlottenburg; Max Deckwitz, Torgau; Fritz Ochs, Weiden Gewinn-Verwendung: Gemäß Aktiengesetz. Grundkapital: nom. RM 130.000,00 Stammaktien in 130 Stücken zu je RM 1.000,00 (Nr. 1-130). Großaktionär: Heinrich Grießhammer.
Zweck und Gegenstand des Unternehmens (Organe und Kapital der Gesellschaft)
Zweck: Erzeugung und Vertrieb von Porzellan und anderen Tonwaren sowie ähnlichen Waren. Haupterzeugnisse: Porzellan-Gebrauchsgeschirre. (Vorstand: Heinrich Grießhammer, Schwarza (Saale): Richard Agler, Rudolstadt. Aufsichtsrat: Gustav Grießhammer, Leipzig, Vorsitzer; Helene Grießhammer, Schwarza (Saale), stellv. Vorsitzer; Richard Lenz, Berlin-Charlottenburg; Max Deckwitz, Torgau; Fritz Ochs, Weiden Gewinn-Verwendung: Gemäß Aktiengesetz. Grundkapital: nom. RM 130.000,00 Stammaktien in 130 Stücken zu je RM 1.000,00 (Nr. 1-130). Großaktionär: Heinrich Grießhammer.)
Besitzverhältnisse (Organe und Kapital der Gesellschaft)
Anlagen: 5 Brennöfen, 2 Schmelzmuffeln. Sonstiger Besitz: l Villa, 2 Werkswohnhäuser. (Vorstand: Heinrich Grießhammer, Schwarza (Saale): Richard Agler, Rudolstadt. Aufsichtsrat: Gustav Grießhammer, Leipzig, Vorsitzer; Helene Grießhammer, Schwarza (Saale), stellv. Vorsitzer; Richard Lenz, Berlin-Charlottenburg; Max Deckwitz, Torgau; Fritz Ochs, Weiden Gewinn-Verwendung: Gemäß Aktiengesetz. Grundkapital: nom. RM 130.000,00 Stammaktien in 130 Stücken zu je RM 1.000,00 (Nr. 1-130). Großaktionär: Heinrich Grießhammer.)