Kunstabteilung Hutschenreuther

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Die Kunstabteilungen Lorenz Hutschenreuther und C.M. Hutschenreuther

In der vormaligen Porzellanfabrik Paul Müller war, wie bereits erwähnt, schon 1917 die Kunstabteilung der Lorenz Hutschenreuther A.G. ins Leben gerufen worden. Die seiner Zeit noch unter Paul Müller von Professor Fritz Klee, dem Leiter der Fachschule für Porzellanindustrie in Selb, erarbeitete Kollektion wurde 1918 noch vom damaligen Direktor der Kunstabteilung Emil Mundel, der Öffentlichkeit präsentiert. Es handelte sich im wesentlichen um kleinere Gefässe, Vasen, Schalen und kleine naturalistisch aufgefasste Tierplastiken, die mit einer stark farbigen Aufglasurbemalung versehen, zum Teil noch etwas unbeholfen wirkten. Ein Teil dieser Plastiken war unter der Leitung von Fachschullehrer Veit und Schülern der Fachschule modelliert worden.

Nach der 1919/1920 verfügten Verlegung in die Abteilung B leitete das Jahr 1922 einen bedeutenden Abschnitt in der Entwicklung ein: Die Bildhauer Karl Tutter und Carl Werner, letzterer als technischer Leiter, wurden mit der künstlerischen Betreuung der Abteilung betraut. Beide gelang es schon nach kurzer Zeit, deren Leistungsfähigkeit in Bezug auf Qualität und Quantität der hier erzeugten Artikel zu steigern.

Neben den meist barockisierenden Entwürfen von Karl Tutter bildeten die dem Naturalismus verhafteten Frauenakte und Pferdeplastiken Carl Werners eine gute Ergänzung. Trotzdem versäumten es beide nicht, auch freischaffende Künstler als Bildhauer für die Kunstabteilung zu gewinnen: Zunächst Krieger, Himmelstoss, Holzer, Heuler, Otto Haider, Voß und Fritz, später Börner, Seeger, Diller, aber auch Scheurich und Esser. Mit Scheurich und Esser zum Beispiel tauchten wie auch anderswo üblich hier Namen auf, die schon von den Manufakturen oder anderen Unternehmen her einen guten Klang hatten, Namen, die die Produktionspalette der Porzellanfabrik um gute Arbeiten zu bereichern versprachen.

1927 trat der Kunstmaler Julius von Guldbrandsen als Leiter der dekorativen Gestaltung in die Kunstabteilung ein. Ab 1924 war Max Pfeiffer, vormals Generaldirektor der staatlichen Manufaktur Meissen, als künstlerischer Berater für Lorenz Hutschenreuther tätig. Auf seine Initiative kamen die Verbindungen der Lorenz Hutschenreuther AG u.a. zu Scheurich, Esser, Börner und Nick zustande. Neben einer Reihe von Plastiken und z.T. sehr aufwendig gestalteten Zierartikeln entstanden in den Zwanziger Jahren grossformatige Prunkvasen, z.T. historisierenden Stils, zum Teil mit Art Deco Dekoration und entsprechenden plastischen Verzierungen.

Die Kunstabeilung der C.M. Hutschenreuther AG in Dresden war schon von ihrer Konzeption her anders gelagert. Neben Prunkvasen und Pokalen, die als Weißware in Hohenberg produziert wurden, wurden hier Ziergegenstände aller Art bis hin zum Wandteller vor allem aber die klassischen Hohenberger Service aufs reichlichste bemalt. Kombiniert mit Cobaltfonds oder/und Ätzgoldkanten aus der Porzellanfabrik C.M. Hohenberg entstanden hier dank eines hochqualifizierten Malerpersonals grossenteils hervorragende Bildmalereien: Kopien nach Originalentwerken der Galerien Europas, mythologische Bilder, historische Köpfe, Jagdszenen, Schlachtenbilder, Motive nach eingesandten Vorlagen. Ausserdem Hohenberger Kobalt gab es gestupte bzw. gespritzte Fondfarben in dunkelgrün, purpurgelb, blaugrün oder hellgrün, die z.B. auf den Fahnen der Teller aufgebracht, die gemalten Motive effektvoll einrahmten.

Die Dresdner Kunstabteilung lieferte seit 1921 vor allem in die USA und England, wo diese Porzellane sich äußerster Beliebtheit erfreuten. C.M. Hutschenreuther Luxusporzellane dieser Ausführung, so liess 1939 Wilhelm Vershofen die Leser seiner Jubiläumsschrift wissen, konnten jedenfalls den Vergleich „mit den berühmtesten Manufakturen im In- und Auslandes, so zum Beispiel mit Sevres“, einem zu dieser Zeit noch immer beliebten Vorbild ohne Mühe standhalten. Dekore, wie sie in Dresden entstanden, waren jedoch bei weitem zu hochwertig, um den Alltagstisch zu schmücken, den C.M. und Lorenz Hutschenreuther nach wie vor vom mittleren bis gehobenen Anspruch mit einer Vielzahl von Formen zu decken wussten.

[1] 175 Jahre Lorenz Hutschenreuther, Seite 66

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